Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 2.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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13 Fitetti», 3. Januar. (Or^Corr.) Sam tvfat will« —Bra, bm* „praktische« Judeuthum" ist, dam, braachru wir W ta fotbct: zur Ausgabe gelaugt« 18. Jahresbericht de« „Jüdischen Lurhospitals zu Lolberg" durchzuseh«. Mit «oßer Krmde ersehen »ir daraus. daZ sich die Auftakt van Jahr zu Jahr erweitert und die bei der Gründung im Luge - gehabt« Ziele immer mehr und mehr erfüllt. Wurde» dach » diesem Berivaltnngsjahre 114 (gegeu 110 im Borjahre) Person« aufgmommm. die kraul und fiech »areu und davon »urdeu 6 ) »l« geheilt und 43 al« gebessert entlaffea, «ub nur bei 2 Personen war die Xur ohne Erfolg. Wie Niel Leid und Lummer ist dadurch gestillt »ordeul Wie so «aucher Familienvater wag dadurch deu Seiniae» al« Ernährer erhalten geblieben sein, und wie so manch«» Lind, da« elend un'> hinfällig war. hat dadurch ueue Kräfte bekommen und ist jetzt wieder der muntere Liebling seiner Elter». Ganz unentgeltlich bekomme» alle Anfgenom- »ruen Obdach m»d Verpflegung, ärztlich« Behandlung und Arzneien, Bäder und zwar je uach^Borschrift de« Arztes entweder Saal» oder Seebäder. Alle möglichen Krankheiten waren vertreten und heimachsberechtigt waren die Patienten auf dir Provinzen Westpreuße», Schlesien, Posen, Pomwrru, Brandenburg, die Städte verliu und Hamburg und schließlich Mecklenburg - Schwerin. Außer dem schuldenfreien Grundstück mid dem Inventar hat da« Hospital jetzt rin Grundvermögen von 34 000 M., welche« zinstragend angelegt ist, möchte sich dasselbe doch bald jo vergrößern, daß die Zinsen alle n die sämmtlicheu Unkosten decken. Vorläufig ist aber die virwaltung noch auf die Unterstützungen, Liede«, gaben und B.'itrilge angewiesen und vielleicht tragen diese teilen dazu bd, daß sich recht Biele bewogen finden, durch "hlung eine,' jährlichen festen Summe Mitglied de« Hospital« zu werden. Nicht allein, daß er einer guten Sache dadurch dient, wer weiß auch, ob er nicht selbst einmal in die Lage komuien kann, für eine» seiner B^wandreu, Freunde und deren Bekannten da« Kurhospital in Anspruch zu nehmen. Oesfu« also Ü)eive milde Hand, Du freundlicher Leser oder .Leserin diese« Blatte«, sende»Dein Scherflrin ein und wirb der Anstalt »rittrc Freunde und Anhänger, Du thust dadurch ei» gute,» LSerk. Aie«Aaöeu» 3. Januar. (Or.-Cor.) Die moderne jüdische G-metade hat eine Reihe von Bedürfnissen erzeugt, „die die früheren »ich gekannt" und für deren Befriedigung ueue Vereine rimuhalb der Gemeinden erstanden sind. So »ar e« insbesondere die würdige Gestaltung de« Gotte»dienste«, für die i» den jüngsten Dezennien iu den aufftrrbenden Gemeinden sich neue vereine gebildeten haben. Auch die hiesige -sehr empvrblühende Gemeinde erfreut sich eine« solch« Verein«, de» Shnagogen-Gefang-Berein«, der nun schon auf ein Vinteljahrhundert seiner Wirksamkeit zurückdlickeu darf. An einem der jüngsten Samstage beging derselbe unter der lebhaften Theilnahme der Gemeinde sein Jubiläum. Beim Morgengottesdienste, wo die Stätte seine Thättgkeit mit Gnirlauden und Blumen sinnig geschmückt »ar, feierte Herr Rabbiner Dr. Sri berste in in sener Festpredigt die 'Verdienste, die sich der verein um die Hebung und Veredlung »userr« Gottesdienste« erworben, wie er der auch die Pflege 'der Geselligkeit iu den Kreis seiner Aufgaben gezogen, die Dvedrr der Genuinde auch menschlich emander nähergerückt und hob e« «»besondere aaerkennend hervor, wie der Ghuagogen - Grsaag - verein durch Veranstaltung populär» «tffeuschastlicher Vorträge sich zum Mittelpunkt de« geistigen Bedeus tuuerhalb unserer Gemeind« erhoben Hab« — ein dreifache« Band, do« sich niemal« löse« möge. — Die g«. festig« Feier, welche am Abeod tu de» prachtnolleu Räumen de« Hotel« Lictvria stattfaud, zeugte von dm tüchtig« Aräften, über die der verein verfüg« darf. Treffliche tu den« feiner Humor »te würdiger Ernst wech- »urdev geholte». Der Gemeiude-Borstoud, der dm zu-seiner Jubelfeier beglückwüuschte, theüte dem,elb« doch er tu Folg« der tu der henttg« Festpredigt von Her« Rabbiner Dr. Stlbersteta geqeb«« Anregung beschloss« habe, zur Ehre de« Tage« und zur bleibmd« Erinnerung au denselben eine jüdische Gemeindebibliothek zu begründen. — Mit Benugthunng darf die Gemeinde auf da« schöu verlebte Fest blick«. (Statt e« doch einem Beretue, der auch'.'