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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 37 (1888) · p. Seite 145

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
37 (1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 145 (sequence 3)
Language
German
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145 wdt «lag an«, Prophet» sachm »nd fand — Ssrl? — »et»! retßmd« Thier« fast I St« ««reu fie «er ihn hergefallm, »te »Wächter der Ortona«" i» der polnischen Metropole I Sie schwer und mißtrauisch »«rdr er iuquirirt, al« »ittcre »an in ihm eine» schwere» Verbrecher l Und «l» er nicht in der Lage »er, sich dnrch einen Reisepaß genügeud ,» legttimtre», «tt »elch' grausamer Härte »urd« ihm die Bezeichnung »Landstreicher" in» Erficht geschleudert, wurde er für verhaftet erklärt! Und al« er fich einer LeibeSvifitatto» nnterwttsm mußt« und bet ihm eia sehr umfangreiche«, in einer «nbekannte» Schrift abgefaßte« Mauuscript mü verschiedene» Register ähnlichen Tabelle« »entdeckt" und von dem »>nge de« Ersetze«" scharfsiunig behauptet «urde. daß die« ja wohl auch äugend ein revolutionäre« Schriftstück sein könne, da« erst voa cowpetenter Seite untersucht »erden mußt« — wie erbebt« der Brei« ob de« Kinde« seine« Eetste», seine« Sch»etbr«! Und al« ih« eröffnet wurde, daß er »per Etappe nach seiner tzrimath befördert werde» würde, wie »anlte er und brach dann vffammen! Doch da« „Ersetz" kennt keine Rückficht. Ereife und Kinder, Männer und Frauen werden gleich »ückfichtölo« behandelt, wenn ihnen ihr Eeld gestohlen »md« ... vou einer Eivilperson. Die betreßten veamtrn stehlen ja nicht — pfui! welche Unter* stellnngl — fie nehmen nur, um dafür der ihnen überwiesene» Person Bequemlichkeit »der gar Freiheit zu geben. >rwer Moscheh-Abraham! Wie gebrochen an Leib und Seele kam er in R. an. Sein ganze« Nervensystem war erschüttert. Sri» Erficht glich einem Kaleidoskop, in weiche« die Farbenschattirunge» jäh wechselten — vom feurigen Roth dt« zu« tddtlicheu Blaß. Er ging nur unau«grsrtzt im Zimmer aus und ab. holte immer die Tabaksdose hervor und suchte fich durch eine Priese zu stärke«. Doch der Tabak half nicht; er pndert« nur mit diesem »utzlo« de« silbern« Äituzendeu Vollbarl und de» ohnehin schon tabakfarbenen Schnurrbart; e« wollte ih« nicht an« de» Eedanken: Eeld, Eesuudhett und sein Werk verloren! Der Verlust de« letzter» schmerzte ihn am «eisten ... 9» ist selbstverständlich, daß Ehawe-Raschte und Aron- Simon alle ihre Euergi« und Beredsamkeit aufboten, um re« Erri« zu beschwichtigen, zu zerstreue»; zumal da der Jünger r AeSculap« erklärt halte, daß der Kranke unbedingt jeder Aufregung serngehalteu »erde» müßte. Der treue Freund wich fast nicht van seiner Sette, und während sonst da« Schachspiel unr am Sabbath in seine Recht« trat, bildete e« jetzt di« unausgesetzte Unterhaltung und Zerstreuung de« Kranken. Nur wunderte er fich im Stillen, wie sehr »ron-Simon au« der Uebung gekommen war, den» er verlor jede Parthie... Und ol« fie eine« Tage« friedlich bei eiuander saßen, erschien et» Diener der heiligen Hermaadad im Zimmer Moscheh Ibraham» ... Dieser erbebte; di« Uniform flößte ihm Erauen et»... Allein diesmal war et» Bote de« Frieden« in dieser verpönte» Tracht «schienen. Sr überreichte ei« Schreiben de« Polizei«eister« »ad eatferute fich. Aron-Simon erbrach da« Schreiben und fand darin die Verfügung der obersten Polizei-Behörde zu Warschau, der« Inhalt wir bereit« ‘ kennen, «er der leidende Moscheh-Abraham kannte ihn nicht und Härte, auf« Aeußerste gespannt, zu, wie der treu« Freund vorla«. Und al« dieser zu der Stelle kam, wo di« •- höchste Behörde zu Warschau verfügte, seine Erammatik - »herauSzugeden", »olltt er auch nicht« weiter höre», sonder» ward wie »mverjüngt und rief begeistert: — »O, hellig« Eerechtigkett, in derr» Name» di« Welt regiert wird! O, «et» thrnre« Vaterland, da« «tu Hort de« Rechte« ist! Sa soll ich e« noch erleben, daß «eine Erammatik heran«- gegeben wird, daß »ach ihrer Methode di« heilig« Sprach« »nserer Väter gelehrt werde!!..