Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 38-39 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 2)
- Language
- German
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Erscheinung. Usfern Harfe irgnUcr leuchtete dw |r»ft Anzahl brennender Lichter aaf. welche ebenfalls etnander zuznwiukeu schiere«, und viele »riß«, schattenhafte Sestakte» beler chtete». *) Durch dies« Erscheinung welche ich nnwillkürlich «it de« Lichtern am Himmel i» Verbindung bracht«, wurde ich seltsam aufgeregt, und mei» Herz begann schaeller zu Noplr«. Hatte sich doch schon damal« i« wir die «»ficht gebildet, daß da« Feuer ei» Symbol de« göttlichen Seifte« und gewiffermaßen der körperliche «»«druck derselben sei. In dem Eeremouiea-Eultus de«Zudairmu« spi-tt da« Feuer dieselbe Rolle, wie i» anderen Religionen, auch war mir von «einen «örterinnen er,Sylt worden, daß schon vor der Sedort de« Kinde« ein L'cht auf dem Hanvte angezündet wird, bei deffen Schein da« Kind di« heilige Torah lernt, welche e« doch sogleich wieder vergißt, sobald e« da« Licht der Welt erblickt. Endlich hatte ich schon in der mir in frühester Jugend bekannten und v rtrante» heilige« Schrift gelesen, daß die Seele Sorte« Licht sei. So war e« denn ganz natürlich, wenn in der gläubigen Kiuderseele, welch« ja so wenig die schale WirNichkeit von Phautafiegebilbeu zu unterscheide» vermag, die am Himmel funkelnden Sternchen sich «U den auf der Erde bewegend«» Lichter» zu ei«» harmonische» Ganzen, zu einem göttlichen Bild« verschmolzen, welche« meine Seele andächttg stimmte, nnd doch anch zugleich meine Rrugierd« t» höchste» Grad« erregte. Meine Kräfte auf'« Höchste anstrengend, versuchte ich nochmal«, die Thür zu öffnen, wa« wir aber nicht gelang. Durch die« verursachte Seräusch erschien mein« Mutter «ft einem Lichte in der Hand, um die Ursache desselben z, erfahre». Meine Mutter war nur eine schwach«, nervöse Frau, dabei jedoch ein äußerst sanftmüthi^s, gute« Wesen, wegen ihrer Kenntuiffe und Frömmigkeit von alle» Leute» sehr geachtet, und ich natürlich hielt sie für eine Verkörperung alle« Klugen, Sutea »ad Schöne«, für »ich war sie ein wirklicher Engel in Menschengestalt, «nmögüch konnte es ans der Welt etwa« Bessere« gebe». »Wohin willst Du denn?" ftagte st« «ich leise, al« ob sie kein Seräusch machen wollte. „X»f die Straße, Mama, dort —“ »Heute soll man nicht «ehr so spät auf die Straße gehen I" Da ich glanbte, daß «ein« Mntter die« »nr wegen der späten Abendstunde sagte, so eUte ich, sie zu bernhigeu, und erwidert«: »Warum nicht, Mutter? Sehe ich doch hänfig so spät allein auf dt« Straße und fürchte »ich nicht. Sieh«, da kommt anch bald der Leiserke «it der Knarre." »Aber heute, sag« ich, kann mau nicht so spät auf die Straße hioausgehm; die Sojim werde» bald an« ihrer Kirche herouskomme» und an unser« Hause vorübergeh«», dagegen wird der Seiserke hatte nicht kommen." Durch diese Antwort ward« ich in groß« Verwirrung gesetzt und «ährend meine Mntter einen i« Hause stehenden Schrank öffnete und sich dort beschäftigte, dachte ich über die für mich wuuderbare Antwort »ach und »ersuchte, den wahren Sinn derselbe» herauszufinden. Heut« darf «an nicht aus die Straße, di« Sojim werdeu an unser» Hause vorüberkowmeu. Diese beiden Sätze waren für mich et» Räthsel, welches ich mit meine« kindliche» verstand« nicht auslöseu konnte, da es mir nicht möglich war, zwischen ihnen eine» Zusammenhang aufzufindea; ich versnchtr daher von meiner Mutter Aufklittnug zu-erhalte«. .Mama, glaubst Du, daß ich mich vor de» Sosim fürchte? O nein, »ein! Sie können vorüdergehea, sie habe« 1 E» ist in Rußland eine weitveidreitete Sitte, i» da Osternackt an« da Kirche «m bremiade» Licht »ach Hanfe ]■ traae» nb hier vor fänumlichen ThLe» ein Kreuz zn wachen, «odnrch Hans und Ein» watzarr vor Sesahre» geschützt find (Sollte dies« Sitte vietleicht an di« von de» Jsiael'Ieu in da erste» Pafia-Racht da Nacht da Sefretnnau« Kgvptev, an