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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 35 (1888) · p. Seite 137

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
35 (1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 137 (sequence 3)
Language
German
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187 fftr btl Werk, M itn ihr mühselig gesammelte Geld «n» tarntt (iffei »her die Augelegevheit «ttf hie tasft ftad schiebe« »erbe. Darum entschloß sie sich, durch Aro»-Si»o» beste« >»fichte» ihr Gatte schätzte, zu wirke», «»b e« wurde ei» Dnnmvtrat etadlirt. »»bei bte verschwöre««» beschlösse», «» jrbe» Preis zu dem a»>estrebtea Ziel« zu gelangru. Scho« i» V»r»u« »urd« verabredet, daß Reb-Ar»»- Simon au jene» Sabbath obe», bei seinem Krem,de Moscheh- Abraha», speise» sollte. Zur gröbere« Bequewlichkeit wurde ba« Schachbrett nebst de» iuvaltbe» Schaibfigure» nach oben geichafft. — A« Tage vor dem bedcutuugsvolleu Sabbath buk Ehawe-Raschie neben de» schönen wetßbroben «och .Mürb'-Semmclchru" — eine eigene Art Küchelchen. die fie sonst uur zu Schowuau» zu backe« pflegte. Die »Kugel" war au» de» delikateste« Ingredienzien zusammengesetzt; das .Zttnmeß" *) mit einem »Kuödl" Hergerichtei. Der »Schalet" mtt alle» seinen Ltlribute« — als: gefüllter Dar«, geröstete Kartoffeln. vuchwetzeubrei. klopp», süßsaure» Fleisch re. — war oomme il Lut. Auch vergaß Ehawe-Raschie nicht, für di« Hühner de» Hau»wir1h», welche fie alljährlich als» zu brdeukrn pflegte, eine» Weizeubrei herzurichte». Dam die fromme Ehawe-Raschie wußte schon längst au» ihre« »Stddur Lorbau-Miucha" daß am »Schabboä-Schiroh" der Ab» schuitt von dem Uebergarg der Israeliten über ba» roth« Meer and die Lobeshyame, die Mose de« Herr» saug, verlesea wird, und gleich andern Mische» Fraueu alte» Schlage» hielt sie e» für ihre Pflicht, »gefiederte Säuger" an diesem Tage mit etwa« Exquisitem za füttern; und in Lrma»gel«ug wirklicher Siugvögel beschränkte Ehawe-Raschir ihre Wohl» thate» auf deren Surrogate — auf krähende Hähne und gackernde Hühner, »die zwar nicht so schön singen" — wie die würdige Edawe-Raschie sich so unvergleichlich auszudrücken wußte — aber doch Töne hervorbrächteu, a>» wollte» fie hierdurch ihre Zugehörigkeit zur großen Sängerstuotli« dokomentiren. (Fortsepu-g folgt.) Ei» »rief Cha«isso'». Gelegentlich de» SO. Todestage» de» großen und edlen DichUr» — gest. in Berlin am 21. August im Hause Friedrichstraß« 23V — wird der nachfolgende Brief desselben der i» unserer vom Aotisemitismu« durchtränkten Zeit von ganz besonderem Werth« ist, veröffentlicht. Lhamtffo liebte und verehrte alle seine Freunde, aber mit wahrer ktnde»liebe hing er an einem alten jüdischen Gelehrte». Al» di« Freundschaft durch den unerbfttlichen Tod zerrissen wurde, da war Lbamiffo untröstlich und al» «in Freund ihn mit Vorwürfen überhäufte, wie er um de» alte» Jude» willen in einer so jämmerliche» Gemüthsversassuug verbleibe» könne, da antwortete Ehawtfl« mtt folgende« i» dem s. Z. veröffentliche» Briefwechsel Lhamiffo'» enthaltene» Schreibe»: »Mein verblendeter, christlicher Freunds Deine Gesdamng über da» jüdische Bolk beleidigt wich» weil fie ungerecht ist. Dein Unheil über die Juden entrüstet mich, — weil e» unwürdig aller menschlichen Auffaffuug ift. — Was trennt uns denn soviel von den Israeliten? Nicht» I E» ist endlich uöthig, daß wir uns mtt den Juden versöhne»; ihre Gleichberechtigung ist eiu später Ersatz für Alles, was sie gelitten. — ein heilige« Zeugniß ihrer langen Sebald, — ihrer tadellosen Liebe zum Gesetze. Die israelitsiche Religion besteht nicht »ur aus Aastaud. Schicklichkeit, Ehr» aefühl «ub Beachtung der Meinung Anderer, nein, die ftöwme» Israeliten find wahr« Priester; unsere christlichen Priester habe» aber dafür Sorge getragen, daß di« Israeliten in de« Auge» der Ehristenhett und de« Gesetze» ei« Absche» wäre». Wehe, über dttse« Treibe»! Wenn e» Jemand in der Welt übel geht, so