Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 36 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 2)
- Language
- German
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- - i »V - sie da« Tischgebet und trennte» sich, ermattet von dem nahrhaften Mahl, zu etue« N,ch»itl»»«'chlaf»en Nach etwa zwei Stunden, noch vor dem Mincha Sedet» saßen alle drei schon wieder um den Tisch. Iwan, der ,Schabbe«.Goj' — ein russischer Trunkenbold, der am Gabbath dir Funktionen de« Diener« versah — brachte van unten einen kochend«» »Samovar'; auf dem Schachbrett hatten beide Gegner schon längst die Flanken geordnet. Red Moscheh-Abraham stopfte sich die Nase mit Tabak voll und sann auf einen Ao«weg, um die heimtückisre Taktik de« Freunde« zu vereiteln; während Reb Aron> Simon geräuschvoll nieste und sich schon im Voran« weidete an dem .Matt", da« er dem Gegner zu melken tm Begriff stand.... — 9« dm kelte. Am Firmament tauchten die ersten Gternlein auf. Die Alten unterbrachen eine Weile da« Spiel, um da« Abendgebet zu verrichten. Dann »machte Red Moscheh Abraham »Hawdoloh'. Aron-Simon wechselte einen vielsagenden Blick mit Ehamr-Rasch e und lenkte diplomatisch die Unterhaltung auf die, idier Veröffentlichung harrenden. Grammatik. Er begann damit, daß er sich in Lobsprüchen erging über di« Gran matik, die er im Manu kript zu sehen vielfach Gelegenheit hatte; dann ging er darauf über, daß e« für einen gelehrten und klugen Mann — d« welchen er seinen Freund betrachte — sich nicht ,ieme. heimzugehea, ohne irgend eiu »iffenschaftliche» Werk der Nachwelt hintetlafsea zu haben und so fort, und so fort... Moscheh-Abraham protestirte gegen die ihm gespendeten Lobsprüche, sagte, drn sein Werk noch nicht druckreif sei, einer Ergänzung und einer Torrectur bedürfe; allein al« er sah, daß mit diesen Argumenten dem Freunde nicht de zukommeu war. nahm er zum letzten Mittel seine Zuflucht, um seinen Gegner niederzuschmettrrn und rief erregt au«: .Aber da« Geld. Freund, da« Geld? Wo zur Herausgabe de« Br che« da« Geld hernehmen?k" Da stand schon Ehawr-Raschir hinter den Di«putirenden mit dem oiuinöjtu blauen Strumpf. Mit Freudrnlhräoen in den Augen holte sie die fettigen Rvbeluoten» die kupfernen unv silbernen Münzen und die polnischen »Fünfer hervor, die sie so lauge gesammelt, um ihrem gelehrten Gatten die Möglichkeit zu bieten, sein Werk schließlich herautzugeben. Wir erstarrt stand Moicheh-Lbraham im ersten Moment vor diesen .unermeßlichen Reichthümern", allein als e« ihm "klar wurde, worum e« sich handelte, war er wie umgewandelt. Wo war sei» seriöser Geficht«au«druck oebliebeu, sein tief nachdenklicher Blick, seine unverbrüchlich« Manierlichkeit I Auf seinem Gefichie spiegelte sich ftöhliche« Leben wieder, in seinen Augen brannte fieberhafte Energie, und er vergaß fich schließlich so weit, daß er in Gegenwart Aron-Simon'« seine Ehawe-Raschir abküßte. Und ebenfalls in Gegenwart Aron- Simou'« gelobte er, seine Grawwat k nunmehr herauSzugebrn... . » * Grammatik verringern d-unoch ahne Suade streiche» oncßte,^ fich trenne» zu müssen, allein er tröstete fich mit be», Gedankeu. daß gleich nachdem da« Bach vergriffe» sein »ürb» — und daran zweifelt« er keine Sekunde k — er »»»«rzüglich ’* eine zweit« Auflage veranstalten «erde, and bau» aber ohne jeglich« Streichung, ober richtiger, »rit einige» Ergä»»nagr» 7 sogar, die wäbrend der letzten Redaktion in dem erfindeiische« stopfe de« Autor« sich anznsammeln Gelegenheit hatten. ... Und al« diese einleitende: Vorarbeiten all« glücklich beendet waren begann Moscheh-Abraham schriitl'ch« Unter- Handlungen zu pflegen mit dem Besitzer einer hebritische» Buchdruckerei. Wie bekannt können hebräisch« Bücher nur t» . wenigen Städten des .jüdische» Rayon«—) in Ruelaab gedruckt _~i werden; in anderen Städten ist die« durch dt« öensnr- .... verhältuiffe nicht gestattet. Die Goaveruementtstadt!st. gehörte zu der letzteren