Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 32 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 3)
- Language
- German
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»Kt lfiO^rd. genügt gern Fremde,, der fich tu ftgabni «tckifSftt Et» ga»zr« Haus (wn» mau diese, Nameu «tuer so Primitive» Behausuug oerleil»eu darf) ist »it 3dis 4000 Frcs. zu bezahle». Das Kamilieulebea ist ei» ganz pattiarchalisches; die verheiraihete» Söhn« vetlaffeu uickck das österlich« Haus; die jaugeu Leut« heirotheu gewöhnlich mit 18 «ad die Mädchen »it IS Jahren; di« Folge davou ist eine Degeneration, di« auf alleu Physiognomien za brmerkim ist. Der Typus hat nichts regelmäßiges uod weift eiu leidenschaftliche« Naturel aus. Der allgemeine Ausdruck der Gesichter ist eiu intelligenter. aber kein sauftmüthiger; die Kleidung ist dieselbe wie in Smtzrua, «it de« Unterschied, daß tu Rhodus die Frauen weuiger de» Luxus huldige» uud fich nicht mit Schmuck behängen. Alle bedecken sie sorgfältig ihre Haare, aber nicht den Busen. Die jungen Leute trage« seit einiger Zeit europäisch« Kleidung, ersetzen aber den Hut in vortheil« Hafter weise durch de« Fez. Di; Litern Leute find alle orientalisch gekleidet, was ihnen ein feierliches Ausehen giedt. Ich hatte Gelegenheit, riuer Hochzeit beizuwohueu. Di« Braut trug außer dem neu eingrführten Oraugeublütheokrauz eiueo so dichte» Schlrier, das, es unmöglich war, ihre Züge zu unterscheiden. Die Lereinouir gleicht ollen derartigen i« Orient. Such während der 7 Tage der Ehuppa »erde» reichlich« Trinkgelage uud Lokaltänz« abgehalteu, . denen «au zuseheu kann, wenn mau durch das viertel geht, da Fenster uud Thüren offen stehen, und die meisten Häuser keinen Flur habe«. Jedes Geschlecht tanzt für fich; die Täuze bestehen tu wiegenden Bewegungen, die vou einem Orchester begleUet »erden, welches aus einer Violine, Mandoltue und einer baskischeu Trommel oder Paudero besteht. SU« io einen Winkel zusammergekauerte Weiber fingen jüdisch-spanische Gelrgeoheitslirder, deren Stil auf rin großes Alter deutet. Diese Dichtuogeu hirdeu deu Zweck, die Reize der mura Eheggtten zu feiern und haben oft zu freie Ausdrücke. Man hat mir erzählt, daß dieselben Matronen bei Trauerfrierluhkeite» sehr originelle Elegien zu verfasse« »erflehen, die die Verdienste des lverstordenen feieru. Sie verrichte« alsdann das Amt der Klageweiber der Bibel, wie mau denselben noch tu arabischen liegenden begegnet. Such der Verlobung eines jungen Mannes aus guter FamUie habe ich beigewohut. Tiefe Frier findet ste's de« Abends nach de« Gebet statt. Zuerst begirbt man fich tu das Haus der Braut. Es in ein junges 13jähriget Mädchru; sie trägt ein kremefarbenes Kattuukleid, eiu Halsbaud aus österreichischen Goldstücken im werthe vou 100 Frcs uud Pantoffel au deu Füße». Nachdem «an die traditionellen Süßigkeiten srrvirt hatte (die >neisteu berühren dieselben nicht, weuu da« Tadlet präseutirt wird, so begnügt man fich die Hand a» deu Kopf zu sühn«), begiebt mau fich nach de« Hause des Bräutigams, indem die Braut zurückbleibt. Musiker uud Fackelträger gingen voraus, dirseldeu spielten auf dem gauzeu Wege einen fran;Sstscheu Gafleuhauer. Es war eiu« wahre Processton durch das israelitische viertel; der vräuttgam trat uu« mit seinen Gästen entgegen. ES ist ein junger IS jähriger Mau», der deu Kaftan trägt; man geht zum Oberrabbiuer. Strheu>»eu Fußes wird der Ehevertrag aufgesetzt; der Bräutigam uud der Vater der Zukünftigen nehmen den Vertrag an fich. Letzterer verpflichtet fich. seiner Tochter 60 Pfund (ungefähr 1300 Frcs.) als Mitgift zu gebeu, außerdem 200 Frcs. als .Besamano'. I« Falle, daß riuer der Tontraheotro zurücktritt, wäre eine Entschädigungssumme von 1500 Piaster (300 Frcs.) zu bezahlen. Stsdanu «acht der Bräutigam eiueo Rundgang im Saale, küßt die Haud der -lnwesmden und erhält vou jedem et» Geldstück. Der Großwüthig >e giebt bei dieser Gelegenheit höchstens K0 Centimes. Mur seroirt die Süßigkeiten, der Zug gestaltet sich von neuem, und jeder kehrt »och Hause Drück. Di« bis zur Heirath festgesetzte Zett ist 3 Jahre. Juztulschen sehe» fich dt« Brautlmte wenig oder garnicht. Die Stadt «hodu« bietet sc, wenig Hülfsquelle», baß et, Thetl der chatkräfttge» Männer gezwuugru ist, fich außerhalb Exiftenzmittel zu »erschaffe«. 