Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 1.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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■amt wurde«; ein« Ehre, der »m so mehr vervftnsft ga . Grind« liegen wüsten, »ttl sie eine« Jade» erwiesen wurde. Die Wahl de» Herrn Dr. Läwenberg, der, beilänfiq gesagt, «itqegm andern, so hob«, zumal Staattzftellungen einnehmenden Persvnlickkeiteu ei» treuer Anhänger seine« väterliche» Glauben« ist, ist auch darum besonder« bemerken«- werth, weil seine Ernennung auf keinen Geringeren al» aus de» Fürsten Bi«ma'ck zurückzuführen sein soll. Koölenz, 1. Ja». Ich hatte nicht die Absicht, da« Resultat der hirfige« Verhandlung wegeu der Lommunalfteuer.Ermäßigung für die jüdischen Beamtm zu — veröffentlichen; schon einmal hat die Herbeizirhung der Oeffenttichkeit schädliche Folgen gehabt, die ich dir«mal gern »erwirderi hät le. Da» Gefühl der Solidarität hätte mich — »ach der »Zurückhaltung* der anderen Beamten und Gemeinden bei der Petttion au da« Abgeordnetenhau« — dazu nicht wehr veranlaßt, allein die Hbflichkeit verbietet mir, die direkte Interpellation de« Herrn uo - Eorretpoadeoteu in Rr. 62 t«r »J«r. Wochen schr." unbeantwortet zu lassen. Zunächst erlaube ich mir, einen Jrrthum de« bete. Herrn zu berichtigen: Die Bemühung de« Herrn Buchhalter« dei der Stettiner Laufmonnschaft bezweckte nicht eine Befreiung von den Lommunalsteuern — denn eine solche genießen nur die christlichen Geistlichen' und Elementarlehrer —, sondern die Gewähr der für die Beamte« maßgebrnbea Privilegien der Besteuerung «ur von der Hälft e de« Gehalt«. Petitionen um gänzliche Befreiung der jüdische» Beamten fir>d — nachdem die kvuigl. Regierungen di« Zuläsfigkeit entschieden verneint haben — al« au»ficht«lo« zu vermeiden, und e« muß abgewartet werden, bi« da« Ministerium «ine entsprechende Vorlage al« »Material für die künftige Grsetzgedung* — so lautete der Vorschlag der Pettttou<«Eommisston auf di« Petttion der zehn Gemeinden — fertig,zestrllt haben wird. Ich begnügte mich, um nicht mit Windmühlen zu kämpfen, für Rabbiner und Lehrer obenerwähnte« Prioilegium der Besteuern»- von der Hälfte de« G.halt« zu erlangen, und da« ist mir auch gelungen; «d die Regierung nicht abermal« einen Strich durch di« Rechnung machen wird, muh die Zuknust lehren, ich glaub« e« aber nicht. Arenäsnrt a. M. Da« orthodoxe Judenthum in Deutschland hat seinen hervorragendsten, geistvollsten, schriststellerisch ihättqsten und begabtesten Borlämpfer und Führer «er» lorra: Sa mson Raphae l Hirsch ist am Morgen d,« letzt«n Toge« de« Jahre« 1888 «n hohem Greisenalier (im 81. Leber «jahrrj zum ewigen Leben eingraangen. Wir geben i» Nachfolgend n den Bericht de« 8..Eorrespo»denten der »Franksui ter Zeitung* unverkürzt wieder, weil derselbe nicht« entdält, dem wir nicht ebenfoll« zustimmen könnt,». Unsere »Wachens,hrlst* hat zwar oft Gelegenheit «evabt und genommen. dir Richtung de« verstorbenen, di« Starrl)«it seine« System«, die von ihm au«gegebeue, auf Trennung von der Bemeind« und Bildung von Separatg einem den abzielend« aus'« schärfste al« der Jadenheft gefährlich zu det. aber de« bedeutenden, philosophisch vurchgebildeten jüd. Gelehrten zollt« sie die größte Hochachtung, dem reinen ttsmsesiea Charakter oft staunende Bewunderung. — Der Bericht laut«: »Samson Raphael Hirsch war i» Jahr« 1808 zu Hamburg geboren, von seinen Eltern wurde er für de» Kaufmauntzstand bestimmt; doch sei» idealer Sinn hielt ihn nicht laug« tu dieser Bahn, er gab seine Lehrldig«- stelle bald ans, trat in da« Gymnasium ein und beschloß t» 21. Lebeuöjahre sein« Uuiversttättstudien in Bon». Rach Einander dekretdeft er al«oanu da» Rabbinat in Emden, Oldenburg uud R«kol»burg, von wo an« er i« Jahre 18)1, al« die hüsige isr. Rrligtonägrsellschast sich ^""!t taue, z» deren Rabbiner bernfe» wurde. Sei« billftt ein« Mitkftttu in der Geschischte der religiösen ans de« Boden de« Judenthum«; seine