Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 51 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M St AKötfche. 1888. S Hrraitgegebe» «m 0r. M. Nähme» tn Magdeburg. Kr KckihMq a -ckst«, flr dir iikikllrishe jtailir. «aftalt. 0ri,I»«l.Nov»Il» »», e. H»ro»t» i» »rakau. (Fonsehuag.) Seit diesem in Naftali» Lebe» epochemachende» Abend waren Wochen verstrichen. Nu» edrmal da» erste Li» gebrichen. gab er fich rückhaltlo» seiner alle» in de» Hintergrund drLugenden Leidenschaft hin. Die Rrudezvou» wurde» häufiger, Fra» Ladnerowska schließlich in da» Veheimniß eingeweiht und mit ihrer Einwilligung »ahm ihre Tochter Naftali'» Besuch« au. Krau Therese, der chre gegenwärtige drückende 8a<^ unerträglich war, suchte schon lauge nach Mitteln sich au» derselben um jeden Prri» zu befreie», und die Schönheit ihrrr Tochter sollte ihr dazu «l» Handhabe hrrhalte». Aber in der kleinen Stadt bat sich hierzu keine rechte Gelegenheit und ihre Mittellosigkeit gestattete e» ihr nicht, eine» größere» Wirk»og»krei» aufzusuche». Da» verhiltniß mit Nastcli kam ihr daher nicht ungelegen und sie berechnete, auf »elch« Weise dadselbe zur Besserung tyrtr Lage beitrage« könnte. Wohl war ihr.der Neligiau»- uuterschied peinlich, aber im erstell Momente'bract re fie ihr Gewissen damit zum Schweige», daß r» ihrer Tochter geltngcu werde, ihren Anbeter p bewegen, daß er auf dem Altäre der Liede (tbu Religion zum Opfer bringe. Helene, bet welcher ursprünglich our Lokrtterie und vielleicht auch etwa» speculattn« Berechnung im Spiele waren, wurde schließlich »au NaftiUi'» glühender Lieb« hingerissen und erwidert« dieselbe ohne jede» Nebengedanken. Sie faßte zu ihm ei« anfrichtig« Neigung und vorläufig brachte diese bei ihr alle» andere pm Schwrigeu. Nur der Mutter schwebt« t>e» alte» Wigdor'» Geldbentel »or und sie sann »ach Mitten, «ns welche Art sie an demselben participireu könnte. Naftali, von seiner Leideuschrft geblendet, verlor jeden moralischen Halt, und hatte nur eäre» G^aukeu, erneu Wunsch: sich mit dem Gegenstände seiner Lieb« zu oeremeu. Freilich, da» sah er ein, hier in seiner Vaterstadt wäre die» ei« Sach« der Unmöglichkeit, »«»halb er bei fich schon damit i» Reine« war, mit seiner Helene weit, weit in die Feme p ziehen. Daß dieser Schritt seine» greisen «lter», sein» Schwestern da» Herz breche» würde, dar ans »ahm er keim! Rückücht «ehr, denn seine nur dämonenhafter Geweckt ihn beherrschend« Leideuschast »achte ihn für alle sonstig» Gefühle stumpf. Daß ihm Helene folg« »erd«, daran zweifelte er nicht, und e» handelt« fich uur darum, fich die Mittel zur Reif« »nd zur Gründüng eine» eigen« Herde»' p »erschaffe». Da erkrankte sei» Bater, und schon nach etuigen Tag» machte die Krankheit solch' «ptd« Fortschritte, daß die Aerzte »de Hoffnung anfgabe». Dieser furchLare Zwischeufa» »ecktr die bet RastaÜ bereit» «stogeschlnmmrrt« kindlich« Gefühl« ans »nd Hefa»,'« Bild wurde momentan durch dieselben oerdrüngt. Der welcher sei, Ende herannah« fühlte» aarsammelte die Eeiaig« um setu Sterbelager, um von chn« Abschied zu nehmen. Tief erschüttert umstanden fie d« bereit» sterbenden Giei», defl« Blicke auf Naftali haften blieben. Mit einer letzt« Anstrengung winkte er ihn näher heran, versucht« sedi« Rechte wir segnend au»zubr«it« und. als schaue sein bereit» brechende» Auge tu die Zukunft, flüsterte er mit kaum vernehmbarer Stimme: .Naftali. mein Sohn, wandte auf de» Pfade Deiner Bäter, ' al» ein treuer Sohn unsere» Bolke», halte unsere Religion in Ehr«." Sein Haupt sank io die Eissen zurück, sei» brechender Blick fiel auf^setne tu Thränen^aufgelöfte Frau und er hauchte seine edle Seele au». — Unter dem anfrichtigrn Mitleide der ganz« Bevölkerung wurde Wigdor'» irbifdp Hülle zu Grade getragen. Im Städtch« war ein allgemeiner Trauertaz und an» Aller Mund« erscholl das Lob de» verblichen«. Unter Betlcid»brzeugllngcn von Nah und Fe« vergiug die übliche Trauerwoche, und Naftali'» Gestalt schlich wie eia unruhiger Schalt« in der verödet«, düster« Wohnung mnher. <2m furchtbarer Kampf tobt« i» s ine« June« und dumpf dröhnte e» iu seinen Ohren: .Wandte auf dem Pfade deiner Bäter". Er war an Körper und Geist gebrach«, sei» Hirn gemartert und nahe daran, der dunkel« Nacht de« Wahnsinne» zu verfallen. , Seit zehn Tag« hatte er Helen« nicht gesehen und der schreckliche Schlag, welcher ihn getroffen, ließ ihr Bild etwa» verblasse«. Die augedorenc und großgezogene Religiosttät. di« Pietät für seinen verstorben« Bater und die kindliche Liebe für seine verlass«e Mni-'er bracht« seine aaglücksrlige Leidenschaft zeitweilig p« Schweigen, und wer weiß, hätte er d» Math gehabt, Helme'« jetzt von Neue« beginnend« verlockstng« zu widersteh«, ob er nicht sein« Pflicht« schließlich zum Siege »erholfm hätte. Aber Fra» Therese'» berechnender Kopf, welcher mtt vollzogen« Thatsach« p zähl« wußte, beschloß, au» der Weudung in Naftali'» Lage für ihre Pläne Nutz« zu zieh«; sie drängtt ihre Tochter, ihr« Anbeter seiner Trauer zu entteißm and weiter au fich p fesseln. Helene, welche Naftali'« Schmerz achtete und tu der« Bus« die Stimme de» Gefühl» noch nicht erstarb« war, sügle fich nnr widerstrebend in d« Will« ihr« Mutter und ließ ch« durch eine vertraut« Person et» Billet zukomm«, daß e» doch von ihm nicht schön sei, fie so lange p vernachlässigen. Dieser Versuchung konnte er nicht widersteh«, und al» die Schaitt» der Nacht sich über die Erde senkt», verließ er seine Wohnung »ad eilte p seiner Geliebten. Sie «mstricktt ihn auf« Kcuc mit ihrem Netze seine inner« Stimm« verstumm re. Fra» Therese entwarf d« Plan für di« Zukunft und willen!»» ließ Naftali alle» >«t fich geschehe». Di« Erbschast»angelegeuheit« gratkn bald georbuet »ud sKaftalt behob sein« ihm zusallaw« Lutheil, welcher fich aut rund 50 000 «rt« belief, tu aal« ObVaatiou« unb