Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 37 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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144 -Der SitüMlt Weißt D», was et» Ehebrecher art Rabenvater, Menschenräub» «ad Brudermörder ist? — — Da« ist ein Littwak! »der »«ißt D« «lbererseit«. »er Geist »ad Witz befitzt?-Der LitttvaU Weißt Du, »er nicht nur in den heiligen, svnder» auch in den profanen Schrift«! bewoudert, »er ert großer ».Lamda»" ist anb dabet fast aller ,fiebe» Weisheiten" kundig ist?-Der Litt»ak i Diese Erklärung wird Dir jeder pol«ifch« J«de geben. Weißt Du es nun, mein Leser? Nein? Nim, s« will ich Dir es «it schlichte» Worte» sagen: dies« oeradscheuuugSwürdige uud dabei so talentvolle und keuntujs,reich« Ungeheuer bedeutet sonst in der Sprache der Sterblichen: „Litthaner"; allein der polnisch« Jude legt diesen Name» nicht bloß den jüdischen Bewohner» Litthaueu« bei, sondern vielmehr allm Denen, di« nicht da» Glück haben, »wische« Weichsel und Warthe geboren zu sein — den drei Millionen russischer Juden! — Und « ist fein Phautafiegrbilde. da« wir hier gezeichnet. Denn sei «, daß die angebliche» Untugeuden ober daß die weit übertriebenen natürliche» Anlagen der rusfische». vulgo litthamscheu Juden daran schuld find — aber es ist Thals acht, daß da» verhältniß zwischen den pol» uischeu uud russischen Joden ein so feindselig« ist wie es stärker kaum gedacht »erden kann. Diese find in gewiffem Sinne die Paria« der Paria» in Polen. Der polnisch« Jude ist der gelehrige Schüler seiner Feind; geworden: genau wie der Judenfresser ihn, behandelt er den Littwak. Wie der Jude in den Augen d« „echten" Antisemiten durch keinerlei Umstünde und LerhilMiff« aufhvrt, Jude zu sei», so ist nr.b bleibt der russische Jude ein „Littwak", selbst wenu « ih« gelungen ist, sich seinen polnische« Glaubensgenosse» voll und ganz zu „asfimiliren". Mau meidet jeden Verkehr mit ihm, obwohl mau überzeugt ist, daß jeder LUtwak «o ipao ei» Ausbund von Gelehrsaurkeit ist; denn „er mißbraucht seine geistigen Fähigkeit«'. Die Heiralh mst eine« solche» wird al» rme Melolliauce augesehm, al» unanSlöschbarer „Fleck" für die ganze Familie. Der Antisemst sagt: Jnd' ist Jud' I Und der polnische Jude sagt: Littwak ist Littwak, ob i« Ehliuderhnt oder tu einer schmierige» Müh«. Da» sagte fich auch der Wohlbeleibte auf dem Schießplatz, beantwortete dt« Frage de» offenbar litthauischen Jode» nach dem nüchste» Wege zu de» „Naliewki'g" «tt eine« kurzen ,Woue?' und ging an seine für einen Moment unterbrochene Arbeit: die Fenster de» Schloff« zu zählen; und al» er mst der Vestenfront fertig war. wachte er fich mit einem gleich löblichen Eifer au die Vorderfront uud überließ de» Fremde» seinem Schicksale. Jen« ominöse „Woue?", da» mit gespitztem Munde uud oufgeblaser.e» Nasenflügel» halb durch dre Nase und halb durch de» Mu»d gesprochen wird, sollte heißen: „Waö?" und andeulen, daß der Frager ein Idiom spreche, da» dem wohleiogeseffereu Warschauer gilnzlich fremd ist. Wenigstens faßte « der frrmde Greis in diesem Sinn« auf und überlegte, ob « nicht rathsawer sei, fich an „ihre" Lentt zu weudeu, al» an Glaubensgenosse», bst ihn ja nicht verstehen — vollen! Uud warum nicht gleich an jene» junge» Man», der offenbar gelangwellt fich au de» Laternenpfahl lehnte «ad di« Poffautru musterte? Funker, dürfte ich Sie bitten, mir den nächste» weg «ach de» „NaKewki's" zu zeige»?" „Gern, Pa». Zu wem «ollen Vst?" „Zu dem Buchdrucker £." „Nun. da treffe» Vst e« ja vorzüglich; ich wohue in demselben Hause, »nd da ich jetzt nach Hanse gehe, so kSmaeu Sie mst mst kann»«», Großväterchrn." Dstse» srcu»diich« Entgegenkommen t« vergleich t» dem abstoßenden Benehnwn sei»«» GtaubenSgenaffe» berührst de» alte» Manu sehr angenehm. Er w»rde rttffelig. Auf Bofrage» erzählte er. daß er eine vrammatst drucke» z» laffr» beabfichiige un) daß er i» der