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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 41 (1888) · p. Seite 159

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
41 (1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 159 (sequence 3)
Language
German
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Er hatte eiaaul ix darr Rechtssache ga entscheiden. Fährleute führte« Spiritus aa» einer »ad derselbe« und fahre« hintrrdNauder. Bergab war der Hiateraun f» nwwrfichtig oder geradezu leichtfertig, di« Pferd« fest gexxg zu halte« xud er traf da» vorderstchrwerk f» auglüeklich, taß seine Ddchsel den Boden de» geMten Kaffe» gänzlich eindrückte. Dir Fnhrleate stritten, zankten, schieden sich zuletzt, «d»bi Josef Mosche n« da» «echt befragea xali fich seine» Richterspruche zn anterwerfeu. r Beschädigte trag seine Inklage vor »xd erzählt« haar» Mein, wie fohrläsfig der verklagte fahr and dadurch Boden feine» SpiritnSsaffeS eingedrückt »nrde. , , ,WaS »irl» denn der Boden eiae» solchen Aaffe» wohl ^Wstm?' fragt« Rabbiner Josef Mosche mit großer RaiortLt. ' ° „Potz!• tfof der Kläger schier anßer fich vor Entrüstung. Potz l der SpteituS ist ja 'rau»!" . Wegen dieser nnvorfichtige« lenßeruug mußt« der na- Glückliche Knhrman« den Rabbiner «m Berzeihnug bitte«, in "den Sock» — Zeichen tiefster Rene — den augethauea f abbtttm. aber, »Potz! der Spiritu» ist 'rauSl' doch sprichwörtlich. Doch gerade seine Einfalt trag zu seiner allgenwiaea Hochachtung nicht reenig bei. Man hielt ihn gradezu für ein» chdlige« Man». Und man befragte ihn in Dingen, von öraea na» vommSwUßte, daß er davon keinen blau» Dunst Verstehe, aber amu hörte «es sein» «ach »tc auf dac gött- « Eröffuang, auf eia heiliget Orakel. Man kaufte in der Stadt nicht», »hne cha früher darum _ befragen. Einmal brachte »,u zn chm ein Paar Diamant- ^Ohrgehänge znr Abschätzung. Er betrachtete sie lang- und gab endlich ihren Werth auf fünfnudztoanzig Gulden an. ./„Rabbi, uiau verlangt für diese viel, viel mehr.' * »Fünfzig Gulden als».' .«ein, «ch viel mehr", sprach der Kauflustige. „So müssen dies« ja lauter Sold sein", rief der Rabbi Mi». Er ward« einst, in einer sehr bedentrudeu RcchtSangrheit, nirchder Liwiöstndt R. geholt, um dem Richter- . weich«» die Parteien fick gewählt, vmzafitzen. E» sich «« onsei-nliche Geldbeträge aa» mehrjährigem «vtrkthr; die lösch« war sehr verwickelt und dürfte «sichtlich mehren Tage, venu nicht gar Wochen, in ach «ha». Ja Galizien auinrwirst man fich nämlich noch heut« r dem R«cht»spr«ch eine» Rabbiner», al» den gewbhn- Ach» Recht»»«» zu l«treten, weil hier di« Sach« aä oa- Wu gimm« »ersäileppt »erde«. Diesem Umstande verdankt die folgend; Lueikdote ihre Entstehung. Ein langjähriger L- Progiß geriet!, endlich in da» Stadium der Lppellatiou. f Ibn auch bei« ObeilaudeSgericht schien di« Sach« in eine tief» Lethargie versank» zu sein. De» Harren» «rüde, raff» Ach. einer der Partum auf und begab fich nach de» Sitz« .de» Oderland«»»«richtig. Er sprach bei« Präfideuteu vor £ und wurde jeden Tag auf den andern vertrdftet, wa» nicht fehle« taan», daß einer dieser Lage ans eia« Sonntag fiel. Da.der Zufall e» «»ll», daß »er Appellant «in Jude war, so herrsch» ihn der Oberlaude»gericht».Präsident au. dö dirser der demselben am Sonnlag erschien; ,Jhr habt Jesu« ckrengigt e»d auch na» kreuzigt ihr» selbst am Sonntag gebt « «ö kriae Rah'.' — „Warum hat Jesu» denn nicht ^dd» E.