Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 51 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 2)
- Language
- German
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r— i«8 — in Oaaren uud alle« wurde für di« gemei»schaftlich« Abreise fest gesetzt. Es war in einer «arme» Juninacht. Da« Städtchen log im ruhigen Schlummer, am sternbesäten Himmel leuchtete da« mild« Licht de« Monde« und Naftali, vollständig augekleidet, stand am offenen Fenster seine« Zimmer«. Sein Seicht «ar auffallend blaß, er athmete schwer und sein Blick hatte einen wehmüthigeu Ausdruck. Trübe Ahnungen mochte» seine Seele beschleichen wie er so »ostand und die nächtliche feierlich« Stille ihn umgib. In der Natur war alle« so ruhig, friedlich, nur io seinem Innern tnauste ein Sturm. — Er trat vom Fenster zurück, durchschritt langsam sein Zimmer und betrat da» Schlafrabinet seiner Mutter. Da« schw che Licht eine« Nachttämpcheu« verbreitete ei» Zwielicht, auf dem hohen Beite von altfränkischer Facou ruhte die alte Frau und chrc regelmäßigen Athemzüge ver. rirthe» den festen Schlaf. Ihr blaffe« Besicht nahm sich auf dem «eißen Küssen noch bläffer au«, uud Naftali, auf den Zehen schreitend, näherte sich ihrer Lc gerstätte. Er ergriff ihre Hand, drückte eine» Kuß auf dieselbe, in seinen Augen glänz«« eine Thräue uud «ie von Furien gepritscht, stürzte er in« Freie. — Draußen schlug ein Kettenhund au, da« Raffeln eine« schwerbepackteu Wagen« störte die Stille der Nacht und nahm die Richtung nach der Landstraße. IV. Seit den im letzten Kapitel geschilderten Ereignissen find zehn Jahre in« Land gezogen. Zeh» Jahre! Welch« Umwälzungen. Umgestaltungen während solch' eine« Zettabschuitte« im Lrdrn ber Menschen! — Auch an unserem Städtchen ging die Zett nicht spurlos vorüber. Da« plötzliche Berschwinden Naftali'« mit der Familie 8adncro««ki machte selbftverstäv lich ungeheure« Aufsehm. Mau steckte die Köpfe zusammen, wollte Nanali längst ein solche« Ende prophezeiht heben uud bemitleidete allgemein die Familie W'gdor« ob ihre« entarteten Zweige«. Wigdor'« Wlttwr traf diese N ichricht wie ei» Blitz; verzweifelnd schlug sie ihre Hände über ibrem Kopfe zusammen und zerriß ihre Kleider wie um eine» Tobten. Auch die Schwestern «areu von diesem Schlage wie vernichtet; beweinte» den für sie lebendig tobten Bruder und schämten sich, dir Schwelle ihrer Wohnung zu überschreite». Da« Gemüth der Mutter wurde ganz umdüstert, sie konnte sich nicht «ehr erholen, begann zu kränkeln uud nach einigen Monate» folgte sie ihrem Manne. Audere Ereignisse vrrwischte« allmählich da« Andenken an diesen Borfall uud nur hie uud da wurde dieser traurigen Familienangelegenheit Erwähnung grchau. _ («chl»h folgt.) Ei» jüdischer Kapellmeister i» Nntzlimd. Bon Hg. in vilna. Bor Kurzem verschied in Jalta der jüdische Kapellmeister des hiesigen Stadttheaters Wassilh Jljitsch Ebann. Derselbe gehörte zu den tüchtigsten jüdischen Musikern in Rußland, so daß e« wohl die Leser Ihres geschätzten Blattes inteiessiren dürste, Nähereüber seinen Bildungsgang und seine Leistungen zu ersahren. Ebann wurde im Kreise Kowno von armen aber sehr redlichen Eltern 1834 geboren. Sein Vater gehörte zu der Kategorie der herumziehenden, bei Hocbzeitm sptelenden Musikanten, die unler dan Ramm „Klvsmer" bekannt find. Schon als Kind zeigte Ebann Lieb« für Musik. Wie die Geige dem Kinde das liebste Spielzeug war, so war sie dem reifen Manne der geliebtrste, unentbehrlichste Freund. Den ersten Musikunterricht erhielt der Knabe von'seinem Vater, doch der Schüler überflügelte schnell