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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 36 (1888) · p. Seite 141

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
36 (1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 141 (sequence 3)
Language
German
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%?■ fc: I t t; r |i lochen trab zum Lochen aozuregen, sondern stet« war er «er Zweck zu ei«« ernste» Ziele und er waodte ihn a» «er t» de« tfonfttfcta de« mit dieser scharfen Waffe Keffer zn v ring NI den Erfolge«. Und der Efolg hat ihn wahrlich nicht «etidescht. De« Schwerpunkt seiner Wirksamkeit hatte er in dt« Erzieh«»« «nd pädagogische Arbeit verlegt. Und auch hier zeigte er sich in einer Eigenartigkeit und Selbständigkeit, die gerade unter de« der Pedaaterir besonder« zunetgenden Pädagoge« fast ohne Beispiel ist. Jedem Schemati«mu« und jeder schablonenhaften Rachbrttrei abhold, entwickelte er seine Grundsätze der Erziehung tu nicht gerade schul,erechter Weise. Wie-schlecht kamen dobei manche geiste«dürren und schrulleureiche« Pildagogleiu weg. die in ihre« dureaukratisch-n Eigendünkel de» Stein der Weisen allein zu befitzen stch anmaßen. Ihm galt die Weckung der Geisteskräfte mehr al« aller - Unterricht t« Wissen. seine Arbeit war die de« Bergmann«; m»s den stille» Liefe» der G.iftesschachte holte er die den Besitz« ru selbst unbewußten Schätze herauf, keiner erkauute wie er .das Herz, au« dem fich eia Jugendbtldner schnitzen kaffe-, «nd keiner verstand wir er. den schlummernden Funke» ' im Stein mit kühnem Schlag« herauszulockea und ihn zur miichti<-eu Klamme der Erkenntniß zu entfachen. In diesem - Heben verborgener, Anderen unsichtbarer Schätze hatte er eine »ngewShültche Meisterschaft erlangt. Lernen konnte mau bet einem Auder». aber in der Kunst der Entdeckung und Förderung de« Talent« «vor Horwitz der Pollini der stch dem Letzrerftaud widmende» Jünglinge. Ei« Stunde setner griftsprühenden Behandlung riae« abstrakten Stoffe« bot mehr Anregung, al« ein halbe« Jahr mühsamer Aufspeicherung und Einübung von Wiffrusmateriol. Di« beispiellose Anschaulichkeit und die gret'bar concrete Darstellung der entferntest liegenden Themata konuten in Erstaune» setze». Jede Frage war ein Gedankenblitz, der allm - Scharfsinn zur Beantwortung erforderte. I» der Fragestellung hat der Lehrer einen P üfstrtn^iu deren Auwendung unser H -rwltz eben Meister war. Und in dieser spielte der Sumor fast immer eine Rolle. Wer nicht auf die eigen» ümlich« Weise Horwitz'scher Abwickelung eine« gordischen Knote»« eingtug. war verloren. Ja. er hatte sein Vergnügen daran, ihn scheinbar lösen zu taffen von Dem. der fich auf falscher Fährt« befand, während er schon dafür sorgte, daß der Knäuel immer uneutwtrrbarer, immer verworrener wurde — di« er die Lösung selbst mtt einer gewiffeu Selbst« »«frirdeuheit. die sei« Antlitz umspielte, entwickelte. Ec hat sicherlich jeden seiner Schüler einmal in Verlegenheit gebracht, denn wirkliche« dem Sedächtniß eingepaukte-» Wissen »erlangte er fast nie, bei Aufnahmeprüfungen für'« Seminar setzte er gar kein solche« voran«. E« genügte ihm. gleichviel an welchem Gegenstände, verstand bekundet zu sehen. Mau konnte sicher sei», daß hinter jeder Frage irgend ein »Kniffsteckte, um den e» stch handelte. Mich z. B. fragte er, nachdem ich mich ihm vorgeftellt hatte mtt dem Begehren, in sein Seminar anfgruomme» zu werden: Schiller sagt: Auch ich bi» in Arkadien geboren. In welchem deutschen Staate liegt Arkadien? —Und eine ganze Schaar anfnahme» »rrtaugrober junger Leutt rieth sehr lange herum: Wie viel -Qnad rat mitten von Berlin »ach Eharlotteuburg seien. -Ein an« dem Oste» eingrwauderter Jüagliag, der an den Brüsten deutscher Weisheit saugen wollt«, fiel richtig hinein -ans dt« Frag«: War Jochrbeb ein ägyptischer oder hebräischer Mann? Ei» tzebrwsscherl war die Antwort. Man erfleht daran«, woran ihm einzig und allein gelegen war. Seift nutz