Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 25 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/6492351-8722844-5956530--0894-5372908- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
S«dächt«itzrede tmf de» hschMige« tnnfer Kriedrich I». DH ««nie Volk catfutb «». ko| «ro». b«| «* |riau gcgoftgfft war. (IV. 8. M»s. *0,87.) M. A! Drei Monate find verflossen, seitdem eia Deutscher Kaiser vom Thron in« Srab gestiegen ist. eia Kaiser auf den ein günsüge» Geschick tu verschwenderischer Fülle seine Gaben auSgeftreut hat. der nebea allen de» Beinamen, die er durch sei» «erbtenst sich erworben, ob seine» an wunderbare« Erfolgen gekrönt» Dasein» auch den Namen .der Glückliche" führ« durste. Und heute dringt bange Klage durch alle deutsche Laude ob de» Heimgang» eine» Kaiser», der tiefuuglücklich gewesen ist; Kaiser Friedrich ÜL hat sein sanfte» und milde« Auge für immer geschlossen und selten hat eia für den Thron Geborener die Noth und Schwere de» Leben« peinlicher empfunden, al» dieser Fürst, um dessen Leben, um defieu Gesundheit au» Million« deutscher Herzen Heide Gebete zu Gott aufgestiegen sind, der SÜm wie der unverbrüchliche Bürg« erschien« ist, der edelsten Güter, der« «in Volk theilhast werdm kann, der Gerechtigkeit, de« Frieden» und der Freiheit. Welche schwere Last hat die Gottbeä auf diese» große Herz gelegt und wie heldenhaft hat sie dieser Dulder getragen; wer bedürft de» Tröste» mehr al» diese ihatftüftige Seele, die ein» Welt de» Glücke» für da» deutsche Voll in ihr« Tiefen barg und die d« Schatz nicht heben, nicht an'» Tageslicht bring« konnte, weil der Körper siech und elmd war; und er. der Troslbedürftige, hat in dieser langen bang« Zeit seine Umgebung zu tröftra und aufzmichten versucht, er scherzte mit seinen Aerzten, damit sie e» nicht gar so arg empfinden sollten, w e ohnmächtig und vergeblich ihr« Kunst war gegmüber der Krankheit, die ihn niederwarf; er raffte die Reste seiner Kraft zusammen, um vor seine Soldat« zu tretm, um seinem Sobnr seine Befriedigung zu bekund« für den Eifer, mit dem de» junge Hohenzollernfürst nach dem Vorbild« seiner Ahnen der Ausbildung der Truppen, dem Schärf« de» deutsche» Schwerte», sich widmete; er drängte dm eigen« Schmerz und die Sorge, die mit chre« dunklen Filtift in jedem Momente sein Haupt umrauschte, gewaltsam zurück, um da» Eheglück eine» geliebt« Sohne» zu gründm; er war, währmd eine furchtbar« KrauHeit in seinem Körper wüthrte und rhm sein grausige»: .Ged«!' an d« Tod!" ständig zurirf, unermüdlich in der Arbeit für sein Volk; sein starker Geist hat mit dem Tode»«gel gerungen, und ist aufrvht geblieben auch al» der Körper schon in den drückenden Fesseln hoffnungsloser KranHeit lag. Welch' ein Schicksal thränmreich und thränmwcrch! Wo giebt e» bald ein« Mrstm, der sich wie dieser ernst und arbeitSftoh aus d« Thron vorbereitet hatte! So geübt wie er im Werft der Waffm, so eingrwecht in die Kunst de» Kriege», daß ihn sein Vater, der doch gegm di« Seinen besonder» strmg im Urtheil war, mit dm höchsten kriegerisch« Ehlm geschmückt hat, und so kundig war« in dm mannigfachsten Wissenschaften, so verttaut war « mit künstlerischem Schaffen, daß Gelehrte und Künstftr sein Urtheil in Ehr« hielt«. — S» Biele» hatte er ersonum und vorgesorgt iu d« Jahr« der Muße, wa» er al» Kaffer vollbring« wollte; Keiner hat eifriger über die Größe und über die Grenz« de» KönigSamte» nachgedacht, Keiner fft fteudigrr bereit gewesen, ganz aufzugeh« m seinem hohen Berufe und dabei selbstständige» und mannhafte» Streb« auf jedem Gebiete zu acht«; wa» sein großer Vater begann« iu ruhmreicher Kriegsarbeit, in segensreich« FrickwnSwerftn, da» wollte der Sohn herrlich vollend«. Aber kaum sein« F»ß hineingesetzt hat er iu die» Land; der Verheißung; wo» er hasste ^uud .ersehn«, hat er j mchr «rjüur; der sieche Körper ha. 