de» Meister. Rach einigen Jahren gelang eS dem Vater, seinen so nmftkt begabten Sohn nach Leipzig zu schicken wo er da« , servatorium besuchte und absolvirte. Ebann ließ sich darauf in hiesiger Stadt nieder, wo er sich durch Musikunterricht sein Brod erwarb. Sein verständniß- und gemüchvollvö Spiel machten ihn bald nicht nur in jüdischen, sonder» auch in musikalischen christlichen Kreisen bekannt und beliebt. Dank einigen hochgestellten Gönnern und Verehrer» seines Talents wurde er in der hiesigen Musikschule al» Lehrer angestellt, in welcher Anstalt er kurz darauf die Stelle eines Direktors bekleidete. Im letzten Jahrzehnt wurde ihm die hohe Anerkennung von Seiten unserer Stadt zu Theil. daß man ihn zum Kapellmeister des hiesige» Stadttheaters ernannte. In diese,- Stellung setzte er seine» ganzen Eifer und vollste Energie daran, das Theate,' in musikalischer Hinsicht auf ein höheres Nieveau zu bringen. » Seiner Tücht-gkeit und aufopfernden Thätigknt hat «S unsere Stadt zu verdanken, daß v,an in den letzten Jahre« neu einstudirte Opern mit recht guter Orchesterbegleitung z« hören bekam. Bei seinem Benefiz wurden Ebann stelstürmisch« Ovationen dargebracht; da- Publikum gab ihm auch oft seine Zufriedenheit und Verehrung durch kostbare Ne» schenke kund. Im Sommer fungirte E. als Kapellmeister im unioeit gelegenen, von der Aristokratie sehr besuchten Badeorte Drusgenika. Die geschmackvolle LSahl, wie die pronpte Ausführung der Stücke bildeten einen großen Anziehungspunkt für das Badepublikum und brachten ihm in jeder Saison besondere Ovationen und Ehrengeschenke ein. Auch ertheilte Ebann den Gesrngunterricht in den hiesigen höheren Lehranstalten und jüdischem Lehrerinstitut, i« welchem letztern cs ihm auch gelang, einen vorzüglichen Männerchor auszubilden. Als Componist war Ebann e uch productiv und hat Tüchtiges geleistet. Seine Eomposinonen zeichnen sich durch besondere Innigkeit und feinfühlendes Verständniß der <tzemüthsregungen aus. Besonder» tervorzuheben sind seine: ^Lommagv L In Lusaiv, Premier Concert pour I« Vision, Le moalin de Drouskenike, I Inconsolable, Trän- A merei u. s. w. Mele junge Musiker von gutem Klange in Rußland,^ zu denen auch eine nicht geringe Anzahl unserer Glaube,«- genossen, wie Michailow u. A. gehören, verdanken ihm ihre musikalische Ausbildung, sie bewahren ihrem Lehrer r»d Gönner Verehrung und Dankbarkeit über daS Grab hinaus. Immer bereit, seine Dienste Humanitätszwecken ans»- bieten, bildete E. auch den Mittelpunkt aller hier startslwdeuden wohlchätigen Concerte, musikalischen Reunionvud Vorstellungen. Zum Dank dafür erhielt E. seiner Zeit v,m damaligen hoch intelligenten und kunstliebenden General- Gouverneur Albedinsky als Auszeichnung einen Brill and» ring von hohem Werthe, den der Verstorbene bis zu seiiwr letzten Stunde trug. . Ende Sommer begab er sich auf Anrachen der Aerzt«; da er an Gelenkrheumaiismus litt, zum Wir.teraufentholte nach Jalta. Dasäbst ereilte cha.ein plötzlicher Tod, fix» > von seiner Heimach, ohne daß eine liebende Hand ihm die Augen zugedrückt hätte, dort unbekannt und darum unbetramarch Sein unerwarteter Heimgang wird vom hiesige« kuusllied,»- den Publikum als ein derber, unersetzlich« Verlust empfunden. Friede sein« Asche! A«s E«gla«d. i I ^London, Decrmber. IJJ .Sic ist doch di« Welt so schön, so schön", singt >«r «auch« Dichter, der in zurückgezogener Einsamkeit uud fr« vom Grwühle de« Alltagoleben« die ewig anziehende» Reiz« 'Ä der Natur »» bewundern Gelegenheit hat. Wie «d«>.A würde er «ber sein« Saiten ans chlagen, wenn er da« Th«