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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 1. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 1.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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mm Ctaouitab dmr Schnlbefnch frei. In rinnt Ctrirt» •irrtet, mm Me jüd. Schüler bte überwie-nde Mehrzahl bUben, wirb «m ©ottnabenb überhaupt feine Schule ab« gehalten. Der Staat leistet auch eine Subvention au die, jüd Gemeinde kür Befoldmt« de« Rabbiner«; eine Zeit lau«' »urde sogar die Stadtzemrinde augehaUeu, die Schichter her jüd. Gemeinde 'zu bezahlen. Vkußlaud. $1(01. Der »Hameliz' vom 14. Tebeh — 18. Dezember bringt einen ausführlichen Nekrolog über den jüngst verstorbenen Odefsaer Oberrabbiner Dr. Simon Arjeh Schwabacher, dem wir Folgende« entnehmen: Derselbe war im Schwabenlande geboren, erwarb sich schon in früher Jugend di, Rabbinerwürde und promovirte später, nachdem er seine Studien an der Universität Tübingen beendet hatte, als Dr. der Philosophie. Sein bedentende« Rednertalent, durch wriäKs er Me Zuhörer au« allen Lonsesstonea zu fesseln verstand, erwarb ihm bald ein«n Weltruf. Nachdem er al« Rabbiner und Prediger in einigen kleineren G me'nden Perus,eu« ir-d später al« Prediger in Lemberg gewirkt hrtte, »achte er 1889 eine L'bereise nach Odessa. Die große jüdische Gemeinde daselbst bestmd au» Anhängen der v-r« schiedensten .relig üsen Rchfttngen. die au« Littrn n, Palen, Galizien u s. n. hier zusammen st'ömtea und nur in ge« schäftlicher Bqiebung zu einander in Berührung traten. D»s Vebürfniß eine« gersllichen Oberhauptes zur Einigung di ser verschieden,irtigen Elemente, welche der zeitige gelehne und fromme Rabbiner nicht zu erzielen verstand, machte sich immer sühlliarer und wurde nach kurzen Borberathung«n Dr. Schwabacher mit Genehmigung der Kiisrrlichea Regierung zu« Oberrabbiner und Prediger der Gemeinde ernannt. Seine Rede bei der Einweihung d»r n-uen Synagoge o» 10. Llul 1889 batte ihm wie im Sturme «Her Herzen erobert und am 28, Der. 1860 trat er jene neu: Stellung an. Die Zwistigkeiten unter den Parteien in der Gemri'de. die jeder Organisation mtbehrtea. verfehlten nicht, auf den friedliebenten Mann einen peinlichen Eindruck zu «nahen; jedoch gelang e» ihm bald, dieselben beizulegen, d«a Frieden herzustelleo und die G mrinde zu einer Mustergemeinde in Israel zu gestalten. Seiner Anregung verdankten bald viele Dohlthätigkeiisinftalten, als da« Alteuasy', da» Laiienhau« u. s. w. ihf Entstehen. Der Gouverneur von Rmrußlaad und Serbien, GeneralKotzedne, eikanmen b,ld die Berdienste. welche Dr. Sch. sich um die jüdische Bevtlkeruig ermorden hotte und ercheilte ihm versch«edene ehrenvoue Aufträge. 1861 nnt 62 wurden unter seine« Borsitze die Sraiuteu für Me Wrh'thätigkeitsaustalteu in Lhersoa berathen uu» ent- »orfeu. 1888 beschenkte der Kaiser ihn für die beim Ich-eifeste der Thronbesteigung gehaltene Siebe mit einem (oftbaren Diamantnoge. Den SriO« für diese und andere, gedruckte Reden verwendete Dr. Sch. zur Unterstützung der Wi»wm der i» Kampfe gegen die Polen gefallenen Krieger. 1868 erhielt er den Stani«lan«orden HL SL 2866—68 wurden ihm für seine Bemühung« um da« Gemeinde- und Barerlandswohl verschiedene Auszeichnung« zu theil; unter andem der Annenorden UL EL 1883 beehr» ihn der Kaiser mit einem Dankschreib« für seine litterarischcn Erzeugnisse. Diese Auszeichnungen.steigert« sein Ansehen au<h tu d« Avg« ferner früher« Gegner, die ihn fori an mtt Lhrenbe- «igungm überhäuften. Seine Wohlthätigkeit kannte keine reozen, nnd wo sich die Gelegenhett bot» für i>ie unter« drück,« Glanbens-enofl« anhutätn, da war er stet« »« Platze. ÜSte ein Vater sorgte er für die Wittwm und vasten und machte sich hierdurch bald zu« LuUiug aller jüdischen lkinwohner Odessa'«, »eiche ihre Liebe and Verehrung bei Gelegenheit der Vermählung seiner Tochter und bei Feier seine« 70. Geburtstage« dam auch ia glänzender kwltgabcn. Letdei: sollte ihm dieses migetrübte Lebensglück nicht ne{[t beschieden sein. Seine Entscheidung in einem schetdnngsprozeß, worüber die Zeitung« z. Z. ensführlnh berichtet«, «mitte al« vom and Menen, den Lebensabend de« verdienten Mennes zu trüb« und zu« Schmerze feiner Frenude und Anhänger