über den «gen Kr ei« der Gemeinde hinaus sich Ansehen »erschafft, wie ihm auch die hohe Ehre zu Theil ge ward« ist. zweimal GesaugSauftührung« zu veranstalt«, den« da« eine Mal Kaiser Will-elm L, da« andere Mal der Liebling der deutsche« Nation, Friedrich, betgewohut Hab«. Mtttmund, 1. Januar. (Or.-Eorr.) E« wird gewiß manchen Solle rx und Leser d. Bl. tnteresfirm, wenn ich hier über eia« Borsall berichte, der sich dieser Tage in meiner Wohnung ereignete. Kommt da ein junger Mau» (Ehrist) zu mir und bittet mich; ihn Hebräisch zu lehren. Ich war natürlich über diese« Anfinnen erstaunt und fragte ihn. wozu er dessen bedürfe. Er antwortete: „Ich bin Viehhändler und da red« die jüdischen Händler oft Worte, die ich nicht verst he. deshalb möchte ich die Bedeutung derselb« gerne viffm. Ich will Ihre Bemühung gerne bezahlen; wa» Ihnen zukommt gebe ich Ihn«." Ich antwortete ihm, daß da« so leicht nicht ginge, da er erst die jüdischen Buchstabm lern« müsse und zeigte ihm dann eiu Gebeibuch. Er wandre tt nach allen Seiten hin und sagte schließlich: „Nein, da« kann ich nicht les«, daun wird e« wohl nicht nützen!" „Aber", begann er dann wieder, „dann möchte ich nur die jüdisch« Zahlen kenüen lernen, da» genügt mir." Ich zeigte ihm die Zahlen in hebräischrn Lette«. „Nein, da« kan» ich auch nicht lesen; siebt e« denn f«ine Bücher, in den« da« Hebräische mir dmtschen Lettern steht?" Ich erwiderte ihm, dergleichen Bücher gäbe e« vielleicht, diese wären aber gewiß sehr theuer. „Nun", sagte er «dlich, „versuch« Sie, mir ei« solche« kommen zu lassen, wa« e« kostet will ich ge« bezahlen, e« kommt mir garuicht darauf an; denn dann kann ich mehr verdienen und weiß, wa« die jüdischen Biehhändler bieten oder wa« da« Bieh ihnen kostet." Er verabschiedete sich daun von mir, bedankte sich höflich und versprach wiederzukommm, wenn da« verlangte Buq gekommen wäre. Man ersteht daran«, daß es wohl angebracht wäre, w«u die jüdischen Viehhändler in Gegenwart der christl. sich nur iu deutscher Sprache unterhielten. Heß, Lehrer. Oefterretch-Umgar«. Mir». Am 1. Januar erschien eine Deputatton der hies. Cultusgemeinde beim Bürgermeister Uhl, die nächst ihren Glückwünschen zum Jahreswechsel auch die Bitte aussprach, der Herr Bürgermeister möge in seiner Wirkungssphäre die Judenschaft vor Ausschreitungen und Jnvecttven seitens der Anttsemiten in Schutz nehmen, da ja doch denselben durch die bestehenden Gesetze die gleichen Rechte mit allen andern Staatsbürgern gewährte stet seien. Der Herr Bürgermeister erwiderte, er habe durch sein ganzes Leb« bewiesen, daß er Jedermann, ob arm, ob reich, ob Christ oder Jude, die ihm gebührende Werthschätzung entgcgmgegebracht habe, er werde, soweit es in seiner Macht steht, jeden ungerechtfertigten, zu Haß und Zwietracht Anlaß gebend« Angriff auf gesetzlich anerkannte Religionsgenossenschaftm, also auch aus die Juden, energisch zurückweisen. — Diese Versicherung wirkte beruhig«» auf die Erschien««; der Erfolg jedoch wird sich erst später zeig«. Frawkreich. ) 3k«ri». I« ihrer Sitzung vom 0. Deeember genehmigt« die Kammer die Lredtte für deu jüdisch« Cult»« und zwar für ta* Personal 188,900 Fr., für da« Seminar 22,000 Fr„ für Luchrudanten de« jüdisch« und protestantischen Cultns 40.000 Fr. Ei» Abgeordneter aus de» Departe- »ent «1» l’Aimi*, der bereits mit seine» Anträge für dt«