'o«e oimmelanftreb.nde Seele hkuabgezoGM in die Tief«; wahruch so über die Maß« glücklich der Vater gnveftn. so uueudlich «aglülklich war der Sohn. Und doch, obgleich der kauft Maua iudieser kurz« Spann« Zeit, währmd der er ja auch stet» »ft au Aögrü'den gewandelt ist. nicht» Dauernd«» hat schafft« köua», en-«* hat er sich dennoch erworben, die heiße »ad innig« Liebe diese» großen drutschm Bolle», die Verehrung Aller, dt« auf de» weil« Erdball für Lharaktergröße und Gemütht tieft Berständniß und Theiluahme haben: dieser Held der Siege und der Schmerz«, der Thaten und der Lew«, hatte da» Herz seine» Bolle», — uud jetzt, wo er htaaeschied«, ist da» gauae Volk, von der Kaffen», dft mtt imübertrofftaer Treue »ad Aufopferung d» Gatt« gepflegt hat, von de« siuige« Sürst«, dm wir jetzt al» uns«» Kaiser verehr«, dw zu« jlichtesten der lluterthanm. jetzt ist da» ganz« voll ein Trrubuud. geeint i» der gleich« Lieb« und in der gl« Ich» Trauer.. Ja de« ebm vernommen« Schristworft wird ua» der Tod Aron'«, de« Hoheoprieftetr, berichtet. der an der Gieuze de» gelobt« Lande« von Gott abgerufm wurde; Aron wird gerühmt al» ei» Mann, oer d« Frieden liebte, ia der d» Fried« stürmisch heiß erstrebft, der alle Mensch« ohne Unterschied der Stände de» Berufe», der Klaff« und der 9fac<n liebte uud ehrte, und sie zu eiuer geläutert« Gotftsverehruag führt«. (Psicke Abot 1,12.) .Al» Aron starb", so heißt e» iu der heilig« Säwfft, .da empfand die ganze Bolk»gemeine, daß Aron, daß der FrledmSfürst beimgegaugea war und sie boveint« chn driäßig Tage da» ganze Hau« Israel". > Beim Tod« de» Mose heißt e» nur: .dft J»rae!itea beweint» chn", da wird nicht berichtet, daß dft Trauer alle Schichten de» Bolle» durchdrungen habe. D«n e« gftdt Mmschm, die bei all« hervorragend« Gab«, bei llllru ausgezeichnet« Eigmschafftn de» Charakter» doch nicht dft Fähigfttt Hab« dft.allgemeine Lftb« zu gewinn«; oft gmng verliert ein guter Kern durch die rauhe abstoßende Hülle. Ar»« aber, der Friedmdfürst, Var leuffelig uud mild, sprach mit Jedermann iu dem Tone, der chm gemäß war, er tesaß dft wahre Höflichlichkeit, dft nicht» andere» fft, al« echt« Mmschenfreundlichkeit. Darum heißt «» von ihm:;Die S Gemeinde empfand sein« Heimgang wie eine persönliche jedem war zu Muthe. al» wäre ihn ein Freund gestorben; da» war keine anbesohlene Trauer, s»ude» da» ganze Hau» Israel, jede» Hau», jede Familie beweiaft ihn an» dem Drang« de» Gnnüthe» wie ein« lieb« nnd verehrten Auve, wandt«. Ist e« zuviel, wmu wir dft» Lob, da» dft Schrfft dem Arou spendet, aus Kaffer Friedrich, auf dft Trauer bezieh«, dft da» ganze deutsche Volk ihm weiht? Ihm war dft Leutseligkeit zu eig», dft alle Herz« gewinnt; wohin sein frmndliche» Auge sich wandte, wohm sein einmüthige» von der liebmSwürdigstea Laune erlmchteft» Wort sich richtet, überall gewann er Liebe und Vertrau«; nicht nur dft <Lhrfnrcht, die dem Fürst« gezollt wich, nicht nur dft Achtung» dft wir dem Wersen gewähren, nicht nur dft Theiluohme, dft dem Dulder gebührt, verband un» mit de« Kaffer, sou» dern vor Allem die Liebe, welche der Mensch durch Schlichtheit, Grad heit und Treue sich erwirbt. Er war ein Fri«d«»fürst, und Fried« »« erhalt« uud Frich« zu stifte» »ach Innen uä» nach Auß«, betrachtne er al« sei»« hohm Königsberns. Er wnßft, daß dft Mmschm aus verschieden« Weg« dieselben hoh« Ziele im religiös« wie im wettlich« Leben erstreb» und errrich« köan«; darum achteft er jede Ueberzengung charaklervoll« Mäuner, darum schenkte er Männern der versMedeiffftn Richtung sein Berttau«, ihm war Baterla»d«lftbe und Religiosität nicht au eine besinn mft Ansicht gebundm, souder, er setzte diese hoh» Tugend« auch bei den« vuruu»'