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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 52 (1888) · p. Seite 203

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
52 (1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 203 (sequence 3)
Language
German
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jB finm Manne. unk k«r 8a(rB eine» Vesex» durch dem Tod!, Die Liede als Lösung . »er räthselhafttu Sehnsucht i« Mädchen Herzen. al« lichte, delg Snme a« LebeuDhimmrl, deren erwärmend« Strahlen dtt dunklen Stunden von Gram und Lummer erhellen und htueinleuchten bi« in die Tage de» schwachen, kraftlose« Alter»! Und jene dumpfe, drückende Trauer, die jeden Funken von Lebenefttudigkrit in dem jungen Herzen erstickt, die ge> umltjam den Vorhang von Licht und Sonnenschein heruiederreißt. den die Hoffnung vor den Pforten der Zukunft auf. gebaut und ihm da» Leben in der ersten trüben Erfahrung doppelt traurig uud hinfällig erscheinen läßt! O zürnt dann nicht dem schwache« Menschenkinde, wenn bei dem Anblicke de» geliebten Tobten die Blume de» Glauben» im Herzen verwelken will, da» diese Handlung Gotte» nicht vereinbaren kan« mit seiner Liebe uud Barm« t! O zürnt chm nicht, wenn in solchen dunklm »den der Trost der Religio« dem gramerfüllten Herzen fade, leere Worte erscheinen, der Uebergaug von der sinuigeu, glücklichen Linderzeil zur ersten Empfindung des Leben-ernste» ist gar so dunkel und erschütternd und wo gäbe «4 bald einen Menschen, der bei den Prüfungen Gotte» sich gern und freudig in fetten Willen ergebe? Vom Felde kchrtea die Arbeiter heun! Lustig flatterten im Winde die Bänder de» Aehreukranze», den zwet kräftige Burschen wie zum Triumphzetchen der vollendeten Arbeit allen voran trugen. Scherzend und neckend schrüt die heitere Schaar der Heimat zu! — Die Männer hatten frohgemuch da« Handwerk-zeug über dir Schulter geschwungen, der milde v Lbendwind spielt liebkosend um chre unbedeckten Häupter! Kitt stimmen nn Scherze der Jugend mit ein, summen wohl auch leise, wie in Ermnrrung oasuaken jene schalkhafte«, ttäumerischen Liebe-weisen, da» Herz aber ist längst den Lüften vorautgeeilt und weilt zu Hause in der trauten ^»eimathhütte, bei Weib und Kind. O schöner Feierabend» ntt reich ist dein Lohn für di« mühevolle Arbeit de» Lage»! Run ziehet da» lustige vilkcheu an dem Garten tu der Borpadt vorüber, blühende Frauen, im wellige» Haar die blaue Kornblmnrukrone» ein Liebespaar, Hand tu Hand, die glänzenden Angen al» Spiegel de» glücklichen Herzen», und dort je« Mutter, die jauchzend ihr lachende« Kind an die Idcust hedt l „O Ihr Lhärichten", fragen die Gedanken iu de« Istädchenkopfe, ^hr arbeitet und deukt nicht daran, wie uutzlo» Eure Arbeit ist! Wir sie täglich einen Lhetl Eurer Lebenskraft «ufzrhrt und den Tode-kei« in Eurem Lärper nur beschleunigt! Ihr finget uud scherzet und wißt e« doch, in wie kurzer Zeit Euer Leib der Verwesung preitgegeben ist! O, Ihr Glücklichen, wa» giebt Euch den Much nu leben?! Dir Augen mit dem starren, tode-traurigen Blick saheu d>!» Arbeitern nach, die fich tu der Dämmerung allmählich mwloren, unr der Windhauch trug vereinzelle Laute de» Lude» zu de« bleichen Mädchen herüber. „Mutter-, flehten Gleise dt« blaffen Lippen, »verlaffr Dein Lind nicht! Sei du di« Fürbitteriu an Gotte» Throne, daß er Trost und Hei. : A-Gmg de» müden, kranke» Herzen sende, damit ich die Kraft ,-Hapfauge, weiter zu leben l- Iu de» Zweige« de» Lindeubaum» herrschte ein leiser ^Flüsterton. al» hätte der Geist der verstorbenen da» Flehe» <qt(» Sinke» gebärt, so nahte sich, auf Flügel» de» Abend, »tude» getragen, der (infcT de» Schlafe» und schloß mit leisem Kusse die «üdegeweinten Auge» de» Mädchen» zum £Mu Schlummer, zum stundenlange» vergessen alle» Erde», tden»! Um die zarte Mädchengestalt wogte der betäubende VwaKUtHft, di« dichten Neste de» Lindeubaum» schlöffe» fich «De u» da» junge Menschenkind, daß di« glitzernden Stern« Du HtnuuelSfirmmuente vergeben» mit ihre» Strahlen