Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 28 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 3)
- Language
- German
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Kliffe Bomfeftab. Auägeschlvffm von de» gelehrtm Bemfm Verbrachte« fie ihr Leben mit solchen Brschästignug», zu welchm fie dnrch Au«schließuua«gesetze und Zeitverhättniffe gezwungen waren, und welch« ihnen am ehesten die Mittel zu» Lebmäunterhalt gewährten. Bei solch einer Klaffe, welch« im Großen und Ganzen «ach dazu am Aberglauben der Vergangenheit hing, waren symbolische und myftrriö«-eiudruck«volle und furchterregende Formen und E> remouieen ein mächtiger Zauber und von großem Einfluß Mau mußte fich au die Phantasie und zugleich an den verstand «enden, ja. der letztere konnte einstweilen nur durch die Anwendung der erstereu geweckt werden. Trotzdem fand j^och da« Geheimutßweseu schon früh »tele Gegner. Die Einwendung«», welche Borgebracht wurden, waren Verständig genug. Die Wahrheit, behaupteten fie, sollte nicht Verborgen werden. Da« Gute kann nur eine» entschiedenen Einfluß gewinnen, dun« e« offen bekannt ist. Wen» e« der ganze» Gemeinschaft kund gemacht und durch Vernunft «ud Erfahrung erprobt wird, so wird e« an« der Prüfung siegreich hervorgehm. Ferner hoben die Gegner hervor, daß die Zeit genug fortgeschritten sei, um solch« Eriauerungäzeichm au Barbari«- mn« und Sklaverei entbehren z« kdnneu. Politische Vereinigungen seien zu manchen Zefteu wahrscheinlich gmöthigt gewesen, den Schutz de« Geheimnisse« »u benutze», um dem Priefterherrschast und der Fürstenmacht, welche erbarmnng«lo« deren Zerstörung suchten, zu entgehen oder fie zu bekämpfen. Jene Zeiten seien aber vorüber und gegenwärtig sei e« nicht ferner nöthig, zu solchen Mitteln Zuflucht zn nehmen. Gebe mau die« tu Bezug auf Politik zu, so müßte «an desto mehr anerkennen, daß da« Oehetmniß mit religiösen Gesellschaften tu Verbindung mft der Lmdmz der modernen Zette», nämlich die Religio« in Uebereinstimmung mit dem Lebe» und den Wissenschaften zu bringen, Hiuderniß und Aufenthalt im Fortschritt bllde. Da« Judeuthum, besonder« in seiner reinsten und höchste» Auffassung, sucht seine Mission der Erleuchtung «ich Verbesserung durch offene«, männltche« Auftreten zu erfüllen und muß zum wenigsten in seine« eigenen Eirkel jede Bewegung mißtrauisch betrachten, die dnrch einen Vorhang verborg« ist. E« wurde ferner entgtgnet. daß der Jahrhunderte hindurch verfolgte und unterdrückte Jude genugsam erfahren habe, va« Einschließung »nd Au«schließuug bedeut«, al« daß er fich an der endlich erlangten Freiheit «nd Gleichheit dadnrch vergrhen sollte, daß er tu seiner eigenen Mttte grheime Organisationen begünstige. Die« find einige der hauptsächlichsten Einwendungen, die gegen den Orden erhoben wurdeu und goch bi« heute erhoben werden.' E« ist deöwrgm nothweudtg, diese Einwendungen zu prüfen; aber nur eine eingehende, geduldige Prüfung kann den wahre» Freund »userer Institutionen defttedigeu. Außer Frage ist dieser versuch einer Bertheidiguug«- rcde oder Abwehr für ein« Maßnahme, die an« de« Arsenal der Reaktion stammt, schwierig genug, »ud daher ist e« eine »m s, größere Pflicht, alle Argumente de« Falle« genau adzuwägeu, alle Eiuwmduugea vorerst darin zu unterscheiden, ob fie von außerhalb de« Orden« «der au« ihm selbst stammen, den» ficherltch muß et» Unterschied gemacht werden ii der Benrtheiloag der Motive Derer, die zur Opposition gehören. Die Einen wollen alle Hinoerniffe hiuwegräumen, «m de« Werke her Vereinigung die weiteste Au«dehuung »nd Nützlichkeit zu gebe». Andere aber, obgleich mit grober Geschicklichkeit und Fähigkeit für da« Wohlthärigkeit«- und Hnmanttätöwesm begabt, find doch zu indifferent und selbstsüchtig um persönlich und direkt Hülfe leiste» zu »olle». Dies« Letzteren suche» jede Gelegenheit, um fich