Sedaukeu jn schärfe« war seine einzige Aufgabe, an welche» Objecte war gletchgiltig. Freilich erwuchs seine« Zöglinge» der große Rachthetl. im Wissen selbst ^arüchzadletven und bet de» Examen, wo wirkliche Kemttnisse «klangt warde» ei« llägltch« Rolle zu spielen. Horwitz hatte überhaupt ei» leidenschaftlich«« Temperament und um Lage der »ffmttltchen Staatsprüfung war er in der denkbar Mlstten Auftrguug; an solche» Tage »schwitzte er Blnt- »i« er selbst bekannt«, dem» die Examinatoren zeigten weuig Lust, ans die Lixcurfionen in da« Reich von Gedanke», die gu wenig an materiellem Schulftoff htu^n, in denen stch aber unser Horwitz lv «<fM im Ernsteinzugehen. Sei« tapferste» Man,«», an denen er oft wirklich Wunder tu den drei Jahren vollbracht, und die auch wirklich al« denkfähig« Menschen au« seiner Hand hervorgegaugrn, habe» nicht standhalte« können.. .. Da« - wird gewiß ihrer Verehrung für den geistreichen Bildner de« Lehrerstand«« keinen Abbruch gethan haben. Die durch Horwitz' Zauberstab geweckten Geister und geöffneten Semüther komttrn ja im Fluge da« schwerfällige Wtffensgepäck auf fich laden. S«z Horwitz btl-ete und wollte uur bilden: denkende, selbständige Lehrer und Erzieher. Sein« Probelecttouen io den Schulklaffen glichen einem von G«. dankenfuuken sprühenden Krenzfener. Au« einer Stunde wurden zwei und noch immer fiel r« Horwitz nicht ein, daß »au daheim iu Sorg« über da« Ausbleiben der kleinen Lieblinge gerath«. Oft veraulaßte erst da« Erscheine« einer geäugftigten,! nach ihrem kleinen ftagenden Mutter die Räumung de«! geisttgeu Tchlachtfelde« der Jugend. Wer uur eia wenig j aufgeräumt war, konnte unendlich viel lernen, konnte nur I hier lernen die Methode, wie man die kostbarsten Perleu au« de» Tiefe« der jugendlichen Seele »n da« Licht de« Tage« fördert«. Kräfte und Anlagen «etter zu entwickeln, scheinbar nicht vorhanden« zu weckeu, dazu standen ihm di« rechten Mittel zu Gebote; was diesen Zwecken nicht diente, da» ging ihn nicht an. «Schlug folgt.) Allerlei für de» Aa«Me«ttfi^ Ehrlich währt am längste». 9p. Maßtzetnrß. Der bekannt« Musikkritiker Heinrich Ehrlich macht in einem unter dem Titel »Waguer'sche Knnft und wahre« Ehriftenthum" au den Hofprediger Emil Fromm«! gerichteten offenen Brief folgend« Bemerkung über seine jüdisch« Abkunft: »Ich diu tu Wien geboren. I» Jahre 1844, al« in Oesterreich die Protestanten noch keine Kirchen, nur vethäuser hatten und n>cht mtt Glockeu zu» Gottesdtenstr rufen dursten, habe ich mich von der jüdischen zur evangelischen Religio» gewendet, von Klausenburg, »er Hauptstadt Siebenbürgen«, wo ich glänzende Loncerte in de» Salon« der katholischen Aristokratie gab, und fich mächtige und reich« Taufpathen mir anbaten, ging ich nach Herrmanaftadt dem Sitz« der sächsisch-lutherischen Gemeinde, uad bat einen Polizeicommiffar und etnm Oderftlieuteuaat mir al« Zeugen beizuftrhen. Niemand (?) darf bestreiten, daß mein damaliger Uebertritt gewiß «ehr ei» Schritt der Entsagung al« de« Borthetlsuchen» war.- — Wa« soll die Entschuldigung bezwecke«? Qni ■’exooM ,'aoou-a. Suchte er bei seinem Uebertritt nur eine entsagungsvolle Zukunft, dann brauchte er doch seiner väterlichen Religion nicht deu Rücken zu kehren. Uebrigeu« wäre der Jude Ehrlich wohl schwerlich später Hofpianist de« König« von Hannover gewordru. (Uns wundert'« nur, daß Herr Ehrlich »icht — wtt so viele Täuflinge — mtt dec Religion anch den ehrlichen jüdisch« Kann wechselte. Red.) Richard Wagner« J^enhatz. Richard Wagner« Haß gegen die Juden ist allgemein bekannt. Weniger dürsten die» aber die Gründe sein, welche den dem Juden Meyerbeer so sehr verpsvchtereu Künstler iu dieser Abuetganq gegen den jüdischen Stamm oeranlaßt habe». - Der berühmte Basfist Earl Forme« erzählt in seinen »Eriunernngr»-. daß dieser Haß von einer Kuustretke datier, die Wagner im Jahre 184? nach London «achte. Die hier von ihm veranstaltete» Loncerte

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