Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 21 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Mt fiedahafte» Hast ßlsithM «w sich «if*» Such». Ma» (Mfertt «ille Paplae d«ch, warf alle Schridcke tafr daoukcr, man wühlte in alle« Möalichm «d Unmöglichm her»« — adji Gott, M Schriftstück «Mt nicht da! fttli ricfitic c* Kflcn fiba dm Rück» — et» La, nad eine Mach,! war» bereit« vorüber. Heftiger «ab stürmischer (tag da« Sache« vor fich. Schränk«, Bette«, Stühle, alle Han-geräth« wnrdm )«tqt, «Meinandagrschraubt. alle Dingeihanfm zerwühlt «ad durch» siebt, «aa riß die Diele» vom -saßbodm herunter — «rat* saust, ft-tt Spar vo» jene» Brirftk Inzwischen verrau Tag a»h Tag. Mü jedem Tage »ach« da« Eutsetzm. S« war. ul« sähe mau dm Tod mit langgestreckten Beine« immer näher heraokommen Eine Woche roar bereit« dahin. Lagst sträubte jede« da« Haar — nur »och sieben Tage! Dm Großvater vertröstete mau mit «irre» Au«reden — c« wird sich scho» fiadm, jene« Schriftstück, mau sei schon auf der Spart Uud wieder ei« Tag. uud wieder eiu Tagt Loavulfivisch begann e« aa« Ille« herautmarbeiten. Da« war kein Suchen mehr. so»t«r» eiu Werfe», Schleudern Hackeu uud tu die wäude graben. Da« Gesuchte hätte einem taasmdmal vor Lugeu kovtme« möge», «au hätte e« deauoch «icht erkannt. Mau war wie «ahastuutg, völlig ge» bleadet, daß die Dinge Einem nur fo vor Augen tanzte». A« den letzten Tagen wagte keiner von der Familie den Großvater vor Lugm -u trete«, wa« hätte mau ihm auch »ur sage» möge», dem Unglücklichen? Man hockte iu stumpf« finniger Verzweiflung zu Hause. Aber wieder riß e« sie au« diesem stumpfstiuigen Hin« brüten Hera«». Nur noch zwei Tage trennten dm Großvater von der bestimmten Frist. E« hilft nicht«, einmal muß man ihn doch »och sehm, dm Bejammem»iorr1l«a, sein Leben hat ja nur »och nach Etvudeo zu zählen. Da« war ein Gang, schauriger al« in da« Grab. — »Und da« Schriftstück?" fragte der Großvater, al« er seine Familie bei der Thür erbl cktr, mit blaffm bebmdm Lippm. Stier« Augm und häaderingeade Verzweiflung war die Antwort. So muß ich denn stccbm", stammelte der Aermfte, erdfahl im Gesicht. Rächt lag vor allen Blick«, Nacht und Wah»stan. »So sei e« denn", raffte sich der Großvater mit dem letzten Muth der Verzweiflung auf. »Gotte« Will« geschehe. E» heißt an die letzte Stunde denk«. Math Kinder t Bor Alle« bringe mir eiuer von Euch «ein« Betsack her mit All»« wa« darin ist. Au« meine« Gebetbuch will ich mein letzte« Gebet verrichten und mit meine« Gebetmantel belleidet wm ich vor Gott in dm Himmel tretmi" Da« geschah. Bevor eine viertel Stunde vorüber war, hatte der Großvater sei»« Betsack vor sich Bedächtig zog der Großvater sein« Gebetmantel au« dem Betsacke hervor, best« Gchaiafäbm er wohlbedacht nach» zähltr, hierauf legt« er die Gebetqemen a»«eiuauder. Rach» dm» er auch damit fertig war, holte er au« einer Lederschachtel . sei» Gebetbuch. Kaum jedoch daß er diese« öffnete, glitt au« demselbm etwa« wie Papier zu Bode« und zu gleicher Zeit entfahr dem Großvater der jähe Ruf: »Sinder, ich bi» geretteti" Da« au« de» Buche haaniigefallm« Papier war rbm jener Drohbrief. Wat davrnf geschah — führte »ein Vater di« Erzählung &-■ aa« — weiß ich selber kaum nuhr. Wir warm ja alle wie vom eine» Taumel ergriffe»,- al« »och jetzt glaube ich die Ä-.. Freadeurufe 111 hören, mit welcher der Großvater vo» alle« Eckbn» StWchßt w«^. and die jauchgeade Menge z» setzen, tzt« iß» »ach ffanfe begleitet«. ,U - ' An t.mrfelbeu Toz« nach schrieb der Großvater.auf der stch«»»ddrrißigstm Seite de« Bache«, voa wo