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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 34 (1888) · p. Seite 132

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
34 (1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 132 (sequence 2)
Language
German
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.di« jüdischen Lehrer eine« Anspruch auf Pension nicht habe».* Und so blieb dem» der verabschiedete Lehrer «nr auf sei« Privatstnnden angewiesen, die ihn nnd seine Mt«. Chawe- Raschie. kärglich ernährte«. — Seine Sinder lebten sch»« seit etwa fünfundzwanzig Jahren nicht mehr bei ihm. Sr hatte einen Sohn und zwei Töchter. Bon seiner ältesten Tochter hatte er sogar schon Urenkel. Sein Sohn war .Rabbinist', da« heißt er hatte ein« Rabbinrrschnle absolvirt, aber nachdem er eine Reihe von Jahre» an jüdische» Krönschulen gewirkt hatte er den .Staatsdieuft' verlassen und lebt« non irgendwo in Südrußlaod al« .Prioatlehrer'. Einer seiner Enkel — der Sohn seiner Tochter — hatte vor Snrze« da« Lehrer-Institut verlassen und rudete nun ans seine» Lorbeeren au«, bi« ihm irgend «in Posten an einer der reorganiflrten Schule« zugewiesen werdea würde. Mit Hinwei« auf seinen Baker, den Melamed, seinen Sohn, den »Rabbi« nisten' und seinen Enkelsoho, den »Jnftitutisten', liebte e« Moscheh-Abraham sich scherzweise einen .erblichen Lehrer' zu nennen. »Nur kein ehrwürdiger', pfltgte er hioznzafügeu, mit Bezug auf da« Sprichwort: »Wo« ist die Ehre dessen, der nicht« hat zu essen?' Jndeß, es ging ihm durchaus nicht schlecht und da» hatte er einzig und allein seiner Gefährtin auf der Leben«, bahn, der noch regsamen Lhawe-Raschie. zu verdanken. In ihrer Periücke und einem jener Costüms, die sich immer mehr in da» Reich der Archäologie zurückziehen, war diese Alte eine große Meisterin in Suuststückcheu aller Art auf dem Gebiete der Ockonomie. Als ihre Sinder noch klein waren, ' rmöglichte sie es. mit dem geringen Gehalt ihre« Gatten die ganze Familie zu beköstigen, zu beschuh.» und zu bekleiden, die Töchter erträglich auszustatkm und ste zu verheirathe». Und al« sie nun mit ihrem Gatten allein geblieben war — so »Großvater mit Großmüttern' — reichten die unbedeutenden Einkünfte nicht nur auf ein erträgliches Leben, hin, sondern auch auf gewisse Ersparnisse, die — sorgfältig in einen blauen wolleneu Strumpf gewickelt — wohlverwahrt in einem eiscrnen Soffer lagen. Ihrem Gotte« war di« Exfftenz diese» Strumpfes nickt bekannt, während ja Ehawr« Raschie diese« Geld lediglich für ihn sammeltei Und wenn Moscheh-Abraham gar gewußt hätte, zu welchem Zweck dieses Geld gesammelt wurde — wie würde sein Herz vor Freude getanzt haben! . . . Die Sache verhielt sich nämlich wie folgt. Seit langen Jahren, fast seit dem Beginne seiner pädagogischen Thätigkeit, arbeitete Reb Moschrh-Abrahan» au der Abfassung einer Grammatik der tzebräischm Sprache. Unter seine» zahlreichen Schülern gab es keinen einzigen, der von dem Bochandensein diese» sorgfättig zusammengestellten »Dckduk' nicht gewußt, und dabei nicht thatkrästtg mitgeholfen hätte — der Eine, indem er e« au« dem Unreinen abschrieb, der Andere, indem er mit verschiedenfarbiger Dinte Paradigmen und Tabellen der j .Wurzeln', der Verba rc. anfertigte. — Es gab Zeiten, wo die Grammatik schon ganz fertig: — in« SRrin« geschrieben da» Titelblatt prächtig gezeichnet und der Rame de« Autor« dirett in der Mitte de» Titelblattes mit hellblauer Diute kalligraphisch ausgeführt war — da schien es aber dem Autor bei eraeuter Durchsicht de» Buches, daß dieser oder jener Punkt einer Aenverung, der und der Paragraph einer Umarbeitung, düse oder jene Stelle einer Ergänzung bedürfe, llud wieder begann di: Eornctur, wiederum wurde» Blätter in da» rein geschriebene Manuskript geklebt, wiever ganze Seiten gestrichen; und al« Resultat aller dieser Operattomn füllte sich die Rochwendigkeit ein-da« Manuskript von Neuem abzuschrnben. Das Ende dieser ewigen Aeude» rungea war unabsehbar, aber selbst wen» diese» eiugetreteu wäre, so