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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 42 (1888) · p. Seite 163

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
42 (1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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Al» lkehu m»ch der halbsährige» Prüfung i» Ja»»« 1848 iui Kreste der Schullehrer noch Hause ging, »warlele ihn rin» Gesindels «* Schnlttzor«. von baten edier th» mh rfttfatrt» niHerstürzte, s» daß er sich bet» Fall« an der Hind «»letz'e. Endlich i «schloffen str, ihn nrif eine« Purimgefchenk mh Wetu in kennten fich «der über den Voten nicht ftuigen. Am Lage o»r -eßach »achte da« Sefiudel «tuen Krawall Mr kem Haufe unk» warfen ave Froutfeustrr rtn. Frennd« Abralmm Lahns, die ,nr Raltonalgarde ge- Brtru. suchten sie zu vertreiben, es zob schon einig« blutige tzse, «Itt eine Schwadron Cwallerte die Rotte zerstreut«. Das -ni« war, baß die ganze Familie. zwei Dienstboten» fünf linder, Vater und Mutter durch eine Suppe »ergiftetwurben. Seine letzte Predigt war über bas Gebot: „Du sollst »tlht morden"; er sagte darin ahnungsvoll: „Was vermeg nicht der Fanatismus, westtn find nicht Laß, Tücke und Los heit fähig?" Meine Mutter äußerte fich über diesen einzig dastehenden Fall in begreiflich« Aufregung folgendermaßen: „lieber dir Vit und Weise, wie unser Unglück ringetroffen, hätte ich monatelang zu schreiben, wallte ich alles ausführlich berichten. Dir Rauten Bernstein und Oru» ftein sind Jahnen l«kamrt, warn« Meter Münz, der ärgste Schurke, verichont blieb, ist mir ein Räthsel.*) Bei den Aufreizungen von Purim a» bis nach de« Anklage« gegen de» Gotlseligen grbtrdete er fich gleichfalls wie ei» wütheuder Lnud nud sazte ofi« er werd« nicht eher ruhen, bis er de« Deligen ins Lriminal gebracht Hab«. In letzter Zeit aber sah er. daß «s schon wett genug gekommen, da war er f« schurkisch klug, di« Andern ausführru zu lasten, was er be» Die Sckmrkeu wollten die Cholera ausbeuteu, ihr schwarzes Werk auszuführeu; schon am sechste«? in der Früh ließen sie bmch ihr» Löllenknechte in der breiten Saff« das Gerücht verbreiten, wir hätten säumtlich die Cholera. N« seilreu Morgen ging der Selige noch gesund und «unter mit den Kindern auf den Berg*) spazieren und, da ich (Sott verzeihe es mir!) dieses Sefiudel nicht mehr an» sehen konnte, so ging ich in der Mittagsstunde ttoch in diese «lende breite Gasse, um etwas einzukanseu — zu« ersten Male feit Peßach. Ich wollte um S Uhr schon gehen, aber es war mir duner, el« ob «ich etwa« znrückhielte. Ich hatte ihm immer etwas zu sagen und wir waren Beide so weich tzestimmt, als ob etwas Besonderes in «ns vorgiuge. Wir vaabredete« damals, alles von unserem Tische ja entfernen, was zur Chrlera «»laß geben könnte und besoiwms wurde bet uns desäfloffen, alles Obst zu verbannen. Ich ging, machte verschiedene Cinkäufe, und als ich nach Lause km«, >ar es halb zwölf. Ich wollte in der Lüche helfen die Kartoffrtn zt, setze», da hörte ich den Doctor geh«, der unsere «eine Therese behandelte, mm sagte ich: ich geh« hinein und werde bi« üngelik« zum helfe« schicke», damit das Mittagefirn Nicht so spät herauskommt. Ich that dies und leider führt« der Schurke in Gegenwart dieser Briden sei» schwarzes Werk ans. «r tnußte unser, Küche suchen und ging zu allen Rach, darn fragen: „Ist dieses die Küche des Predigers?