Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 41 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 2)
- Language
- German
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weil er de» murr» Drang empfand, da« Acht der Aufklärung i» immer weitere Kreise zu trage». U«d gerade i» Lemberg wo die religttl« fort geschrittene und die orthodoxe Partei unaufhörlich sich ia de, Haar» läge», »md die letztere» die Urberzahl bildete», eröffueft sich ihm ei» weiter Wirkung«kreis einer aufkläreadea friedliche» Thättgkett. Noch hatte da« Acht der Aufklärung unter der Mmge nicht Platz «egriffr»; Ehrend ia Br »dH Herzberg- Fiäuftl, ia Tarnopol Apotheker Perl deutsch« Kultur, deutsch« Toleranz »ad deutsche Humanttät mit Erfolg »erbreiteten, lag in Lemberg da« Feld »och brach, nnb dir Fortschrittspartei fühlte stch »och zu schwach und ,» gering um de» Kampf aafzauehmeu mtt de» chasstdischm Fiusterliugeu. Zu diese« Unternehme», welche« menschlich« Kräfte zu übersteige» schien, brauchte fie eine» Herrführer, der stch durch die Drohuageu der Menge nicht tu Schrecke» jage» lieh, »ad fie hatte ihn gesande» i» der Perso» Abraham «oh»'«. Er macht« auch »uverzüglich (im Jnli 1843) eine Prob«, reise »ach Lemberg, um die dortige» Verhältnisse besser ke»»»e» zu lerne», und im April de« nächstfolgend» Jahre« schickte er sich mttsammt seiner ganzen Familie, deren jüngste« Mitglied. Schreiber dieser Zeile», damal» erst drei Monate zählte, zur Uederstedlaug »ach Lemberg an. _ Aafäuglich nur al« Prediger und Religion«»eiser tu Lemberg »»gestellt, erhielt er zwei Jahre später sch»» da« Krei«rabbi»at in Lemberg und ist er der erste auttlich von der Regier»»« geprüfte und von ihr in Lemberg eingesetzte Kreilrabbmer. Al« solcher hatte er mtt zwei mächtige» Feinde» zu kämpfen: mtt der Finfterniß, dem Fauatismn« und der Geisterbeschränkthett der Rückschlitt«mäu»er. und mtt dem sträfliche» St^mmtz «ehrerer Kapitalisten, die ihre ärmere» Slaubmöbrüder «lf alle ««gliche Art ausbeuteten. Segen Fiasterntß in Glaubenr¬ und Grmüthssachm wttkte er, indem er de» Anlaß zur Eröffnung der erste» südischen Normalschule gab, an der eiufichtrvvlle Lehrer unter seiner Leitung augestevt wurde», indem er Religionsunterricht gab und Borträg« zu gemeinnützigen Zwecken hiev. Im Druck erschien seine .Predigt, gehalten bei der Einweihung de« deutsch-israeltttsche» Bethause« i» Lembrrg am 18. September 1846", sowie zahlreiche religiöse Schriften, al«: .Biblisch« Geschichte» Elemente de« ersten Religionsunterrichte« für die israelitische Jugend* und andere mehr. Gegen die Ausdeutung der ärmeren Juden durch die reicheren trat er auf, indem er r« durch 'persönliche Verwendung bet Hose dahin brachte, daß seine Glaubensgenoffen von den drückendsten, »st kaum erschwinglichen Steuern für Loscherfleisch und Sabbathlichter befreit wurden, zu welchem Zweck« er zweimal, im Herbst« 1847 und t» Frühjahr« 1848, au der Spitze einer israelitischen Deputation nach Wien ging. Aber alle seine Bemühungen um da« materielle und geistige Wohl der seiner Obhut anoertranttn Gemeinde wurde» ihm mtt Undank vergolten. Dir .Lavgröcke", unter welcher Bezeichnung «an damals die Feinde de« ehrlichen Fortschritte« verstand, dm Abraham Kohn verfocht, reicht» eine Grgrnpetition ein. die jedoch erfolglo« blieb und die ein anonymer Zeitgmoffe tteffend und geistreich in seine« bei Joseph Schneider in Lemberg, 1848, gedmcktm »offen» Sendschreiben an die Petittonäre und sogenauutm Verfechter de« orthodox« Judmthum«- beleuchtet hat. Immer mehr trübte sich der polttisch« Horizont; da« Jahr 1848 warf seine blutig» Schattm vor fich her. Nur dm W(rren, die damals die ganze Monarchie durchtodtm, ist es zuzuschrribm, daß die Knude von der granenhaftm Vergiftung Abraham Lohn« und seiner Familie