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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 31 (1888) · p. Seite 120

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
31 (1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 120 (sequence 2)
Language
German
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Berlangm ihrer Lehra eine» Tage« öffentlich auskrst» sollte. Di« arme Gar» halte eiuen uicht gern»« Kampf pt bestehe», ob sie r» überhaupt zugeben solle, daß ihre Tochter di« tünsllrriscke Laufbah» weiter »erfolge «ud so imma »ehr jener Sah« entrückt werde, die einst ihre Elter» gewandelt. Allein derselbe Auwatt, der iwmer für Juli« das Wort führte, entschied auch jetzt den Kampf zu ihre» (Straftat, und dieser Anwalt hieß — Mutterliebe. Julie saug mit glänzender» Erfolg und erntete große» Beisoll, sie wurde letzt die gesuchtest« Perl« aller glänzen dm Salon» und wich trotzdem nicht vom Pfade per Tugend. La» mag Ursache gewesen sein, daß Ihre Mutter keine» Austaud »ahm sie e»dlich sogar auf chr stürmisches Berlaogen, ia Begleitung etuer älterr» Brrwandte», «ach Italien zu schicken, um dort chr« künstlerisch« Ausbildung zu vollende». .Mein Kiud', suchte sie sich zu übern de», .wird einst durch ihr glänzende» Taleut ihrem Stamme Ruhm und Ehre bereite».' I» allen Briese«, di« Juli« au« Italien an itzt« Mutter schrieb, versäumte sie uicht, diese über ihre Tugend und Glauben-treue zu beruhige». Selbst später» al« sie ihre» Btiefen verschiedene Journal« beischloß. die chre» Ruhme» »oll waren, wiederholte sie dieselben Betheuerungen. Allein je wehr die Journale sich mü ihr zu beschäftigen anfingev, um so seltener wurde« die Briefe. Anfangs kämm sie jede» Tag, daun nur eiumal in der Woche, und endlich nur einmal im Monate. .Mein Julchen", sucht« die Mutter sich zu Küste», .findet nicht immer di« Zeit zu« Schreiben, sie ist zu sehr mtt ihrem Studium beschäftigt — nicht so leichten Kaufe» wird man ei»e weltbeiühmte Künstlerin!" Al» jedoch Monat auf Monat verstrich, ohne daß nur eine Zeile von ihrer Tochter eintraf« konnte Sara ihn Auf» regung doch nicht mehr beherrschen uad e» drängten sich chr einmal die Motte auf die Lippen: .Gellte sie mich ganz vergessen haben, meine Julie? Sie hätte sich wohl ein kleine» Stündchen für ihre Mutter absparen künnm, wenn sie e» nur gewollt hätte — ja sie scheint mich ganz vergessen zu habe»!' Sir fuhr erschrocken über chre eigenen Wotte empor, al» hätte eine Schlange ihr düse in'» Ohr gezischt. Der Gedanke, daß chre Tochter sie vergeffen, ftaß sich «ehr und wehr, wie «ine Motte, in ihr He^. Die Nächte über saß sie auf ihrem Bette und weinte, sie weinte sich fast dir Augen blind, und versauk sie ja bi»weilen au» Ermattung in einen Halbschlummer, begann der Trau» mtt ihr sein grausame» Spiel zu trttbeu. Am BersöhnuugStaae wir e», wo sie, in «in beschei» denc» Winkelchen grdrüktt, in der Synagoge saß. und ihre Gedanke» wie schäumend« Wellen über sich hinströmea ließ. Halbvergesieu« Leben-bllder zogen an ihr vorüber, langsam und feierlich. Sie sah sich al» Kind, im lichtvolle» Hause ihrer Elter», al» Jungfrau, umworbm vom geliebte» Manne, al« sein Weib, al» Mutter mit dem allerschönstm Engel»- köpfchen au der Brust. Ihre Türäurn sttüotten die Wangen hinab, bi» sie ein« Att Betäub»»- übermaunte, und jetzt zeigte ihr der Quälgeist de» Traume» eine Kirche voll bvmneuder Kerzen . . . brausende Orgelklänge . . . eine» hellerleuchteten Altar und am Fuße desselben ein knieeude» Mädchen im schneeigen Gewand« mit schwarze», lang herabwallenden Locken . . . ihre Tochter, dir ihre« alten Glauben abschwor. Und vom Himmel rief rin« Donaerstimnt« herab: „Weib, auf Dein Haupt fall« die Schuld dieft» Kinde», denn Du hast den alte» Bund zrrrifieu!" Beklommenen Athem», mtt Angstschweiß bedeckt, riß sie! ich au» den eisige» Armm diese» Trauute» und gelobte sich j eierlich, nicht zu ruhen, ehe sie uicht die verschwundene Spor hrer Tochter gefunden habe. Uad so geschah e». Zoo» darauf schnürte sie idr Bü»del und machte sich auf di« Wanderung, sie durchstreifst viele Städte