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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 27 (1888) · p. Seite 105

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
27 (1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 105 (sequence 3)
Language
German
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Dieser »che Maua schien Ink«» LSwenstein z» sei«, r«u» er wir e», der Mondeuglanz dringend auffordMe, de» 'schreckliche» Vorfell zu erzählen. »Es ist bald erzählt', erwiderte der Letzter«. ,Al» der Schächter znm Re»jahr«taae bei wir fünf Gänse schlachtete, da erhob die letzte derselben sterbend ihr Haupt und rief. Wir habe» «» alle aehört, al« sie rief. Schma J«roöl I '(Höre, J-raell) rief sie.' . Die Auserwählteu sahen sich sämwtltch erstaunt an, nur Löwenstei» wühlte tu seine» Bart und dachte »ach. „Was soll mau also au» diese« schrecklichen Lorf.ll schließen?" fragte Mose» Läwi Mondeuglanz. »Ich schließe daraus, daß ei» Li,et (Sünde) in der «Hille (Gemeinde) ist!" rief Jakob Löwenftedi. „Ihr thut reden, wie ich geredet habe zu meiner Frau-, siel ihm Monkenglanz in da» Wort; .ja, ein Ehrt ist in der Lhtlle, der den Zorn Gotte» herausfordert.- Dte frommen Männer sprachen noch lauge hin «ad her bei« mouotouen, schwermüthigen Pochen der große» Tropfen - a» den ttiugeiideu Scheibe« und beschlossen endlich, die Sache vor da» BeSdi» (Tribunal der Rabbiner) z« bringen. Diese» hielt »ine feierliche Sitzung, in welcher auch der Schächter Mordche Eymdrlle» den schrecklichen Vorfall unter hundert schreckliche» Schwüren bestätigte, und kam zu de« Schluß, daß /tu arger Eiet »der Epikaure« (Abtrünniger) sich in der «Hille befinde und e» die Pflicht aller Frommen sei. dewselbev eifrig »achzuforschrn. Die «ithodoxe jüdische Polizei begann hiermtf sogleich ihre fieberhafte Thä''.gkeit und fie hatte alle Ursache, diesmal ihre Aufgabe noch e nfter zu nehmen alt sonst, deuu der schreckliche Vorfall mit der sterbende» Gau» blieb nicht vereinzelt. Die Thirre in de« kleinen, schmutzigen, nach allem Möglichen nur nicht nach den Rosen von Schtra» duftenden galizischeu Städtchen schienen alle rebellisch geworden zu sei«. Mindesten« erschien eine» Tage« der Schamme« (Synagogen» dieuer) Meier Rasens chäa bet dem greisen Rabbi Maimon Weithe» und führte ernstlich, ja erbittert Klage gegen die Henne desselben, iudew er behauptete, fie habe chu an»« gelacht. Diese» Unglück war übrigen» nicht da» größte, da» dem arme» Schamme» widerfahren war, und die Henne war auch nicht die Erste, die ihn ««»gelacht hatte. Er war überhaupt eia unglücklicher Mensch, und am unglücklichsten machte ihn seine Ras«, welche so laug und so zttgespitzt war wie eine Gurke, während er selbst, wenn mau sei» mit Runzeln bedeckte» Gesicht nicht sah, leicht für einen Ehederknabe» (Schuljungen) angesehen wurde. Rabbi Maimon wollte in eigener Sach« nicht Richter sei», «ad da der arme Schamme« sich durch««» nicht beruhige» wollte, berief er da« veSdia. Der Schamme« er- .schien auch richtig vor demselben al» Kläger, und Red Herkrle wurde der Henne zum Anwalt bestellt. .Sie hat mich anSgelacht Irief der Schamme» immer wieder. »Und ich, in meiner Stellung, kau» «ich doch nicht onftMtcn lassen von einem «wernünfitge» Thier«.- Red Herkrle wähnte die Anklage nicht besser zu ent» kräftigen, al» indem er erklärte, ei« Henne fei gar «cht im .Stand« in lachen. Man beschloß als», die Henne selbst zu hören. Sie wurde tu de, Saal gebracht mW setzte sich ‘ ruhig tu der Mitte desselbeu nieder, al» habe sie Lust z« blüteu. »Willst Du Uacaca-, rief der Schamme». »daß Du «ich ausgüacht hast? w«»?- Dte Home sah tu au, stand ans, schüttette die Federn und beaan» laut ou schreien. jE£■ Sie Art. weiser Rabbischrie der Schamme». «Hat fie gelacht »der nicht?