ist «tue Unze Hülfe besser, al» ein Pfund •)•««** (Za^wss). *■) Cta besonders von 9Marn jun ofntt|itv Predigt. Der hat de» Isra-ltten geholfen? Niemand? — Sieh«, mein Frenm». ich bin ein Mau, der UeberzenzMng, ich habe die Isnreltte» kennen gelernt, im Schoße ihrer Häuslichkeit tu der Stunde «einer MühM und Hetmsuchnwz. — am Sterbebett, — jo. da findet «an Christ und Iulw selten neben einander — und, wenn man fich doch da findet, so find fie auf ewig versöhnt! — Meine vornrtheil« find verschwunden ich lieb« die Israeliten als meine Mitmenschen — und wer Do» nicht kan», der kann nur Schmach über da» Ehristenthnm bringen." v«ry«»pt. Unter dttser Ueberschrift veröffentlichte jüngst Herr Rabbmer Dr. Friedländrr in Pisek in der, einer cvnservativrn Richtung huldigenden Prager „Jsr. Gemeindezeituug" folgenden Artikel: »Man rühmte stet» den Freiheitssinu des jüdische« Stamme», di« Meinunqsfreiheit, die unsere, von keinen Dagwenftsseln eingeengte Religionölehre ihren Bekenner» gewährt. Soweit sich diese Behauptung auf da« Alterthum bezieh», ist sie zutreffeud. weniger gilt dies von den sogenannten Eonservativen der Gegenwart. Wer kennt nicht die Aeußerung de» Talmud» über Gtt^inkenfrnhett. Die Schule Schamai'» und die Schule Hillel's theilten Israel durch ihre immerwährende» religiöse» Slreitigketten in zwei große Parteien, wovon die eine zur Fahne der er Ken. während die anderen zur Fahne der zweite», schwur. Oft erklär« die eine Schule Dinge für unrein, die die andere für rein hielt; jene erklärte die Heirothen in gewissen Verwandtschaftsgraden für verboten, die diese gestatten »u dürfen glaubte. Nicht»destoweni,er lebten beide Parteien und Schulen im tiefften Frieden, achteten sich gegenseitig, speisten mitrinander und verschwägerten sich mit einander (Jedam. 14). Der berühmte Tanaftr R. Josua b. Lhonaoja nahm kein,» Anstand gegen unzählig« Halacho», die keine biblisch« Bssiö hatten, zu eifern (Tosifta Lhc-giga 2). Ja. er war e» auch, der den Math hatte, einer!eit« den Grundsatz auszusprechen: L» g-oori» msoaral» ata, man darf den Gemeinden keine un< erträglichen Erschwerungen auferlegeu (B. Batra 60). — Wie ganz ander« ist'» in unserer Zett. Indessen mag für heute ein einzige« Beispiel genügen, von de« vielen Bräuche», die für unsere Zeit bedeutungslos geworden, wollen wir heute nur de» eine« immer noch in vre len israelitischen Schulen bestthendeu Brauche«, »ährend de» hebräischen Unterrichte» bedeckten Hauptes zu scheu, erwähnen, weil -m deffenlwillen in sehr vielen Gememde» Etreitir-ketten in Scene gesetzt werden. Wir stad gewiß wett entfernt, uns für di« Ehorinische Reform, in der Synagoge unbedeckten Hauptes zu erscheinen, zu begeistern, allein in der Schule, wo d»: Disciplin hierdurch sehr alteriert wird, würde» wir, vom Standpunkte der Religion ausgthend, für die Abrogatim» des in Rede stehende« Brauches plaidieren. Bor allem muß konstatiert werden, daß der Ursprung dieses Brauches »Ser tu den biblischen Schriften, noch im Talmud begründet ist. Letzterer enählt. daß rin Lehrer einige Schüler getadelt, weil sie »«bedecken Hauptes gegangen, ohne zu beachten, daß fie vor einer hervorragenden Persönlichkeit erschienen sind. Fern« heißt es in Tract. Sofern»: .Derjenige, dessen Knie entblößt, oder dessen Kleider zerrisse» sind, »derdefleu Haupt entblößt ist, kann dennoch als Borbeter fungieren und das Schema lese». Einige jedoch behaupten, daß demjenigen - dessen Haupt entblößt ist. das Schema zu lesen nnht' gestattet werdr» soll. Die Function eines Maturgemau (Uebersetzers) aber kan» er selbst unbedeckten Hauptes verrichten." (Sofrrim 14. lli.) JmSchulchan aruch (O-Eh. 91,8) heißt e»: .Einige behaupt», daß es nicht gesmvrt sei, den Namen Gotte» entblößte» Haupte« zu spreche»; und eiuige sage», dos mau em>» Inden da» Gotteshaus unbedeckte« HlürpteS zu betrete», verwehre« soll." Der FSiluaer Sa»»". R. Elia Wilna, h«.

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