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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 17 (1888) · p. Seite 64

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
17 (1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 64 (sequence 2)
Language
German
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Alwin, was aus Lorinue's Brief ihm unverständllch geAiebcu Wie die Biene begierig de» Blumensaft. so erhaschte er eifrig jede» Wort des Kranke». das im Licht geben konnte. »Lieber Herr PiM^er, Sir besuche« »us ja gar nicht mehr". tönt« es non de» Lippe« vieler Saalbewohner, die sch sonst seiner Zuspruch» erfreuten. »Ja unsere» Saal", klagten Andere, »find Sie seid mehreren Tagen nicht gewesen". »O, kommen Sie", baten wieder Andere, »schrei» den Sie un» einige Briefe, beruhigen Sir dort einen Be» zweifelnden I" »Unter de» vor einigen Tagen eiugetroffenen verwun» deren", referirteJahn, »itt auch ein Ldvokat Rase, der, alr er ihren Namen hörte, fich eifrig »ach Ihnen erkundigte.'— »Leah'r Gatte hier, ohne daß ich ihn gesprochen!" rief »Win erregt; »ich bitte, Herr Major, führe» Sie mich zu ihm; die Erkrankung einer mir theuern verwandten". — sein Gesicht bedeckte fich mit tiefer Röthe — »ließ «ich ganz meine Pflicht gegen die Andern oernachlässtgeu". Sie trafen Rose in schmerzlichen Zuckmtge»; ei» Bei» war ihm «uuputirt worden; der Brand droht« hiuzuzukommeu »nd sein Leben war gefährdet. Nach erster theilnahmsvoller Begegnung nud Begrüßung, wie sie unter solcher Lage und solchen Verhältnissen nur zu natürlich, bemerkte Ros« ernst und feierlich: »Wie sehe ich «rin gegen Sie begangenes Unrecht ei»; noch vor einigen Monaten »erurltzeilte ich ihre Abreise, «nd jetzt schallt mir ans jedem Mund« dar Lob über ihre Wirksamkeit derart hier entgegen, daß ich «ich, auch ohne Sie v«n früher her zu kenne», nach Ihre« Zuspruch gesehnt hätte". »Die Verhältnisse ändern mancher', sagte Alwin nicht weniger ernst, er gedachte dabei, wie Ros« nicht nur seine» Stand überbanpt, sondern auch die Religion für überflüssig Se hatten, wie er durch dies a seinen Unglauben der armen eah manche bittere Stunde bereitet. »Ja, Sie haben Recht, Herr Prediger", erwiderte Rose, »auch bei und in mir ist manche ilenderung eiugetrete». Nachdem ich in der Schlacht bet Gravelotte verwundet, volle zwanzig Stunde» in glühendster Sonnenhitze, mit durch, schaffe»«« Bein, «hu« verband, ans dem Schlachtfeld« gelegen, wurde mir mein Fuß abgenommen. Mehr noch als die Schmerzen der Körpere peinigte» mich die der Seele; i ich war i» Unfriede» von »einer Frau gegangen, ohne Ab-; schied, ohne st« wege» eines Zwistes, der zwischen uns entstanden, versöhnt zu haben. Sie war zu ihr« Mter» zurückgekehrt, gerade an dem Tage, als »ein« Stelluugsordre eintraf; ich war der ewige» Nörgeleien, die mir ihre Frömmigkeil verursachte, müde, und «ein« Amtsführung ebne» Kollegen übertragend, stellt« ich mich folgenden Tages dem Heere. Da» hatte sie nicht erwartet; sie schrieb, sie beschwor «ich zurückzukehren. sie versprach mir zu Lieb« sich »och mehr anzustrengen, alles ihr nnr irgend Möglich« zu Ihn». — ich war hart genug, sie ohne Antwort zu lasse». Und wie ich nun festgebanut, von Schmerze» gefoltert, daliege, kau» ich ihr, so gern ich möchte, nicht schreiben." .Herr Anwalt, laffe» Sie «ich Ihr Anwalt bei Leah sein", sagte Alwin tief erschüttert, .sie ottrd Ihnen verzeihen". »Sie wird »ich herzlose» Menschen, der ich jetzt et» hilfloser Krüppel bi», »erlaffe», ich Hab« ihre Rebe verwirkt, ihre fromme