Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 35 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 2)
- Language
- German
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trat« nicht z»r recht« Zeit fertig« MtttageffaB. »adrmmt« .Strietzel»-, einer «ißrathen« .Kugelnt »erreiche» — rin ernster Streit der - so wenigsten« kennte e« eine» »remdeu Beobachter scheinen — zu »ine« völlig« «rnch zu führen drohete. Di« ehrwürdig« Gatten, di« rin halbe« Jahrhnndert fast nebeneinander gelebt, beschloff« in der Hitze de« Gefecht« sich z« trennen und erwog« ernstlich die Krage der Scheidung. Auf diesem Punkte «gelangt, de gauueu daun die Auseinandersetzungen bezüglich der Thrilung ihrer HabseligkriteN. Anfänglich ging die Krage von Mein und Dein ziemlich glatt, aber sobald »«zudem großen Deckbett der alten Leute kam. entbrannte der Streit «tt neuer Wucht, wobei jeder der Streit »den mit »ufbietu-g aller oratorischen Fertigke ten seine unantastbaren Rechte auf da« vielumsttittrue Objekt nochzuwriseu suchte. Und da fie auf diese Weise zu keinem Resultate kamen, versöhnten sich di« Allen wieder, um ihr idyllische« Leben weiter zu führen... Die Alten wohnten im Entresol eine« kleinen Holz, gebäude«, welche» Red Aron Simonen gehörte. Sie wohnten hier fast seit ihrer Berhrirathuug. Ihr Quartter bestand au« einem großen Zimmer und einem finstern Borzimmer. Al« Lüche diente ihn« die de« Hau«wirth«, welcher unter ihnen wohnte. Da« einzige Zimmer diente al« Speise-, Schlaf-, Gast-. Prunkzimmer und al« alle« Ander«, wa« man sich denken kann. I« der geräumigen Bettstelle mit de» hoch aufgestapet eu Daunenbetten schlief Lhawe Roschie. auf dem. an der entgegengesetzten Wand stehend«. Sopha — der Alte. Rebe» der Bettstelle paradirtrn ein eiseubeschlageuer Soffer — der Behälter de« blauen Strumpfe« — und rin Garderobeuhaltrr, auf welchem ein meifingener ,Samovarprangte. An dem einzigen, aber desto brritern, auf rineu schmutzigen Hos hiuourführenden. Fenster stand «in großer, viereckiger Tisch der nur beim Mittagrffen und au Feiertagen «ll ein.» Tischtuch bedeckt wurde. Au diese« Tische eben schuf Moscheh-Abraham sein koloffale« Werk, da« bestimmt war, die Menschheit zu beglücken. Läng« der Wände standen einige lahme Stühle und zu beiden Seit« de« Tische« zwei altväterische Seffel mit nicht ganz weichen Liffeu. die gefüllt waren mit Lindenbast und Spreu und mll Wachstuch bezogen gewesen zu sein schienen — wovon aber nur noch unregelmäßig herabhängend« Fetzen zeugten. In einem Winkel de« Zimmer« hing eine Etagere, ans der in strenger Ordnung Bücher standen; neben der Etagere befand fich ein großer Schrank, defien oberer Thril — wie man durch die Glasscheiben scheu -konnte — vrllgrpfropst war mit talwudischeu Folianten. Einige Bücher stammten noch von Moscheh-Abraham« Bater her, andere wurden zu verschiedenen Zeiten von dem Inhaber erworben nnd wieder andere hatten in der Bibliothek der verfloffeneu jüdischen Schule ihren Ursprung. Unter andern Büchern konnte man bemerken: Graetz' .Geschichte der Juden- und Lesfing'« .Rathauin deutscher und veischiedene Journale in allhedräischer Sprache — Journale, die jetzt zum Thril vergeffen find, dereinst aber sehr gelesen wurden — als: „Kerem oh«med“, „Koch’wÄ Jitechnk“, „ha-Karmel“, „Biokur« ha-Ittim“ u- A.; ebenda stauben — sorgfältig gesammelt und geheftet — Jahrgänge der .Zeitung des Judenthuws", welche vou der verfloffenrv Schule für ihre Bibliothek bezogen wurde. — IV. Außer den Unterrichtsstunden und den Arbeite» au dem .Dikdukhatte Moscheh-Abraham noch eine Beschäftigung — mau muß sogar sagen Lirbliugobeschäfttgung — mit welcher er fich die Zeit vertrieb: — das Schachspiel. Bor langer, langer Zeit Halle er diese» Spiel seine» HauSwirth, de» greisen Red Aron-Simon — rinnt Jugendfreund und Altersgenosse» — gelehrt. Aron - Simon war ein kleine«, gebrechliche« schief gebaute«, durch die Rase sprechende«, aber entschieden