jene« rettend« tziapiee herau»fick, mit zitternder Hand jene denkwürdige Zuschrift. Beinah« ein Jahrhundert ist seit damal« dahi». Mein Großvater schläft lauge schon den süße» Schlaf der Ewigleit. Bin« d. a Buche jedoch, da« jetzt iu meiuem Besitze ist. höre iih ihn noch immer mir die tro'treichm Worte zuruftu: »Gotte« Hülfe lommt oou ungefähr!" „Sabbath - Plandereien" zu« vochenadschnttt nBehft*Ua’chou. »Neue Besm fegm gut" — da« ist eine alte Ge» schichte; da» Rme reizt, und der Retz der Nmheit ist ei» »Schlei«, der manche Schattenseite verdeckt. So dürfm dm» auch diese .Sabbach-Plandereim" in ihrem ersteu Debüt auf Nachsicht rechnm, da sie noch neu sind. Ob sie zu ^fahren komme» und nicht in der Jugend schon dm Weg alle« Fleische« gehen werden? Da« kann der »Sabbath« Plauderer" nicht au«plaudera; da« weiß er selber noch nicht. Da» .Plandern" soll ja ei» Privilegium de« Alter» sein; wmu daher der »Plauderer" weil er glaubt, nie jung ge« rxsm zu sei», daß Privilegium de» Aller« für sich frühzeitig in Anspruch nimmt, so hat doch da« Lesepublikum die an-»«, nehme Au»sicht, daß er die« sein Metier mit irbu KB; che. tie er älter wird, auch beffer verstehm. — In 1« gilt ta« Neue mehr, al» da« Alte: eia neue« Hau« ist mehr trerth, al» ei« alte«, nicht ander« ist e« mit neum Büch;;», ritt neum Kleidern, und sogar in der Religion wird, zum Aerger l« Schwarzen, da« Reue dem Altm vorgezogm. Ach Gott, wie schmerzlich wird e« da einem alten Manne zu Muthe, tmn er sieht, daß Alle« mit dem Alter an Werth verliert! — Doch auch für diele Wund« hat der große Schmerzen» stller einen uraltm Balsam bereitet: in de« Saft der Reben! Nicht al« Labrtrank. sondern in seiner Natur, in seinem bloßen Dasein. Der Saft der Rebe« macht eine große Ausnahme von der großm Regel: »Da« Nme reizt." Nicht der »neue", sondern der »alte Wein" reiz». Damm k't der alt« Wein ein doppelter Intima« der alten Mensche»; gibt e« doch in ihm wmigstm« etwa», wa« mit dcm After an Werch zunimmt, und unsere »Altm" machm daher mit Siecht dt- Bemerkung: 7UBV1 nTTO D'jpt ITT! sV p, »Alter SSein-mit ihm beruhigt sich, auch ohne daß sie ihn tcinkm, da« Gemüth der Altm." — Ob eia „Rabbiner und Sirrdiger" zu dm Di»gm gehört, die iu der Jugerd, oder zu dmm, die im Alter mehr werth sind? Da Dammwelt, namentlich der jüngem, kann man r« nicht vaargeu, wmu sie iu diesem Genre den jugmdlichm, der nicht nur Prrdtgm, sinder» auch .nett" sein kan«, vorzieht. Ab« die Gemeinden d« Gegmwart scheinm auch dies« weiblichm Ansicht zu hnldigm: Die jüngsten Rabbi««, di« ebm au« dem Ei grkrochm sind, da» sind iham häufig die bestm. — Für diese MeinnngSdifferenz zwischm unsr« Leit und d« »gutm alten" könnte mau uns«e Zeit .NNVV? zurückführm", wie die früherm Pilpultstm mit Borliebe thatm, oder, um i» lubern« au»zudrückm, man könnte darin eine Prinzipim» Conseqamz «blicken. Die alt« Zeit, wm« eiu Rabbiner bemft» w«dm sollte, fragt« aauz naiv: Wa« verstehst Du? IBa« hast Du geleistet? — Dir heutig« Zeit» die schnelllebige, hat kr ne Zeit, — manchmal fehlt auch noch wa« andere« — da» Offen und dm Charakter de» in Ausstcht gmommmm geistig« Oberhaupt«» zu prüfe». Wofür wäre dm d« Dampfbenied d« . . . Papier-Fabrikation? Papiere, ^jmo niste — dte sind der Prüfstein. Nicht wa» da Manu tu sich hat» sondan wa» « »schwarz auf weiß" hat, da» hetzt in dm Bordagnmd am grün« Tisch«. »Welch« .Echnle" gehörst d« an"? — Da» ist die große Frage, tie gestcklt wird, nicht: vckcha Richtung? »Bist Du «in SZreöana? Od« ei» Hüdrshmxaiu»«? Ob« ein »Hoch» fhüla?" — Logik da Thatfuchrn" bittet dies« Kate»