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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 38-39 (1888) · p. Seite 149

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
38-39 (1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 149 (sequence 3)
Language
German
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tnf, der jedenfalls de» letzte», «Schließ gethan, stürzte mit «1»e» dr«n»e»den Licht i» der <M>b' zugleich »tt der Thür t» ««»»s »nd siel zu de» F1,ß«» »einer Waller nieder, ' »elch« oor Schreck ebeufall» hiüstel «Nd pch debet a» Schnacke verletzte. Die» alle» geschah so schnell. daß »ach »ich« alle Hausgenosse» »ach de» Schuplatz dieser Ereigniffe gekommen waren, al» sich der lSaner sch»» ertzabe» halte »nd »il blnliße« Gesichte m«d zusa»«evß«ballte» Fäusten Über »»ine Wntler herfiel. Einige seiner GlanbeUgenaffe». edenfall« mit brennende» Achtern t» den Lände», kan»» ihm 1« Hülfe und es entspann sich irischen diesen und den Hausbewvhneru et» heftiger Kampf. Die weiß gekleidete» Bauern bat«» mit ihre» Achter» eine» seltsame» Anblick dar, nud da» Aufregende der Scene »nud« »ach erhdht durch da» Schreie» und Wehklage» der Frau«», welche fich vergeblich dvvühtev. die streitende» Mäv»rr ««»einander zu bringe», »nd «eine Mutter unter ihre» Füße» wegzniiehe». Wie la»g« der Lumnlt danrrl«, weiß ich nicht, sch»« van Beginn desftlbe» an stand v»r »eine» Lugen in feurigen Buchstaben da» furchtbare Wort de» drahende» Gesetzgeber»; „Leu »orar runooad44 — .rin »«gehorsamer und widerspenstiger Sohn, der mit Steine, Städte« »erde» fall". Bittre Reu« über meine» Ungehorsam hatte »ich ergriffe», »nd durch Schrecken und Lutsetze» betäubt, schaute ich empstudnng». uud theiluamlo» »tt an. wie vom Halse meiner über alle» geliebten Mutter rothe» Blut heradfloß» wie Büschel Heren»« gerissener Haare umherfiogen uud wie e» endlich zwei Bauern gelang, sich zwischen dtt Kämpfenden zu drängen, uud dtt Ihrigen a»f di« Straße hinan»zust«8«». » Am Nachmittage de» dritte» Lage» nach dieser beschriebene» Nacht erschien der Temprldiüer und rief laut au «Leu Straßenecke» an»; »Geht zu mi micwoh" (erweiset di« letzte Sin). Dir Männer seufzte» bei dieser Borladung nud dir Fr,«» wetttte». Dtt Geschäfte und Werkstätten wnrde» eiligst geschloffen und sämmtlich« Inden Erwachsene rnd Kinder, strömte» haufenweise nach dem Borhof« der Haupt-Synagoge, wo ste mit der laut ausgesprochenen Bitte empfange» wurde»: „Zdokoh tauil mimowet44 (Almosen rettet vom Lode). Bald daraus wurde rin« schwarz verhüllt« anfgebahrtt Leich« hinetugetragen, der »an «lß Zeichen der (ftrt die Torah (Gesetzegroll«) entgegeuhielL Dtt Leich« ' wnrde vor «iner tmprovtfirte» Tribüne niedergestellt nud der zwette Rabbiner bestieg dtt letzter« uud begann seine Rede mit dem Texte de» Propheten: »So sagt der Herr: «ine Stimm« hört «an in Rum, Weinen uud bittre Seufzer — Rachel (die Berstorbene führte auch diesen Name») beweint ihre Kinder »nd Niemeod kan» sie trösten.* Im Anschluß hieran schilderte er, unterbrochen von bedeutendem Wehklage» der Anwesend«», dtt Verdienste uud lugmde» der in Frieden Entschlafene». Dan» wurde die Berstorbene ans den Friedhof gebracht, begleitet von »er ganze» anwesende» Versammlung, aber weder «rin Bater noch »ei» Großvater befanden sich im Zog« der Leidtragenden, denn beide lagen schwer muck darnieder. — Nur ich »riß nicht, woher ich die Kraft haltt. »ich zu der Leich« «einer so innig geliebte» Mutter hinznschleppeu und wie r» mir möglich war, am Grabbügel da» Kadisch lut zu lese», aus Dukbarkett zu» Schöpfer der Wett für seinen heiligen willen. Kummer «nd Verzweiflung, sowie dir Srkenntniß einer schrecklich:» Schuld "hatten mich fast wahnsinnig gemacht und »einer Kraft beruht. so daß es mir nicht möglich war. eine Thräne »ährend der Krankheit »einer 1 heueren Mutter zu vergießen. vierzehn Xa»c später