Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 38-39 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 4)
- Language
- German
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a6«fc Hnr Pfarrer. bn Apfel ist die schlechteste Furcht nicht, die der fleißig» Saat auf fruchtlose» vode» entspringe« konntti" 4. Der Mium sßue Gebet. Der russische Feldmarscholl Suwarow »ar einer der härtesten Meuschen, die je auf Botte« schöner Erde lebten. Broisomkeitm zu verüben, war die Ausgabe seine« Leben«. Unschuldige Menschen quäle«, Städte aazündeu, Kirche» de» rauben, da« »ar sei»« ruhmreiche Feldherr«laufbaha, — ober seltsam, di« Chronik erzählt eine Episode*), die merkwürdig genug klingt. ab« wahr seiu soll. Suwarow war einst »erkleidet in eine Synagoge geschlichen. um hier einmal zu hören, wie die Männer um den wilde» Bärte« und lauge« Blöcken, die Jude«, sich hier betragen. E« war da« Fest der Ges« tzastende. Suwarow hüte «ehr er»artuog«voll al« andächtig z» — und fing, •I« er die eigeothümlichen Tine der Gebete vernahm, laut uud bitterlich au zu wen». Eiligst schlich er sich fort und draußen weiutr er immer noch. Der Barbar, den sonst uicht« rühren konnte, weinte wie ein Kind, al« er Alle« um sich herum mit Andacht bete» sah. Da« waren die verachreteu, verpönte» Jade«, wie sie dastaude» uud «st glänzendem Auge sich beugte» vor Bott dem Schöpfer. Ja, da muß der Barbar daooueileu und »eiueu. so schreibt die Ehrouik uud fügt hinzu, als Suwarow starb, da »einte er uicht. sondern befahl, daß zwanzig Jude» zu« Himmel schreien sollt» für seine arme Seele, aber da« geschah uicht. da habe der Pastor zwei stark» Mäuuer» geheißt«, di» r-ä Jude« umzubrttch». «n» die Schätz« der heilig» Kirche zu -1 vermache». Der Sterbend« bekannte sei« Schnkd al« Thetl- \ nehmer au dem verbrechm «ud — starb. Da eilte der Priester zu« Pastor von Achelvt» «ud erglhlte da« Bo» - kenntniß de« Sterbenden; der Pastor zu Achetoien erbleicht« und gestand sei« schreckliche« verbreche«. Bilde beschloss» aber, die Sach« zu verheimlich» au« Freuudsä»aft«rückstcht» und so geschah e« eia« laug« Zest. Aber »er Pastor za . Achekvi» fand keine Ruhe, sei» Be wissen schlug mächtig «ud bald fing er ou zu kränkeln uud starb »dich. Da tei« - ' Mensch auf der Welt da war, der sein Erbe >»erd» konnte, meldete sich der junge Priester, der jenem stertenden Maua« dst letzte Oelung gegeben. Da herrschte ,iel Iraner stu Städtchen und der Priester erzählte der klagen»» Bemetudc Folgmde«: Der Reichthm» de« Pastor« kam so: Er stellte Douuerstag Av»d« einen lopf auf'« Feuer unter d» Schorustei», — aber uicht ander«, al« Donnerstag At»d«. — und am andern Morgen war der Topf mit Bold gefüllt. Da« soll ihm eiu feuriger Drache gebracht Hab», der de« Nacht« durch den Schornstein kam. «rd da« Bold tu d»Topf spie. Einst wollte der Pastor sehen, wie der Drache da« aufing, deshalb guckte er durch dt« Stubeuthür. Dal sah aber der Drache, uud er spie ihm zwei glühende Kugeln tu die v»ft, die Leute fmrdeu ihn am aude» Morgen todt tu der Stab« liege», die Bust durchbohrt. Da« glaubte die Bemeiude, uud die Freigeister, die e« wagt» zu rede», ward» tu« Loch gesteckt, da e« als» für unpassend brfuud» uurde, der löblich» Geistlichkeit »tgegenzuttet». 