da» holde Antlitz zu Tftffen versuchte», hoch droben im klaren Aether schwang fich leise die letzte noch wachende Lerche und saug jnbtlirend der Schläfert« unter dem Baume da» Schlummnlied! Da» Mädchen unter den Linden träumte! Sie saß wieder unter der Bank in de« kleinen Gärtchen und ihr Auge beobachtele da» Treiben der vorübergehenden, al» plötzlich eine hohe, edle Frauengeftalt auf fie zutrat. E» lag ein eigeuartige» Gemisch von Strenge und Milde in der Erscheinung ««»geprägt; in überraschendem Sontraste sah unter de» schneeweiße« Haarwellen ein überau» juqend» lich^chöne» Antlitz und der »«»druck der tiefdunkleu Augen schien de« Beobachter fast unergründlich und räthselhast. »Kennst Du mich?- fragte leise die Unbekannte, indem sie fich liebreich zu dem Mädcheu beugte: »Ja, ich kenne Dich; Dein Antlitz scheint mir so lieb, so vertrant, auch den Sang Deiner Stimme habe ich einmal schon vernommen, aber vor langer, langer Zeit!- »Nicht so lange wie Du e» glaubst!- gab ernst die hohe Frau zur Antwort. »Jede Stunde voll tLeid und Kumaier zählt die doppelte Zahl der Minuten! Einst, iu de« Tagen de» Glück», da war ich Deine Freundin, Deine vertraute. Dein Schutz, aber al« Du den ersten Erdenschmerz empfunden, da hast Du mich kalt und unbesonnen zucückgestoßrn und Dein Ohr 'gegen weine Trofie-worte »erschlossen! Nun bist Du so einsam und verlassen. Du dauerst mich, und ich will Dir helfen, wenn Du mit dem früheren vertraue» mir bliudling» folgen willst!* Willig, fast mechanisch legte da» Mädchen ihre Hand in di« der unbekannte« Fra«, die sie sanft mit sich fortzog. Ihr Weg führte fie au» de« heimathltchen Gärtchen durch die stillen, unbelebten Straßen der Stadt, vorüber an dem Friedhöfe, auf welchem die stummen Schläfer schlummerten, durch Wiesen und Felder, endlich einm mächtig hohen Berg hinan. Anfang» mischte fich mit de« eintönigen Grau de» Gestein« ein Blümchen oder ein grünbelaubter Strauch, bald aber wurde der Weg immer steiler uud unebener, schwindelnde Abhänge siele» zu beiden Sette« in die unendliche Tiefe. Wie um den Wandernden den Weg zu erschweren, wucherte hier ein stachlige», manu»hohe» Gestrüpp, da» fich in der übergroßen vorhandeueu Menge wie zu einer undurchdrtuglichm Mauer zusammeuschloß, Schlingpflanzen sonderbarer.Art wickelten fich um die Füße der Beiden, daß fie nicht wetterschreilen konnten! Da wollte da» Herz de» Mädchen» oft zaghaft und muchlo» werden, di« müden Füße versagten den Dimft und die Hand suchte ängstlich nach der der Gefährtin, welch« fie im Eifer de« vorwärt»schreiten« verloren! Da schlang fich plötzlich der Arm der Frau fest und innig um dir bebende Gestalt, und stehe — wie ein Wunder schwanden plötzlich die Unannehmlichkettea de» Wege», di« Schlingpflanzen ringeltr» die schlanken Stengel von de« Füßen ve« Mädchen» und jene« dichte Sträucherwerk thrilte fich, wir von Zaubermacht bewirkt, und vor ihnen lag da» Zttl de» Wege»! Bei seine« Gipfel erweiterte sich der Berg zu einer großen, mit Blumen bewachsenen Ebene, den Beobachtern bot fich eine überraschende An»ficht über unendlich wett« Strecken dahin, al« läg» vor ihnen die Welt in ihrer großen, wunder» baren Vollendung! lieber der Landschaft ruhte der leuchtrud« Sonnenschein und in dieser BerAärung athmete da» Bild eine» so friedlich-glücklichen Hauch, al» könnten btt Menscheu dort unten in dttsem Lichte die Berührung de» Unglück» nie vernehmen! »Vieh-, unterbrach btt hohe Frau da» Schweigen, »der Bca, den btt Religion den Menschen zur wahren Gotteserkenntnib führt, ist steil und uneben, oft dunkel und unergründlich l Nicht diejenigen er» reichen du» Ziel, di« im stürmischen verlangen nach Wahrheit den Schleier zu zerreiben sich bemühen, der da» heuig« Walte» «mm» de» trüben, kurzsichtigen Xugen der Menschheit entzieht, dt«, wen» fie da» Vergebliche ihrer Bemühung eingesehea, «iufa* Sötte» iäziftrnz leugne», und dt« Sprache der Religio« verspotten l Wohl aber diejenige», dtt

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