« Oderlsndeögericht appelltrt, er würde noch ^hente loben!' erwiderte der Jade und gönn» de» verduzte» Prästdimtea sei« Sonntagsruhe. >1» Rabbiner Josef Mosche» wie ob« gesagt, nach der KrdSstad» ahgcholt wurde, versah ihn di« «ebbeziu (Rabbiner», -mit alle« Nöthi^n st» dt« mnthmaßlich« Daaer. aber..hat Gott den Menschen mit Bargeßlichkeit be- Drseiu gesetzt. Und so vergaß die vorsorglich« » Saw» die Pantoffel bdznpacken, welch« der n kchüma verweinte. Er rrklamine $#>£&* »»/da "tsdezüglich't Schreiben mag, seiner originellen, minutiLse« Genauigkeit wegen, der Vergessenheit entriffen werden. E» lautete wortgetreu: .In die Frau Rabbinerin l Gewalt! warn« hast Dn mir die Pantoffel teizupacke» vergeffes? Um Gotte» Himmelswille» schicke mir sofort, sogleich die Pantoffel. Die Pantoffel stehen nater meine» Bette. Weau Du wirst lesru dies; Worte: «einem Bett«, mußt Du Dir dabd denke» „Deinem Bette', denn wenn Du dabd nicht denken werdest Deiue« Bette, wirft Da »landen, die Pantoffel stehe» unter Deine« Bette «ab doch stehen fie ja unter meine» Bett«, «vohlgrmerkt nater dem Bette Deines Mannes Josef Mosche.' Der freaadlich» Leser dürfte uunmehr mit de« Rabbiner' Joses Mosche geaugsa» bekannt gemacht sein. In der Gemeind« war mau auf die Einfalt und Uuerfahrmhdt diese» Rabbiners ebenso stolz, wie auf seine rabbiaisch-talmudische Gelehrsamkeit. Mau liebte ihn anfrichtig und schrieb den Wohlstand der Gemdud« wie daS Wohlbefinden eines Jeden seiner Frömmigleit und seine» Verdienste zu. _ lS-rtschuN, folgt.) tnm rtocheaabschnttt „Koaoh“. „Noach war eia frommer Mann in seiner Zeit' — — .in seiner Zeit' — frage» unsre alten Weisen — waö will daS sagen? Kanu denn ei« Mensch fromm und überhaupt alles, was er ist, anders sein, als in seiner Zeit? Einige nnsrer alten Weise» deute» darum dies« Worte znm Tadel: «r war nur fromm in seiner Zeit — in der Zeit Ibraham» hätte di« FrvmmiHdt beS Roach gar nicht als Fröunuigleil gegolten. — Andre deute» diese Wort« zum Lobe: er war fromm sogar in seiner bösen Zdt! Wie stamm wäre er erst gewesen, wenn er als ein Zritgenoffe Abrahams gelebt hätte! »Zn« Tadel' ... ^zum Lobe'; wem zu» Tadel, wem zu» Lobe? doch uiH de« Noach? Ja Bezug auf Noach ist doch offenbar keine Verschiedenheit zwischen den beiden Deutuagen. Die erster« aimmt die Frömmigkeit de» Noach als konstant au: natürlich wird dann die Bearthdluug ia verschiedenen Zeiten «ad Umgebungen verschiede» fein. Wer z.B, in Berlin tu der einen Gemeinde al» prim» qudiU orthodox gilt, der wird in Frankfurt in der „Adaß goschar«»' noch gar nicht als orthodox angesehen. Und »er per Zeit de« Rabbi Akiba E^r ill der grZßte „Am haare,' aegoltea hätte, i«r köuat« heute womöglich sein Nachfolger sei», und da» wäre »och gar nicht» Schlimme» für seine Würde, wenn er nur sonst der recht« Manu ist. Di« zweit; Deatnng nimmt eben di« Frömmigkeit Noach'« al» den Umstände» «och »eränd erlich, größer, kleiner au. und da ist iJ kein Zweifel, daß Noach unter Assistenz eine» Abraham z>» seinem-vortdeUr fich verändert hätte, und so würde den« z-B. ein ,Adaß-Jißr»elit' in Hirsch'» Athmosphäre zu eine« vollgültigen „Adaß-Jeschurua^Orthodoxe»' sich answachse», wie einer der letzter» in der Berliner Äst etwa zu einem „Adaß Jißroelit' zusammeuschrnmpfea würde. Ma» »ißmrstrhe «ich aber nicht dahin, daß diese Seda etwa von mir aufgestellt ist. Mir find fie alle gleich, mir ist „Adaß ^fißroel' so gut, wie „Adaß Jeschnruu' und »Adaß Jeschur»«' wie „Adaß Jißroel'. Rein, diese Ged» allt, wie mäuuiglich bekannt, im ftrdfc der Orthodoxie, selbst. Die ganz« Orthodoxie soll einen einheitlichen Körper bilde»: der Kopf sei in Beklin, da» Herz in Frankfurt, Galle nnd Rieren ix Mainz, die Hosnrtafchea ia Wiesbaden, Köl» re.jo ungefähr schätze» sich dir Orthodoxe» gegenseitig, wenn fiel nater sich stad. Rach außen hü» freilich ß der Eine soviel wie der Widere, nad da ich «aßen stehe, so ich «ich dtcher Aaflchtr Einer wie der Aadere — —

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