5. Die Psal«»e» David«. Friedrich Wilhelm, der große Kurfürst vou Brand»burg, hegte eine besondere Borlebe für die Psalm» David«, weil er sich, der mancherlei Verfolgungen weg». d»eu er i» seiner Jugend »«gesetzt gewes», oft mit dem vom Saul »erfolgt» David verglich. Ju seiu» Feldzüg» hatte er stet« ein Exemplar der Psalm» bet sich; ebenso ließ er dieselb» für eiu jede« Zelt al« ei» Feldgeräthftück liefe». — Ost soll er zu seiner Umgebung gesagt Hab«: »Kinder, im Blück uud Unglück leset fleißig die Psalm» David«, so werdet ihr weder jemal« stolz noch verzagt sein." Eine gleiche Verehrung widmet« a»«b König Friedrich Wilhelm I. reu Psalm»; er sah r« ge», ja befahl e» oft, keine aude» Texte al« die Psalm» zu wähl». Wohl oft «ar» die Prediger über dt-se verherrlichuug de« alt» Testameute« ungeholt», aber ihr Eifer war vergeblich; der feine, edle Sinn dieser Hohmzolle» konnte keine Entstellung der herrlich», ewig heiligen Lieder David« duld». 6. Der Pastor zu Achelvi». Nach »ine* Bolkssag«. E« war einst et» Pastor zu Achelvi», der war al« et» armer Mau» in den Ort gekomm». Aber uicht lauge währte es, da wurde er mächtig reich. Uud al« die« der Bemeiude aufgefallm war, da eotstaud rin Berücht gar böser Art uud der weise Rath de« Orte« stellte eiu« Umersuchuug an. Der ehrwürdige Pastor war erschi»» uud hörte dst Frag» de« Rathe» mit Ruh« au uud autwoitete kraftvoll uud eutschloff», al« wäre er der beste Mmsch, der nicht« Böse« über'« Herz zu briugm vermöchte. Aber im Orte lag einst eia Maun i« Sterb», der geistlich» Beistand wünschte oud der d» Pastor zu Achelvi» uicht Hab» mochte. Da kam eiu junger Prt ster au« der uächste» Näh« de« Orte» und verlieh dem sterbend» Mauue dst letzst heilige Oelung. Der Gt«rb»de aber hatte eia« Beschichte erzählt, wie der Pastor reich geword»: tzwet reiche Juweleuhäudler, Jaden, Hirt» einst ihre Maare im Städtch» feil gebot»; ») Uw de» Lebe» diese« Aeltherr,. 7. Jüdische Arbeit. Dst Jud»feiude Hab» stet« und immer behauptet, so lange die Wettgeschichte bestehe, beweise kei» Matt, daß da« Jud»thuw jemal« schwere Arbett »errichtei. Ein aller Historiker, kein verbissener. av«gemachter lkutsteller der Wahrheit, erzählt aber: Da« Colosseum ju Ko», dr iseu ^oßartige Trümmer uoch Vorhand» find, wurde vom Kctser vespafiau nach setuer Rückkehr von der Erobe»»g Judäa'« erbaut. 20.000 gefangene Jud» soll» dara» geardeitl^t Hab«. Es - hatte 1612 Fuß im Umfange und soll 150,0(0 Zuschaue» Raum gewährt Hab», von brara die größt«: Hälfte fitz» kouut». Seiu» Nam» erhstlt e« vou der» darin auf« gestellt» Eoloß de« Nero. Mtt dem Etubrtugm der Bothm iu Italien wurde diese« merkwürdige Deuttial römischer Brausamkeit oud jüdischer Arbett zerstört. Mas »tst t« -AglMtd off« „Fla-ttr«" tuiutt Ju manch» Hein« jüdisch-eugliichm Gemeind», die hauptsächllch au« etugewandertm polnisch» »md »sfisch« Jud» besteh», fiudet häufig rin Rabbinerwecksel statt, da« heißt, ihr Faktotum, der sich »Revereud" ueuueub.: .Schächter", ist oft g»vthigt, nach kurzer Dtmstzett «tue« anderen, vielleicht weniger würdig» Lolleg» Platz zu »echeu. ' Da er aber, bi« er ein» ander« Post» bekommt, (iftra muß, so verschafft er fich iuzwischm dadurch etue Cstiftenz, iudem er Scheib» rtusetzt, oder tu dm Straßeueck» Schwämmr, Bleistifte «ud Haarnadeln »erkauft, währeud «tue« heftig» Stmme« ward» jüngst dst Scheib» etuer klein« Kirche zerschmettert, uud da zufällig etuer der fragliche» Ex-Schächter zur Hand war, so wurde er beauftragt, bst fehlend» Scheib« wieder einzusetz», welch» Auftrag er auch «^führte. I» ' dem fraglich» Ort heißt e« nun allgemeiu, der frühere; Rabbiner, R». Mr. L. habe eigenhäudtg dst Kttche au«gebeffert. — Nicht «tuoer komisch nimmt r« fiä» au«, ««» , eiu solche« Mänuch» tu« Polizriamt gebracht tvstd, well er, . wie«»kürzlich tu Loudou der Fall war, «rauutweiu w» ,; kaufte, der uicht gesetzmäßig versteuert war. Im Polizetbertchi j wurde der Angeklagte al« .Rabbiner" bezeichnet, .der tu der , Nähe der Synagoge wohnt".. 0b. U 1 A I Tff TTi||1 T i II *Ti * 11 i r ■ rr | flrtl‘|L I Verantwortlicher Nedaetenr Dr. Nnhwer, Magdeburg. Druck von