Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 30 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 2)
- Language
- German
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aufthat. War sie ja doch ficher, daß diese heitere ftuft tincm keusche. Wese, nur erhöht« Liebrri, verleihe »ud sie pflegte nicht »hne Mutlerftal, hinznznfü^n. ste glaube fest, daß ihre Julie noch Prag heirathe« »erd«, fi« sei ja gon, für die große Stadt ^schafft». Julie machte aufl all ende Fortschritt« in Sprach« uud Mufik uud verkehrte mehr «ud «ehr in nicht jüdisch« Srtifra in »elche fie ihre christlichen Lehrer, die ihr Lab überall an«, posaunt«, «»geführt batten. Vo ^schah es de«,, daß sich Sa a. verblendet durch die Lied« zu ihrem Kinde zu eine» Schritt verleit« ließ, der unter ihr« Gla»ben«g»off« allgemeine« lergerniß bervorrief. Sie ließ nämlich ihre Tochter in fremoer Gesellschaft Theatervorstellung« besuchen, ja sogar solche, wo mau »gattlose Gesängehört »ud ,au« schweifmde Tänzefleht. — Nicht dir verdieufle ihr«' Eltern, nicht der Ruhm ihre« Mauue«. nicht ihr eigner guter Ruf vermocht« sie die«mal geg« die Lästerzungm zu schütz«, ja alle diese Borzüge »urd« ihr »ielmehr übel «gerechnet. — Würde eine Kr», von dunkler Herkunft sich « der al»rr«fromm« Sitte versündigt had«. da« Beispiel wäre nicht so ansteckmd, nicht so verderblich gewrs« — aber fi«. dir fromme, mufterhafle Sara, die Tochter solcher Ettnu. die Fr« eine« solch« Manne« — uuerhbrt l deispiello« Zu jener Zeit verschlossen sich die Jod« noch mit einer chinefilch« Mauer geg« jede Neuerung, jeder weltlich« Hauch galt »l« etwa« verpestende« Ei» Schritt, wie ihn Sara gewagt, rief allgemeine Entrüstung hervor, erbitterte di<- ruhigst« Gemüther. Die Borflrher der Gemeinde gerieth« in nicht geringe verleg«heit. Ein« Frau wie Sara maßregeln? Da« kbmtte da« g«ze Volk, da« var dem »ud«r« ihrer Elter» im St«b« lag, zur Empörung ^^» sie. seine Vorsteher, reiz«! Sch passt» verhalt«? War ihn« nicht da« Wohl uud Wehe ihrer Gemeinde anvertraut? Sie hielt« verathung« ab uud beschloss« «dlich, sich noch einige Zeit «hig pr verhalte». Härter jedoch al« da« strengste Gericht ist da« ver> dammuna«ur1heil de« Volke«. z^L^Die Gemeinde sah fich beruf«, die i» ihrer Mitte begänne Sünde selbst zu ahnde». Diese Schmach, rief mau fich gegmseitig zu. darf nicht geduldet, muß «tt der Wurzel au«ger»ttet »erd«, d«or fich der Zo« Gotte« tu schwer« Sttafgericht« über uu« entladet. So ist die Menge »oll Mitleid gegm d« vernrlhetltt» »ud »oll Tadel geg« d« Richter, der da» Urtheil gesprochen, und wird fürchterlich wird grausam, sobald fie selbst da« Richterami übernimmt. Nur Verwünschung« bekam Sa« jetzt von demselb« Volke zu hör«, da« ihr H«bct Loblieder gesungen. Bbse Aung« ließ« es nicht au häßlich« Verleumdung« fehl«, in der Synagoge schoss« hundert giftige Blicke auf fie. E« war an einem Sabbathtage. al« Sara in di« Synagoge kam, und Etel We'muth. dt« vorfagertn, mitten i» ein« Er ei« von Weibe«, jung« uu» alten, trat, dt« ihr »oll Schadenfreude znhörteu. »Freilich^, begann jetzt Etel Wer» «uth, spöttisch die »ugeubra»« v«rzieh«d, »freilich hat ft« Recht, daß fie ihre Tochter »ach Prag führ« will, dort gtebt e« der Gottr«leug»er viele, hier jedoch wird nicht einmal de« Todt«grLber« Sohn fich ihre Julie aufbtud« lass«.