Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 23 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ZSdische» M Dr. M. ItabMft In Magdaburg. o Zu gitntattni i. Kelehnmg Ar Mt iuaelWk |tiilit. -M<- /v c fa S>'» 3*8^ »ach btm Gold. Erztlhluig von Al»do»?: Lny. — S»btatb-PU,ud«i»>. Zum Woch«n»b'ch«'tt „Lor»oK". — Lord .tzNttüU* ch«»'g« Vordo». Li»« Prof-lytmg'fch'chte von H. Z-radort. (Forti-tzu»gi — Allerlei für de» Familteatisch — Kleine jüdisch« ildaroklerzilg«. —. RSihsel-Rufgabe» und RSihs-t-Lösungeii. — (Unbefugter Nachdruck uutersa«t) Die Jagd «ach de« Gold. SiHSdlung von Alphonse Levy Gerade in der neueste» Zeit ist da< traurige Lao» vieler deutschen Ao«wauderer. die mit hochflieg'ndrn Erwartungen ihr Vaterland verließen und nun in London »der New N"k oder auch in den neu erstandenen großen Industriestädten der vereinigten Staaten eierb verkümmern, wi-derhoil mit lebhaften Farben geschildert worden. E« erinnert mich da« s.et« an ein seltsame« Erlebniß, da« mir vor fünfundfwanzig Jahren tu der Weltstadt an der Themse begegnete und mir al< lebhafte Wa>nuug vor der leider nur viel;u sehr verbreiteten Sucht gedient bat, da« schlichte Glück in der Heimath zu unterschätzen und für eine so wenig ersprießliche Jagd «ach Gold und Glück zu veraiikeu. Ans der Rückkehr nach unserer damaligen gemeinschaftlichen Wohnung in London, am Fin«bury-Square, begriffen, pasfirten eine« Tage« mein Freund, ein hoch aufgeschoffener, rothbärtiger BollblutEngländer, und ich die alte Londoner drücke al« mitten io dem dichten Menschengewühl ein alter, weißhaariger Mann in dürftiger Kleidung meinen Begleiter am Rocke festhielt, ihn eine Weile mit unsäglich flehendem Blicke ansah und, al« sich Charte« mit ärge licher Miene von dem Zu'ringlichen lo«machlr, spurlo« in der Menge ve>schwaed. Mein Freund war von dieser Begegnung durchau« nicht jo betroffen wie ich. und versprach mir kurz, d eselbe später näher zu erklären, wa« bei dem lärmenden Treiben auf der Stiaße auch ganz unmöglich schien. Nachdem wir ein einfache« Frühstück in unserer Wohnung in Sehdt's Hotel, Fintbuly-Square, beendet hatten, begann Charles seine Erzählung, au« der hervorgiug, daß ihn der bei der Loudonec Slraßenjogend unter de« Spitznamen »Mr. Zupf mich" bekannte alte Bettler schon früher oft in derselben röthselhafteu Weise av geh ilten Hab«. Erst durch den zufälligen Umstand, dag der Schwager meine« Freunde« den fiebei kranken Bettler einmal in einem deutsche« Hospital wochenlang ärztlich b-.handelte, war die Geschichte und da» sonderbare Benehmen de« alten Manne« enträthselt worden. Xb# de» Fieberphantasten und Halden Geftlndutffeu de« Letztere» stellte sich der weuscheufreundliche Arzt da» folgende Lebensbild zusammen, da« bei aller Soaderdarkit in der Millionenstadt zu den alltäglichen Dingen gerechnet werden kennte. Bor lange» Jahren erklärte ein völlig mittell 'ser junger Mensch, Namens Magnus, de« Vorsteher der tsraelittscheu Gemeinde in dem polnischen Grenzdorfe S., er fände tu der Hetmath keine chm zvsagrndr Beschäftigung und möchte d shalb nach England auswauderu. um dort sein Glück zu mache». Man möge ihm nur die Möglichkeit verschaffen nach Breslau zu kommen; von dort hoffe er fich schon selbst weiter durchzuschlagrn. Man versucht« erst, chm das wag- £ halst ze Ab«,teuer