ihre» Hiluser, ,u« Zeichen da .Schonung» gemachten Blutzrichcn enirnerns Red^ . mich alle sehr lieh. Ms ich in der vergabgaa» Woche mit dem Frühstück »nter de» Arm« nach dem Ehester ging »nst ei» großes Schwei» mich beiße» wollte, trieb ei» alter Soi nicht «nr das Schwei» von mir weg, sonder» »ahm «ich ~ sogar bei der Havd und brachte mich bis zu» Ehe der indem er «ich fortwährend liebkos't« nnd mir den Kopf streichelte. Habe ich Dir dies nicht erzähft?" .Ja, dieser alte Soi war ein guter Soi, ober deren - find nur festr, sehr wenige, fast alle find fi« «usere vow- Soa'iro (dltttige Feind«)!" „Son’im“ wiederholt« ich erstaunt, .unser« klon'im, meine Son'irn und warum den» Mutter, was Halen wir ihnen grthan?" .Jetzt ist keine Zeit, davon zu sprechen, geh« lieber in ' die Stnde, dort erzählt jetzt Großväterche» eine schön« Seschichte." Die Ansficht, dt« schöne Seschichte z» höre», reichte jedoch diesmal nicht ans, «ich in dir Stabe zu locken. Ich gehörte nicht zu de» Sinder», welche fich mit oberfltchlichen Erklärungen begnügen und fuhr deshalb «it Frage« weiter fort: .Warum soll ich nun grade heute nicht «rf di« Straße gehen, da ich doch sonst »st spät allein onsgeh«?" .Heute ist bei de» Sojim eia solcher Feiertag, daß fi« eine» jeden Jude», de« sie auf der Straße begegnen, mag er NUN groß oder klein sein, rin Rischns (bösen Schaden) zufüge» müssen; verstehst Du «ich jetzt? Sehe »nr in die Stube." Obgleich ich sonst sttts ei» folgsames Kind war, bliest ich doch unbeweglich ftrhe» »ad dachte über das eben Gehörte . nach. Zum erste« Male in meine« Leben ftagte M| mUb: was ist doch der Soi. der fich in seiner Sprach« nnd in seinem Aeußeru so sebr von »ns untedcheidd? Wie '»»mm fie daz». mir ei» Rischns z» Ihn», mir, eine« steine» Würm» cheu und «einer von Allen s» sehr geliebten Mutter, di« fich niemals erlaub«» wird, Jemande« anch nur ein sehlechte» Wort zu sagen? Und was ist das für ei» Feterliß, an . welche« man seinem Nächste» Schaden zufüge» muß? Bor «eine« geistigen Auge tauchten schnell die bekannten Bilder unserer hohe« Feiertag« ans, an welche» ans de» Sifichter» Aller, wenn fie auch noch so verzweiftlt ttanrig «id miß« mnthig dreiuschauten. et» Heller Schein von Freu»« nnd Heiterkeit, von göttlicher Ruhe nnd heilige« Frieden lag; au welch«, oll« Juden in der Synagoge zusamme »kamen, um die Predigt meines Großvaters, Vaters oder anderer Prediger zu höre»; an welch«, «ein« Sroßmntter, Tante und di« Nachbarinnen fich »« «et« Mntter vei-sammelte», die mtt so sympathischer, fast zanderischer Stimme nes der Bibel oder aus eine« andern Buche ethischen Inhalts varlas. Und »na hört« ich von einem Feiertag«, an de« «ar seinem Nächste» Böses -»füge« soll! Nein, des kau» so ui<h« sei», das muß einen liefern Grund haben, dachte ich, nnd war eben im Begriff, »eine Mutter auf's Ne« mtt Fregen z» bestürmen, als ich auf der Straß« die Tritte vieler Vkensche» - hörte, die fich unser« Hause z» nähern schi«»e». Hi«»d«ch wurden meine Gedanke« wieder auf dt« brennenden Sichter __ gelenkt, welch« ich vor wenigen Minette» gesehen, »nl> die ich jetzt auf unser Hans znkommen sah, ich ries deshalb »oller Freude an«: .Mutter, Mütterchen, »ff« mir doch ftznell dte Thüre, steh« nur. wie schön es «ns der Sttatze ist." Aber die Mutter hatte schon das Licht ansgelöscht, and ehe ich eine Aalwort von ihr erhielt, wnrd« du starker Schlag gegen bi« Thür geführt, und drohende Worte in ui«ht jüdischer Sprache ausgrftoßen. Ich wdß selbst nicht, wie es kam, daß ich gar nicht erschreck. sonder» t« Segentheil sehr jornifl wurde, nnd, die eben erst von der Matter -mheitte Warnung vergefieud, laut ries: .Wie kannst Du »agen^ gegen unseie Thür zu schlage»; packe Dich fort!" Wahrscheinlich wurden die draußen Stehenden schon durch meinen jüdischen Jargon noch »ehr erzürnt nnd es wnrte» noch heftig-re Schläge und Stöße gegen die Thür geführt, so daß - dies« plötzlich mit lautem Krachen «ufsprang. Et» plumper :4