mußte der hochverehrte Greis, den des Kaiser« Huld mit Ehr« überhäuft hatte, nachdem er 27 Jahre zum Gegen der Gemeinde gewirkt, von sriuem Ehrcnfitze herabsteig« und einem- Nachfolger Platz machen» der vor ihm den einzigen Vorzug hatte — em geborener Russe Mi {dn. So stand nun der schwer Geprüfte. der in den Tag« >es Wohlstandes nur für Andere gelebt, ohne eig«e» verschulden fast hilflos nnd verlass« da. Weder von der Gemeinde, noch vom Staate ward ihm eine Pension bewilligt. Ltzterer wie« ihn auf freiwillige Liebesgaben von Gemeind,-Mitgliedern hin. Der Schmerz Über eine solche Dnnüthiguag beugte d« edlen Mann bald so lief, daß da« gramerfüllte Herz die Last de« Leben« nicht länger zu ttagm vermochte, und ein unerwarteter Tod den Lebensmüden von den Sorgen des Erdmdasein« befreite. Der Nrme De. Schwa buch er'« wird fvrtleb« in der jüdischen Gemeinde Odessa nnd weit über der« Wnchbild hinan« bis in die spätesten Ze-ten. Sein Leben und seine Schrift« haben ihm ein bauernde« Denkmal gesetzt; aber mit dem Andenken an ihn wird auch die Elinneenng an das schmähliche Verhalten der Ovessaer Gemeinde geg« ihren Rabbiner verknüpft sein. Kermischir und neueste Nachrichten. LKagdePnn Nach einer Mitthetlung de« ^fewish Standard* sollen die Bibliotheken de« jüngst verdorbenen R. N Radinowicz nnd seine« Freunde«, de« Herrn Dr. Merzbacher, verkauft werden. Man wünscht na'ürlich in England, daß Herr Dr. Gast«, der die selt'ne Zunz'sche Bibliothek für RamSaate erworben hat, auch diese werthvollen Hammlungen über den «anal führen möge (Giebt e< in Dentschla» d denn keinen Mäce», der die Uebersührung eine« solchen Schade« in« >u«iand verhindern könnte? Oder müssen ohne Erbarmen alle Schahe unserer LiNerMur über'« Meer wandern?» «garti». Seit der Thtvnbesteigung de« Kaiser« Wil-elm ll. find schon eine ganze Anzahl Juden mit mehr oder minder hohe» Orden, LUelverleihuaaen und Ernennungen »»«gezeichnet worden. — Auch in Nom HM unser Äaifer einen Mraeltten, die Speditionsfirma Ludwig Stein, mit de« Hoilieferantentstel geehrt. Berit». Der in vor. Nr. erwähnte Leydener Arofefsor der Mediein, Dr N'senstei», tun die ^köln. Ztg* al« Deutschen und Berliner herauSftreich», ist bei: Sohn de« sei. Rabbi Elchaaan Nosenstein, einstigen Rabbiner« der kiiesigen Gemeinde, der unter dem Name» Red Ehoaeh bekannt und hochgeachtet war, und sich sogar am preuß. Konigöhofe eine« gewissen Ansehen» erfreute. — Berchnld Auerbach'« jüngster Sohn ist zu« Ehristenthu« übergetreten Die Taufe fand ia der «Hllipput-Avostelkirche statt. (Dem Vater brach der Antisemititmut, da« Herz, der Sohn bricht lieber da« Ju-euthum.) Dt»»ßd»ra f E Der Privatdocent nnd Assistenzarzt Ktchmaul«, Tr. Arnold Lahn wurde zur Pflege de« russischen Grozfürste» Michael Nicoiajewitsch nach Lonne« berufen. Wie». Herr Eamille Kurauda ist znm Ministerial-Secretär i» HanoelSministertum ernannt worden. «t'lizie». Herr CzepanowSkh, bedeutender gallzischer NMionalökono» und Parlamentsmitglied, hm in einer Broschüre die ia seinem Lande herrschend« Roth geschildert. Er erttärt ia derselbe», daß die Juden »lese beklagruStoerthe Situation ia keinerlei Weise vev» schuldet haben, N»b im Gegeutlseil eine Hoffnung auf BeffergcstMtnng der aegenwärtigen Lage nur durch Mitwirkung der Jude» realifirt «erden können. Meicheuderg lBöhmen). Die hiesige Gemeinde HM zu ihre« Rabbiner Herrn Dr. Adolf PoznanSkt, einen Schüler di» Breslauer Seminar«, gewählt. Holland Der KSaig hat Herrn Professor Äffer, RMh im Ministerium de» AnSwärtige», zu« Lomutiffar der Rheinschifffahrt für dt« Niederlande ernannt. Bari«. Ter Grotzrabbin« gab« Kahn wurde zu« Mttgliede de« intecamionale» Loa grelle« für de» Elementarunterricht, der gelegentlich der Ausstellung 188» stMtfiadM, ernannt. beeil. Frau Loralie Lahe» wurde zum Chevatier da la Ugioa d’hoeuMon ernannt. I« dem Dekrete werde» uameattich ihm Berdienste um die Pfl ge verwundeter SoldMeu während de« fvanz-dentschea Kriege« hcrvorj>ehoben. Laudon. Die Juden habe» eine» »reue» Freund und verehr« verloren. Am Sonntag de» 33. Decmud« starb Herr Laureuce Oltphaat ft» Alt« von 80 Jahren. Zfttfei. SDt. Jsaae Molch« Pascha ist zum Inspektor b« türkische» (Krieg«?») Flotte eraanrtt Borten.

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