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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 23 (1888) · p. Seite 89

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
23 (1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 89 (sequence 3)
Language
German
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•■fgrtotfit ftntav. Er toftibe erfahren, daß .Mosche UtobKira* »och lange nicht die Hntorttfit besitzt wie .Mosche J s s e r l e «'! — Der gekirenge Glossnior de» Schulchon arnck». .St» Hau» vollgepfropft mit hüligen Bücher», bedarf r» der .Mesoka" mit de» .GotteS-Bewnitscia »nd Sott,»» »amen'? — O wie sehr! Uns« Orthodoxie ist et-, .$]»• voller Bücher": ein .Hau«", aber kein .Kopf", noch weniger rin .Herz". Rein, an Büchern. Blätter» »ad Buchstaben, fehlt e» i« .schwarz»« Hanse" nicht! Ader — die .Mes us a" fehlt! Da» innere tiefe G»tte»be«ußtseia. da» vor Mensch zu Menschen wirkt, wofür die Propheten gewirkt, wr» der Talmud al» den iton de» ganzen Iudenthrm» betet, da» ist ihnen abhanden »komm n. Werkheiligkeit ist ibne» all«»: da« Laschen«»« am Sabbath herumbiade« der Mensch ist ihnen gar nicht». Eine Wesp: am Lobbath tüte», welch' Verbrechen! Einen Menschen, der nicht in« fchwrrze H r» bläst, am Sa'bath tot mach'« — ein heilige» Werk! »Da» Hau» ist voll Büch^c. aber — — die Mesusa fehlt"! — Darum fo.t mit aller Heuchelei, fort mit de« Jesui«>»mu«! Bist bürt nicht auf Gift zu sein, wenn <« iu .koscher»" Schalen kredenzt wird? — Ja. ja, di« .Mesusa" fehlt.- Der Sa^dath Plauderer. Lord George Gordo«. Lin« Proselytengeschichte v<» H. glrndort. (Fonsepung.) Der 14. Mai de» Iahe» 1778 wurde für den weitern Verlauf vou Lord Gordoa« politischer Laufbahn geradezu epochemachend, ober nicht in fegen »reifer Weise. An diesem Tag« setzte Sir George GavUe Une Bi« im Hause durch, wodurch e.»'ge der drückendsten Ausnahmegesetze widerrufen um,den. unter drueu die Katholiken England» seit dr Regierung de» holländische.', Wilhe'm geseufzt hatten. E» war da» e.ste Aufdämme,u religiöser Duldung im sogruaunteu freien Albiou. In Schottland aber hatte dc» Gesetz keine Kraft, uud al» di« dortigru Ka holiken beim Pa lamente we>en einer ähnlichen RechtSwoh that vorstellig wurden, so erhitzte sich der protestantische Eifer bi« zum wütheadsten Faaat »mu«. E» kam zu Aufständen und Zerst", ungSsceneu; in Edinburgh »ud andern Städten wurden österliche «ad P.ioolgebäud: vom Pöbel vernichtet; »nd die Katholiken, für ihr Leben sürcht.ub, verzichteten auf die Abstellung der Au»aahm». gesetze uud begnügten sich, um Schutz gegen die augenblickliche Gefahr nachzusucheu. Edmund Burke legte ihre Sache am 18. März 1779 dem Urterhause vor; und bet viesem An» laffe erschien Lord Gordoa zum ersten Male in seiner neuen Rolle al» osfiriellec Verfolger der Katholiken im Namen der ixtrrwen protestantischtu Partei. Im August drffelben Jahre« besuchte er Edinburgh und empfing hier solche Ehren und Huldigungen, daß e» kein Wunder gewesen wäre, hätte er darüber sein bi«chen verstand verlorrn. vorläufig beutrte er laie voltSgunst dazu au», durch Brandreden und Aufhetzereien den glimmenden Funken de» Fanatismus zur h.llen Flamme anzufachea. Rach Lou» dou zuiückgekhrt, setzte er die» Uate nehmen mit de debäuerlichsten Ausdaoer fort, und die .Protestautische Aflociatioa". eine Bereinigung, welche im Februar 1778 gegründet worden war, um dt: Savtlr'sche Bill za verhindern, wählte ihn i» einer Übeln Stund« zu ihrem Präsidenten. Jetzt giug e» au eia Agstireu uud U-terwühlen der vffcntltchen Stimmung, welch« a» die anorchistische» Zeiten der Geschichte erinnerte. Durch Staadredeu. Predigten. Broschüren, Anschlag-zettel, Balladen uud falsch« Gerüchte wurde »er allgemeine Unwille geg'n d» Anhänger de« Papste« g schürt. Am v. Mai 1780 überreizt,: Lord Gordoa dem Hanse «ine Bittschrift der Stadt Plymouth, worin der Widerruf der Saalle'scheu Akte gesord.it wurde. Da der Schritt kein« Wirkung huste, so berief der