400 junge Leute »der Famllieuväter (Israeliten) »erlaffe« die Stadt, um fich zumeist als Häudlrr tu den Dörfer« der Insel oder auf der Küste Auatolieus zu zerstreuen, dem tvdtlichfte« Klima und de» größten Eutbehruugen eusgesetzt. Nur bet Gelegeuhett der Feste kehren ste an deu eigeaeu Herd zurück; leider oft fleht man fie nur als Leiche wieder. Sie erliege» deu Strapatzeu oder deu ansteckeudrv Fiebern die fie verzehreu. Es entsteht daraus, daß die Zahl der Wittwe« und waiseu eia« größere ist, als anderswo. Die öffentliche Moral hat darunter zu leiden. Das Endztel eine« Jeden ist, einen kleineu Besitz zusammenzub ringen und seine Tage tu Jerusalem zu beenden. I« vorigen Jahre habe« 35 Personen beiderlei Geschlechts die Insel »erlaffea, um fich im gelobten Laude niedrrzulaffen. Montag, am Vorabend vor Peßach, Nachmittags v Uhr wohnte ich einem rührenden Vorgang« bei. Am Meeresufer spazieren gehend erblickte ich am Horizont ein ganz beflaggtes Schiff. Die Menge eilt berbet, lauter Fraueu und Kinder; ich erfahre, daß da« Schiff die armm Händler, die die Osterfeiertage bei den ihrigen zabriagen wollen, zurückbringt, ihnen galten die Flagge». Sie steigen aus, Packrte, Lebensmittel mitschleppeud zur allgemeinen Freude. Sie find blaß und sonnenverbrannt. Ja diese« Augenblick scheinen fie das Elend ihres Lebens zu vergessen. Die wohuuug ist sauber, heiter, geschmückt. Der Tisch ist bereits zum Seder vorbereitet. Die Thüren stehen wett offen, so daß vorübergeheude diese bescheidenen Haushaltungen, die jedoch ein festliches Gepräge tragen, Überblicken köanea. Die Nachbar» versammeln fich zum Seder. Man steht in einzelne» Höfeu bis zu 10 Familien, alle an besondere« Tischen. Mau fitzt auf der Erd« auf Divan« oder Kiffen, mit gekreuzten Beinen. Diese« iatereffaute Bild d,t eine Schattenseite, weit hinten in einem Hofe sehe ich eine Frau mit drei Kindern hocken. Sie hält deu Kopf au die Kai« gedrückt und alle weinen. Bor ihr hängt ein trübe brennendes Oellämpchen. Man sagte mir, es sei eine Wittwe. deren Manu erst kürzlich gestorben. Als man fie frug, warum sie den Seder nicht bei ihrem Bruder feiere, antwortete sie schluchzend: »wie könnte ich die Lampe im Stich lasset».' Diese Lampe brennt Vas ganze Trauerjahr hindurch zum Gedächtuiß de« verstorbenen, und es hängt eiu Aberglaube damit zusammen. (Schluß folgt.) „«eilet tm Friede«!" vertraulich« Zelle» an den „Sabbalhplaudenr " Die Trauer uin den«hochsel gen Kaiser Friedrich hat zwar noch nicht ganz oufgehört und sie wird nicht ganz enden, so lange »och Herzen empfinden, was drr verewigt« der Menschheit gewesen ist und wiS er ihr noch hätte fein können, wäre er n'cht so früh von hinnen geschieden ... Aber dir Trauer ist gelindert, ist in st lle Wehiauth aewandelt — und so ist e» mir fttz' möglich. Ihnen, werihrr Sabbathplauderrr, ein p >ar vertraulich« Zöllen in B'zug auf Ihre Plauderei in N-. 25 des Familien-Blatie» zu schreiben. Sie rufen un» dort die schöne Formel zu: Sohabbos hi mil’nachem etc., übersetzen sie uns. ihren Shluß ,»«- •ohiwsa ba-soholaam* übertragend: »und weilet im Frieden!“ Meine Wenigkeit konnte sich diese deutschen Worte nicht recht klar machen: tm Frieden »weilen' (oas h'ißt doch wohl so viel wie „sich a uj.halten*) war mir etwas ungewöhnlich. Wir ist nur unser l, der Srbbathplauderer zu Vieser eigenartigen Uebnsktzuug gcko amcn? fragt: ich mich, und da stieg denn in mir die Bcrmuthung auf. daß Sie — ■ohiwaa von jotohaw — w itrn abgeleitet. DaS wäre aber, verehrter, eiu Irervum: vou joaohaw heißt die Befehlsform der Mehrzahl männlich «ob'wu, »ährend aohiwsa die eben«