Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 32 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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D« braust ein etsi-er Windstoß der, Der Lob ist versunken, der Friedhof leer. Wie preist ganz Prag nun den Rabbi laut, D.w nicht umsonst auf den Herrn gebaut. Die Seuch' ist vorüber, da» Leben kehrt Zurück au der Menschheit verlaffeneu Heerd; Die »locken laden mit frohem Rlaua Ta« Bolk der Ehristen zum Dankgesang; Die »affen werden zum Schacher zu eng. Und eh' drei Monden den Lauf durchmeffen. Scheint alle« Leid verschmerz und vergeffen. Der Rabbi aber bewahrt da« Bort De« Tode« gar wohl im Herzen hinfort, Und nah« t* gar weidlich bei Taa und bei Rächt, Und wo er ging und stand, in Acht, Und merkte gar oft, wie, wenn Niemand e« ahnte, Ter tückische Tod ihn neckend mahnte. Bald blie« e«, wenn er so sah und sann Wie »radeslüftchen ihn fröstelnd an: Bald schreckt' er zurück vom Moldaustrand: Der Tod saß lauernd am lockern Rand, Bald stellt er den vollen Becher hin, Der Tod war im letzten Trapsen darin; Bald iprang er vom Raffe und ging daneben. Ter Tod schien über die Sirahe zu schweben; | Bald fuhr er bei Rächt vom Lager empor. Der Tod griff unter dem Riffen hervor; j Und mach« e* der Tod auch fein genug, | Der Rabbi Löw war nicht minder klug. Schon war ihm da« Haar geworden weih, Schon stand er in stattlicher Rinder Drei«: Schon wandelten ring« in Prag um ihn her Rur wenig bekannte Sefichrer mehr; Und immer war er noch rührig und stark. Und immer gesund noch an Beist und Mark, So daß e» beinah ihm selbst erschien, >l» Hütte der Tob vergeffen auch ihn. Da nahte sein achtzigste« Wiegenfest, Froh hielt er die Rinder an'« Herz gepreßt, Und küßte sie freudig und segnete sie, Und dachi« an'« Sterben wohl minder nie. Da trat seine gute Hau«frau herein, Und bot ihm ein Gträußlein duftig und fein. Au» besten Schooß in üppigster Blüthe Die lieblichste Ros' ihm entgegenglühte. »Hab' Dank, meine Rachel", sprach er voll Lust, Und drückte die Spenderin ivarm au die Brust, »So soll mir die Rose, die Du mir giebst, Ein Zeichen sein, wie treu Du mich liebst. So soll der Beruch mich laben und lesen, Wie die Zeit, die wir haben verlebt voll Ergötzen." Und lächelnd schlürft er mit seligem Vergnügen Den Dust der Rose in vollen Zügen. Ta wankt er, da erblaßt sein Besicht, Sein Aug' fällt zu, er rege sich nicht. * . * Der Tod. der lang umsonst ihn geneckt. Im Reich einer Rose saß er vertieckt. I Tie Israeliten von Rhodas. Herr Pariente, Direclor der Allianceschule in Smyrna, hat während der letzten Ostertage die Insel Rhodu« besucht. An« dem Berichte, den er an da« Levtral-Comitä der Alliance i«r. universelle über diese Reise richtete, theilen wir einige Au«zLge im Folgenden mit. §ttt Parieute schreibt: Bon der früheren Größe Rhodu« blieben nur imposante Ruinen übrig, und al« traurige Ironie de« Schicksal« dient heute der frühere Palast der Großmeister al« Staat«gefä«g»iß. Trotzdem find die Spuren der Rttterzett »och zahlreich; man sollte glauben, daß die Türken zom Gedächtniß an die heroische» Bertheidiger der Insel im I. 1822 die Wappen, eine Anzahl Inschriften, sowie auch eine« großen Theil der riesenhaften Festungtbaute», die vom 14. bi« zum Anfang de« 16. Jahrhundert« errichtet worden find, unberührt kaffen wollten. Da« giebt Rhodu« da« Ansehen einer Stadt de« Mittelalter« mit ganz besonderem Charakter, der von seine» wunderbare» Klima und seiner reichen Vegetation noch ge» Ubtu wird. Dennoch ist e« leicht p bennwA» daß da« schöne Land fich in vollständige« Rückgabe tchNdät» die Bevölkern», ist apathisch »nd nimmt in erschreckender «eise ad; e« ist ilsp: »nr um die