Agitatrr eine Mastesverfammlung auf de« 29. Mai und forderte seine Zahärer auf, ihn tu Prozession nach de« Pa'lameute zn begleit:» «ad r« so ri.rzurichten, dag wenigsten» 20 000 Menschen ihr» deu Rücken deckten, um durch die imponireade Menschenmenge da» Hau» zur Erhöru'g ihrer Forderung zu zwingen. Der verhäaguiüvollr 2. Juni, eia Freitag, war grkolnmea, und auf 61.000 bi« 100.000 rr<r6 die Menge geschätzt, die sich in 8t. 6-oorx in tds üsläs versammelte. All« Läden tu der Nachbarschaft wurden gesch.offen: denn schon da» friedliche Aaftretea eia r solchen Schaar erfüllt« den ruhigen Bürger mit Bangen. Ja drei großen Massen und auf verschiedenen Wegen marschirtea die gefährlichen B.ttstrlln mit rer Riesenpetitioa, welche mehrere Männer tragen mußten, nach Weftminster. Der Hanfe, an dessen Goitzr Lord.Gardoa zu Wagen sich befaid, und welcher den Weg über die London Brücke eiaschlog, hatte eine Länge von drei Meilen. Um halb drei Uhr erreichte die Prozession die Westmiast rhalle. ergoß sich in die Eorridore und wurde nur mit Mühe vom Sitzungssaal« ferag'halten. Draußen auf dem freien Platze wurden die autommenden Peer» angrhaltea. zu« Au»steigen gezwungen, beleidigt und körperlich mißhandelt. Auch dem Erzbischof so» Eaatertury uud noch zwei Bischöfen blieb diese Unannehmlichkeit nicht erspart. Unter unbeschreiblicher Verwirrung brache Gordoa im Hause die Petition zur Verhandlung, lief dabei hin und h:r und blieb mit den rebellische« Haufen in steter Verb ndung. Allerding» war er klug genug, sich der dtrecten Aufforderung zum Aufruhr zu enthalten; al» E,ner au« d^m Haufen ihn fragte, ob sie da» Parlam;nt»gedäude verlassen sollten, sagte c% sie könnten handeln, wie r» ihnen beliebte. Diese zeitg'väße Vorsicht, die mau aber nicht mir Muthlofigkeit verwechseln sollte, deuu selbst seine strengsten Beur'heiler haben ihn den persönlichen Math nicht abg,sprachen, hat später seinen Kopf oder vielmehr seinen Hal« gerettet. Tag» darauf. Samstag, gönnte sich die volk»wuth eine Pause, nur um am Sonntag auf'» Neue über katholische Bethäuser herzufaüen. Doch am en die Friedensstörungen au diesem Tage von leichterer Beschaffenheit, und e« hatle bi» jetzt noch Niemand sein Leben eingebüßt. Ermuthigt durch diesen überraschenden Erfolg, versainmrltea sich die Unruhstifter am Montag auf'« Neu«, und unter Brandstiftung, Raab uud Zerstörung wälzten sie sich nach den verschiedenen Quartieren der Weltstadt. Diesmal war e« besonder» auf die Behausungen mißliebiger Personen abgesehen; da« Hau« de» allgemein verehrten Savile wurde, »eil er die Relief-Bill durchgesetzt, au»geraubt. Inzwischen waren einige Verhaftungen vorgeuommei, wurden; die damit betrauten Gardisten hauen aber Mühe, sich qrgen Stria würfe zu schützen und traten mit großer Schonung auf. Lord Gordon fand e» für aerathen. in einer Proklamation olle B rbindung mit den Ruhestörungen in Atrede zu stellen. Am Dienstag den 6. Juni erdichte der Krawall seinen Höhepunkt. Auf dem Pa»lameut»platze wurde Lord Sandwich angehalten und schwer verwundet. Im Unterhaus« fanden «ater dem wüsten Lärm der sich draußen herumtreibenden Lolk»hausen Berathuazeu statt, wir der Ernst der Lage sie erforderte; und Lo d Go don war wieder auf seinem Platze und liebäugel't sichtlich mit der Bewegung. Nachdem nun die Um.ebuug de» Parlament» von einer Abtheilung Envallerie besetzt wo ben zerstreute sich da« Volk »ach audern Sladttheile», um seine Rache au deu Handhabera de:: öffentlichen Ruhe «ad Sicherheit zum mindesten an btrtn Wohnungen zu kühlen. Da» Hau» de» Richter» Hyde wit'be in einen Schutihauf.u verwandelt und dann stürmte auf ein gegebene» Signal Alle» nach dem Newgate-Gefänznisse. Der Gouvernrur de« Hause«, Akermann, war ein Manu von Math und Geistesgegenwart; allein von den städtischen B< Hörden feige im Stich gelassen, ««rßte er zusehea, wie die berühmte Strafanstalt de« Untergang geweiht wurde. Drei.

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