geleitete ich dtt Leich« meines Großvater», de» der Schlag gerührt hatte, zu« Friedhof, . und stehe, wie m-rkwürdig, meine Sinne kehrte» zurück nud die lindernde» Thräne» fioffe» reichlich. Diesmal las «ei» Vater da« Kadisch, vnd ,l» er de, ver» endigte: .Wer Friede» macht in seinen Himmel», der möchte auch Friede« schaffe» nn» uud dem ganzen Haus« Israels. Kok,* da wiederholt« dtt Meng« da» Am« »tt lauter Sttmm« uud 1 b er Scholl rollte über du Feld de» Tode» in de» angren »ca d rn Hain, der tu Echo «usrudfach znrückgob und seine s eekevlosen Bewohner schaukelte» tturig mit den Wipfeln, al» wollten sie ihr Mitleid«» bezeugen für menschliche» Kummer und Elend. Mi-eelle«. «an Karl «teseuthal. 1. Der »«friedliche. In einer llkineu deutschen Stadt lebten der evangelische Prediger und der Rabbiner im besten Einvernehmen, ja, waren sogar in frenntschastliche Beziehungen getreten, und diese» Freundschefttverhältmß -war darum so glücklich, weil Beit« sich fest vnsprochrn hotten, niemals über religiöse Etreittakeiten in Eifer zu grrathen. «ne» Tage» aber waren die beiden Freunde doch in eine Meinungsverschiedenheit arratben und bald entstand ei» ttbhaftts Gespräch uud der Herr Pastor war gar sehr erhitzt. so daß er im Arbeitszimmer de» Rabbiner» so wüthend wurde uud «tt den Büchern von einem nohrstrhenden Gestell ei» förmliche» Bombardement gegen den Rabbiner «röffarte. Ter Rabbiner, welcher bemerkte, daß der Pastor immer nach diu grüßten und dickste« Bänden griff, sogtt, ohne seine Ruhe zu verlieren: .Lieber, milder Freund, könntest Du mir Deine Liebkosungen nicht in kleinerem Format zukommen lasten?4' 2. Ei« treffender Bescheid.*) Zur Zeit Friedrich de» Großen hatte e» sich zugetrageu, daß der Blitz in et» jüdische» Wohn» und Bethan» in einer enge» Saffr Berlin» eingrschlagrn hatte, ohne zu zünde» E« hochangrsehurr, wohlbeleibter Geistlicher speistt wenig« Doge darauf au der Tafel de» König» und kam auch darauf zu reden, vtt der Blitz merkwürdiger Weise während de» vabbach», al» die Juden betete«, eingeschlageu. Der ftomme Herr behauptete, dieser Blitz sei vou Gott gesandt, um de» sündhaften Juden die Ungnade de» Himmel« zu verkünden. Friedrich der Große, al» er diese Wortt hörtt, zog ein ernstes Gesicht und sagtt: .Gott hat diesen armen Jude« ein« Gnade erwiesen, die nur Gott erweisen kann. Hört, Herr Pfarrer, solch« Bo»h«tt laffe Sr künftighin nicht mehr hören. Merk« Er auf, wu ich jetzt sage: E» war in meiner Jngendzett, al» «ein Herr Vater »och lebte; wir besuchte» ein« groß« Kirche, in deren Näh« ein Kloster war. E» zog ei» gewaltige» Gewitter 'rauf. Der Regen goß tu Ströme»; wtt fanden in der Kirche nicht eine Mau». Da Mtzlich gab e» einen furchtbare« Knall, der Blitz hatte den Tl urm gezündet, der bald lichterloh brannte. Aber Herr Pfarrer, wäre der Blitz in de« Keller gefahren, wo dtt ftommea Herr« Pater sich aofhieürn, so wäre wahrscheinlich keiner von ihnen «tt dem Leben davongekommeu!* 8. Bestraftes Judeulob. Al» ein tottrautrr 'Geistlicher zur Zeit Friedrich de» Groß« einmal in einer Predigt recht warm für dtt Jude« eintrat, war ein« in dem Gotteshause anwesend« ftomme Jungftau vou 43 Jahren so in Aufregung gerathen, daß sie mit aller Wucht wohlgeztett nach der Kanzel mit eine« Apfel warf uud so unglücklich ttaf, daß der Predicer laut anffchretend zusammen fiel. Dtt andächtige Gemeinde war sehr erschrocken und es verginge» einige Minuten der größte» Verwirrung. Zwei handfeste Männer aber hatten dtt Bewegung gesehen, welche dtt Dame gemacht. Flstgeoomme», gestand dieselbe, es sei ihr unerträglich gewesen, die häßlichen Jude» gelobt zu wiffen. Sie wurde schwer bestraft Friedrich der Große börte diese« Ereigntß und war sehr erzürnt darüber. Er lttß deu Geistlichen zu sich rufe», drückte sei« Beduera au» und sagte: *) Hlstmit».

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