“ Nein! Nicht, bloß de« Mißverständnisse« »egen, da« de» Errtse nicht aufgeklärt wnrde.... & Aro» Simon entfernt« tat Schachbrett mit de» invaliden Ftgwkt», da« Spiel konnte ja dach wicht fortgesetzt werde»; den» diese unverhofft« Botschaft hatte de» Kranke» so erregt, daß er kraftlo« tu de» Sessel zmücksank.... Und »ach wenige» Tage» hatte ih« der »schwarz, Läufer", der Tod, »Schach" geboten, und er hatte keine» »Zug" «ehr uud war »matt", und da« Spiel war an« ... Rector Horwitz. Skr Qk%enft!att von vernhard Traubrnberg, Lehrer. lSchluß) Horwitz' Stellung zur Religion ist e« zuzuschreibm, daß fich viele von ihm abwaudten. die sonst mit ih« »ach einer und derselbm Richtung strebte«. Horwitz war freifinnig. doch verblieb ih« noch nicht blo« rin Fond« religiöser Empfindungen, di« ihn überhaupt erfüllten, sondern selbst auch religiösen Elaubeu«. Aber wa« ihm fehlte, war Toleranz, Duldung religtv« Andersgesinnter. Seine leidenschaftliche, heftige Narur brachte e« mit fich, daß er den Haß vou der Sache auf die fie vertretende Person übertrug. Ich brauche kaum hinzuzusügm daß er dieser m'lden, versöhnenden Eefinuong nur imirrhalb der Parteien der eigmen Religion»- gennsseuschaft ermangelte. Horwitz war «ine durch und durch Heine'sche Natur, und wie Heine liehen auch ihm tiefste« Empfinden und zer» setzend« Satyre die Waffen einmal zur Verherrlichung, da« andere Mal zur Verspottung religiöser Einrichtungen; freilich, und da« will ich nachdrückltchst betone», niemals der Religion selbst. Unsere Ceremonteu erfuhren vou ihm keiueSwrg« eine voa helliger Scheu eingegedene Behandlung; die modernifirteu, komisch wirk« sollenden Namen, unter dem» er fie seiue» Schüler» selbst der Lächerlichkeit preisgab, ließen gar sehr die ehrfurchtsvollere Auffaffung derselbm vermissen. Dagrgm sei e« hervorgehobm, daß er jede pädagogisch verwerthbare Stell« im jüdische« Schrtftthume dm ähnlichen Smtenzen der Pädagsgm zur Seite stellte, oder, wen» angängig, fie in befferrm Licht« zeigte. Die Art uud Weise, wie die« geschah, wirtte oft drastisch. Ich weiß nicht «ehr, um welchm Satz e« fich haudelte. Wir staudm bet Pestalozzi, und Horwitz hielt dieser milbeftm und liebste» Erstatt unter dm Pädagogm «in« ergreiseud« Lobrede ans seim rührmd« Ergebung tu da« ih« beschirden« Schicksal, die nie erlahmend« Lieb« zu seium Schülern, di« Uneigmuützigteit, mit der er sein eigene« vermögen seimn Justitatm opferte. »Uud doch", fuhr er fort, »war er et« NY7l2. dieser Pestalozzi, wie nuvergleich schöner habe» die altm Juden mit den laugen Rvckm die« tu dm Pirke Abot") auSqebrückt." Dafür muß ihm da« Judmthnm Dank wiffm, dm» die meisten Lehrbücher der Pädagogik gehm vou wirklich christlichem Standpuntte au», »der gebe» jrdm Fortschritt zu« Enten und sSmmttich« didattffchm Lehrsätze al« von rein christlichem Eharakter dmchhaucht an. Ditte«, allerding« der brdmtmdste «oder« Schulmann, ist der einzig«, der auch die Berdtmst« d^d Judmthum« um Unterricht und Erziehung vollauf zu würdig« weiß. Alle Ander« betrachttu da« Judmthum nur al« Vorläufer de« Ehristmthum«, uud nur um in dem letzterm im Eegeusatz zu» erster« bi« Bollmduug und dm Schluß aller Pädagogik zu feiern. Daß man schon 1800 Jahre, währmd de« Bestehen« de« Ehristmthum«, immer »och nach der Wahrhett ring« muß, in der Pädagogik so gut wie in allm and«« Dttigeu, wa« kümmert'« jene pietiftische» Mucker? Daß Hör- »ttz hierin die Ehre de« f» sehr veruachläsfigtt» Jndemhnne« vertrat, sollt« auch seine Eigner unter un« anerkenn«», den» Keiner, uud wäre er auch ein »eit gründlicherer Kenner unsere« Schriftthnm«, hätte Hl ih« nett solchem Eeschick »ab solcher herzwnrme, Begeisterung glrichthn» könne». Da 1 Sätze au» »ischaah mW Talmud ward» »ft M heraa- «upgai mb MaaMt. Ich trfemm «ich «ch einer weihevollen Ltnade, k der er de« Uiv rschic» p^ch» «etd an» «er taefaf*, str «eich, beide Aasdräckr de» Hebräer da» Bort,1dvp habe.

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