Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 23 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 2)
- Language
- German
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ftctut'nig der Landessprache. Sie'er so traurig auf der Brücke gestanden und kummervoll in de« St-om hinab« geschaut, habe ihn plötzlich ein langer, blaffer. rothbSrtiqer Herr gestoßen, ihn in einer ihm nicht recht verständlichen Weise verhöhnt und schließlich so heftig an dem Barte genaust, bi« er laut aufgeschrieen Im Nu sei er und der fremde Monn von einer tobenden Menge fortgerifsen nach einem großen dunklen Hause und dort in ein Zimmer geführt woroen, wo rn einem grünen Tische drei alte Heiren mit langen weißen Perrücken gesessen hätten. Rach langem Hiunnd Hrrreden, von dem er n'cht da« Geringste verstanden, habe zuletzt ,'ein wieder recht ruhig gewordener Angreifer eine grünseidene Börse gezogen nnd hundert blanke Go dstücke auf i en Tisch gezählt, die er an fich nebm n durste. Al« er kurze Zeit darauf al« r icker Mann »ieder am Themsestrom gestanden, habe er beschlossen, den merkwürdige« Wechselfällen der großen fremden Stadt sein neugewonnene« Vermögen nicht au«znsetzen. Mit dem ersten von London adgehenden Segelschiffe sri er de«halb wieder nach Hamburg zurückgefahren und dort zu einem polnischen GeldweLtler gegangen, der ihm für die hundert englischen Goldstücke mehr al« viertausend polnische Mulden an«zahlte. Davon h be er fast nicht« verbraucht, sondern fich wieder kostenlo« nach der Heimath durchgeschlagen, wo er gerade rechtzeitig ankam. um da« Mosin«ly'sche Hau« zu e stehen nnd wo er in der allen Ort«bewohnern bekannten Weise zu noch größerem Wohlstände gelangte. Da« Weitere ist bald erzählt. Bon Mognn« mit geringen Geldmitteln unterstützt, ging dessen Freund ebenfall« nach London, aber seine Jagd nach dem Gold blieb erfolglo«. Er fand keinen vom Sherry-Genuß angeheiterten Lord der ihn übermüthig mißhandelte nnd entschädigte, trotzdem er tagtäglich nach der London Bridge ging und fich an alle Personen h randrängte, die der ihm von Magnu« geliefe ten Beschreibung entsprachen. So vergingen Tage. Monate, Jahre; der a me Pole verdiente sich mitunter etwa« al« Hafenarbeit« r, bettelte auch, stand aber regelmäßig zue Mittag«zeit auf der London Bridge, de« Glück « harrend, da« nicht kommen wollte. Da ihn Niemand mißhandelte, rief er schließlich allen rothbärtigen Passanten die Bitte: „Zupf mich!" zu. so daß ihn bald die spottsüchti te Londoner Straßenjugend al« .Mr. Zupf mich' verhöhnte Wiederholt nahm fich die Polizei de« schließlich blödstnuigen Fremden an, aber die Irrenärzte, die denselben in Behandlung nahmen, fanden ihn nur dann tobsüchtig, wenn »au ihn verhinderte, um die Mittag«zeit noch der Londoner Brücke zu gehen nnd dar» unermüdlich nach dem unauffindbaren Sveuder der hundert Goldstücke zu spähen. Man ließ den harmlosen Menschen deshalb bald wieder laufen und derselbe rief auch Niemand mehr an. um nicht abermal« eingesperrt zu «erden. Traf ober der inzwischen zum Greise gewordene Unglückliche an der bewußten Stelle einen blassen, langen, rothbärtigen Mann, so mochte er fich diesem in der stillen rührenden Weise demerNich, wie die« meinem Freunde oft und zuletzt in «einer Anwese'heit begegnet war. Ich war längst wieder in der deutschen Heimath al« mir bei Abfassung eine« Briefe« nach London der seltsame weißhaarige Goldjäger auf d r Londoner Brücke wi der in da« Gedächtniß kam. Ich erkundigte mich deshalb scherzhaft bei «eine« Freunde Eharle«. w.