anszurebeu, setz» chm aaseinauder, baß in London das Geld auch nicht »ui der Straß« liege, aber der Dtz^junge Mensch btirb btt seinem verhaben. Da »an fürchte» mußte, derselbe werde andernfalls alle Arbeitslust verlieren und der Gemeinde zur Last fallen, beschaffte man da« v r* langte Reisegeld bi« Breslau und der junge Magnu« verließ »ater Segenswünschen seiner Altersgenossen da« polnische Nest, voraussichtlich aus Nimmerw edersehen. Acht Tage sprach man noch von ihm. wie von einem untergegaugrnen waohalsigeu Tollkopf, dann war er aber vollständig vergessen, zumal ein and ere«, weit wichtigere« Ereigniß den kleinen G eazort in Anspruch nahm, der unaufhaltsame finanzielle Zusammenbruch de« früher begüterten, aber durch die Trunksucht ruinirtea Lranntweinschänker» Mosinsky dessen einzige Tochter, ein anerkannt hübsch « und brave« Mädchen, allgemein bedauert wurde. Nach einigen Wochen kam c« zur nothweudigen Versteigerung de« Häuschen« de« inzwischen einem Schlagfiuffe erlegenen Mosinsky und wurde de« Anivesen einem fremden Bieter zugeschlagen, der sofort eine Anzahlung von »ertausend polnischen Gulden baar erlegte. Wie groß war aber da« allgemeine Erstaunen, al« man in tem Erstrher den erst einige Wochen vorher au»ge«anderten Magnu» wiedererkannie, der sich in tin tiefe» Schweigen füllte und darauf beschränkte, btt der Behörde den ordentlichen Erwerb des von ihm angezahlten Geldes nachzuweisen. Bald darauf verlob e sich Magnu» mit der völlig mittellosen Tochter des verstorbenen Mosinsky, wa« ihm von den Ort«» iewohnern al« eine Edelthat an gerechnet wurde, aber auch sonst großen Boriheil brachte, da die junge Frau die Kundschaft und da« Geschäft genau verstand und einen muster» kiltigen Ordnungssinn entwickelte. Durch Fleiß, Betriebsamkeit und Sparsamkeit wohlhabend geworden, zählten die Magnusschen Eheleute nach -inigen Jahren zu den angesehensten Bewohnern de« Orte«. So oft aber auch Magnu« bestimmt wurde, zu offenbaren, wie er e« angefangen habe, in London s» schnell jene« erste Kapital zu erwerben, er oerrirth Niemandem da« Geheimniß und lächelt« stei« nur still vor fich hin, veno man ihn auszuforschen suchte. Seine Frau war ein viel zu dankbare« und kluges Wesen, um ihn mit Neugierde zu quälen und begnügte fich einfach mit der Versicherung. er habe i«: der ersten Freude über sein unerwartetes Glück das Gelübde grlhan, niemal« da über zu sprechen. Eine« Abend« aber, nach einem vergnügten Hochzeitsf:ste, saß Magnu« mit einem Schulfreunde, der fich in wenig günstiger Vermögenslage bef nd, bei einer Flasche Rnsoglio vnd in seiner wttchmürhigen Stimmung gab er endlich dessen Bitten nach, um dittem a-men Menschen ein ähnliches Glück zu schaffen, wie es ihm selbst zu Thril geworden. Er setzte dem Freunde auseinander, wie er fich seiner Zttt mit Hilfe mitleidiger Glaubensgenossen rou Breslau nach Dresden, von dort nach Berlin, von Berlin nach Hamburg fortgrholfeu, vnd hierauf auf einem Segelschiffe billige Ueberfahri: nach Lkuglaud erlangt habe. Au« dem Meere sei er nach langer und beschwerlicher Fahrt in eine« brttten Strom ringe'ähren »ad endlich wäre er dem Rieseufchiffe entfliegen uni habe sich nach kurzer Wandernng tu der Mittagsstunde auf ttnrr Brücke Namens »London Bridge" befunden, mittm im Getltmmtt der Weltstadt, fremd, perlaffen, mittellos und ohne