Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 51 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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rrr-; --- w- - nk Xrrikn kt ««Hk» Maisch» auf Gsttes schöner ßErde tot Bereich fciacr p««ttsch« Betrachtung» )5«<. Da «fitke Alle« Prosa sei», ja ei« Prosa, dt« jeder Besserest»«« »icht gerade mit ksonderrw vergnüg» uud inniger Befrtedtzung lesen würde. <& ist nicht der Zweck dieser Zeilen, den uralt» Weltschmer, mit frisch» Sla,» zu bereichern, den» -irr soll Mo» ein Geaeoftand kurz erSrtert «erd», der speciell auf einen Borfall Bezug hat. der fich jüngst hier »»getr-g». Es ist kaum glaublich und doch ist et wahr, daß e« in diesem so hoch gepries»» IS. Jtchrhundert uud sogar tu der aufgeklärten Weltstadt London Repräsentanten eine« vielgelef»» liberal» Blatte« giebt. die ganz ernstlich die kürzlich ta» Osten von London verübt» Morduud Schaubthat» d» Jude» in die Schuhe schieb». E» fällt dies» Leutch» nicht ein, zu vermuth». daß unter d» Millionen ihrer Londoner Glaubensgenossen. trotz der tausend und abertausend Büßpredigt», die ihn» wlch»tlich gehalten »erden, möglicherweise sich doch ein christliche« Individuum finden könne, da« die sraqlich» Unthat» oerübt habe. Nein, der uralte Sündrnbock, der Jude, muß auch hier herhalten, und da nützt keine Wider- und Gegenrede. Da« Einzige, da« dm zahlreich» im Ost» vou London wohnmd» ein- Swandert» Jud» uachgesagt wert» kann, ist, daß fie de» acht« tu Grupp» in den dunkl» Gaff» umherirrea, um wahrscheinlich ein Nachtlager zu finden. Haben fie aber diese« uastäte Herumwaudr» von Ort zu Ort nicht der christlich» Liebe zu verdanken, wie sie namentlich in Rußland uud Rumänim zu läge tritt? Uud (am außerdem ein gesuuder Menschenverstand solchen leb n«müd» Individuen Mordthatro zuschreib», wo nicht einmal Hab» und Gewinnsucht, sondern vielmehr Leidenschaft und Uebermuth im Spiele find? Solche Schwachköpfe zur Raison zu bringen, ist leider kei« leichte Lufgab«. und doch dürf» wir e« nicht vernachlässig». »ffmtlich geg» Beschuldigung» zu protesttrm, die da« Zeichen der Lüg« uud de« Judeohaffe« au fich trag». Da« fragliche ltderale Blatt ist wiederum d,e derüchligte .Pall Mall Gazette", der» Leiter mit dem Ber» faffer der Schmutzschrist .La France Juioe" auf intimem Fuß« steh». Während der jüngste» paar Woch» find hier zwei Einrichtung» gettoff» wordm, die allgemeine Aufmerksamkeit verdien». We in dies» Blätte» s. Z. berichtet wurde, hat der Loncil der United-Syuagog» brschloffm. die im Ost» vou Loudou beftehmden sogenannt» .Ehewroth" unter gewiss» Bedingung» tu d» Gememdeoerband aofzuaehmen. Ei» zweiter Schritt nach dieser Richtung hin ist der kürzlich hier etugeführte Mincha-Gotte« bimst am Sabdath, welcher jede 14 Lage in der .groß» Syuagoge" speciell für die im Osten wohnenden Jud» abgrtzalt» wird, die nie »der äußerst fett» Gelegenheit Hab», einem auzietzmd» Gottesdienst mit Ehoralgesang beizuwohn». und ein» thum verständlichen, gedteg»» Bortrag iu deutscher Sprache zu hör». Bi« jetzt »urde der fragliche versuch vou gutem Erfolge gekröut, denn zu Lausend» strömt» unsere arm» Glaubeusgeaofs» her» det» um die wohlgemeiatm Worte und Ermahnung» tüchtiger Prediger zu hör», unter dm» natürlich Dr. Herrmanu Adler d» erst» Raug einuahm. .! Die zweite Emrichtung — oder soll» wir fie lieber Reform neun»? — besteht darin, daß mtt der Saaktiou de« Ehief-Rabdi jetzt tu einer der größt» Wefteud-Syua- Kn jed» Sabdath di« Hastara oder sonstige passend« ike au« der Bibel vom betreffeudm Prediger tu eugltscher Sprach« vorgelesm «erd«. Die« ist jedmsaü« ein Zetch» der Zett und zeigt, wie wir — oolon» »ölen» — , f ftldst auf dem liturgisch» Gebiete oorwän« gedrängt werdeu. Bielleicht gelingt e«, durch diese« Experimeut d» »tei» be» gllterim, sich »eist orthodox nmneud» »gltsch» Jud» et» Jtüerefi« stk da« jüdisch« Schrifthum uud uameutstk die Bibel abzugewinoea, jal« fie tu der Regel u» d« Lag lege». —r. Die Veervig««g de» Ctatt. H»g» tMm Berl in, 16. Dezember. Die Bestattung des im Duell gesallmen Cand. med. Hugo Blum, die heute Nachmittag stattfand, vollzog sich mit allen studentischen Ehren