- Der ftrri» schloß fich enger um die vorsagertu uud e« gab von all« Seitey et» Zischeln, Eiche« uud et» höhnische« Kopfnicken. Ermuthigt durch dies« Erfolg begann Etel Wermnth fich jetzt i« häßlichen Pantomtm« über Theater und Ballet luftig zu mach«, indem sie d« Sanm ihre« Kleide« faßte, d« Kopf neigte und mit d« Küß» scharrte, wie wen» fie taug« würde. Da« Eiche« steigert« sich zu eine« schall«»« Gelächter, da« wüst uud dämonisch in all« Räum« der Syuagoq« nachkltngeud, d» Eindruck »achte, al» ob dt« Wände i» Lhor« uni höhn« und spott» »Srd«. Große Tropf« trat» der arm« Sa« anf die Stirn«. In ihr« Ohr« sauft, ««, da« Blut kochte ihr zum Eopf hinauf, eine Bind« legte fich vor ihre Augen. Sir beugte fich tiefer über da« Gebetbuch... aber di« heilig» Lette« schlug» wie schwarze Flamm« zu ihr «W»'«ch al« st« wieder sch« emporblickte, begegnet« fie MM» schlang»- grünen lag«, dir ei» häßliche« Feuer geg» fb: ansspiern. Etel Wermuth stand vor ihr, mit »eil herau-gerrckter Znugu die betd« Zeigefinger wie Spieße auf fie gerichtet. Die arme Sara glaubte fich »»» eine« Wirbel»«» erfaßt, der fie durch die lang« Reih« der Bänke forttnlf... Spott und Berwüuschungen umzischtrn fie, gleich Giftpfeil«... «u« der Synagoge trug e« fie anf di« Straße hinan», peitschte fie «tt glühend« Ruth« dnrch Gosst» und Sätzchen, und noch immer wähnt« fi« fich von jm« giftig« Ing» verfolgt. Wie mit Well«, die fi, zu verschling» .drohte», kämpf«», stöhnte fie au« gepreßter Brust: »Rach Progi Nach Prag f“ — »Nack Pro,!* schrtt fi« laut i, die Gasse hinein und erreichte so ^themlo« und mit Ingstftrwetß bedeckt di« Schwelle ihrer Thürr wo stdoch ei» nenrr Schreck« ihre Glieder lähmte. ldchloh tt«».) Air Geschichte de» U. O. R R VI. Alte Gehetulperbtndnngen. — Ihr Grund »ud ihre Ziele. — Der vrde» ist u » r tu seinen WMkhätigkettü» werken gehet». Mysteri« ireien mit de« Mensch» gleichzeitig auf. veranlagt dnrch da« vorkomm« großer Natur« Katastrophen, welche Zerstörung «ud um ihn bemirktm, b zau» er nach uud nach zu beobacht« und zu »ach«, um btt Ursach» der Ereignisse zu find«. Die« Beobacht« war jelioch da« Privilegium einiger auserlesener Geister nur. der Möuuer größerer Weisheit und «rwickelt« Geiste«. Dtt Ma'jst nuterwarf fich in machtloser Refiguatio» den ffügungen de« Schicksal« oder der Gotthett. welcher fie du Entfesselung jener Naturkrütte zu geschrieben. Die höher» Geister, natürlich genug, ward« dir Regent« Diener de« göttliche» West»« oder der göttlich« Wes« uud «urd« nicht selvom Volke zum Range der Gotthett selbst erhob». Gottesdienst, Reügto» «ud Iberglaub« war» «»«twirrdor vermengt; nur dir Priester ragt« hervor al« wissend« Führer und Letter. Die Erkrmtuiß konnte jedoch nicht ewtg i» b« Lad» der Tempel »erschloss« bleib», obgleich der Kampf lttfttg »ud »o» langer Dauer war, bevor dt« Mysteri».Priester von ihrem machtvoll» Throne heruutrrsttegen. Die Nacht »ich «blich dem erwachende» Tag«. Kenntnisse und Wisst»» schast begamw» fich zu verbreit«; dt« Religim, »elche anf Mysteri« errichtet war. wurde durch «tu« andere ersetzt, welch« in der Vernunft wnrzelte: aber dtt Priester, al« Repräsentant« der Mysteri», «*b« ihre lvomöne» noch nicht auf uud auderr Wege »urd« gesund«, rm d« menschlichen Geist gef«»«« zu halt». Da« Unendlich», Uurrrrtchbare. Unbekannte wurde al« minahbare« Rkysterinm ansgeged» «d wer dtt von th» selbst ernmnttn Priester dürft« sein« Will« kuud ihn» »ud erklär«. Da« Suche» nach Erkeuutviß wurde zum Verbrrch« gestempelt, btt Sv. forsch»», der Natur^setz« wnrbe »tt Mißtinn» bewacht, uud wen» fie zu» Widerspruch mtt d« Th« ttn der Priester führte, wnrd« fie der Gegenstand schwerer Berfolguug. Dtt mtt d« alt« Gehetmutss» uud Mysteri« Bertrantt», dtt Meister der Wissenschaften, bildet« «tg»e Bereinigung«, dtt fest geschlosst» war«, um fich besser dtt Macht bewahr» z» könn», »elche durch höher« viss« tu ihr» Hiiud» ruhte. Dttst gehet»« Gescklschaft» bildetet d« wichtigste Element in de» hoch«t»ickeltm lbllturstapdt» welcher dench Egtzptrr, Htudn, Perser u»d Mm»g«l« «eicht woed« und ste find oh« Zweifel dtt voebiäer der gchettn« Orden, welche später nnttr d» westlich» Ratttm» entstand«, vo» denen aber dtt gegenwärtig «gisttmud« nur ftjwoche Schutt«