dürftigste materielle Exifleuz zu thn», et» sorglose« Glend. Der Ackerbau, der, wenn ir in weniger veralteter Weise gehandhabt würde. die.Onelle große» Reich» thum« sein könnte, wird vollständig vernachläsfigt Der einzige Ausfuhrartikel besteht in einigen Gemitsen» die als Erstling« nach Alexandrien, Smyrna und llonstantinopel gesandt werden, sodaß der Handel sehr wenig eutwickelt ist. Die einzige Industrie de« Lande« besteht tu t«r durch Gefangene »rrferligten Ginlagearbeit. der e« an gewisser Eleganz nicht fehlt. Dir berühmte Keramik von Ltndo« ist verschwunden und die seltenen Exemplare »al« «Schüssel« von Rhodu«"' genannt, die «an heute »»trifft, find »an unerreichbarem Werth; e« ist unnütz, hinzuznfügea. das» die ehe»al« so blühende geistige Tultnr viel zu wünsch«» übrig läßt. Selbst die Griechen, die überall so lobenswerthe Anstrengungen machen, scheinen hier verhältaißmäßig i« Rück-, staub. Mau hofft, daß eine neue Aera de« Glück« für Rh»du« beginne» wird, in Folge der Verlegung der hohen Behörden de« BUayet in diese Insel. S. E. der Seaer>»l-G«a»erue»r Skif Pascha ist von den besten Hoffnungen biseelt mkd entwickelt eine gewiffe Thätigkeit, deren Folge» bald fühlbar fein werde». Sr wird in seinem Vorhaben durch den Mnteffarif, Tefik-Bey, und die anderen Beamten seiner Verwaltung unterstützt, hoffentlich werden unsere Glaubensgenossen von Rhodu« ihren Ratze» ziehen au« de« öffentlichen Werste», die demnächst in Angriff genommen werde» stillen. Es soll die Jugend mittel« einer guten Erziehung für diese wett »nd breit erwartete Aera de» Fortschritt« vorbereitet «oerden. Zum Zwecke, ihre setzige Lage zu studireu, »in ich hierher gekomweu. Die Ueberfahrt vou Smyrna nach Rhrdu« auf de» österreichischen Aoyd-Schiff dauert 26 Stnudca, wen» mau in Chio« und Lero« aulegt. vou «usem Glaubeuggenoffen in Chio«. deren Lage zur Zeit der Katastrophe im I. 1881 besihrtede» wurde habe ich uicht« zu sage». Heute ist et« Jedei: zu seinen gewohnten Beschäftigungen znÄckgrkehrt, nur wohnen sie nicht mehr, wie vor dem furchtbaren Erdbeben, im Inner» der Eitadelle, wa« in jeder Hinstcht eine Wshllhat ist; Dank der Großmuth der Grafen von Eamondo ist e» ihnen gelungen, auf dem Platze von Wounaki eine Synagoge zu erdane«. Dort befindet fich auch die Talmud Thor». Um dieses Gebeihau« gruppiren fich die meisten jüdischen Häuser; die J»raeliten zählen ungefähr 60 Familie«. In Lero« giedt e« nur 3 au« Rho!»»« stammend« Israeliten, die au den Festtage« «ach iheei» Heim zurückkehre». Fast die ganze Bevölkerung dieser Insel ist griechisch. Die »leisten thatkräftigen Männer gehen nach Aegypten, wo sie den verband der Matertalwaarenhäadler bilden, f» daß ihre Familien allein in der Insel znrückdleibe». Die jüdische Gemeinde in Rhodu« ist hiichst interessant. Die Stad» zählt nur 11,000 Seele«, wovon L106 Israeliten. Die Gesammtbevölkerung der Insel beträgt augenblicklich 28,000 Seelen, worunter 4000 Mohamedatier «nd 18,000 Griechen. Die Jude», wie auch ein großer Theil der Mohawedaner, find auf da« Innere der Eitldelle beschränkt.' Daher bietet auch ihr Stadtviertel den Anblick eine« wahren Ghetto«. Auf der Fayade einiger ihrer Hlnser steht man roch die Marmorwappen der Großmeistei. Die Mimen» find mitunter mit Zinnen versehen und von enormer Dicke. Sie find nicht mit Kalk beworfen wie in den »eiste« Städten de« Olieut«, «a« ihr Aussehen verdüstert. Im allgemeine» hat da« Jrnere der Häuser nicht« Lehaglickw«; fie bestehe» zumeist in einem einzigen Raum ohne Dielen, der Boden ist mtt Steinen «»«gelegt; diese Pflastern» z wird auch z« oben» Stockwerken augewendet, wenn solche vorhanden Jeder ist Befitzer seine« Hänschen«; eine jährliche