stategorie. Moscheh-Abraham hätte «nu entweder die Reise nach einer der privilegirteu Städte machen, oder di? Angelegenhett einer fremdenkompetenten , Persönlichkeit übertragen müssen. Mit die er letzteren Eventualität wollte der Geis« fich' \ durchau« nicht befreunden; den» die Herau«gabe eine« Serke« - von dem Umfange und der Bedeutung de« seiuigea heischte die unan«gesetztr Aufficht de« Autor«, und so blieb dem kein Auöweg übrig: — der Alte mußte reise». Reis«! Noch - nie hatte Moscheh-Abraham den Ort. wo seine Wieg« stand, verlaffeu. aber die Liebe zu seine« Werk« vermochte ihn z« dem schwerru Entschluß z« oeraalaffen. Und auch die ergeben« Lebensgefährtin wie der treue Freund, dt« wohl »ußte», „ daß oou der Herausgabe de« Buche« nunmehr der Seelen- - frieden de« Satten und Freunde« bedingt sei. gaben fich za- 7 frieden.... _ (M1k| f««t) Reetor Horwitz. Hin wrdenkblatt von vernhar» Trandenberg, Lehrer. In den langen Jahren ihre« Ehelebeu« hatte Lhawe- Raschie die stattliche Summe von buobertfünfzig Rubeln zusawwevgeschlagen, allein begreiflicherweise reichte diese« Geld zur Herausgabe eine« so soliden Werke«, wie e« dir Grammatik Moscheh-Abraham« war, dir durch bestäudige Zusätze ein-u unglaublichen Umfang erlangt hatte, nicht hi». Um die Summe zu ergänzen, wurde in etue» Familienralh deschloffen, einige Bücher und entbehrliche WtrthschastSgege». stäude zu veräußern — unter Audere« auch di« bekannte Bettdecke, di« die ehrwürdigen Gatte» schon so oft vor einer frühzeitigen Lrruunug bewahrte. Ans diese Weise gedachte» sie, die »öthige Summe, wenn auch nicht ganz, so doch iu solcher Höhe zu beschaffen, daß ein Buchdrucker bet einer solche, Anzahlung de» Rest gern stunden würbe, welcher bau» au« dem Ertrag« de« Buche« gedeckt »erden koastte. Um mm die Herausgabe billiger herzustrlle», entschloß fich Moscheh- Abraham schwere» Herze»«, ststrzuugen vorzunehme». Wohl war e« ihm schmerzlich, oou manchen Stäle», die chm so lehr wichtig seht«»«» und die er, »ollte er ba«Lal»«e» der Sieben Jahre waren r« am 27. August, daß. der so / ■ bedeutend« jüdische Pädagoge zur ewige« Rah« hinüber-- geschlummert ist. Seine« Schülern und Verehrern ftt dies« ' Gestalt unvergeßlich. Sei» wirken und Schaffe» lebt fort - nicht blo« in ihrer Erinnerung, sondern auch iu ihrem Thu,' und Streben und so ward ihm die U»fterbÜchkett schon hier. -7 auf Erde» gesichert. Wer könnte seiner oergeffeu der je seine« Geiste« Hauch verspürt«? ■ ■£ Sicher wm eiu« Seite iu Horwitz' Wesen dazu angetha», ihn zu verkennen, chu mitzjuverstehe» und ftüsch z, ^- deurtheileu. Wer ihn am so von obenhin kannte, der nm-tt leicht falsch« Vorstellungen von seinem Wolle» und Strebe» gewinnen, am allerwenigsten war chm bei nxr flüchtiger Bekanntschaft auf der Seele Grund z» sehe». Er gchörte z» 7 Denen, deren erster Eindruck nicht die aüustigste <Sette zm ' 7 Benrttzeiluug darbot. Die rauhe Schale koumr aar zu lettht? de» falsche» Schluß auf denster» derselben gestatten. Solche Eharattere wie der selig« Horwitz »üffeu stnbirt u»b tu^,. ihren kleinen Züge» bttaascht werden, wo« sicher iw» Alle» - . gilt, denen die Natur de» Stachel de« Witze« verliehe» hat. Uud ft» welche« Sr^e konnte Horwitz diese »»erbtttlich« 7, Geißel über di« wirkliche» nud angebliche» Thorllette» und Ungezogenheiten seiner Schüler und de« streife«, der fich um -*3 th» bewegte, schwinge»? Da« ist Alle» beka»M. Ueberot, «f jede« Gebiete seine« Wirken« kam diese A»la,» «cf die n»«e-»u»ge»ste Weise zu» Dmchbruch, Alle« weck «r bekämpfte, verlachte er, gleichviel wb der Er»st de« Gegenstände« . ] « znließ oder nicht. Der vergleich «tt Hei« Iwängt fich zu sehr auf, al« daer >ttcht auf^fiellt werde» sollte. n»d Die, dtt ihn kannte», werde» ih» nicht Übertritt«, finde». ü Die Satyre war sein Lebeuüelement in rttigißse» n»d wett-! licheu Dtugen. iu sei»«» pädagogische» «ttke» unb hä»^ -J l'ch«» Lebe», «der »ie war der Spott S«lbflz»xk beb ihm - 1