Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 48 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/6492351-8722844-5956554--1007-5372999- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Mfctfl’iptttltocel pt CMi^buakkih. »Frohlocke vsk frtiu dich, T»chker Ziou, dem» steh« ich >l-1o»«« und ich »eh»»« » brimr Mitte, spricht der Herr" ^— so laute der erste Vers der Chanakkah-Haphtor«. Auf- ^-falleud ist die Wiederholt»,: »Fiohlocke" «ud »freue dich", »ud ebenso: »ich komme" und .ich »ohne i» deiner Mitte". Bedenkt »»> aber, daß Gott, der Herr, hier setue»Besuch dei Jdrarl. »erzu dauerudem Aufenthalte führen sollte, aukkndtzt, so kann die alltägliche «rfahruog den Lonnueutor daz» liefeni. I« Augenblicke der >«kauft «tue» lieben Besuche», i-a herrscht Frohlocke«; i« Saufe der Tage aber, da hat da» laute Krohlockeu bereit» «ufgehLrt und der ^-stillen Ar e rde Platz gemacht. Ja n»ie »st re>t sich da schon der stille Wunsch de» Herzen»: »D wäre die Stund« de» Abschiede» mst da!" Nun so tpcit soll e» bei J»rael tu Bezug ans seine« hohen Gast: Gott, den Herrn, nicht kommen. Ader unnatürlich wäre e», wenn da» Jauchzen und Frohlock«, »oelche» tu der ersten Zeit de» wirdercrbauten zweit« Tempel» herrschte, al» andauernd verlangt worden wäre. Solch« Unnatur erwartet der Prophet nicht t« Ramm Gotte». Twrom: Frohlocke, Tochter Zion», den» stehe, '' -ich komme, und freue dich, de« stehe, ich wohu« tu ldeiner Mitte. Frohlocke» für den «nsong, stille Freud« für die Dauer. Ja, die Ding« »eralteu, und da» Herz veraltet; pud auch die Gefühle »»«rdeu al». »Begeisterung ist M Heine Pdkel-ckvaare, di» man einsalz«» kann für viele Jahre" L.:»die Leidenschaft flieht, die Lieb« muß bleiben, die Blume Verblüht, d» Frucht muß treiben". / Welch' einen gefährlichen Feind die Begeisterung an de» » der Zeit hat, da» hat keiner mehr erfahren, al» die «form im Judmthum. Welche Begeisterung begrüßte S dir ersten Reform-Bestrebungen im Judeothom! Welch' . Jauchze», nelch Frohlocken, al» nicht nur von außen die yj? Schranken fielen, die Licht und Luft den Zugang wehrten, sondern auch dos Innen rin frische» Geiste»lebeu in der Synagoge und tm Hause statt de» gedankenlosen Wort» und hFiorwen-Dmste» eingebürgert werde, sollte! Run, unsere Beieranen der Reform haben den Umschwung der Begeisterung »och erlebt. Die Jubelgrüße, die ihnen bei ihrem jugendliche» Austret«» entgegenschallten, fie haben fich tu ihr gerade» SegrMheil »erwandett. Der Schnlchan «ruch ist Sieger git lieben, und da» ist kein Wunder: »Wa» nie und »irgend» ja«» gewesen, da» allein veraltet nie". Rur eine pikante Speis« kann zu« Uebertrnß werden; Brot» ' trockene» Lstot wil d un» nie überdrüssig. Da» ist so, da» war so «nd da» bleibt so, und r» wird wohl da» Richtige sein- Darum tadle mir keiner de» deutschen Radbtuerftaud, . daß er sich lieber an da» hält, wa» ein« solide »Pök-l-Waar«" ' ist. die men etnsalzeu kau, für viele, unzählige Jahre. E» ist die» nur eia erfteultcher Beweis, daß im «reise der , deutsche» Radbiuer ein kerngesunder Reali»mn« herrscht. Der ^-Geist de» 19. Jahrhundert», der Geist de» freien vernüaf. ttgen Dot!en», mmht überall Rückschritte: soll da» Juden- D itzum, al» Religion, sich allein dem Strome entgegenftemmeu? «Solle» die Rabbiner allein dem ewig Blinde» de» Lichte» £r„-Himruelsstckrl «ufdrünge»? Wozu auch?" Bedarf etwa ^.. Israel de>: Lorbeeren? O wir habe» rin so reiche» Erde * Lorbeer en daß wir in alle Ewigkeit getrost ei» rnhmlost» Daheim führe« kduue», ohue deswegen au Rnhm«»- L krüuze» zr. Verarme«! Unsere ganze Geschichte hat einen so K. reichen Borralh dieser berauschenden Pflauze augesammelt, daß wir für olle Ewtgkett ruhig cousumirru ttnneu, ohue fe? - yroducirev zu müsse». Ei» Judo» Makkabäu» hat uns k-' »och für!)