Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 2.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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dir Dauer nicht «tratheu. Da aber i» dieser Bmfthnng eine weise Beschränkung uoth thut, so wurde da» Ameude- «eut zum ketr. - de« Statut« augcuommeu. daß der Eeutral» ausschuß vorher darüber zu beschließru habe, welche derartige Gegeustäude zur Berhaubluug i» öffentlicher oder »ichtöffmtlicher Sitzung der Generalversammlung geeignet sein». Auch Referate über die religiöseu und sittliche« Mißstikude der Juden im Allgemein« uud in eiuzelueu Ländern und Provinz«» au der Haud der Statistik hielt der Teutral» aulschuß für geeignet zur Lerhaudluug auf den Berbauds« tage». Wir dürfe» unsere Augen vor so maucheu Schäden und Mängeln innerhalb der Judmheit nicht verschließen, sondern wüsten sie untersuchen und auf Hellmittel bedacht sei». — Der Ausschuß will dämm auch die Adfaffuug uud Verbreitung populärer Broschürm über diverse da« Juden» thum berührend« Zeitstag« veranlass«. Ein Antrag über die Stellung de- Rabbiuerverbaude« zum deotsch >i«raelitischm Gemeindebuode konnte der vorge» rückten Zell wegen diesmal nicht zur Berathuug gelaug« und wurde für die nächste Sitzung vertagt. — Fitt die diesjährige Rabbiuerversammluug (zum Beginn oder Schluß der großen Sommerferim) wurden die Städte Magdeburg, Leipzig oder Cassel in Ausficht genommen. Nachdem der Laffmbericht erstatttt worden uud der Stand der Laste den Beschluß gestattete, daß pro 1888 die JahreSbeittäge nicht zu erheben seim — die bereit« «gegangenen »oerdeu auf 1889 überttagm — schloß der Vorsitzende (Herr Rabbiner Dr. I e S l) die Sitzung, der auch mehrere zufällig in Berlin anwesende Rabbiner (aus Dresden, Nordhausm, Reichenberg u. a.) als Gäste vorübergehend beiwohnten. Einer Ginladung de« Herrn Rabbiu«« Dr. Uugerleid« folgend, »«brachtm die Mitglieder in deffen gastfreundlichem Hause deu Avend in angmehmst« Unterhaltung an der reichhaltigen Tafel ordnung, welche die liebenswürdige Wirthiu ausgestellt hatte. Zgerki», den 31. Dezember. Der Selbstmord hat unter Judm in beklagen swetthem Umfange Platz gegriffen. Fast jede Woche fordert ein jüdisches Opfer für dm alles ver» giftend«, Materialismus, der gerade bei »ms weite Kreise «griffm hat, daß wir mit wahr« Schm in die Zukunft blickm müffm und uns kein anderer Trost für diese öde Erscheinungm übrig bleibt, al» daß wir uns sagen, dermaßm überspannt« Zuständm werde endlich eine Reaction mll Natumochwendigkctt folgen müssen. Die Zahl der Selbstmorde unter »nS hat bereits da« Berhältuiß zu den Selbstmordfällen der Bevölkemng bei »ettem überschritte». Auch daS ist eia Thermometer für die angeblichm Reichthümer der Juden, von deum doch our Einzelne ein größeres Bermögm zusammeugeschweißt haben, wa« indeß den GlaubenSgenoffm in keiner Weise zu Gute kommt, vielmehr durch Au«ttllt der Srösuffe au« dem Jadmthnme oder durch Mischehe eine nichts wmiger al« die Roth der Judm liudemd« Verwendung findet. Soebm erregt wieder der Selbstmord eine« als sehr ehrenhaft bekannt« jüdischm Kaufmann» große« Aufsehen. Her: 8. befand sich im 36. Leben«jahre uud war Junggeselle. In der Stacht vom DonuerStag auf Frettag hat er sediem Leb« durch Erschießen ein End« gemacht. Erst kürzlich hatte derselbe ein Wäsche-Exportgeschäft eingerichtet, da« nicht ohue Aussicht auf flott« Betrieb war. lieber die Motive der Thal hör« wir, daß unerfüllte Hoffnung« in Bezug auf eiu HeirathSprojeft uud getäuschtt Pftb« die Beranlaffaug zu SchwermuthSaufäll« 8. gewcfm fei» dürste». Am erst« WeihuachtStage erhielt er eia« Brief seiner jüngst« Schwester, worin chm diese ihre Verlobung auzeigte. Der Uukftaud, daß nunmehr alle sei« Geschwister verheirathet war« — eia Glück» welche« nach sei»« gescheitert« Lebeu-Hosfunugm er für stch nieaal« nwtzr erblich» sah» — schtt« i» de» Unglücklich» d» üiutsthlnfi P»m Selbstmord gereist z» Hab». zterü», 6. Januar. (Or.