Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 30 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M M. Asdifche« ü»@ä 1888. ilif Ä*#iir// fff HH.MDy.M Mn Br. M. NEHMT tr UosMn, — In ItatttMUaaf i Irirtriij fit bit innlilifhe lanlit - r tl M BfeM Heule» Uebevetzt lirt de» Hebräischen M f. Gmalenoky. — Z« < JUhlUt!«h»r»Ka^«. - «a» Wh. Kr. i« «r- - WU|M Aufgaben »ab «gthsel-Löstmg« CBukntfQ. — Z»r Geschichte bd U. 0. B. E — Kleine jüdische {Otkfi|lit ft*4»nuf nttttftft) re» ««des He»le». liedersetzt a» de» Hedrtisch», drl P. «moleasktz. Da« Heul« de» Winde«, bei wie eine Klage klingt, erregt i» »»« nicht seit« ein Gefühl tiefer Wedmuth. ohne daß nn« dabei ia dm Sinn kommt was der Wind oft für erschrecklich« Dinge i» fein« Aittig» führt: dm Strrbes«fzer eine« ormm Bester«, da« Wedklagm einer verz«tfeste« Mutter, der «in Despot dm eiuzigm Sohn au« dm Armen reißt, da« Stöhne» unglücklicher, rechtberaubter Mensch», dm Jammer »mherirreader Wais», und wie sonst alle die schrill« Töne heißm «ügea, die sich zerriffmm Seel» und aebrochmm Herz« entring«. — Bier denkt wohl an derlei Ding«? E« ist ja nur de« Wiude« Heul«! - Luch Fürst B. dachte nicht im Entferntesten daran, al« der Wind ein« von Schmerz duichjittertm Ten durch die baldgeüffnete Thür hereintrug, bei dem sein« Geliebte unter dm glühendsten Küss« Ängstlich zusammrnzuckte. .Rärrchenlscherzte er, „H ist ja nur de« Winde« Heul«!" und fuhr seit, sie an seine Brust zu schließ« und au« de« schwellenden Roseakelch ihrer Lippen feurige Küss« zu schlürfen.aber » war doch nach etwa» «ryr al« da« H»l« de« Wiude«. HSrm wir: Die Bewohner de» llrinm Stüdtchm» G. bei Prag wollte» e« ivtzgesammt nicht glaub«, daß e« Sara, die schöne Tochter de« Rabbiner«, «tt »e« Au«spruche, dm sie einmal gettzan, so ernst aehmm «ecd«. Wie hätte man e« auch glaub« soll«, wenn man dir jngmdfrisch« Sara sah, »ft Hm» voll», blühmdm Wangen und ihr« im Liebe«, jener rrglävzmdm Lug« — wie hätte «an e« uur glaub« fall«, baß sie de« Lttbedglück« für alle Zeit« «tsagm nud d« düsteren Wittwmschleier demsellteu vorziehen werde? Freilich hatte sie während t>er fünf Jahre de« Zusammenlebens «st ihre«?>ta»ur viel der Frmden genoss« »nd Niel de« Glücke«, so diß sie m dieser kurz« Zeit «ehr au« dem beseligmd« Becher holder Liebe«l«st geschlürft hatte, al« Nielletcht Lndere ihr ganz» Leb« hindurch. Ragte ja doch auch chr Mann an Wissen und Kenntnissen west über die Köpfe aller ander« hervor, und al» er noch ein Jüug» lina war, klang schon feto Karne und klang seine jüdische Guehrsamknt west über die Grenz«».Böhmen« hinan«. So «aucher der begütert«, reich bemittelt« Glaubensgenosse» wiegte sich ia der süß« Hoffnung, dereinst diese« »Juwelal« Eidam beimzuführm. und all« blaustuchstud» und schwarzdtitzmden Lug« der »Gaffesah« chm «Ü geheimer Liebeßgier nach, wenn er so Morgens und Lbmd« de« Wege« kam. um in die Synagoge zu geh« — d«n er war. wie man sich in der Sprache nergaagmer Zeit» ««»drück« pflegte, ktzstlicher Wetu tu kostbar gRd»e« Gefäße. Die Glückliche tudeß, di« er «uter alle» Mädchen zur Brant er» totta, war Sara, du hsldäu^g,: Tächter de« Rabbi««». Niemand «ißgönnte ihr jedoch dies» Glück; sogar Etrl Wernmch, dir alle Welt »ft d» ,>allig» Lug» d» Haff» nud d» Neid» ansah, «tel> welch« jed» Glück ein» Luder» al« etwa« ihr Geraubt» betrachtet«, mußte zugede», daß Sara die Perle aller Mädchen sei. züchtig «st ein Täubchen, holdselig wie die gute Stund« selbst und schön wie der leuchtend« Morgenstern. Kanu » noch »ehr echt» Glück geben, al« in eine« Hause, wo zwei solch« Wes« fich »«rein«? Allein da« Glück hat ein beschränkte« Maß, da« Leb» eine ruggezogene Grenze. Da da« Glück, da« überfträmende, maßlose Liebesglück» oou Saul — so war sein Käme — nicht weichen wollte, so wich da« Leben. Sara blieb al« Wfttwe, ihr Töchterchen Julie al« Waise zurück. - Niemaud, nicht dt« reichst« Mtuaer d» Ghetto, und «ich» die gelehrtest» der Rabbiaer vermocht« die jch»ue Sara durch ihre Sendlinge dazu zu beweg«, d« Wittwe»- schleter mit de« Ehering zu vertausch». Ihr Entschluß war fest, war unerschütterlich, so lauge Mttwe zu bleib», bi« sie Gott dereinst zu fich rufe, um sie mit th«-e« Gatt» zu vereinen. Sie könnt» and wollte» » nicht glauben, alle di« reich» uud gelehrt» Männer, di« auf fie ein Auge geworfen hattai. nud fie trdstet» fich damit, daß fie doch früher »der später ihre Liebesseufzer erhör« werde — denn dt« Seufzer stiller Liede find nicht bl» tu den Musmtempelu zu hör«; solche Seufzer steig» oft hinter de« groß», alt» Os» in der »Klausaufwärts und wallen im Rauche empor, fie fließ» mit den Well« d» kleinen Bächlein« dahtu, nachdem «an am Keujahrstag seine Süud» hin ei», gebröckelt hist, und wer weiß, ob nicht manchmal dem rmigeu Sünder sogar am Bersöhnnugstag ein solcher Tmfzer entschlüpft. ARe selten »ring« jedoch diese Seufzer bi« an da« Ohr derjenigen, die sie hervorgerafm hat. Die schöne Tara, die kein» Wurm za chr» Füßen scheu konnte, ohne ihn mttleibtg aufzuhebeu. hätte dies« Seufze» vielleicht nicht widerstand«, wem» fie uur d» Weg zn ihrem Herz« gefunken hätten. Uebrtgea« war fie auch jetzt glücklich. Wenn sie ihr Töchsttch» aasah, da« wie ein holdselig» Snöspcheu ausblühtr tust vollen, rofigcn Wang», mit Leugleiu, dst wst zwei schwarz« Diamanten durch seidene Wimpern hervorblttzten und dem sanften Engelsgestchtch» — da ging ihr ein ganzer Himmel im Herzen auf uud fie war überzeugt, daß ihr Gatt« »st eine« selig» Lächeln zu ihr heruaterblickte. Komtte sie -» auch nicht seh», dies» selige Lächeln, sollte fie fich dadurch d» Leb» »erbittern last»? Sah nicht auch st«, al« er «och lebte, off genug durch die Äardin» ihr» Stübchens zn ihm empor und hiett den Mhe» an, u» ihn ja nicht in seine« Stndinm zu störe». ohne daß er dt» merken konnte — warum sollte » jetzt nicht auch umgekehrt sein können? Saum zehn Jahre alt, zeichnete sich Julst schon durch ihre leuchtende Schduhest. ihre Klugheit, Hrrzeusgütc und durch chr must?» lisch» Talent aus. Etwas, wie et« lacheude Lerche klang aus ihr. wenn fie chre Rosenlippen öffnete. Sara ließ fie denn auch t« Sing» unterrichte«, wenngleich » zu jener Zest als ein« Sünde und als eine große noch dazu gast, daß ein »Weibsbildsein« Mund zu« Sing»