der Verantwortlichkeit zn entziehen, »eich« ihnen, durch Geburt, vermöge» »der Bildung um f» gMieterisch'-r obliegt. - Aber auch du Herzen de« Orden« selbst befanden und befinden sich noch heute Personen, welche tu irriger Meinung und falscher Anffaffnng der Ziele und Zwecke desselben, die höhere Entwickelung aufhalle». Tief eingewurzelte vorurtheile find eben nicht leicht zu verscheuchen Bilden verlangt Zeit und, je nach der geistigen Anlage de« zu Bildenden. Geduld und Sorgfalt. Rechnet man die Einflüffe de« Leben« hinzu, «eich« der Orden nicht controlltren kann, und vergißt man nicht, daß der Orden etu Erziehuog«mittel sein sollte für Männer, deren Ideen und Prtucipien schon vorher abgeschloffen waren, so mnß 'S klar einleuchtru, daß stufenmäßig, Schritt für Schritt vorgegangen werden mußte, wenn ein gesunder Erfolg erzielt werden sollte. Urbrrstürzung und ungeeignete Eile würde wahrscheinlich da« ganze Experiment — denn nur etu Experiment war e« — der Einigung und Solidaritär gefährdet und die eben gebildete Bereinigung dnrch Zerwürftriffe wieder in ihre frühere» auäeinauderstrebenden Elemente zerstäubt haben. Wieder Einige« mißfiel der langsame und ruhige Fortschritt, da fie e« übersehe« hatten, daß die Eioilisatiou selbst nur ein Product langsamen Wach«thum« ist und daß viele der Segnungen, die wtt jetzt genießen, erst nach langen Zetten der Prüfung gekommen find, obgleich e« jetzt schetat, daß fie schon immer vorhanden gewesen. Schon an der Schwelle der Geschichte der Menschheit begegnen wir deu mächtige» Einflüffe, den da« verborgene. Unbekannte und Mysteriöse auf deu Seist de« Menschen au«übt, und nie werdeu wir im Staude sein, un» diese« Einflüffe ganz zu entziehen. Wir vermochten wohl in bestimmte« Maaße den Schleier der Natur zu lüften, aber immerhin find wir von einer Welt von Mysterien umgeben, und Jahrhunderte stad immer erforderlich, ehe wir im Stand« find, nur einen Buchstabe» ihre« Alphabet« zu entziffern. Daß noch großartige Entdeckungen gemacht und verborgene Schätze zu Tage gefördert werden können, dürfen wir sicher glauben; aber dieser Glaube an da« Unbekannte eben ist e«, welcher uusere Begeisterung anfeuert, unsere Energie spornt und so zur mächttgen Bewegkraft tu der menschlichen Entwickelung wird. lstortsetzuag folgt.) Joseph Hofmam», der Heine Pianist. Möchtet Ihr gern von diesem kleinen Pianisten etwa« hören? — Wohlan! Ich will Euch jedoch nicht« von seiner künstlerischen Begabung erzählen, sondern von dem kleinen Joseph selbst, mit welchem ich auf dem Dampfschiffe .Alex" dm Oceau durchkreuzte und welchen ich kennen und lieben lernte um seiner kleinen Persönlichkeit selbst willm, ehe ich noch die Gelegmheit fand, ihn wegen seine« musikalischen Talmt« zu bewundern. In der That sah »an an ihm nicht« von der frühzeitigen Reift, welche mau gewöhnlich von eine« solchen Geuiu« erwartet; er war eia ebenso lustiger Spriugiu«feld wir Einer von Euch oder Eurm Spielgeaeffen. Al« ich ihn da« erste Mal sah, war er gerade an Bord ge« kommm, warm gekleidet für die Reift, mit der großen Pelzmütze und dem mit Pelz besetzt« Rock, in welchem er so oft photographirt wurde. Er lief umher, mit großer Neugierde da« Schiff zu besehe», welche« für die uächftm acht Tage ihm zum Aufenthalt dienen sollte, und mit Jede« in dmts^er Sprache zu schwatzen. Ich gehörte bald zu seine« Frruadm, und seine kleine Figur war oft die erste, welche mich de« Morgen« grüßte, sobald ich auf Deck ging; hierbei warm seine tteft verbmgung und die Art »ad Weis«, »eine Hand zu küffm, eine« veiuea Prtazm würdig, objchon sie aus eine höchst kindliche und liebevoll« Weise »»«geführt wurden. Er zeigte dagegen, daß er au den Beifallabe- ^m und -lumm, welch« »ach einer Aufführung oft ans ttza herabremetm, wenig gelegm sei. Wenn nämlich rin Frenud am Bord ihm sagt«, er wolle ihm zu