- „Ste hat gelacht, zagende» I- «ah» jetzt Red Herkrle, der Anwalt der Hemm, N» Wort, „wie soll sie aber nicht lach»? Heißt doch unser gntrr Schamme» Rasenschi». Gemiß hat einer seiner Väter, ptt Zeit «1» die Inden Rame» erhielte», nuter Kaiser Josef, eine besonder» schöne Ras» gehabt, und man hat ihn »ach derselben genannt. Unser Schamme« hot »obl de« Namen, aber er kann sich nicht rühmen, auch die Ra'e dazu geerbt z» habe», und deShaw hat ihn di« Henne anSgelacht.'' .Zugegeben-, sagte der Schamme». „Alle» zugegeben» aber ich. in meiner Stellung, kann verlangen, daß die Henne dafür bestraft werde." Die Richter deriethe« sich und fällten folgende« Urcheil: „Die Henne ist schuldig den Schamme» ««»gelacht zu haben, und zur Strafe soll fie der Schamme» jetzt auch an«- lachen- .Siud Sie zufrieden, Meier Raseuschön?- fragte der Rabbi. „Warum soll ia, nickit sei» zafrieden." „Also lachen Sie jetzt die Henne au«, Sie dürfen e» thun." Der Schamme« setzte sich hierauf vor der Berbrecheri» nieder und lachte fie -au», und die »eisen Richter lachte» mit ihm. Welch' ein Hodnge'ächter! Al» die Sache aber ruchbar mnrde, saaten die Frommen: .E» ist lein Zweifel, wir haben einen großen Ehrt in der Khille-, und die orthodoxe Polizei forschte ängstlich weiter, und forschte so lauge, bi» eia neue« Er-igniß die frommen Seelen in Aufregung versetzte. Bisher war da» übeldufteude Städtchen zur Nachtzeit so rnhig gewesen, wie die große Thurmuhr, de>en Zeiger feit zehn Jahren oder mehr aus halb zehn standen. Wenn man nicht den Ruf de» Nachtwächter« oder einer Schtldwache hörte herrschte «ine Stille, welche förmlich zum Schlaf» e uzuladen schien, und e» schliefen auch alle Menschen. Fremde so gut al» Einheimische, vortrefflich dort, bi« in einer mondhellen Rächt plötzlich et» ganz unerhörter Lärm die Bewohner de» Liliengäßcheu» weckte. Mau sann hin und her, und endlich fand man da» Richtige, e» waren Frösche, welche da« Rachtgestir» besangen. Aber wie kamen fie hierher, mitten in die Stadt? Mau forschte and entdeckte bald, daß fie sich in eine« Vetneu Teiche oder einer groben Pfütze, wie «au will, mitten in dem Barten de« Getreidehändler« Jona» Sarmeliu ei». g> nistet hatten Maa tröstet« fich damit, daß sie nur dann schreien, wenn Regen in Anzug ist, aber diese Frösche spotleteu jeder Regel, fie schrieen bei Tag und bei Nacht, wenn ti regnete und wenn e» schön war, und fie blieben nicht in der Pfütze, nicht einmal in Garten de» Jona» Karmelin; fie kamen bald in all« benachbarten Gärten und drangen an» diesen in die Wohnungen ein; Madame Rosen» bau« trat auf einen, al» fie Morgen» au» de« Bette stieg, Madame Goldstfch fa d eine» in ihrer Speisekammer und Jakob Löwenstein gar ia seiner Saddathmütze. Da» ganze Städtchen grrieth in Aufruh'. .** ist sicher', jammerten die Frommen, „wir haben einen große» Ehrt in der «Hille, und alle Sgyprischen Plagen werden noch über un» kommen.' . „Wie kommt e», daß die Frösche fich bei Jona* «armelt» festgesetzt Hab«»?- sprach Mose» Läwi Moudenglauz. „Ser kan» mir da» sagen?" „Wie kommt «», daß fie in weine Sabbathmütz« komme« zu steigen?- jammerte Löwensteta. „Sie kommea, ihn auzuklagrn.- *Qcn? Den Val Ehrt.') wer wird e» sein, al» Jona» Karmelin der schon lange keine Peie» trägt und keine« «oftan und sogar rimaal ist gefahren tu den Schabbe» hinein.- - Die orthodoxe Polizei richtete also jetzt ihr Augenmerk ausschließlich auf Jona» Larmeliu, und bald war da» fürchterlich« verbrechen entdeck:. Die junge, schöne Fra« Josabeth «■rmttt» hatte ihr Haar nicht adgeschnttteu, und deshalb, uur deshalb geschahen Zeichen.und Wunder, deshalb hatte» sich di« Frösch« Äutg Pharao'» i» dem sonst so stille» *) „Herrn der Sünde-, d. t. der Sünder.

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