Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 31 (1888) · p. Seite 121

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
31 (1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 121 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/6492351-8722844-5956537--0925-5372933
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

— 121 — theile» onb ihr auf btm jüdischen Fiirdhose ein ehrenhaftes ' Grüb bereite». >» demselben Tag« sah »an auf tat jüdische» Friedhof« eine schlanke, schwarzgekleidete und dichtverschlrierte Fraurngrstalt sich über ein frische« Grab bengea. selbst ei»e» Grabmal gleich, stL und traurig, ei» »erstrinertes B8d der Trauer, an# an demselben Tage »och vorschwamd «in« berühmte Säugerin au« der glänzende« Welt, die sie bisher bewundert hatte, und z»«r spurlos und für immer. Jahr für Jahr erhielt jedoch der Rabbiner jener Stadt iu Italien ein« grohe Summe mit der Bestimmung, dieselbe nvirr di« Armen der Stadt zu vntheilen, und Jahr für Jahr zeigte sich am Lersvhnungstage in t»er alten Synagoge zu Prag eine schlanke, schmarzgekleidete und dichwerschleierte Franengestalt, die gar inbrünstig letete. So man einen Tobte« bestattete, wo <» einen Schtmrkranken zu pflegen galt, dart war auch jene schlanke, dichtwischleierte Frauengestalt zu sehen, die überall mit trauerte, mit half, und w» es u-thig Mur, mt vollen Hände» spendete. Niemand wußte, wer sie war und woher st« gekommen. Aber;• gab Elnzrlne, die »iffen wollten, daß es jene Verschwundene Sängena sei — die Geliebt« des Fürsten v. Am» ^»Sehe». von L Lohen, Lehrer!n Nee» a. Nhetn. Dieser Gebrauch, der ohne Zweifel sehr alt ist und «eines Wissens auch bei allen deutschen Jude» Eingang gefunden hat-, gchürt zu denjenigen Gebräuchen, deren Ursprung noch der näheren Aufklärung bedarf. Er besteht bekanntlich dann, daß am Freitag-Abend nach der Geburt eine» Knaben Freunde und verwandte z« den Eltern des Kindes ringt» laden werden, woselbst fie mit L>bst, Kuchen, Bier oder Branntwein bewirthet werden. Ja Westfalen wurde man iu siüheren Zeiten, hier und da auch noch heute, außerdem «och mit halbgesottenen und mit Pfeffer bestreuten Erbsen, sogenannten Sochor-Erbsen regalin. Vor dem Abschiede west der Vater und einige Gäste im Schlafzimmer der Wvch» artin das 90V und 093 TH. Der Talmud giebt für diesen Grbrauch nur einen sehe lose» Anhaltspunkt in Baba Kama 80», wo erzählt wird, daß Raw, Samuel und R. Assi p9 912V '29 (und nach Giuigen 89 91V 89) zu Besuch gingen.*) Raschi erklärt d« erste Stelle: Sie gingen zu riuer Beschneiduugsfeier, wobei bereits 7 Tage verflossen waren, nad die zweit«: Sie gingm zur Feier der Auslösung eines Erst,>eborrnen (9122 s29f78>, weil das Targum und auch Aruch da» Wort 91V mit V91L übersetzen, was so viel heißt wie f79v). Diesen letzteren Grund erwähnt auch Lewisoh» im Aador» Ainbagsim tz 6v, verschweigt aber die Erklärung Rasch«'» zur erstereo Strile. Sollte die Ansicht Raschi',', was ich nicht bezweifle, di« richtige fei», io ergiebt die Erlläruug aber noch keinesweg», daß der Besuch an einem Freitag-Abend vor der Beschneid «mg ftattgrfonden Haren muß; im Begentheil »eist dl« Erklärung der testen Stelle auf die Zrtt des Beschneiduug»altes hin, die diaenfalli» rin Freitag-A b e a d gewesen sein kann und die Erklärung der zweiten Stell« mit Pidjon haban auf eine Zeit, der di« Beschneiduug schon einige Wochen voraugegaugm ist. Die Toffafisteu führen nun noch die Meinung des Rabbeau Tam an, welcher erklärt: Sie gingen in da« Haus, in »rlchem «in Sohn geboren wurde .9V9091 *12 D* *900 »7031 9V13 9971» OV 991 rmx rrmb pr39 rm wv pv^ dpi 92% Abgesehen davon, daß auch hier von keine»« Freitag-Abend dir Red« ist, wird sie Ansicht des Rodbeau Tam durch den im <TT9P *0) 01299 91P9 “99 92290 9139 erwähnte» Einwand wrrückgewieseu, daß man alsdann auch bei der Geburt einer Tochter eine Festlichkett veranstalt» müßte, »eil man auch hier den Altsdruck 0990 90903 anweade» könne. Der 9 Dem «nwruck» de» Salant# ,‘l99p'»' «ntspreiheud nmf, «ß heiß«: »atutrasm*, — eigentlich rHtflfbigt* mutt*0. tf. Talmud giebt uns al'o keine Handhabe für di« Wahl i des Freitag Abends. — Erst« den Respous« kW 90199 Rr. 289 finden wb: die Ansicht ausgesprochm, daß Rnbbenn Tam di« ArritagabM-Fesllichkett. welche 92k genannt wird, gemeint habe, und daß man diese« Abend für die Festlichkett bestimmt habe, weil alsdann die Leute gewöhnlich zu Hause sind. Diese Meinung widerspricht nun insofern dem Talmud, als dieser nach Rasch« nur Bria Milah oder Pidjon ha-Ben 8«meint hat, die bride nicht am Frritag Abend stattfinden tun«, wird aber von Dur« Sahab zu R. Moses Jsserles' Anmerkungen „Joreh Deah 265,12*, welcher ebenfalls den Gebrauch anführt, daß »mn am Frritag Abend nach der Geburt eines Knaben das Kind besncht, um dort etwa« zu genieben. mit der Ansicht des fv99 90199 acceptirt. Da uns nun der Talmud und die Codices keinen hinreichende» Grund av geben. so dürfte der Ursprung de» Gebrauches, am Freitag Abend zu« 92k (neugeborenen Knaben) S gehen, vielleicht w der Midrasch-Litteratur zu such« sein. ir finden nun im Midrasch Kohriet: 19* 992V9 p9T7 J9 9993 93' 1*3* .9393V9 031 92V '0' 992V. Weil hier 9993 und 92V in Verbindung stehen, und erster« mit einer Festlichkeit verbunden ist, so muß auch der dazu gehörige 92V festlich begangen »erden. Ja der Peßiktah lese« wir: Der Proselyt Aquila fragte den R. Elieser: Warum ist das Gebot der Beschneidüng nicht in den 18 Geboten enthalten? Antwort: Et war schon vor den 18 Geboten gegeben, denn es hrißt 0992V 9T92 9* (Ex. 19.5) das ist der Bund des Sabbrth und der Bund der Beschneidung. Im Jalkut zu Jithro 278 heißt es ebenfalls zur angeführten Bibelftelle: R. Elieser sagt »das ist der Bund vfs Sabbath*, und R. Akiba sagt „das ist der Bund der Beschneidung.* Beide Gebote sind nach diescn, wie nach vielen andern Bibel- und Midraschstellen eia Zeichen dc« Bundes, welchen Gott mit Israel geschlossen hat. Dieser Umstand hat nun höchst wahrscheinlich den Gribraach. »m Freitag Abend v 0 r der Beschneiduvg beim 92k «ine Festlichkeit zu veranstalten, ins Leben gerufen. Mein Bruder (in Erefeld) theilt mir folaeade Ansichten mit, welche, wenn sie auch nicht als unanfechtbar gellen können, wenigstens das Richtige streifen und die Aufmerksamkeit der Forscher verdiene» dürften. 1. Der Eiabbach hrißt «9191 9'92. Jeder Beschneidüng geht ein Sabbath, oder doch wenigsten» ein Frettag- Abeud voraus. Der Sabbath ist ferner da« erste Bundes- »eiche« zwischen Gott und Israel. Sobald der Knabe geboren ist, mtt er in diesen Bund, dessen erste« sichtbare» Zeichen ver 92V ist. Sollt« er auch vor der Beschneidung sterben, so tritt rr, wenn rr den Eingang des Sabbath erlebt, doch wruigsteu« in da« Zeichm diese« Bundes. Dieser Zettpunkt wird nun von den Eltern fesllich begangen; um« geht zum 92k, männiichen Kinde, das feierlich in de« ersten Bund ringeführt wird. 2. Sabbath und die Beschneiduug sind die Säulen unserrs Religionsgesetze«. Zu dem erster«» werde» wir verpflichtet durch 912k „Gedenke des Ruhetaaes, ihn zu heiligen.» Rach dem Jalkut zu Jirmijah 821 ist aber die Beschneidung wichtiger als der Sabbath, wril dieser jener vorausgeht und 92V 9919 9*793 ist. Bietet sich »UN die Gelegenheit, einen Neugeborenen in den Bund der Beschneidung riozuführen, wobei er «othwendig schon in de» minderwichtigen Bund des Sabbath eingrireten sei« muß, so benutze« wir die Zeit des Eintritts in den lehtero, uns an di« Wi«htigkeit beider Bundeszeichen zu erinnern. Wir wollen hiermit gleichsam sage«: Wenn auch die Beschneidung ihrer Wichtigkeit wegen manche am Sabbath unerlaubten Verrichtungen gestattet, so soll »ns dieses nicht veranlassen, bi«: Wichtigkeit des Sabbathgesetzes bri andern Gelegenheit« zu untwcschätze»; »ir »ollen vielmehr beim Eintritte des Sabbat!;» «ns des Gebotes erinnern: 912k Gedenke u. s. w. Wir «inner» uns de« Sabbath«- gebotes, welches in diesem Fall« vor einem wichtige«« Gebote znrücttritt und soll uns der Ansuaharefall nicht »rr-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.