« denn au« Mr. Zupf-mich geworden fei. Die Antwort ließ nicht auf fich matten. Eharle« hatte eine« Tage« seinen Schwager im deutschen Hospital aufgesucht, al« man gerade ans einer Bahre den greisen Bettler hrreintrug, schwer verwundet, überfahren von einer Equipage de« Herzog« von S ... . Dieser b'asse. rothbartige Edelmann hatte de» Unglücklichen, der blindling« in sein feurige« Gespan» hineingerannt war, selbst nach dem Hospital geleitet und bat nun die Aerzte dringend, ihre ganze Kunst aufzubieten, um den bedanernSwerthe« Grei« zu retten. Derselbe sollte die beste Pstege erhalt,«; zu diesem Zwecke zahlte der Herzog, bevor er da« Hospital »erließ. hundert Goldstücke ans den Tisch, — genau die Summe, welche ein Lebensalter hindurch die unerfüllte üörhnsucht Znpfmich'« gewesen. Ihm nützte da« Gold »ichi« «ehr, denn er kam nicht wehr zum Bewußtsein sondern schlummerte schmerzlos in die Ewigkeit hinüber. Die lange, rastlose Wanderung war vollendet, die g'ücklose Jagd nach de« Golde zu Ende l S«hb«th.Pla»derri. Zu« Wochen»Abschnitt „Korach“. »Du sollst «"sinken wi? Ko rach"!-In brr gute» alten Z it, wo ein »Stückchen Thora", ein .Wötlel", d. h. eine Bemerkung, eine Erklärung rc. zur Thora »der zum Talmud, noch im Stand« war. di» G vße d« Almosen« günstiger zu best innen suchte ein r ich tiger .Schnöder" sich, wenn mir möglich, mfi einigen solcher .WÜrt-l' zu b waffnin. E n richtiger Schnorrer hatte ein solche« .Wörtel" zu jedem Wochenabschnitt«, und da hat'« er immer den schönsten AvknüpsungSpuvkt: »Diese Woche gebt die uvd di« Sidra nnd da kann ich Euch rin gut Wörtle sagen.' Dazuaehöte aber schon eiw>». denn bekanntlich gi«bt e« einige 50 Wochenabschnitte. — Ein Schnorrer war schlau und meichte da« ander«. Er raufte sich «in .Wöckle" zur Sidra .Korach" ein. und führte mit sich einen . . . Hund. .Enen Hund'? Jiwohl, einen Hund. .Rimsich zu folgende« Zveck. Sobald er in die Stube trat, versetzte er, der Schnorrer, dem Hunde unbemerkt einen Fußtritt. D-r Hund fing .zu heulen an; der Schnorrer, sein Herr, thai ärgerlich und schri : »Du sollst e nsinken w°e Korach I — und da wir schon rrden von Korach, werd' ich euch auch sazen e>n .Vöriche" zum Wochenabschnitt .Korach'. — Wenn heu'e noch die Arena solcher .Wörtchen" wäre, der Schnorrer könnte dm Hund ersprren, dein, um an .Korach', dm Zänker, anzuknüvsm, giebt e» heute im Judmthumr überall und immer Grlegmh.-it. ,I'f Söhne Korach« find nicht auSgestorb n' — aber io fruchtbar an .Korachidrn', wie die zwite Hälfte de« IS. Jchtchundrrtt, war noch keine« der zu dm Bätein riogeaan.raen Säcula. Do« kommt ober daher, wildi- .Korach-Söhnr' kitte Angst mrdr vor dem »in die Erve versinken' dobm. Sit glaubm zwar an de Wunder der Bibel; aber daß rinmal auch da« Wunder an ihnen fich vollziehm könnte da« glaub.-» sie nicht. Na wmn ich die Erde wäre, ich macht« e« auch nicht ander«. E< fiele mir auch nicht ein, diese .schwarzm Gesellen" zu versckl'ngm. E« ist schon lchlmm gmug, daß die Erde diese Polterer ouf ihrem Rücken her».«stolpern losten muß; soll st» dieselb.-n noch in ihren Mcgm auf» nehmm? Der alte Korach war noch einig-rmoßm verdaulich; er war doch wmigst.-n« n cht — schwarz. Aber diele Thronerben Korach'«, unsere Loyola'«, ste haltm de.» .schwarzen' Roß für dm noch einzi.en Kitt d«H:use»J«rael; schwarz ist >hrr L-ibsarbr und da« .Auschwärzrn" ihrHauptgeschä ft Korach soll, nach dem Midrasch, bet Mose« angefragt habm: .Lin Hau», da» vollgepfropft ist von .deil-gm Büchern", bedarf ei, solch-« nach Oec.„lfeatiMu, fc.-i Pergamentstreifen». nt dem Gotterbwalrtsem im inner» uno dem Gottesnamen nach außm, an der Thür«? Als Mose« die« bejahte, wurde er au« ge lacht. O großer Mosche, dirsr Erfahrung könntest du heute tausmvmal. machm! Unsere Korachidm wüidm No'che Rabbeun mehr al« in eine« Stücke an«lachen. Wenn Mose« ihnen sein: „Du sollst nicht herumgehm al« ein Verleumder unter dm Leuten"; oder sein: »Du sollst nicht lügen"! oder sein; „Du sMt lieben deinen (nicht bloß schwarz gefärbten) Xedeammschen wie dich selber'! u. dergl. — er würde uafehlbai ausgelacht werden. Und wenn er etwa sa t?: ,®o* fällt euch dm« rin? We soll ich Eium, der am Sabbath einen Schirm aufspannt, aosrhea wieEiam, der ei» Hau« aufbaut? Oxr (Einen, d r sein Haar scheitelt, wie Emm. der ackert"? u. dgl.-er würde nicht bloß