Br»ststsche »icht — »st sei» frr»»»ltcher Begleüer glaube — dac gestllst Brieftasche habt ... bewahre! wo sollte ei» armer Lehrer z» 8wr gefüllte» Brieftasche' komme»!... sonder» bas Miamseript. O. der liebenswürdig« „Junker" solle doch nur »anz «»- besorgt sei»; er wiffe schon, daß man fich i» Warst ha», wie in jeder ander» Großstadt, vor Taschendieb«, i» Acht nehme» müsse. Set» Freund Aron-Vimon, der erfahrener stt als er; Hab« es ih« gesagt »nd ihn gemurrt, sich mit Jftnnmd tu Gespräche und Intimitäten eiuznlaffe» und ih« »iae» a»sgezeichneieu Rath gegeben, wie er sei» Geld am feftr» und sicherste» bewahre» solle.... In »elcher Weist? Der Junker «oll« es unr wiffe». »m von der Erfahr>»g estms alten Mannes z» profittreu? N»n ja, nichts »»ehr als billig. Und de» freundliche» Junker könnte man es schon «errathe», müßte man es schon »errathe» für sein« Lstbeuswürbigfeit. ... „O. «ei» Fre»nd ist ei» sehr „frimst lkopf", »ad besitzt Erfahrung und viel Weitkeuuluiß» während ich zr» erste» Mal« von meinem GeburtSorst abwesend bin. <är sagst mir, daß dst Taschrnvstb« in der voranssetzung, daß n»a» das Geld in der Hose»-, allenfalls aber in der E rnsttasche trage, t» dstse ihre lauge» Finger zu versenke» snche»; hingegen dürfte feiner von ihnen muth maßen, daß Jcriand sein Geld in der ... hintern Rocktasche ausbewahre... hihihi!" „Ein Nuger Man», Ihr Flennd, Paul" Ja, klng ist Dein Freund, aber D« bist es »icht, Reb Moscheh-Adraha«! Doch so find dst aUe« Leust, estweder grrnzenlos mißiranisch oder bet der ersten empfangene» Fre»»dlichfetl grenzenlos vertraulich. Zengt dies auch von einem waldlose» Eharaktrr, der Jede» so rein »ährt »st er ist, so ist es doch ei» unleugbarer Beweis »«» gnstger Gelterfahrung ... „Ja er ist klug, «ei» Freund, »nd mir üb» lege», de« es gelingt mir selten, ihm eine Parthst Schach abzvgewinne»« obwohl er dieses Vpstl erst von «st g.°lern'. Doch find wst nicht bald zur Stelle?" ES sei nicht «ehr allzuweit. Ah. da sei llrrad« das Theater l Wie fich das Pndltku« dräng«, nm daö Bild der Diva z» schaue», dst heute Abend finge» »erde l vd der. Pa» „Slttestamertarstr" nicht «uch das Bild der berühmte» Sängerin sehe» wolle, das am BilletschaUer ausgkftellt sei? „Ja? ckodrn», bitte!" In der Thal, da drängte fich Alles an dst 'lafft, das sah uuser Moscheh-Abraham, aber das Bild kannst er nicht entdecke». Er gertrth immer »ehr ins Gedränge «»d gelaagfe schließlich an dag Schalterfeaster; doch dort fand er an Style - des Bildes einer berühmte» Sängerin eine« mürrische» Eassirer, der ihn frug, zu welch«» Platz« er ei« Btllet wünsch«, «nd ihn zuletzt, als er etwas verblüfft erklärt hälfe,. nur taS Bild der derühmleu Sängerin sehr» z» »ollen, kategorisch anffordertt, de» Platz z» räume» «>d sich aus der Vorhalle ja begebe». Der Alt« wurde Kriege« u»d wollte, nach Art der rusfische» Inden, vor Verstgeuhest fich dst Nase wische», griff i» dst Hintere Rocktasche-das Taschentuch war verschwunden «nd auch das Packetche», welches sein ganzes vermögen in Banknote» eothstlt, war verschwunden. Er sah fich nach seinem Begleistr »« — auch der „Junker" war verschwunden. Entsetzt erklärst er laut,' daß er hier, i» der Borhalle des Theaters, soeb» bestöhle» worden fei; der Lasfster aber rstf de» auf- »tb abgehend«» Schutzmau» an, „damtt de» Jude» sei» Recht werde." ...;-js 1 ..... Und in Erwägung dessen, daß daö genannte Manuskript »ichts enthält, was auf «ine revoirttonäre Schrift schließe» ließe, weil« ich de» Polizeimrtstrr z» R. an, die Grammatik bH Jude» M *- Sedäuer heranszugebe» »ab ..." Weiter kam der greise Aron-Simon Bcht, de»» er wnrde von de« im altvästrischeu Veffel schlaff hstigelehrte» Moscheh- Abraham stürmisch unterbrochen... Sonst würbe er «afe gelesen haben: „und ihm auheimzngebe». ob er Istselb« strrch de, Druck oerostlfältige» will ..." Ich er war sehr schwach, der greis« Mosch chMbvcha».