Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 41 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ml1. Jüdisch«« 1888. utilin ^naMgtgtfaw DM Df. flt MtlMIt <R Ug.Mm. ü -l---- Jet MrtzM», i. KWm, skr M( dreMsht f«nilit. *=«*- «tu fMn M ganeti*««». (Z nc |:mt«WMc 6tij*e m< «. «oh,, (gortfcfung.) — D«r Rrfcbt mi «,«»:. ®lRe t tBeiftnaka. — eaükatVvla»b<rtl »»« Wo»e«abf($nlU „No»oh“. It | ^isiori^cheÄrzählu-gen^der vormärzlich-n Zett^vo» Arttzu .ische Mice ln» - lUUIftUlsfgabra unb RäihftllSsmcgen. (UaMugirr RctMrwf ntrrfatt) St» Opfer de» Akmatt»««». Ais« b'ngraph ische Stiz^ om Kohn. - (Fortsitzm») En äußert er sich z. B. in der Predigt über den .göttlichen Segen": »Wodurch gla»dt «an für ba» Wohl feiner Kinder a« besten z» sorgen V Ducht »am fit zu outen »nd frommen Menschen, zu thätlpe» und nützlichen Gliedern der Gesellschaft zn bilden? Wähnt «an nicht, , sie wäret a« glücklichsten, wen« sie eine aafthnliche Erbschaft, einen ' großen Rkichthmn zn erwartea haben? Ist e»,nnn zu verwundern, daß eine Veniniqnng nicht beglücket, lrelche sich nicht auf persönliche Achtung uni Liebe gründet, sondern welche der gemeinste Eigennutz gestiftet hat und erhält? Ist e» denn nt# natürlich, daß fich Eltern und Kinder nur durch Zerstreuungen, durch rauschende Vergnügungen erfreuen ktznnen, das, nicht unbefangene Herzlichkeit und Uebereinstimmung »er Gesinnungen ihre Unterhaltung würzen, sondern fremde Neuigkeiten und spielender Wtz dazu «braucht werden müffen? So geht denn an nn» in Erfüllung. wa» der göttliche Dichter sagt (Psalm 109,17): »Will er den Legen nicht, so sei er fern von ihm!' Und er wird auch nicht ehe» bei nnä einkehren, bi» wir ihn bester zu würdigen wissen, hänKUchet Glück bei eine« mäßigen Wohlstände und körperlicher Ge» niuddett höher schätzen, als Reichhum, diese» al» Mittel, nicht «l» Zwack des Leben» betrachten und ihn dazu benützen, wozu er eigentlich wtt ist, d«t Mäßieäeit und Ordnung mehr Adnüchtlung und Snmnth tir dach ÜiitBUche Lebe» zu bringen: die Gesnudheit de« Leit eibe» und der Seele befer zn erhalten und zu psiegen; den Kindern eine vielseitigere Lilduna und bester« Erziehung anaedeihea zn lasten: fremder Roth aizuHelsen und Arme, Waisen und Wittwen zu unterstützen." In ähnlicher «u^raltfireuder Weise äußert er fich iu der Predigt über .öffentlich« Wohlthätigkeit": »Dir Geizige, der feine Lchätze eingesperrt, der sie unaufhörlich zu vermeiden trachtet, ahne den sichenden Armen mit einer Gabe zu erfreuen, wird ein Unmensch, ein herzloser Barbar gescholten. Trifft aber nicht im Grnode derftlde Vorwurf den Ueppigen, den Verschwender, der in Kleidern, bei einer Mahlzeit, bei einem Balle, an einem Spieltische soael wie der Reichste durchbringt, und nur, wo e« eine milde Beisteuer gilt, seine mäßigen Vermögentumpände in Erwägung lielK? Wie? Ich sollte tu einer Stunde für meine Bequemlichkeit oder Eitelbest so viel verschnenden, al» für eine ganze arme Familie oft wochenlang Mtn uötGgm Unterhalte hinretcht? Während ich hier schwelge und meftum Lei»! gütlich thue. darben viele meiner Nebenmenschen und verscknuachten fast vor Hnnger und Elend, und, ach! diese Dürftigen sind vielleicht gar mtt mir verwandt, haben mir einst Gefälligbesten trat' Liebesdienste erzeigt, sind vielleicht alte und kränkliche Personen und nur durch ihm Rechtlichkeit und Tugend in diese» Elend aerathen! Wa» ich leichtsinnig verschleudere, damit könnte ihnen da» Leben gerNtet werden I* (Bein in den h'er angeführten Stellen mehr der Philanthrop sich bekundet, so zeigt sich der wahre Frömmigkeit lehrende und aufkläreade Prediger in der Predigt über .da» Gebet". Wir führen daran» nur eine Stelle an: »Aber schon durch die übermäßige Häufung der Gebete wurde die AndaclN bei denselben fast unmöglich gemacht und e« verbreitete sich beim!8olK der Glaube, daß Gott die Wünsche desjenigen erfülle, der ihm e ne recht große Summe von Wörtern darbringt, und da man nicht immkr Zeit iienna hatte, suchte «cm durch Eile nachzuhelfen und die Arbett za besthleunmen und verfiel so in den Fehler, vor dem einer! alten Lehrcw kAbath, st) warn«: -Mache dein Gebet »ich« zu * Vber da dich entledigen willst, sondern e» sei eine Folge I« ‘ ‘ Herrn und daher »al Andacht."" citirten Stellen wird fich der Leser »in D ungefähre« Stld von der Seifte»- und SlaubenSrichtung Abraham Lohn» gestalten und dieselbe wird vollinhaltlich de» stäigt durch sein Thun und Wirken, durch seine Predigten und philosophischen Aafsätz«, die in verschiedenen i»t«elitischen Blättern, wie z. v. in der. All»'« kinen Zeitung de» Jadenthum»", von Philtppsohn, in der .Synagoge", den .Annalen", der .Gei,rasche» Zeitschrift", sowie auch in .Jfibor Busch'» Kalender und Lentralorgan" in Men, zum Abdruck gelaugten. Die Grundlage diese» vielseitigen und segen»»ollen Schaffen» bildete da» nnvergängltche Apiam: .Nicht» für fich. Alle» für den Nächsten." Und gerade darum, »eil sein Thun und Wirken in erster Linie der geistigen und religiösen Bildung und Erhebung de» Nächsten galt, fühlte fich Abraham Kohn berufen, al» Prediger sein» Stimme zu erheben gegen eine Menge fiunstvrender Mißbräuchs, die fich in den i«raelttischen Eultu» ritigrschlicheu hatten, ohne mit der wirklichen Rrltgiofität auch unr da« Geringste gemein zu haben, ohne überhaupt durch die heilige Schüft begründet zu seta. Wenn irgendwo, s» waren seine Bemühungen inHohmem» von Erfolg gekrönt, wo eine, wenn auch her Zahl nach nicht grüße. nur SO Familien zählende, aber der Gesinnung nach verständnißvolle und fortschrittliche deutsch« Gemeinde bereUwillig nud entgegenkommend ans seine Ref»rmvorschläge einging. Im engsten Sirkang«kr«ise, glücklich durch sein Schaffen, beglückt durch di« Anerkennung seiner Glauben»grnvsfen, dachte er nunmehr daran, sich ein selbständige« Leimwesen zu gründen und verheirathrte sich mtt Magdalena Kahn, der Lochter de» Vorsteher» einer J«r»rlilengemeinde in Baieru mtt der er in glücklichster Ehe dr» an sein allznfrühe» jähe» End« gelebt hat, und di« nach Kräften bemüht war, seine wühlwollenden Abfichten auch im Kreise ihrer Bckannten zu fördern. Während Abraham Kohn einen Verein bildete, um arme junge Leute israelitischen Glauben« in Erlernung eine» Handwerke« zu untrrftützea, während die sogeucumte .Ehrwra Kabischah", dir fich mtt Krankenpflege befaßt«, durch ihn zu höherem Aufschwung grlongtr, da» Armeawesrn geordnet, zweckmäßigere Syaagogenordnnng und Ehoralgesanz eingeführt und da» bi» nun stark »eruachläsfigte Schulwesen, insbesondere der Unterricht der hebräischen Sprache nach seine» Plane neu regvlirt wurde, giug ih» seine Gattin verstäadnißvüll zur Hand, indem fie Mädchen in Handarbeüen unterrichtete. So lebte er in bescheidenen Berhältniffrn, umsomehr, al» er. auf da« Wohlsein seiner Familie bedacht, von seinen spärlichen Einkünften einen greisen Vater unterstützen und zwei Schwestern auSstrnern mußte, aber nichtsbeft» weniger zufrieden nab glücklich in Hohe«»», bi» i« Jahre 1843 der Ruf al» Prediger nach Lemberg an ihn gelangte. Seit frühester Jugend war sein Sehnen und Strebm darnach gerichtet »ewesen, die Stelle eine» ReligivnSlehrer» und Prediger« in Galizien zu erhalten, nicht etwa darum, w«A sie einträgliche«, al» die Stelle in Hohenr»«, sondern