und Läuder, sie scheute keinerlei Gefahr, sie Könnte ihrem Auge keinen Schlaf, ihrem Mund« keinen Bisse» und zog wie eine Verbannte, ei« verfluchte, rnhelo» von Ott zu Och überall frageud, überoll suchend, bi» sie di« Spur ihrer Tochter nud dieser folgeud, endlich die Stadt entdttkte, endlich den stolze», -4 fürstücheu Palast fand, wo Julie «rhnte. } Wir hämmerte ihr Herz, wie flogen ihre Pulse, al» sie : sich diese« Palaste näherte. Sie. fühlte euen Schmerz . stechend wie einen spitzen Dolch und doch zugleich süß» 1 Balsam, der demselbe» entsttüntte. Ihr war e», al» flßg« - ihr (in Giftpftil mitten durch'» Herz und doä» hätte st« sich diesen um nicht» in der Welt au» dem Herzeit ziehe» last». , Jetzt stand sie hart vor de» Thor» de» Paläste*. Ihr erster Gedanke, der Gedanke Ihre» übersirömeudm Mutterherze«» j war, sich in den Palast in die Arme ihrer Tochter zu stüöm, , ihr Stege», Mund und King« zu küsst», und flch an ihrer Brnfl ankzvweiueu. Doch bald öberlstf e» sie etfla kalt. A~ Vielleicht wendet sich ihre Tochter kalt von ihi ab? Bulleicht will st« ihre Mutter nicht kennen? Soll sie fliehe», wett zurück, woher sie gekommen? — Und ihr Gilübde? .Weib, hter wird nicht gebtttelt, vorwärt» marsch!'. dröhnte e» plötzlich mitten in chre tzstdaakm hinein, roh trab Jrollend, al» platze eine Bomb« chr zu Füßen. E» war dst Stimm« de» qoldbettrßteu Thütsteher», der Itiese ttefgebückte Gestatt für die einer Btttlerin hielt. Sara glaubte sich einer Ohnmacht nahe uad inußte sich mü beiden Händen an einer Säule der Boi halle festhaltm. Bald jedoch grwaun sie die Bestanung wieder «ud sachte sich in den wenigen italtanschea Worten, die sie noch von ihrer Tochter erlernt, dem Portier verständlich zu mache», ih» zu über,engen, daß sie keine Btttlerin sei, tra» daß sie nur wünsche, dir berühmte Künstlerin an» der Firne zu sehe». .Kaufen Sie sich ein Thraterbillet", awiiwcst der Portier auflachend, .und Sie w-rdm nicht blo« seht», sondern auch hören können. Verstanden?' Statt zu antworte», griff Sara in ih« Tasche, hott« eine Go'dmüvze heran» und drückte sie de« Portter in dst Hand. Dieser, vor Staune» starr, drehst da» Goldstück einigemal in der Hand herum, und sein rohe», mürrische» Gesicht hellte sich zu einem devoten Lächelt auf, während seine stolz« Gestatt sich zu eine» tratrrthär tgen Buckel zusammen krümmte. Dst Frau, dst er soeben al» Bettlerin behandelt hatte, war auf einmal eine .Grüdige', bst er respektvoll um den Ramm bat, dm er seiner allergnädigstm Herrin zu meldm habe. Reue Btnoirrung bemächtigte sich der Sinne Sara'», Sollst sie, eine einfache, altmodische Jttia, sich al» Mutter der weltberühmten Künstlerin zu erkmum gibm? Wird st« ihr nicht grollm, ihr« Tochstr, dst groß« tLeltdame? . . . Doch nein, tausmdmal neiu! Deffm ist ihr.Kind uicht fähig. Ist sie uicht nach wst vor ihr gute», einzige», herzlirbe» ' Töchstrchm, da» in Getsttfnrcht uad ür edler Mraschmfittr erzogm ist? ... Während sie in dieser We«s« mtt ihn» Gedaakm beschäftigt war, stand der Portier noch imiaer gekrümmt« Rückm» da und erwartest ihre Antwort. Sie wolle nur blo», sagst sicht Sara dem Parlier» daß . er ihr Gelegenheit gebe, dst Künstlerin aut da Ferne zu sehen. kr versprach ihr, sie Abend» in ein Srttmgemach zu bringm und e» so einzunchtm, daß die TIfttrr de» Saale» offm bleibe, »ad sie dst Diva nach Hetzm»l«st ausrtz« könne.... Und e» war Abmd, al« Sara hochtlvpstude» Herzm» im Neben gemache wartest. Da ging dstse endlich aeränschlo» auf. Sara ablickst ihre Tochstr-«ud tu diese« Augenblicke war e», wo da Blind jme» klägliche Smfzm hmetutrug, bet dem die Säugeriu so krampfhaft zusammenzncktr. Tag« darauf zog «an au» dem Teiche, da hinstr de» Palasst lag, ein« Fraum stich,. Au demsrlue» Tage erhsttt da Rabbi«« eia Schreibm, da» von stuer baeustude» Summe begleitet war. Dst Ertrunkene, Hst» e» iu demselbe», sei dst Tochstr de» großm Rabistner» iu (I. uni) zettleben» eine Perst da Fraum, ein Ideal weittichrr Sittlichkeit gewesen, mau möge da« Gelb «ntiw dst Arim» da Stadt der-

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