«chrt»ase»d« wtt Lorbeeren versorgt: wir habe» f ' »tcht ndttzig. um Lorbrrrr, zu sammeln, den geftchrtichen Mampf Schleudria» ,n führen. Wozu auch? Früher al« später kommt da« Licht doch. Ob es ein Paar Generationen früher oder später kmmnt — wa» ltqt dar«,? Wen» dieistenschheit e« so lauge ertrage» hat. wird fie e» auch »ech et» Paar Jahrzehntt »der Jahrhunderte länger erttage» Rur die Ungeduld kau» e» »icht erwarte», daß di« Wahrheit au» eigener Kraft «üblich de» Sieg erriuge. Tjotta, die sie find! Sie glaube», mtt ihre» fchwacherl Kräfte» der Wahrheit zu Hilst kommen zu müssen: bedarf bst Wahrhett, die gvttlich«, die Hilst de» Menschen? Da ««re» schon bst alte» Ophraiteu klüger, al» dies« stürmische» Weltverbefferer: fie sprachen den Gideon frei — ,mu Baal ei» Gott ist, mag er fich selber helstu"! — Und was fehlt den» de« Judmthum dei der anwachse»!»» Macht der Gegm-Refvrm? Dst Gemeinden blühe»; e» dezahtt jeder hübsch seine Lultns-Steaer; J»rael fitzt, al» wäre die »esstanisch« Zeit angebrochen, ruhig unter seine» ikSeiastock und unter seinem Feigenbaum", »der Wolf wohnt bei de« Lamm, der Parder bei» Bvcklein'. es herrscht überall Nutz« «ad Frieden. Da» modern« Princip der »Theiluug der Arbett" ist tu fruchtbarster Weise in den Gemeinden verwirklicht, dst »stammen" Mitglieder des Vorstande» übernehme« da» Synagogeu-Reflort. dst »ueologm" da» administrativ«. So gehtdst Maschine ihren schäne» gleichmäßigen G«mg. »Den Gang einer Maschine"! — Wohl; aber ist da» ett, Tadel im Zeitalter der Maschinen? Dst Zeit der große» Persönlichkeit.» und Idee» ist vorbei — dst I Maschine regiert dst Welt. Ist da» nicht überall so, und säst'» nur tm Judenthume ander» sei»? »Aber dst Maschine > muß auch gehetzt werde», sgust bleibt fie endlich stehen. Auch da» Zettalter der Maschinen arbeitet nur durch Glutheu «nd Flamm«»"! — Ru» ja, die Verkohlungen «ergangener Jahr-Myriade« »erde» zu Tage geförderl: und unterrichte» wst nicht »Jüdische Geschichte"? Aestrn wir nicht da» Chanukka-Fest? Erzählt »an unser» Kinder» nicht mm den Makkadäer-Helden 9 — Ja, Freund, Sie haben Recht, ich strecke dir Waffen! .Frohlocke »nd steue dich, Tochter Ziou», denn stehe ich komme «ud ich «ohue tu deiner Mitte, spricht der Herr." Der Sabbath-Plauderer. 9hi« kurz! «int «»»«isnng für Prediger, von Präger X in W. »Nur kurz!" Dies« Bitte vernimmt der Prchiger gar oft, wenn e« sich um de« Bund de» Leben», um Traungeu handelt. »Rur kurz", so lanstt oft der Refrain aller lange« und langwelligen «uSeinaudersetzuna« über die Trauung«- stier im Gottebhause. Mtt freundlich« Mimen, mtt gespannter Aufmerksamkett und mtt großer Geduld muß der Prediger die viographiea de» Bräutigam» und der Braut, der beiderseitig« Schwiegereltern, de» ehrwürdigm Großvater« und der beglüw« Großmutter, bi»weilm auch ewiger Onkel «nd Taust« aahürm, uicht ein einzige« Mal, sondern mehrere Male, damtt ihm ja keia Zag in den Bildnisse« dieser Famllimgallerst mtg'he, und nachdem dst» alle» glücklich überstandm ist, schallt ihm -der kurze Ruf mtgegm: ,R»r kurz", weil entweder die Matter verdös ist, oder da» Brautpaar dm nächst« Expreßzua benutz« will, um im Sommer nach Jtalim oder im Winter nach einer Alpeugegmd zu reis«. Der Prediger muß Information« eine Bstrstlstuade anhörm oder mht «g geschrstbme Seit« über all« möglichen Famllstabeziehuag« durchles«, um daun, wohl insstuirt, sich sehr kurz zu fass», wnb hält er st tue Instruktor« beim Worst uud faßt sich sehr kurz, indem er vou einig« Notiz« kein« Gebrauch macht, oder einig« Porträt» mehr wst im Aquarell al» mtt gläozmdw gardm «alt, so gstbt c« nach der Trauung virst lavge «asm »nstr dm«.