und im Beisein unzähliger Menschmmaff». Bald nach 5 Uhr begann in der Wohnung des Kaufmanns L Kullak, eines Onkels des Verstorben», die Trauerfeier. Ms die unglückliche Braut des jäh Dahingeschieden» das Zimmer bettat, wurde ihrer innig» Bitte, den Todte» noch einmal zu sehen, stattgegeben und der Sarg geöffnet. Die bleichen Züge des Jünglings waren wenig »tstellt und boten ein Bild des Friedms und der Verklärung. Lautes Schluchzen durchtönte den Raum, als der Sarg wieder geschloffen wurde. An demselben hielt» vier Chargirte, je zwei von der „Freien Wissenschaftlich» Vereinigung" und der Landsmannschaft „Ghibellinia", mit gezogenen Schläge» die Ehrenwache. Dir prachtvollsten Kränze schmückten dcn Sarg Zu Füßen lag der Riesenlorbeerkranz, den die F. W. B. ihrem Mitgliede gespendet, er trug auf blau-weiß-rother Schleife die Widmung: „Dem munnhaften Kämpfer für Einigkeit,- Recht und Freiheit". Daneben lag der Kranz der ..Ghibellinia", der auf dreifarbiger Schleift die Worte: „Amico pectus, hosti frontem“ trug. Der Ausschuß überbrachte einen reich mit Rosen geschmückt» Palmenweoel und .im Namen der gesammten Berliner Studentenschaft einen großen Kranz mit weißer Schleift. Auch die Landsmannschaft „Normannia", welcher Blum« Sekundant, Cand. med. Schemmel, angehört, legte ein» Kranz am Sarge nieder. Dos Gleiche geschah auch vom akademisch-pharmazeutischen Verein in Breslau und vou vielen anderen studentischen -Verbindungen. Nachdem die Brüder und Schwestern de« Verewigten, der aus Thorn hergekommene Onkel und Vormund und sonstige Angehörige sich am Sarge eingesunden hatten, «öffnete d« Gesang des Synagogenchors „Es ist bestimmt in Gottes Rath" die Trauerfei«. Darauf hielt H«r Rabbiner Dr. May bäum die Trauerrede, in welcher « u.A. FolgmdeS sagte: .Sie ganz ander« Ist unsere Stimmung an dieser Bahre, al» diejenige, die un» an deu Särgen anderer MenlSen erfüllt. Hier will der Trost nicht Platz greisen, da» Eemüth sich nicht so leicht znr Ruh« stimmen lassen, wir empfinden di« ganz« Große de« Schmerze« und rufen au» mit dem Propheten: „Die ich gehegt »ad großgezogen, mein Feind hat sie vernichtet." Nicht an einen persönli - en Feind denken wir bei dieser ftlog«, nur an die barbarisch« S'tte. der diese« hoffnungsvoll« Leben zum Opfer gefallen, an da» verderblich« Trugbild falscher Ehr« uud eingebildeter Tapferkeit. Nicht mit einer göttlichen, mit einer fehlerhaften menschlichen Ordnung haben wir ua« hier abzufinden. Kann hier von einem Siege, oder von einer Sühn« die Red« sein? Ist der Klaffen- und Rassenhaß darum löblicher geworden, «eil er hier stegreich geblieben? Religion und Vernunft, Gesetz und Gesittung verurtbeilen in gleicher Sets« den Zweikampf, und soll dennoch diese barbarisch« Sitte, dieser alt« Rest einstige» Heldenthum« unser» religiösen und sittlichen Idealen fürder Hohn sprechen? Ein« „Blutschuld" har da« gegenwärtige Oberhaupt der »Ina matar den traurigen «u«gang der Katastrophe genannt. Sie izu de» anwesenden Studenten gewendet) können diese Sitte nicht billige». St« fügen sich, wenn auch widerwillig, einem herrschenden Zwange, E« ist der Bruderhaß, dem diese« Leben geopfert worden. Sir sind alle Brüder kraft der Religion, zu der wir na« bekennen, kraft de« gemeinsamen Vaterland««, kraft der gleichen Sprach« und Gemttm» kraft der gleichen Lieb« znr deutschen Dichtung «ab Wissenschaft, und soll dann gleichwohl der Brnberhaß die Kinder einer und derselbe» Mutter trennen? Nimmermehr I Ans Euch sind die Sagen Jnug» Tentschland« gerichtet, möchtet Ihr an der Bahr« Eure« Eommilttone» «ine» Äebesbund schließe», darin Jeder de« Andere» Eigenart achtet, und alle Krüst« vereinigt werden zur verherrlichnag uns«»» Vaterland«« Dann wäre der Feind in unser« Mitte dauernd überwnnde», daun wäre die« da» leite Opfer, da» « sich etuGfordert. dann würde au« dies« blutigen Saat rin« segen»rrich« Ernte keim» und wir müßte» auch di« Set»h«tt der Vorsehung preise», die auch bi« B»«- tn den Dienst »es Gute» zwangt. Mit dies« Honnnng im ■ wolle» wir Abschied nehme» von unser» liebe» Se- Der Gesang „WaS von Staub ist geht zum Staube" schloß die Feier im Trauerhauft. Es ordnete sich nunmehr