Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 24 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 3)
- Language
- German
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schmeichelt fühlten, endgültiger Form «*8ma tmffonta Vielleicht ist Mtfrr Glaubenswrchsel i» wch erst Jahr» »aranf ft Amsberbam «« ansgftblje Darstellnug Mcfcr i»> [oatot religtonsgeschtchüichea Eiotsode ift unter*» Wissens jüdischer Seite dt» letzt «eichtluternommen werde» und «I sire Mt lafMbc geschichtsrundaer eupktscher Israeliten darüber da» hellste Acht zu »erdrette». S« wie di« Sach« setzt ließt, »»ß mau sagen. e» wäre bester gewesen. die englische Judenheit hätte »eit seiner A-nahwr wätiger qerllt; mindestens hätte wa» eine Vit Rtlhepause in de» VgÜator» Lanfbahu «dwarte» selle». Lord Gordon unterzog fich willig alle» Bränche» seiner nenen Religion und eiferte sogar gegen Diejenigen seiner Brüder. Welche darin eine gewisse Lauheit dekundften. Inch läßt fich nicht leugnen, daß er ft manchen Lnndgebnngen fefte« ferneren Leben» einen deffirrn nnd gehodrnern Sinn ab den Tag legte, wenngleich fieberhafte» Stürmen nnd maßlose» Selbstbetonßtsetn ihm zur ztveften Natur gewi rden waren. Sein« Gegner allein habe« über ihn zn Gericht ge» festen mck daß «an e» an Gerechtigkeit gegen ihn habe fehlen lasten, tag zeigt fich am deutlichsten in der überflüssigen Härte, womit «an se ne letzten Tage verbitterte. I« April 1787 »nrde er auf Grund zweier schweren Anklagen vor Gericht citirt. Arsten» soll er in einer anonhwen Broschüre, betitelt, die Bittschrift der Gefangenen", (Th« Prisonen’ Petition) fich in beleidigender Weise über die dffemliche Gerechtigkeitspfleg.' vusgrsprocheu haben; zweitens wurde er ans Antrag de» französischen Gesandten beschuldigt, dir Sdntoin . von Frankreich in einer Schmäh scheift beschimpft zn had-n. Seine lk m»niß der Zustände a« franzöfischen Hoft war au» Lazliostro's Schule geschöpft. V« 6. Juni erschien er vor den Schranken de» Ving» Beuch- Gerichte» nnd führte seine eigene Bertheidigu 'g da er au» Vrmnth. «oie er sagte, keinen Anwalt angenommen. Tr wurde auf beide Anklagen hin für schuldig befunden; da er fich aber ans freie« Fnße befand, so »artete er dir Bestimmnng dk» Strafmaß«» nicht ad und begab fich nach Holland. Kaum aber war er ir Amsterdam augekommen, so schickten ihm die Bürgermeister den Befehl zu, die Stadt dtnnrn oirrnuo^wauzig Stunden zu verlassen. Im Juli >»«r er bereit» wieder zu Harwtch in England gelandet. Bon da ging er nach Btrmtngha«, hielt fich daselbst versteckt und verkehrte an»schlteßlich mit den dortigen Juden, in Kleidung und äußerem Wesen fi« kopirend. Aln 7. Decemder aber wurde er ergriffen nnd nach London befördert, wo «an ihm sofort sein Urtheil verkündete. 1k» lautete auf fünf Jahre Gefängniß und eine Geldstrafe von 600 Pfund; außerdem wurde er angewiesen, für sein späteres Wahl verhalten eine BKrgschaft»summe von 14,000 Pfund aufzubrmgen. Man sagt, daß ihm unter der Bedingung de» Widerruf» Begnadigung angeboren worden; er habe aber «ft den Worten abgelchnt» daß ein Gnadengesuch eine« Schuld bekenntuiß gleich kilmr, und daß di« Mild« ber Bösen nur eine andere Form von Gransamkrft wäre. « Seine Gefangenschaft in Nevgate wmd« ihm durch alle i-'öglichen Rücksichten erleichtert. Er kmpflug Besuche, hatte Gäste bei Lisch, spielt« dt« Violine nnd veranstaltete ,«gar Tanzkränzchen, an den jüdischen Fasttagen aber euthieft er fich aller Nahrung nnd beobachtete auch alle andern religiösen Bräuche auf« Genantste. Seinen Mitgefangenen that er Habet sehr viel Gute»; und getieu seine« Hange zur po-, Wischen Schriftstrllerri «ließ er au» den GefLugntiänaneru sein« Denkschrift »An dt« Freund« der Freiheit", worin er die Grundsich« der Demokratie gar nicht Übel anseftandersetzte. Da» denkwürdige Jahr 178» war inzwischen ,(bauten und die Erstürmung der Bast»! wurde auch dn