geistvolle« Schriften, «ft denen er di« Reform bekämpfte und für da« oltglänbige 3«*ctitlaa eftttrat. die durch Scharfsinn sowohl »ft durch - länzende Dcktto« stch »»«zeichneten, hatten ihm schon al« jungen 21 jährige« Mann «neu Ruf durch Deutschland nnd noch darüber hinan« erworben und ihn zu einem gefürchteten Gegner der Reform gemacht, dft bei aller Gegnerschaft ihm jedoch nicht die Hochachtung versagen koanft, dft der ehrliche und konsequente Kämpfer auch de« entschiedensten Gegner adnöthigt. In den 37 Jahren sttaer hiesige« Wirksamkeit, die für die Au«führung seiner Pläne ein opferwillige« Publikum fand, da« durch de» verstorbene» hinreißende Beredsamkeit, durch deffe« Energie, besten unermüdlich« Arbeit«! oft und Pflichttreue zu immer größerer Opferwilligkeit angespornt wurde, leisteter Großarttge«. Er rief eine Schule in« liebe», die sich den mustergiltige» Unterricht«austalten hirfigrr Stadt al« glttchwerthig an dft Seite stellen darf, und di« Grmeindeiuftitutioae« erfreuen fich hier und auäwärt« eine« anerkannten Rufe«. Bi« in seine letzten Tage waltete er treu seine« Amte« — «och vor vier Wochen predigte er — bi« riu« Krankheit, an welcher er schon früher mehrmal» litt ihn wieder packte, der di« Kräfft de« 81 jährigen Greise« keinen Widerstand mehr leiste» lounteu. Bei einem Eharakter, wie der de« verstorbene«, der in seinem langen Leben keine Wandlungen aufwrift, der mit ttserner Eoaiequenr sein Ideal verfolgft und unbeugsam nicht« von B rmittelangen und Loueesftonea wissen wollte, ist e« nicht zu verwunden«, daß sein Wirken auch eine stattliche Anzahl Gegner fand, aber ebenso sicher ist e« auch, baßer unter,diesen Gegner» keine Feinde hinterlaßt. (Wahr» lich nicht! 'Reo. der..J«r. Woinakchrift'.) — 2. Januar. Gestern Bormittag fand unter großer Betheiligung die Beerdigung de« Rabbiner« S. R. Hirsch statt. Dem Leichenwagen folgten nach den Familiengliedera dft Schüler brr Realschule der dett. Gemeind« nebst de« ganzen Lehrerkollegium, hierauf die Rabbiner au««ärtiger Gemeinden nnd deren Deputationen, woran stch dann da« übrige Leicheng« folge, da« au« Mitgliederu aller Rtchtuageu bestand, anschlc^. Auf lim Friedhöfe sprach zuerst Herr Dir. Dr. Hirsch (Sohn de« verstorbenen) Namen« der Gemeinde, dann He r Raid. Dr. Guggenheim (Schwiegersohn de« verstorbene«) au« Kolliu. hierauf Dr. med. Hirsch (sohn) Namen» der Familie, dann Herr Robb. Dr. Ehr manu (Schüler d. B.) au« Baden (Schweiz). Kerner sprachen Herr B. R oo« im Namen der Verwaltung, dann Herr Rabd.»üfleffor Posen, Herr Dr. Sulzbach im Namen der Schule, Herr H. Guggenheim Nameu« der Beerdigungöbrüderschafteu, Herr Rabb. Dr. I. Hil de«heimer Nomen« der Berliner Religi usgejellschaft, Herr R,db. Dr. Lehmann au« Mainz, uud im Name» de« Hamburger Synagogeaverdaude« der dortige Radbiuat«» verwes« Hrr Dr. Nathan. — Allgemeine Verwunderung «eregft e«. daß ittner der Frankfurter Radbiuee au der Bahre ih e« Kollege« zu Worte kam. Krefeld, 24. December. (Or.-Eorr.) I» jüngster Zeit erschft» der Bericht einet tu unserer Gemeind« bestehende», von dem Herrn Oberrabbiuer Dr. Horowitz gegründeten Verein« .Zur Förderung de« Schnlwesen« und de« Handwerk« unter dru Israeliten de« Radbinatä-Spreuge!« Lreselb*, der lauft« Zrugniß abgiebt von der rege» und emsigen Lhättgkett, dft dieser Verein entfaltet nnd zwar in seine» abfichtllch eu,gezogene» Grenze»; wett, wft in de» genaanteu Berichte uachgrwiese» oft», dft auf wettere Gebiete fich erstreckenden Vereine rrsahinurgsgemäß schwerfälliger uud kost« spieligrr arbeiten. Geaa unter Verein hatte ursprünglich de» Zweck, da» jüd. Schulwesen im Sprengel zu heben und zwar dadurch, daß dft kleineren G««eiudeu tat den Staad gesetzt «ürdeu, chrer Schuljugend «ine» genügende» Religion«« unterricht ertheileu laste» zu könne». Doch von de« schöne« A»«spr»ch« unserer Setstu au«gehend: »Schön ist da« Studium der Religio», verbunden «ft eine« würdige» Lebenöbernse*, wnrd« der Zweck de« Verein« noch dahin er-