würde zu gleicher Zeit auch die unvermeidlich« Frage aNfge taucht sein, auf wessen Kos«, da» Buch heran«, gegeben werden sollte? Doch an düse Frage dachte der Alte am allerwenigsten. Er verlud sich in seine Sishptzusartnit «nd schien unsagbar« Wollust z» finden an düst» Aenderungeu »nd Verbesserungen. An die materielle Seite dieser Frage aber dacht« Ehawe-Raschie — und das war das Ga» heimniß des blauen Sttnmpfrs. — Majestätffch thronte Moscheh-Abraham hinter seiner Arbeit und führte in regelmäßiger, schöner Schrift die originellen hebräischen Type» an«. Er schrieb die Druckschrift so schön, daß er drefft zu dem Beruf eines .Sopher', hätte greifen können. Natürlich wandte er seine kalligraphisch« Kunstfertigkeit bei der Znsammenstelluaa seine» Buchet , wo er aus pädagogischen Gründen, oft in einer and derselbe» geil«, ja in einem und demselben Worte verschiedene Eäniste» gebrauchen mußt«, in sehr a»sg»dehatrm Maße an. Bet der Arbeit, standen nrbm ihm auf dem Tische mehrere Fläschchen mit Dinte von allerhand Farben und lag «in, dnrch «ine unmaff« von Inschriften zrrkritzeltes, Lineal. Er arbeitete gewvhMich nur Abends. Thawr-Raschie hielt es dar» für ihre Pfl'cht, ihm den.Samovar'*) »anzustellen'. Sie selbst schte sich gewöhnlich an den Tisch mit einer Handarbeit und während sie eine Masche nach der andern an einer «Strickarbeit mochte oder eine Rath steppte, sah sie hi a und nieder durch die Brille, die sie bet der Arbeit benöthigte, auf ihren koocrutrirten Gatten. Und dieser pflegte sich in seine Arbeit so z« vertiefen, daß er oft in seiner Zerstreutheit anstatt in die Zuckerin die Schnupftabaksdose griff, oder, ohne el selbst zu wissen, mechanisch eia enormes Quantum seines LieblingsgeträukrS, des Thee's, konsamirte. (Forts, folgt.) // „Girr tüchtiger «eisewder (Ehrist) ges«cht. Sine kleine schmucklos« Erzählung ou« dem Leben von Adolf Land»». (Schub.) Unser Freund hatte in immer mächtigerer Erregvng z« seinen Chefs gesprochen, und erst kürzlich gestand er uns, daß er später kaum begreife» konnte, woher >r damals den Math zu seiner Rede geschöpft. Aber gerade diese mäirultche und sich dabei doch immer noch in den Schranken hattrnb« Offenheit gefiel den beiden Angeredeteu. die ja iw Grunde auch edlere Naturen waren. So stand denn auch der eine von ihnen, Bergmann, dem junge» Mann Gegenrede, indem er ihm erzählte, daß der Beweggrund zu de« Wortlaut jenes Inserats derjenige gewesen ser, daß der seitherige Reifende durch höchst unangenehmes, unpassendes Gebahre», abstoßende Manieren dem Gedeihen des Geschäftes sehr hemmend wurde, sodaß die Klagen der Kunden, ja noch wett wehr, der lSerlnft einer Anzahl derselben in ihnen den Gedanken unfkrmmen ließ, für diesen verantwortungsvollen Posten es einmal «tt einem Ntchtjudeu zu versuchen und indem sie lediglich darin die Beseitigung der Mißerfolge io ihre» geschäftlich« Beziehungen suchen zu müssen glaubte», knüpften ste eben jene Bediogun» au ein Nru-Engagement. Jndeß Hütte» ste nunmehr gerade durch ihn. Roth, die Ueberzeugung gen-omw». daß oebea Tüchtigkeit und Eifer nur gewinnendes Be»eh««n und Tatt, nicht aber die Nationalität »der Religio«, günstige geschäftliche Erfolge hrrbeizufüdrru im Stand« seien. In Anerkennung dieser Erkenntniß entschuldig««» st« auch di« Täuschung, die ja auch wirklich znm Gute» geführt Hab«. — Auch Werner fügte noch in seiner etwas derbere« aber guttuüthigeu Art einige Worte hinzu, kurztuo dies'! offene Aussprache hatte zur Folge, daß fich durch dieselbe erst recht ei» engeres und vertrauteres Berhältniß zwtsäü» de» Firmeuträgeru und ihre» jnugeu Reisenden entwickelte. Dasselbe übertrug fich sogar auf die gesellschaftliche« BezielplNge», indem Roth die Feiertage über »ou Bergmann «iederhott z» Tische geladen ward. Dieser Berkehr wurde für die Folg« b>ck jeder» schickliche» Anlaß, wenn Roth fich uicht gerade mf bor Mets« befand, fortgesetzt, da sei» Principal immer «ehr ZI ~ ato«l gnte» Hans« stammende» »nd »tt

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