Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 50 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
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.»»chdk» tnzwtscheu" asMr&dtn Otnr, t» scharf satyrischer Weife »ach. — Kan kommt t§ aber Leifiug nicht darauf au. di« Widersprüche in den Berichte« der Evangelisten «stecht zu erhalte». sondern auf di« Brhauptuug: Widersprüche in de« Evangelisten können ohne der Würde und Wahrheit de» Lhristeathum« Eintrag zu thuu. vorhanden sein. Lesfing stellt daher zuletzt selbst eine Hypothese zur Aufhebung de» Widerspruche» ans. Er meint, die Frauen kounten wohl Freitag dt« Spezereien wegen Anbruch de» Sabbach« nicht mehr einkanfen. wohl aber, da fie fremd waren, stch erkundigen, wo Spezereien zu kaufen seien. Luc,» hat nämlich für da» Luther'sche: .bereiteten Spezerei' im Original de» Verbum und da» bedeutet nicht nur ^raaxarudant rnanibn», sonder» auch pn»p&r»b»»t animo. Da» Laufen aber .im Geiste erwägen", sei den Juden nicht am Sabbath verboten, da fie sonst auch nicht in der Synagoge am Sabbath die Mizwoth versteigern und verkaufen dürften. G o l d s ch m i d t - Birkenfeld. Die Bekehrte. Bor ungefähr zwei. Jahren verliebte sich rin sich ein Wachtmeister der Tscherkeffen-Leid, arde de» Genrralgonvernrur» Gurko in Warschau, Namen» Lysakow, i» rin jüdische« Mädchen, Mtrel Mlftzeö, welche» seine Liebe erwiderte. Lysakow bewog seine Geliebte zum Urbertritt zur russischen Lerche. Bei der Taufe fungtrte Maria Gurko. die Gemahlin de» Generalgauvernrur«, al« Pathin. Der Taufe falate bald die Hochzeit, nach welcher die nunmehrige Marie Lysakow ihre streng orthodoxer tiefbetrübten Eltern verließ, und »u ihrem Gatten zog. Wrnige Monate darauf erschien die Xeophyti» zerknirscht vor ihrem Bater und «klärte ihm, daß fie den gemacht«» Schritt b«eue und gewillt sei, zum Jiwevchume zurückzukehren. Der Bat« rirth ihr. Rußland zu mrlaffen. weil hi« zu Laude eine LoSsaquna vom russischen Glauben vnboten ist. Seinem Rathe folgend, reisic sie mit verwandten nach Deutschland. Unttrdrß mellxte d« Leibtscherkefse sein« Tebieterin. d« Generalin Gm ko. da» 'verschwinden ihre» Palhenkinde». Die hohe Dame. Vorsteherin d« Warschau« Gesellschaft vom Rothen Kreuz, «ahm vi« Sach« in die Hand, bewog die Polizei, Geheimagattt« auszusenden, und thatsächlig gelang e» Letzinen, die Äsakow und Begleit« nach Warschau zurückzubringea. Die tzdwpliytin, fürchtend, wegen Abtrünnigkeit bestraft zu w»den, erzählte, daß ihr von Warschau« Juden ein Schlaftrunk verabreicht worden sei, nach welchem sie erst auf der Eisenbahn — unwett Thor» — erwachte. Die Eltern, sowie neun verwandte d« Lysakow wurden verhaft«, vor Gericht gestellt, und obgleich jetzt Letztne entlastend au»sagte, v«. nrtheille da» Kreisgericht Schwul und Sarah Münze» sowie Kalman Pettyu wegen Aufhetzung gegen die russische Kirche und wegen v«l«1u»g zu ein« strafbaren Handlung (Abfall vom rusfische» Glaube») z« dreijährigem Zuchthau«. Die und«e» Angeklagten wurden (««gesprochen. — Auf Veranlassung d« Generali« Gurko, d« diese» Urthett .zu mttde" dünkte, pratestirte d« Procurator wegen zu ge«ugeu Strafmaß«» gegen die Entscheidung d« «steu Instanz. Dem- Slfalze kam d« Fall vor da» Ob«-Laude»g«icht. Die reigelaffenen wurden auf« Neue em gekerkert. Der Prozeß »urde zum zweiten male durchgeführt. Schmul. Sarah, Adel,' Btüuze», Peltyo. Merzrr und Eiseab«g wurden zu mehrjähitg« B«dannuua nach Sibirien, sowie zum Verluste deßlttawl« Rechte v«urth«Ut. Die v«1heidiger d« Augeklagtm appellttten sofort au den Senat in Petersburg, »etch« wegen Verletzung mehr«« Artttel die Entscheidung eaffttte und, um d« Recht«f,rm zu genügen, eine nochmalige Durchführung de« Prozesse« vor