« Ueberall aab er vor, sein« Cigarre anzünden zu wollen; in einer Küche sah er Fletsch im Salz, da sagte er: „Das ist nicht des Predtoer» Küche; dort wird kein Fleisch gesalzen." Bei Tische war« wir Alle s« vergnügt, wir de« ganzen Sommer Nicht; wir sprachen von «einem Blatte, das er herauszngeben deiibfichttgtK^ er ließ das Programm dazu *) iBttnirta um) OtmJUtn, auf de«» der Hanpiorrdachi der Vergütung «,-wM sethM vewro tofMt, war»«» nllcktich >»« in verhall «MtUM», »der >a» fttiyr Htfnuui^ofi »Nde.ma MgeUnm. I Der (ofmainlt «chlotzber,. ela deltedtrr Anssliq»«» de« Le»> Der Hadvb Dir deeansgalir.dieses «lau»«, Mibischt valwstenn»" sühn» sollt«, ist htna»g»na> welat» de» Lite!: .Der M» nicht ,»s de» vtadtn» de« oertheileu und allenthalben versprach »au ihm starken Absatz, welches ihn sehr frort*. Den letzten Samstag hielt er noch di« Predigt über Ms sechste Sebot. Diese wurde mit so ge» spaunter Ausmerksamlrtt gehör«, wie ich'« nie beobachtete. Als ich.th« sagte: „Run glaube ich, daß man Dich »ersteht", freute er fich sehn Bor de« Esten beendigt« er noch den erste» Aufsatz für sem Zettlchrift mit dem Motto: „Gruß und Parole au di« Leser", di« trefflichste seiner Arbeite». Dan» schloß er da« Mauuscript ein und wir setzten uns p Tische und speisten tat fröhlicher Stimmung, ohne zu ahne», daß wir Gift aßen. Ich ^gte zuerst: „Mir ist so heiß bet» Heruuterschluöeu der Suppe, als ob ich Brauutwetu tränke; wenn.ich nicht wüßte, daß in «einem Hause kein Pfeffer wäre, würde ich glaube», dt, Supp« sei gepfeffert." Da sitgt« er: .vielleicht ist doch Pfeffer darin." „Ader ich bitte Dich", sagte ich, „wie kann das sein, wenn keiner im Hause ist." Und leider aßen wir tu diese« Disput fort, ich mit Gotthilf einen vollen Teller, denn wir konnten unmvglich glauben, daß etwas U«-ew»huliche« drin sei. Da« keim Sind aß seit acht Tage« die erste Supp«. Da kommt di« Amme und sagt: „Ich weiß nicht, was das für eine Supp« ist, ich kann str nicht aufeffeu." Da fiel mir der Gedanke et», es könne Schierling statt Petersilie in die Supp« ,«. kommen sein. Ich lief ia die Küche, »ollt« mich überzeuge«. Himmel, wie war mir! es war nicht« «ehr M und die Köchin war ohnmächtig. Ich frag fie: .Haft Du Suppe grossen?" .«»tu", sagte fl«, „aber das Grüne, und darauf ist mir zu« Sterben weh." I» der Augst schicke ich Jacob zum Doctor. wir bekomme« zum Erbreche». Augenblicklich waren alle Zimmer wir überschüttet. Aber wir glaubten leider «och nicht au eine Vergiftung und am wenigsten der Gottselig«. Ich mußte ihn zwingen, zu» Erbreche» zu nehmm und das war leider unser Unglück; mir half die Natur durch meine Schwäch«, auch hatte ich Abführen, deshalb ging da» Gift schneller bet mir ab. Di« Augst trieb «ich wie ein gehetzte« Thier hin und her, ich hatte «irgend« Ruhe und sah Alles, was mir theuer, so iu Gefahr; Sie können sich denken, wie mir zu Muthr war. Doch bei aller fichtbare« Gefahr konnte ich nicht glauben, daß er da« Opfer »erd«, wohl aber Theresia"), und Gotthilf, welche schrecklich litten und auch sonst so schwach waren. Als ich die Kälte seiner Hände bemerkte, da war nur, als fühlte ich «eine Seele i» mir sterben k Ich wollte ihn «tt «einer Hitze erwärme», da sagte er: „Ich muß Dich bewundern, wie Du Dich aufrecht erhalte« kannst." Ich sagte th«: .Fafle Muth und Sott wird helfeu, nimm nur fleißig das Degeugi^ und es wird Dir auch bester werde».' Aber leider war da« Gift schon zu sehr bei ihm tu Verdauung übergegaugeu. Wie viele Menschen um und mtt uns beschäftigt waren, könne» Sie fich kaum denke». Et» christliches Fräulein bediente uns die ganz« Nacht; unser Haus «nßte bewacht werden von der Garde, so strömten Maste» zu »ns und dies dauerte bis F eitag nach der — Beerdigung. Drei Leichenreden wurde» geholte», alles war tu Trauer gehüllt u»d er wurde getragen bis hin zum Grab«. Keiner der Langröcke dmft« hervortreten, «och fich nahen; von Inden und Christen wurde» sie insultirt...." » « Weniges bleibt mir nur noch zur vervollstäudtgung dieser biographischen Skizze nachzutragt« übrig. Dir Ro» volntiouawtrre», das Bombardement von 1848, habe» du« Haus nicht in Srund und Bodeu gefchosten, welches die Opfer fanattscher Wuth beherbergte. Die Witt»« des Vergiftete» hat ein ihrer würdiges Eue« gesunde«. indem sie zur Cholerazrit von 1885, de» bedrohte» Nachbar» bei- ", mum jftugfk «chme-er, «tag in ket Dhet kn 8»>m» kM Giftes.

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