Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 21 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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«niste Mir»« -«»ährten. Der Großvater, fern «r nicht erst z» sagen brauch le. daß sei» Besuch einer sehr «niste. Unter, reduog mit ihm galt, zog sich mit ihm t, et» besondere« Zimmer zurück, da« er hinter sich absperrte. .Freund-, begann der Traf mit ungewöhnlicher Feier tichkeit, .di« Zeit wird für »o« Polen immer ernster. Die Saat ist endlich retf für de» Schnitter, e« gilt mtt dem Schwerte da« wieder z» erobern, wa» «an mtt frevelhafter Hand un« gewaltsam eutriffro hat. . . .- Der Großvater ahnte die gan;e Tiefe de« verderbe»«, dem er in seinem patriotischen Eifer entgegeutaumeltr. .Freund-, schrie er fast unwirsch ans. .wiflm Sie denn nicht, daß Sie sich einem jäheu Abgründe entgegen, stürzen, daß Sie mtt Ihre« Leben, mtt dem Glücke Ihrer Familie ein arge« Spiel treiben? Aber noch ist e« Zett, Sie zu retten, Sie znrückzuhalteu!' .Znröckhalten?" eutgegnrte der Graf düster. .Nicht alle» Mündungen der feindliche» Kanonen, nicht den grauenhaftesten Todesgefahren, keiner Macht auf Erden soll es gelingen, mich in Schrecken zu jagen dort, wo e« sich um da» Vaterland handelt — sterben iür'« Vaterland ist süßl- .Und leben »och süßer!- fügte der Gioßvater rasch hinzu. .Durch Ihren Tod werde» Sie die Sache Ihre« Baterlaude« nur verschlimmern, zum mindesten sein Heil um viele Jahre zurückschieben. Mit Ihrem Leben h'ugegeu könnten Sie Ihrer Nation unschätzbare Dieuste lttsten, wären Sie im Stande, .... ihr Wohl nachhallig zu wirke». Anstatt unnütz Ihr Lebe» »egzuwerfeu, gehen Sir lttber Ihren Sta«we«geuofieu mtt dem Beispiele der Besouuenhett voran, «ahnen Sie sie zur Ruh«, zu frttdlichem verhalle»; denn nur au« diesem kann für Euch da« wahre Hell er« sprießen!* .Bau Ihnen hätte ich fteilich eine andere Sprach« er. »artet-, »ersetzte der Graf, .aber in diesem Punkte, wie ich sehe, unterscheiden Sie sich in nicht« von Ihren ander» Glaubensgenossen, denen da« vrod der Verbannung süß schmeckt, dtt durch Jahrtausende sich an ihre Kette» so gewöhnt haben, daß dieselbe« sie nicht «ehr drücke», dtt nur Math haben, den Himmel mit Gebeten zu stürme», aber feige und rut'-tzt vor dem Anblick einer Waffe zurückweiche» Mit un« ist e« gotttob »och nicht so »eit gekommen, tu unfern Adern rollt noch Heldenblut, da« »ir jeden Augen, blick bereit sind, für unser heiligste» Erbgut zu vergießen, für uuser Land, für unsere .Freiheit und Unabhängigkeit.- ... Umsonst bot der Großvater olle Beredu»g«kraft auf, um ihn von jenem verderblichen Schritt zurückzuhalten. Sein pattiotischer Urbereifer machte ihn taub gegen die besonnenen Worte de« Großvater«, blendete ihn, daß er den gähnenden Abgrund nicht sah, den er ihm so deutlich zeigte. .Wie Sie immer von der Sache denken-, schnitt ihm der Graf scharf da« Wort ab. .so will ich unter alleu Um. stävdeu hoffe», daß Sie wenigsten« durch Geldopfer Ihre» Patriot!«»»« bewähre» werden!- . . . Der Großvater hatte zwar großes Bedenke», ob er überhaupt auf sei» verlange» eingehe» soll, weil er sich nicht verhehlen konnte, daß derlei Unterstützuugeu ihm «ine gefährliche Fall« bereit«« könnten, ober seinem edle» Freund« ein»«« versage» war ihm deuuoch nicht möglich, und so bot er ihm die verlangte Summe an, nicht aber ohne ihm gleich, zeitig zu bemerken, daß er von dem Zwecke, de« diese bienen sollte, »icht« »iffro »olle. Diese Suurme v»ar aber laug« »icht dtt eiuzige; er mußte solcher auf dtt jedegmalige Aufforderuug de« geheime» Natioualcomttä« viele leisteu. Einmal weigerte er sich wohl mrstlich einen erneuerten Betrag, der chm abgefordert »«de. ««zufolge», aber au demselben Tage erhielt er eiue» Droh, brief, »ersetze» mtt de« Sttgel