den Schranke» de» hiesigen Oöei -Laode»g«t^te» andeiaumre. E« soll nun da» Richter. collegtum eine Weisung von Pet«»burg «halten haben sich nur »ach dem Eodex zu richte«. Am 29. Noveml« fand hier die Verhandlung statt. Da jetzt jede Beeinflussung unmöglich war, so wurden nach den »armen Reden "er Bertheidiger sämmtliche Angeklagten gänzlich freigesprochen und nach andrrtdalbjähriger Einkerkerung auf freien Fuß gesetzt. « Uebermaße der Freude brachen die Freigelafeueu in hräoeu au» und küßten die Hände ihrer Rechtkanwälte. D« nicht erwarte«« günstige Ausgang de» Prozesse» wird (d« .Neuen Freien Presse" zufolge) mit d<r Stimmung Kaiser Alexander'» in Zusammenhang gebrecht. E» soll seit der Eisenbahn-Katastrophe bei Bork, beim k.aiser eia Umschlag in d« Gesinnung zu Gunsten der Jud« stattgefunden hoben, dessen Wirkungen sich auf die hdheren Beamten «strecken. JtifarCei für den AamMenL'.fch. Die erste in «»«Iwnd a»gela»«1e «der die Kchlwcht det Wnterta». In einer von Herr« Murray veröffentlichten Broschüre, welche Mittheilungeu üb« Lord Stanhope'» Unterredung mit dem berithmten Herzog von Wellin-non enthält, «zählt Letzt«er, wie die Nachricht von dem Ausgange d« Schlacht bei Waterloo »ach England kam. Die» geschah nämlich durch einen bei Rothschild bediensteteo Juden. Dies« schiffte sich in Ostende ein und Niemand am Bord de» Schiffe» «fuhr von dem An»gange d« Schlacht und zwar geschah diese» auf folgeud« Weise: Al» « io Gent war. chaute er mit eiorr gro^e« Menschenmenge in ein Fenster hinein, als ein Bote aus den König »ou Frankreich z »geeilt (am. Nachdem d« König den vo» dem Boten überorachteu Brief ge» lesen hatte» umarmte « denselben und küßte ihn mehrere, Male. Hi«au» schloß d« Jude, daß d« Bote Siegesuachrichteu überdracht haben müffe und ohne sich «neu Augenblick zu bedenken, brach « auf, um «ach England adzureisru. In Osteade sah er Malcolm, ab« «zählte wed« ihm noch irgend Jemandem etwa», bi» « ba» Han» Rothschild» «reicht hatte. Lord Marlborough fügt noch hinzu, daß. bevor sie von Ostende absegelte«, sie einen Dragon« auf'» Uf« zuetteu sahen, welch« seinen Helm abaahm und hoch in die Lust schwang. Die übrigen Leute am Bors standen voll Verwunderung und dachtin darüb« »ach, wa» diese» wohl zu bedeuten haben könne, ab« Kein« hatte auch nur eine Ahnung von d« Ursache. Der Jude allein wußte ste. behielt ab« seine Gemüthsruhe und bewahrte da» Geheimniß treu in seinem Herzen. ZLaröurg. Eine Anklage wegen Gotteslätzeruug, degangen von einem itraelttischen Lehr«, wurde jüngst hi« vor der Strafkamm« »«handelt. Auf d« Aaklogedauk «- schien, so berichtet die .Oberh. Ztg.", d« seit einigen Monaten al» israelitisch« Lehr« in Niederweidbach (Kreis Biedenkopf) ausäsfige Samuel Jakob Wetschryver: ei» alt« greis« Mann, welch« seither al» Lehr« im Königreich Holland lebte. Demselben wurde zur Last gelegt, daß « zu vi« verschiedenen Malen, End« Seplemb« und Anfang Octob«, in beschimpfenden Aenß««ngeu .Gott" glästerr habe. Der Angeklagte, welch« sich seit jen« Zeit in Untersuchung»« hast befindet, bestritt bet sein« Vernehmung, die ihm von d« Anklage in den Mund gelegten Worte g«ha» zu habe» und giebt fern« au. daß « seit sein« Ankunft in Nieder« weidbach unausgesetzt d« Gezeustand der B«folgu»g für die Schuljugend de« Orte» gewesen sei; mau habe hinter ihm h« mit Steinen geworfen und .Böckell — Böckell* genest». Aufgeregt durch dies« Behandlung Hab« er hin und wieder seinem Aerg« gegenüber de» Knaben, welche »ach sein« Meinung durch de» christlichen Lehrer de» Orte» z« «•nt derartigen Bor gehen augehalten worden seien, auch tu erregte» Wort«, Ausdruck gegeben. Al» Belastungszeuge» iwttdeu vi« Scholtnaden und zwei 17jöhrtg« Burscheu au»