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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 1. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 1.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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«eitert, daß er sich znr Aufgabe «achte, auch da» Ha»d- »erk Meter de» Juden soweit al« möglich zu fördern, durch «oralische und materielle Mittel zur Erlernung uud Betreibung desselben aufz-mnuter»; dieses, ei» höchst zeitgemäße« Bestreben, mutzte die Sywpach'eu uud deu Beifall eine« Jede» st'deu. Galt es doch, herrschend« Boruriheile zu zerstreuen Uebelwollende zu eutwasfneu uud Uebelberathen« unter unseren eigenen Glaubensgenoffen eines Besseren zu belehren, ihneu die Ueberzeuguug beizubriogen, daß das Hand» »erk noch seht einen goldenen Boden hat, auf «elchem jeder solid« Arbeiter sein Lebe» begründen und der geschiekte und intelligente sich zur Wohlhabenheit aufschwingen kann. Nur die Unkeontniß oder Feindseligkeit werden deu jüdischen Stamm oder srine Religion für die Thatsache verantwortlich machen, daß unter unseren Glaubensgenossen das Haudwerk in ver» hältuißmätzig schwachem Maße vrtretrn ist. Jeder uur einige, maßen Kundige weiß, daß nur die Ungunst der Zeiteu. der vielhundeetjährige Druck, der auf unserem Bolle lastete, der es oou allen Erwerbszweigen ausschloß und nur den .Handel" ihm offen ließ, schuld ist. Die Heilung eiue« so alten, wenn auch nicht »elbstverschuldeteu Uebel« kann uur laugsan von statten gehe». Inwieweit es dem erwch»teu Bereiue gelungen, seine Wirksamkeit eutfalteu uud seiue schönen Ziele verfolgen zu können, ersehen wir aus dem uud vorliegenden Berichte. Wir entnehmen demselben, daß allein in deu letzten drei Jahreu 17 Lehrlinge zum Theil untergedracht und alle durch Kleidungsstücke, einige auch durch Lehrgel» unterstützt wurden. Bou ihneu habe» -sich 4 der Bäckerei, 3 der Buchbinderei, 2 dem Schneider-, 1 dem Schuhmacher-, 2 dem Klempner- und '2 dem Austreicherhavdwerk gewidmet, während 1 als Bildhauer. 1 als Mufti rzeichu:r und 1 als Gärtner sich ausbildee. Außerdem wmden noch Nähmaschinen au Räheriuueu gegeben, die durch ihrer Hände Arbeit zur Unterhaltung ihrer Familie wesentlich beitrage»:. — Was die Leistungen für das Schulwesen betrifft, so ist auch hierin der Bereiu seiner Aufgabe gerecht gewordeu. Aerwereu Geaeiudeu werden iveseotliche Zuschüffe jguu Lehrergehalt geleistet. Auch wurde e»uem Meister ein zinsfreies Darlehu von 300 Mark gewährt. Trotz der hohen Anforderungeu war es doch möglich, im Laufe der Jahre emea Reseroefood von 1538 Mark zu gründen, der der städtischen Sparkaffe übergeben ist. — Bei solch' schönem Wirten uud solch' reiche» Erfolgeu sei es de» Bereiu vergönnt. weiter segensreich zu schaffe» au der edlen Aufgabe; er verdient das wärmste Jutereffe aller Gemeiudeu i» unserem Sprengel und die allseitige Unterstütz«»« vou Seit«, unserer Glaubensgenossen. Moppst adle» a. d. Nahe. 28. December. (Or.-Lorr.) Am 28. ».»!> 26. d. M. hatte» wir hier eine kleine Bezirkscouferenz jüdischer Lehrer. Wem, auch die Anzahl der Theil- »ehmer nur eine genüge, so wäre» doch die Verhandlungen so amegeut und interessant, daß wir mit außerordeutlicher Befriedigung darauf zurückblickeu dürfen. Herr Sender-Tholey legte der Bersammluug eine Reih« vou Hefte» vor, euthalteud Borschrifteu für den systematischeu Unterricht im Schreibe» der hebräischen Quadrat- und Larrentschrift. Bei aller Würdigung iudeffe». die mau differ vorlrefflichm Arbeit zu Theil werden ließ, kouute mau fich doch der Aaficht nicht verschließe», daß der fragliche Uruerrtchtsgegenstaud so leicht uud schnei erlernbar sei, daß «s kaum eines besoadereu Apparates bedürfe. — Den zweite, Gegenstand der Tagrsorduuug bildete ei» eingehender Bortrag des Herr» B»»«-Sötern über Lhew» n»-Wesen und Schinr-Lernen. A» der lebhaft«, Debatte, die sich anschloß, betheUigte» fich nicht bloß die Lehrer, sondern »mH die zahlreich erschienenen Mitglieder der hiefigeu Gemeinde, »eiche i» ihrer gastliche» Weise »us aufgeuommea »»d durch ihre» erste» Vorsteher, Herr» E. Weil, begrüßt hatte. Am ziveite» Tage beschäftigt« »»« der vom Eiuseudereisarbrachte Vorschlag: .Die »achbiblffche Geschichte der Jude» nicht gesondert, sondern ha Rahme» der allgemeine». Geschichte zu behandeln." Herr Laudesrabbtuer Dr. Gold schmidt von hier, der fich beide Tag« in eingeheu''ster Weise an de« Berathunge» betheil'gte, Hot fleh um den befriedigende» Berte uf der Ber» sammlung so »erdintt gemacht, daß wir ihm za wirklichem Danke verpflichtet fiud. Wenn es gelänge, i» den verschiedenen Brzirkeu solche kleiner:» Bersammluuge» — deren Kosten ja nicht so erheblich fiud — zusammeuzubriugen, so wü de gerade hieraus, wie ich fest überzeugt bin, deu grSßeren Bersammlungeu und der Gesammlheit nst der rechte Gewinn erwachsen. F. Ep gftetn. ztekgrad, 27. December. (Or.-Lorr.) E« wird wohl den Lesern diese« Blatte« bekannt sein, daß unter alle» ne» eutstaudeneu Balkanstaaten Serbien der erste war, der loyal und ohne jeden Hintergedanken jene Bestimmung des Berliner Bertrages dorchgeführt, welcher die Gleichberechtigung aller Lonfesfionen ausspricht. Scho» früher habe» die leitenden Staatsmänner Serbien« eingesehen, daß es eine Anomalie sei. den einheimischen Israeliten gewiffe politische und commercielle Rechte za verweige:rn, während fremdländische Juden Kraft verschiedener Hnudeltverträge jene Rechte genossen habe». Es kam sehr »ft vor. daß Israeliten, um Placker.ien zu entgehen, einfach unter de» Schutz anderer Staaten traten. Die Regierung hat also die Gleichberechtigung der Israeliten accepti t, wie es seiner Zeit eia fü> stlicher (Serbien war damals uoch Hürstenthum) Mas ausgesproche» hatte. Nun ioooloirt aber die« eiue Verfassungsänderung, welche vorzuuehmen uur di« große .Skupstina" (Loostituaute) vorzumhmen berechtigt ist. Aus politischen G.-finden wurde eiue solehe Skupstina bis jetzt «ich, einberufea, i» Folge deffen die Gleichberechtigung der Serbischen Israeliten nicht ganz loyal war. Judeß haben die Jade» stillschweigend alle Rechte genossen, namentlich haben fich auf dem Laude einige Gemeinde» gebildet, was früher nicht gestattet war. (Im Jauern Serbiens durften nämlich Israeliten -uicht wohnen.) Auch waren Judu in die kleine Skupstina gewählt. Seit Jahreu sitzeu auch im Gemeiuderath von Belgrad zwei Israeliten. Die neue Verfassung, welche nun der für heute zusammengerufeneu großen Skupstiaa vorgelegl werden soll, . enthält di« loyale Bestälizuog der Gleichberechtigung aller Lonfesfionen. Da bisher kein Widerspruch gegen diese Be« stimnuluq der Verfassung verlautbart wurde und es höchst wahrscheinlich zu keiner Debatte über die einzelne» Grundsätze der LoostitMiou kommen wird, so seheiut es gewiß, daß jener Grundsatz, der die Gletchberechtigaag sämmtiicher Lonfesfionen aurspncht, ohne Widerspruch wird emgeuomme» werden. Uebrigeus haben auch die Jude» bei den Wahlen für die große Stupstiua mitgestimmt. I« Belgrad hat auch eiue Partei eiue» Juden als Laudidate» a»fg «stellt. Judeß .. ist düse Partei mit ihrer Laudidatenliste d irchgefalleu, da selbst die Jude« m Berückfichtiguug der obwalleade» Umstände für die Gegenpattei gestimmt haben. ' Bei dieser Gelegenheit will ich »och beuierke», daß die Toleranz gege» die Israeliten wirklich feste Wurzel gefaßt, wofür die Geistlichkeit das höchste Lob verdient. Seite»« der Serbffche» Geistlichkeit wird der religiöse Fried« tu Wort ststd Schrift gepredigt. Denselben Juteutime» entspricht auch dir Regierung. Der gegenwärtig «ntireud« Minister für Lnltns- «ud Unterrichls-Augelegenheiten, Dr. Wlada» Georgerich. äußerte gelegentlich in einem Grspräehe mit hiesigen Oberrabbiner: »Ich bi» nicht »irr Unterrichts« sonder» auch Lultnsmiuister; ich will folglich dafür ~ tragen, daß keine Lonfesfion in ihren Rechte» verletzt i Dieses Prtncip wird auch treulich diirchgesührt. wird alles vermiede», was das religiös« Befühl der ~ verletze» würde. Ju der Bolksschale find die Mische» ' 4 ■jS werde:'

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