der Rattonalregttruug, i» de» ihm augedeutet »urde, daß, fall« er dtt verlangte Summe nicht allsogleich a»«s»lge, sei» Lebe» nur mich Stunden zu zähle» habe. Da« war auch damal« setze ernst zu nehme», viele, die solche vriefe nicht beachtete», wurde« einig« Tage darauf «tweder i» ihrem Bett« tobe gestock», ober auf offeuer Straß« von einer heimtückisch«! Hand niedergestoßen. Dem Großvater blieb kein anderer Ausweg, er mußtt mtt seine» Gelbe herhalleu. Allei» dieser Siegesrausch der Polen erlrbtt kam» dtt Dauer eiue« SommeruachtStraume«. Nur eiue kur^e Zett sah dtt Negierung diese« «üßtgm Spiele stille gr, »tt etwa ei« Riese dem lächerliche» sich Aufbäame» eiue« Zwerge«. Endlich schien sie e« satt zu habe». Mtt der Vehemenz de« Sturme« raffte sie sich auf einmal, empor, und da« SttgeSjauchzen der verschworeue» wandelte sich in Angstgeschrei und Zähnellavpern. Zu Hunderten wurden sie in dtt Kerker geschleift, dtt Blüthe de« polnischen Adel« knickte unter roher HenkerShaud zusamme« und der hcimath» liche Bode» triefte reichlich vom Blute seiner besten Löhne. Al« erste« Opfer fiel damal« der edle Freund meine« Großvater«, der Ukrainer Graf. Mtt thräuengefüllten Äugt» erzählte »st der Großvater, »tt er seinen edlen Freuud auf seinem letzten Gauge gesehen hat. Geschmückt «tt seiner herrlichen Nation« lttacht, mit einem Roseadouqnet in den Hände», so schritt er gehobene» Haupte«, al« gelte e« einem Triumphzuge, zwischen de» blitzeudea Bajonnetreiheo. Al« er den Großvater gewahrte. der unter vielen Andern ihm mtt feuchte» Auge» da« Gelett zur Rtchtstätte gab, rief er ihm «tt st ästiger Stimme zu: .Weiu« nicht um mich, edler Freuud, vielmehr sei ftoh und munter wtt ich, denn an« meine« Blute »ttd einst da« edle Rei« der Freiheit emporblühe«. — Sterbe» für« Vaterland ist süßl- Uud wtt er gesprochen, so oerschied er anch, mit eine« beseligende« Lächel» auf den Lippe». Aber auch dem Großvater waren'schwere, düstcri: Tag« Vorbehalte». Die Negierung bcguügt« sich nicht damit, dtt Hilup'er der Revolutttu zu zertreten, fie wollte vielmehr an alle« jene« dtt Sünde der Empörung ahnde», dtt mittel oder an« mittelbar beim Aufstande fich bettzeiligteu, fie wolltt für spätere Zetten ein warnende«, abschreckende« Beispttl gebe». Der Scharfrichter hatte damal« die Häude voll zi thuu. Die Acten de« geheimer» Nattonalcomite«, die sich jetzt in de» Händen der Regierung befände», verrtttheu täglich viele neue Mitverschworeu« und so konnte e« »icht fehle», daß unter diesen auch der Name de« Großvater« au« Tage», licht kam. Da« war sein Berber den. Eine« Tage« brache». bewaffnete Märmer zu« Großvater in« Hau«, au« dem fie ihn mit fich i» eine« geschloffeueu Wagen in« Stadtgefilogntß fortführte». Dtt Verwirrung und Berzweiflmrg der Kamille mag jeder fich vorstelle». Beim Protokoll, da« mtt dem Großvater bald darauf aufgeuommen wurde, betheuert« er, daß er jene Semme» keine«weg« gutwillig uud au« freiem Antriebe gegeben hat, sondern daß ihm dieselben vttlmehr durch Tode^rohnuge» abgezwuugeu wurde». .Bloße Behauptungeneutgegurt« hieraus der!Lichter, könueu Ihne» uur wenig helfe», wen« Stt dieselben »icht durch thatkräftige Beweise zu unterstützen habe». Zwei Wochen werde» Ihne» zu diese« Zwecke auberaumi, sich« bi« dahi» dtt Beleg« nicht erbracht find, werde» Stt. »« alle «ndereu Empörer der Strenge de« Gesetze« verfalle»." Wa« uutrr .Strenge de« Gesetze«- damal« zu verstehe» war, wußte der Großvater mehr al« genug. viel«!sig fich eiue« ähnlichen vergehen« damal« schuldig «achte«, uaßte» ihr Lebe» am Galgärblocke laffe». Aber war «icht der Großvater im Besitze ei««» »wttug. bare» Beweise«, nämlich je»«» Drohbttje«, der stt» U»- . schuld Nar au« Licht brttrge» «rchtt? ' «« tzandette fich wu dar»«. jattl DuchttrfMWdi» t» «och«. .