-Eorr.) Ei» .Herr, von Ge» burt Oesterreicher, macht hier in dm bttheilia!« Fachkreis» als tdeemreicher Erfinder bmreifliche« Aufsehen. Derselbe ist zur Realisirung seiner Erfindung«, di« ftdj auf fast alle Gebiete der Technll und Mechanik erstieck« und von den» einige bereits das dmtsch« Reichspatmt erhalten Hab«, «ach der nordisch« Reichshauptftadt gekommen, N o er wohl die erwünschte Unterstützung bei der AuSführuni seines Bor- Habens find« wird. Zunächst ist es eine sinnreiche Verbesserung eines musikalisch« TattapparatS, au.dem der sehr orthodox« Neigung« huldigmde Herr unal'lässig arbeitet und auf best« endgültige AuSfühmng man sehr gespannt ist. DaS Eismbahnwesm wie das Telephon, elektrische Apparate ebmso wie die Uhr, der Brückenbau wie die mode«« Beleuchtungswerke find die Obj>^te, für die der unermüdlich forschmde Gelehrte bedeutsame Berbesterungmund Ergänzung« in seiner gewichtigm ArbeitSmappe bereit lieg« hat und die nur des Augenblicks harren, der sie der Wat erschließ« soll. Ein Eonsortium namhafter Finanzkräste ist, wie mir der bescheidene Gelehrte mitthellte, bereits zusammengetretm, um die praktische Berwerthung seiner Erfindung« zu bewirken. Der Kaiserliche Regierungsrath Loewenherz, Director des AichungKamtes und 2. Direltor d«j physikalischtechnischen Reuhsinstituts hat sich in Uebereinstimmung mit anderen Physikern sehr anerkennmd und belobigmd über dieselben ausgesprochen, so daß man v>ohl aüi das Gewicht so bedeutender Autorität« hin sehr bedeutsamer Umwälzungen auf mehr als einem JnSustrieziveig gewärtig sein muß. Es gereicht zu besonderer Befriedigung, die überau» strenge religiöse Praxis, wie den toleimnt« und humaa« Sinn, die der gelehrte Herr in selten hohem Maße verbindet. constatirm zu dürseu. Derselbe stt auch von emtnenter talmudischer Gelehrsamkeit und vereint,t damit ein« auf alle Gebiete der. hebräisch« Litteratur ausgedchute Belrsmhest. Ja der aufreibend« Thätigknt, mll der der gelehrte Man» seine fachwiss-nschastlich« Arbeit« verfolgt, v«rgißt er seine leiblich« Bedürfaiffe vollststndig dergchilt, daß rf gar k.tne Selttnhest stt. daß er abends, durch «ine laute und eroste Mahnung de« Magen« veranlaßt, sich eriuaert. noch kein» Morgenimbiß eingenommen zu Hab«, w Ihrer d er mit der Zeit in einer Weise geizt, daß er in der Woche wohl was 24 ständige Arbe'tstage hat. Ein«, solchen Rormaiarbens« tage gegmüber, dem auch der riesigste Körper nus die Dauer nicht gewachsen sein kann, wftd man sich nicht wunde» dürfm, wmn der Forscher sich frühzrriig aufttibr. Ich habe noch kein« Mmichen grseb«, der in ähnlicher Weis« so dm billigst« Aasprüchm körplrlicher Pflege uud Bequemlichkeit Hohn sprach und der von solcher Freude an der Arbeit uud dem Such« nach Wahrhell erfüllt war. Der kategorische Imperativ vermag wahrlich viel; hier hat er ein« Maua zu hoher Stufe der Bollkvmmeahell hinangeführt, auf welcher der Herr wicht wünscht, au« seiner bescheid«« Lebensstellung herauSzutretm und der Welt sein« R'M« bekannt zu mach«. Merk«, 30. Deeember. In b« Mauer» Berlin« befind« sich iusgesammt 20 Syaagog«, von den« nur zwei . über 1000 Person» fast«. Ille zusammen btettu Rau» für 8000 Mäuuer uud Fraura. Dieser Zahl steht eine jüd. Beovlkeruug von 70—75 000 gegeuüber. Religio»«schulm girbt es 9, die vou 1!t00 Schüft» betucht »erb«, 1000 Schüftr uud Schülerin,«, zähst dft Gemeiubeeftmeararschuft. 2200 ^uießeu als» Reltgio»«- «werricht, während 11500 jüd. Schüftr uud Schülerin»» gezähst wurde», e« bfttb» demnach rund 9000 chuldesuchende '-Softer, Me de» Rrligian-nnterricht« «vtdetzr», Ms» 85 pGt; <