Innern von Newgate «ft nnbesttnmckm Hoffnungen vernommen. Lord Garban. der zwar für dt« Tinge de» öffentlichen Leben» eine awviffe Fühliakett hatte, ft, dessen Kopfe aber äußere Eindrücke gewöhnlich die buntest, Färbung ,»nahmen, hatte jetzt den seltsamen Einfall, an die französisch« Nationalversammlung zu petilioutren. daß fi« fich für sefte Fretlaffun, verimuden «»ge. Bein Angriff auf Maria Antoinette, «einte er, erscheine jetzt, uaiddem der Hof selbst von seiner Hö >e herabgestiegen, tu seine« wahren Achte, al» «in« Anwaltschaft der Unterdrückten. Die Versammlung ließ die» Gesuch uudeachiet. Am 88. Januar 1793 war tndeß seine GesUnanißstrase abgelaufen und er erschien unter unaehenere» Zulanf kiner neugierigen Menge abermal« vor den Gertchtsschraoken. Mit einem langwallendeu Barte und bedeckten Haapte» trat er vor, nud al» er auf Befehl de» Vorfitzendendeu Hut abnehmen maßte, so band er fich «ft vieler Ofientation ein Taschentuch al» improvifirten Turban um den Kopf. Dft von ihm aufgebrachte Bürgschaftssumwe erwie» fich aber al» ungenügend und so mußt« er denn nach dem Gefängniffe zurückroandern. Dort aber erwartete ihn jener allirverläß'ichste Befreier» welcher ftüher oder später auch der härtest rn Srfangenschail ein End« macht. Im Decemder wurde er vom Gefängnißfftber befallen, welche« damal» in de« Zellen von Newgate seinen Herd aufgeschlagen hatte. In diesem leidensvollen Zustande vernahm er die Hinrichtung der unglücklichen Königin und brach in dft fauattscheu Worte ans: „Sie ist nicht dft Letzte von der Kvnirsfamtlft, dft nni:er der Guillotine ihren Tod findet." Welch ein dämonischer Haß gegen di« uutergehende Herrschedynaftie muß ihn erfüllt haben, und wft tief mag seine Eitelkeit elf Jahre voiher zu Part» verletzt worden sein? Bald darauf verbr er da» Bewußtsein nnd an seiner entzügelten Phantasie wandelten die aufregendsten Scenen seine» sturmbewegten Leben» vorüber. Im Delirium summt« er den bacchantischen Freiheitsgesang ,,V» iralden damals ganz Europa wiederholte, vor sich hm und mft diesem Grnß« an dft nene gallische Unabhängigkeit auf den matten Lippen schlummerte er hftÄber. Dann kamen vermuthlich Männer mft önullem Teint und lebhafter Grberdensplache und holten den im Tode Fretgewordenen Heft» und b retteten ihm in irgend einer friedlichen Ecke des damaligen jüdischen Frftdhofes im gerä tschvolleu London dft erfordeeliche Ruhestätte, sprachen wohl an* das fromme Kaddischgebct über den Resten de» Unbeiveibteu. Unbeerbten. So lebte, so schied von der irdischen Bühne ein Mann, der auch bei mittelmäßigen Talenten eine gewisse Anwartschaft auf Rützlichkeft und Erfolg hatte, weil eine nicht alltägliche geistige Ledeudigkeft und ein großer Thä'igkeitsfit« seine Fäbizkeiten unterstützten. Allein die Verworrenheft seines Denken« und Fühlen» und die verknöcherte Eultur seiner Zeit wurden an ihm zu verrithern. Wäre er in urteracordneten Verhältnissen erwachsen, er hätte, wetm auch in bescheidener Sphäre für fich und Andere ersprießlich wirken körnen. JÜtofet für tat Dft tzenttgen Herren Babhlon». Da» Rad der Zeit wftd bekanntfich für manche außergewvhultche Erscheinung verantwortlich gemacht. Jedech wohl nie ftft dft Ironie der G schichte fich seftsamer erwiesen, al» ft de« heutigen geschichtlichen Zustande Babylon», der ehemals so mächtigen, rer ältest» Stadt der Welt» ft welcher «tast unsere Voreltern Sllavenketten tragen m ißftn, an dessen Ström» sie saßen und weint». wenn sie deft gedachten, o Zimt! — Wohl dachten d e König« Babylon», deren Palast einen Raum von acht Ouadratmeilen bedeckte und deren fthwebende Gärten zu deu Wandern der Weft gehörten, kan« dtiran, daß lauge nachdem ihr Geschlecht nud ihr« Dynastie ztrfallen seft würden, da« »erachtete Volk der Inden sie Ü »erleben und ft den Besitz der Thorr ihrer Feinde gelangen würde. Ja, fast der ganze District »an Hilleh mft seinen