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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 34 (1888) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
34 (1888)
Date
1888-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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o M 84. Jüdische» 1888. ff/ $trau«flcgtta, un Dr. flt Ashwer In Magdeburg. M litafydinf i. jieletzr«, str Mt iveeMshc jnriiit. «m* Inhalt Cf hat nicht sollen sein. UU Zugrundelegung einer russischen ErzLhlung von A. Levin-Sagan. — »Ein tüchtiger Reifend« »(Chrift) grsnch«'. Ctu« kiet*« schmucklos« Creädluug aus dem Lebe», von »dols Landau. — Di« Israeliten von Rhoduf. (Schluh.) »Auch ein Centenarium. — Klein» jüdische Charakter»^. Bon PH. Kr. in Br. — Allerlei sür den Familienlisch. — Rächst^ Ausgabe« und Asihs'l-Lösvngen. (ll »befugt er Auch druck uutersagt.) G» hat «tcht solle» sei». Mit Zugraudelegu«; ein« russisch«» Erzählung von A. Levin-Sagan ,^Bou de« Dorne Schwer und bang. Ddnt die «locke Grabgelang. Cinst begleiten ihr« Trauerschiäg« Einen Wand'rer aus de« letzten Wege." Doch arm; unter iwlockeugeläut werden nur ,fie" be- £abcn — dich aber, mein alter Lehrer, unvergeßlicher Moschehwaham begleitete nur das herzzerreißende W hklagen deiner treuen Lebensgefährtin. der würdigen Ehawe-Raschie. nach dem Orte der ewigen Ruhe; die Uebrigea alle schritten lautlos einher. Und selbst dein alter Freund, der hochbetagte Red Aron-Simon, folgte stumm deiner Bahre, in Nachdenken oersusken über die Bergänglichkeit alles Irdischen ... * » * * Ich kannte Moscheh-Abraham fttb&ncr in den letzten fünfzehn Jahren seines Lebens, und während dieser ganzen Zeit hatte sich sein Aeußeres wenig verändert. Es war dies eia laogaufgeschoffener Alter mit einem schneeweißen, getbrilten Bart, einer hohen Stirn, einem stark durchfurchten Gesicht, einem von Schnupftabak gelb gewordenen Schnurrbart und kurzen, kaum sichtbaren traditionellen Pries. Hastig schritt er durch die schmalen Gaffen der Stadt N., zerstreut vor sich hinblickend und ewig mit dr» eigenen Gedanken beschäftigt. Sein glänzender Eylinderhut an Sadbathen nud die schlichte Ptüschmiitze au Wochentagen waren immer nach hinten zurückgrschoben, die breite Stirn fteilaffead nnd den Rand eines fettigen SammtkäppchevS. von welchem er fich »nr im Dampfbad trennte, bloßlegend. Gemen altmodische» Kaftan trug er nie zugeknöpft, und daher konnte jeder Passant fich ungestört weiden an seiner dunkel-karrirten Weste, seiner stählernen Uhrkette, dem unter der Weste hervorlugenden „Arba«Kanfoth" nnd an de» — nicht ganz zugeknöpfte» — Hosen. Um die Zeichnung seiner Figur zu vervollständigen, muß man noch des schlechte« Stockes gedenken, den Red Moscheh-Abraham stet» mit sich trug — nicht nur als Stütze, sondern auch als Bertheidiguugswaffe gegen die Hunde, die Ihm schon in seiner Kindheit Furcht und Grauen einflößte». Lei fich zu Haas machte der Alte fich's sehr bequem: er ging eutweder in. der bloßen Weste, oder in eine« alten, zerfetzten Schlaftock umher, der deutliche Abzeichen seine« inuigm Verhältnisses zu Bettfedern trug: — die zarten Flaumsedrrchen hasteten dicht a» der Außenseite des Tchlafrock:» uud bildeten eine, unveräußerlichen Theil desselben. Red Moscheh-Abraham zählte gegen fiebeuzig, obwohl mau ihn »ach sei»«» Aeußeru kaum für einen Sechsztger geholte» Hütte. Er «rtunert« fich noch des „Franzosen". Auch tor es ihm vergöuut. de» Kaiser Alexander L von Angesicht zw Augeficht zu schaue», als dieser — auf der Tour Peters» bw»P>mscha» — i» R. halte» ließ, um Pferd« zu wechseln. Der Sohn eines „Melameds", bekundete er schon t» seiner zarten Kindheit ungewöhnliche Fähigkeiten „zur Thora" und war von seinen vier Brüdern der einzige, der die „geistliche" Carrier« erwählt hatte. Mit fünfzehn Fahren hatte er bereits die Fähigkeit, «inen Radbinatsposten zu bekleiden, erlangt, und eine bedeutende Zukunft stand ihm in der Mitte seines Volkes bevor. Da starb plötzlich sein beständig kränkelnder Bater, uud um seines Vaters Hinterbliebene zu ernähren, mußte Moscheh-Abraham nolen» Tölen* auch Melamed «erden. Doch zählte er nicht zu jenen obseuren Melamdt«, die sich gewöhnlich au« dem Kreise derer rekrutirrn, welche sonst „zu nichts nutze find" — o nein I Sr kannte nicht nur gründlich die althrbräische, sonder» auch die deutsche Sprache, die er unter unbekannt gebliebene» Verhältnissen autodidaktisch fich angeeignet. Hierbei kam ihm die Mendelssvho'sche Bibelübersetzung — ein bet den gesetztreuen Juden jener Zeiten verpönt gewesenes Buch, da« aber unter dem Heranwachsenden Geschlecht heimliche Leser fand — sehr zu statten. Die deutsche Sprache beherrschend, machte er fich, durch Vermittelung eines in N. lebenden gebildeten deutschen Juden, mit jener neue« Strömung im Judenthum bekannt, die fich durch das Auftreten Mendelssohn'» gebildet hatte. Diese Bekanntschaft wirkte fruchtbar aus die allgemeine Entwicklung Moscheh-Abraham». und er galt zu seiner Zeit als einer der bedeutendsten Juden der Stadt N. Er beherrschte auch so ziemlich die polnische sowie die rusfische Sprache — wenigsten« in dem Maße, daß er fich in ihnen verständlich mache», ein Buch lesen, und sogar eine „Bittschrift"") abfaffen konnte. Eine Zeit lang zählte mau ihn entschieden zu den „Epiknräern", ja es wurde sogar gemunkrlt, daß er fich im Geheioien — den Bart scheere ... Dieses Gerücht behauptete sich so hartnäckig, daß Kedöner vom „Eherem" bedroht war, und nur sein gründliches hebräisches Wissen das ihm die verdiente Achtung der geistlichen Führer der N.'er Juden ficherte, sowie seine strenge Beobachtung aller von der äußern Frömmigkeit dietirte» Eerrmonien bewahrten ihn vor einem solchen Unglück uud machten schließlich oie bösen Zungen verstummen. Als man im Jahre 1847 tu N. «ine jüdische „Krönschule" ervffnete, wurde Moscheh-Abraham, als ein Maua, der mehr oder weniger mit der russischen Sprache vertraut, zum Lehrer der hebrärscheu Sprache au dieser Schule ernannt. Siebenundzwanzig Jahre hindurch zog er 'das Lehrjoch für ein Spottgehalt, und als man diese Schule im Jahre 1874 plötzlich schloß, wurde der greise Moscheh-Abraham- „prufionirt". Im ersten Jahre nach der Schließung der Schule erhielt er noch eine kleine Unterstützung au» der Reu'ei, nach Ablauf dieses Jahre» aber brach die Rentei jede Berbiudnug »ft dem Grnse ab, da nach de» Gesetze ") C» ist ^araveristisch sür das verhtllulh de« russtschen volle» zu seine» Vorgesetzte» Behörde», das, der rusfische Bürger, »b Jüd' «der Christ (beiläufig dt« «tuztg« Oletchsteliuua büder Consesfionen I) ui« et« „Ciugair", sonder» stets nur «in« „Bit »schritt" au seine Behörde richte,.

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