fich außerhalb Galizien« verhältnißmäßig wenig verbreitet hat. (Schluß folgt.) Der vor Gericht. . " «int historische «qlhlan, n« der Mnt«t)H4n Zeit . a von Arthnr Wetßman». ' In der Judengemrtnd« Z. in Galtst» herrschte eine große Aufregung. Seit Tagesgraum warm Alle auf dm Bein«, groß und klein, vornehm und gering, reich und arm, Handelsmann wie Handwerker, alle ramtt« hin nnd her, ' Gaffe auf. Gaffe ad. Blieben fi steh», so steckt» sie die Köpft zusammen, sprach» mtt e.aauder, befragt» fich nett dm Mim» und stob» anseinander, als dulde e« fie nicht auf eine» Ort, als treib« fie dft Uumh« fort. Verzweiflung war auf den Gesichtem Aller mit Flammenbuchstadm geschrieb» Ihre Lopfmützm »arm nach rückwärts! geschah». Ihre lang» Schlafenbüschel warm nicht zu Schmachtlöckchen gedreht und warm ein Spielball der Luftströmung, die fie durch ihr »ttdes Nenn« verstärkt», (fhrr Hände ttugeu i schlaff herab; fie hiev» die lang» Pfetfmröhrm nur mechanisch in denselben, ohne sie zum Munde zu führe». Dir. Erst« und Bedeutendsten tu der Gemein!>« waren des« »der«' geschäftig. Zum hundertstm Mal sehm wir ste hei dm Gemeindevorständm und ebenso oft bei dem Rabbiner eintretm. Auch die Franm war» auf dft Gaffe getreöm. Este « befanden fich noch t« tiefst» Negligä und ihre durch schweißt» Echlafkopftüchel verhüllt» nur kärglich ihr» rafirtm Scheitel. Sft stand» vor ihren Häusern, als hisst» fie vor ihr» Thür» Dache, oder als sammelt» sie sich, um im grgrbm» Augenblick Klagelieder anzustimmeu. Hierzu kam noch dft Eitelkeit, ihre Kundigkett in Jrremtad» zu zeig»; denn dft Ettelkett, einander zu übertteff» und zu übertrumpf» «»erläßt auch im Unglück« dft Frau» nicht. Der Rabbiner fitzt in vernachlässtgter Kleidung in seine« Lehnstuhl, dm Kopf nach der recht» Sette gelehnt, seine Stirn in seine flache rechte Hand gedrückt. Hinter de« Spodik (Pelzkopsbedecknng) guckte sein mit Flannffedern stark besäet«« Käppchen hervor. Sein weiter Kaftan war noch nicht vom breit» Gürtel zusammeugehalleu. Hewd und Beinkleider gähnt» auffallend. Dft Füße steckt» uo,h nicht vollständig in d» Schuhen. Apathisch saß er da.;Mnz in fich gekehrt. Kein Sterbenswörtchen kam über seine App». Da« laute Wehklag» seiner fescher» Hälfte üderlsrtt er " entweder oder er kehrte fich -> ht daran. Doch wir müff» dm ^ewiß schon ongeduldign Leser mtt nnserr« Rabbiner, dem Held» dieser Erzählung, ein w»'g näher bekannt »ach». Er hieß Josef Mosche stammte von einer ehrwürdig» Rabbinerdynastft ab und w»r schon mtt feine« achtzehnten Lebensjahr, nachdem «an ihn bereit« fett drei Jahr» — nach der Redeweise der Rabl-tner — «in» Mühlstein um dm Hals gebnnd», d. h. ihn verteiralhrt, und dadnrch die Sorge für F:au und Kind ihm ansgebürdet halft, ans dm Rabdinerstuht gestiegen. Rabbiner Joseph Mosch« galt al« ein große« Acht auf de« Gebieft de« talmudisch-rabbinisch» Schriftth»««. Man nannte ihn ein» gewaltig» Schwimmer auf dm ungehme» Floth» beider Talmude, de« babhlmstsch» und jernsalemtsch», ein» Reck», der Berge entwAzelt und in halachischer Disputattou zermalmt. Al« Fach talmudist lag er »»«schließlich und ganz dem Studium de« Talmnd« «d. Er schlief wenia, verwaudekft vielmehr dft liächft zu Tag», war mäßig ttn Eff» und Trink» nnd verwandte, zu» Uutrrschftd« von andern Raddinm, ans'« Bei» w»ig Zeit, um nur dem Berttefm in dft Ähre fich HInzuaebeu. Er war buchstäblich ein Mann, deff» einzige« Gschäft dft Thora, de« da« Talmudstudium Lebensaufgabe wrr. Aber er war auch ein Mann von außerordentlicher Eftfalt. Er hatte kein« Lebenserfahrung, verstand rein nicht!! von d» Anforderung» de« Leben«. Daher kam c« auch sehr oft, daß e«, ungeachtet der Hochachtung, dft «an ihm lolltch dach nicht fehl« konnte, daß m» sich, seiner groß» Eins oft weg», über ihn lustig machft.