noch rührige« Männlein, tk Um selten an« 'bm Hause, wo er fich «tt kan Taünsdfiudiu« befaßte, alle Sorgen tun seine Persang seiner Schwiegertochter und ■ seine« Sohne, die ihn zärtlich hegteu und pflegten; über' A j lassend. Rur wenn Red M»scheh> Abraham zu itz« hinab- I stieg, wurde der Foliant bei Sette ^schoben, t»t dann er- ' schiene» ans Her Szene ein selbstsabrizirtes Schachbrett — schon 3 zur Zeit de« .Franzosenans eine« Karton sauber gr> -i zeichnet — und altt. hölzerne Schachfiguren vo» ziemlich nutnnehmendem Aeußeru, obgllich die Mehrzahl derselben schon vielfach verwundet war in den zahllosen Schlachten und hi« und da durch Siegellack znsammengehallen »Ar?«. Da« Spiel wurde zumeist am Sabdath vorgenomraeu. Und wen» Jemand von der jünger» Geueratiou fie d>fi« Spiel bettof und — in der irrigen Annahme, daß die Villen hier durch de» Sabdath entweihet en — es ihnen schei zeud vorhiell, so erläuterten sie Einem und Jede« feierlichst, >>aß da« Schachspiel da« einzige wäre, welche« «n Sabdath gestaltet sei. Bei dieser Gelegrnhrit erzählte» fie gewöhullch, daß einer der talmudische» Gelehrten auf die Fragst, ab da« Schachspiel am Sabdath gestattet sei. entschieden habe, daß l man mit hölzernen Figuren wohl spiele» itürfe. mit metallenen aber nicht: .dieweil Metallfignr« musikalische Laute hervorbringeu könnten; da« Spiel auf einem Instrumente aber a« Sabdath verboten ist.“ Dach waren die Al'en mit jenem Talnmdiften nicht derselben Anficht und spotteten stet« über ihn, da mau ja vach dieser Logik untersagen müßte, am Sabdath «tt metallernu Affeln zu speise», indem auch fie .mufikatische Laute heroorbring« könnten.- Und immer wieder wurde diese uundersame Historia auf's Tapet gebracht, und tmmer wieder wurde weidlich gelacht ob der tieffinnigeu Entscheidung de« Talmudist«. Und sobald der junge Skeptiker, der fi« der Entwrihung des Sabdath« zu überführ« fich aumaßte, .äußerst beschämtdurch ihre gründliche Seuntuiß de« jüdisch« Eaemoniell«, gegaug« war. versorgten fie ihre Riechvrgawe reichlich mit Tabak und verliest« fich wieder in da« Spiel. Und immer wieder mtdeckt« fie im Spiele neue Lomlrinattmen und Züge, doch staunt« fie hierbei weniger ob da Weisheit de« Erfinder« diese« Spiele«, al« darob, daß ein so tieffinnige« Spiel-von einem Richtjudeu Hai erfunden werden tö, ne». V. Friedlich hätte uns« .peufionirla- Lehr« in« steig« köun«, bi» an« Ende sein« Tage nnter Ix» Heranwachsenden jüdisch« Generation die g«ane K«atniß da biblisch« Sprache verbreitend, sein« Grammatik zwu tansendunderst« Male abschreib«d oder korrigir«d, neue Prrspektiv« im Schachspiel mtdeck«d — aber das. Schicksal wollt« e« ander«... Am »SchabboS-Schiroh- *) de« Jahre« 18V* war« rund fünfzig Jahre verfloss«, seitdem Moscheh-Adrichmu und Ehawe-Raschie sich da« Grlbbuiß gegenseiüga Liebe und Treue gegeben halt«. Bon einer Feier da .golden« Hochzettkonnte allading« nicht die Rede sein, da fte Kttcha da beiden Alt« nicht in N. wohnten und auch nicht die Mittel besaß«, um diese« Ereiguiß würdig zn feiern. Anders Ehawe-Raschie, die Betherligte an diese« Zeste. Sir hatte schon längst dem Gatt« eine Ueberraschuuz bereitet in Form de« Geldes welche« fi« — wie da Lesnr fich ainneru wird — in ihrem blau« Strumpfe f» taug« gesammelt hatte zur Haausgab« der Grammatik ihrni theuau Moscheh - Abraham. Da Jubeltag da golden« Hochlsktt bot eine paffende Gelegenheit zur Ausführung diesa Ueda» rsschuug dar, und ein« solche Gellgenhell unbenutzt vorübageh« zu taff«, lag nicht in dem Eharaller da taktisch« Ehawe-Raschie. Und dll Urberraschuug au fich wa eine so gelungene, wie fie e« bester garnicht sein kounll, denn die Herausgabe da Grammatik war da« glühendste ]*inm äonderinm ihre« Gatten. Allein fie befürchtrir still!, daß ihr Alta. in seiua Sucht für Aeuderung« und sein«, »Faible* 1 «, banuml b*4 de» echrlft^schaltt, ktc m dies!_ verlese» wird: — der L»dgesa»g Most» (Schirch) am ratdi» ««.