Gesinnung mit Füfse» getreten! O, Herr Prediger", fuhr er in tumgerrm Tone fort, »jetzt habe ich de» Segen des Gebetes «rtanut. Wie belebender Balsam tränfelt er Heiümg in di« kranke Seele; ja, ich habe Sott «nd meiner Leah gelabt, wen» ich de» 8ctai »iedergegebe» »erd«, tre» alles p befolge, wie es unsere heilige Glaubenssatzung verlangt. — »Welch« Perle eines Weibes besaß ich, »nd wie wenig Hab' ich sie verstanden!" fetzt« er in reuiger Selbstanklage hinzu. »Darf ich ihr »irfc Aeußerung schreiben?" fragte Alwin bew^t. »Ich schreiben sie ihr, daß ich jetzt 1» ihr »«ehr als eine Perl«, dag ich de» herrllchstt» Juwel erkanut; fe wollte mein profanes, selbstisches Wese» veredeln, bas warver Berns, den sie sich gestellt; ich verkannte dt« intr von Sott gesandte Priestert», der sich jeht »ei» Herz, ach mV welcher Glut, eutgegensehnt!" .Regen Sie fich nicht so auf", beruhigte Alwin. Ihre« wieder gewonnenen inner» Menschen wir» Ihre Gattin sicherlich, auch bei de« äußern Leiden, traurige Erinnerung»- zeichen des Krieges «nd Schicksaksschläge bewalnM, zehnfach «ehr Hingebung widmen, als dies ehedem gesözehen" »Das gebe Gottl" seufzte Rose. (Forts, f.) SU»e Uphikaumo»-Pla«derei. Der Aphikaumo» wird versteckt rind von de» Kindern aufgesncht. Ein ganz vernünftigerGnmd für dieses, die Sinder aufs höchste amüfirende Spiel findet fich im : Ohok Jakob, dem gründlichen Werke des Mt 200 Jahre» i höchst berühmten Rabbiner« von Metz, in der zweiten Anmerkung zu ß 472 des Schulchau Arich Oraoh Ghajim, dem- .; zufolge hätte dies« Spielerei mit de« .Aphtkaumou" den -4 Zwech die Sinder »ach und muuttr z» erhalten, vergleicht mau damil die Räthselsptele am Ende der Haggodo: eobod mi jodaa, sowie die Ztcklrin-Gelchichte: Gback gachjo, die auch zu diesem Zweck« eingeiügt sind, so köu»1« man ja dies« Motivirnug als genügend «siche» Ja der That erhält das Suchen des Aphikaumon, oder wie es Volksthümlich genannt wird: das »Stehlen" des Aphikaumoa, die Klciuen wach und «unter; aber leider nur zu sehr! das Bestreben, den Aphikaumo» zu stehle», oder wie man bet »ns zu Land« sagt: zu .strippen", wird aageftnert durch die Sitte, daß der glückliche Finder das .gestohleite" Gat nicht eher heranszugebe» braucht, bis th« der Bat« et» von ihm, de« Find« ,«wünschte» Gescheak ,n kaufe» »«spricht. Jeder - möchte gerne d« Aphikaumon»Finder sein und die Aafmerksamkett auf die Erzählung a der Haggodo oon dem Anszage au« Egypten tritt bet den Kindern ganz zurück vor - diesen diebischen Gelüste». Ich kau, mir nicht denken, daß »au ursprünglich, n« die Kind« für die Peßach-Ertu- »erunge» wach zu «hatten, et» solches versteck-Spiel, bas im einfachen Dortfiaue Findigkeit verlangte, «tngefHrt hätte, das den Werth der «achsamkett der Ktrder ganz iü». j sorisch machte. Dies Spiel, selbst wen» di« übliche Beloh- »nag des Finders jünger als dt« Sitte des verstecken» wäre, " verlangt zu viel AMoität md Zerstreu»», »m de» Kindern, als daß es i« Jutereffe d« Theilnahm« derselben am Seder eingeführt worden wäre. — Wir nag als» liefe Sitte des .Aphikanmon-Versteckeas" entstanden sein? Buverkt sei, daß das Einwickel, des .Aphikaumo»" in eine Serviette ob« Tuch zur Erinnerung an die Bibelstell« (Ksod. 12, 34): , »Ihren Teig eingewickrtt in ihre Tücher" ratstand«» sei» soll. (Der«! fia»r h*Ub zu | 478, 6 des Omoh obajiia). Die Erklärnng, Mt mir erwünscht erscheint, bezieht fich «r auf das verftecksptel «tt de» Kindern. — Ich habe keine bestimmte Lermnthnng hierüber, doch schwirrt mir so etwas, wie et» Gedanke im Köpft darüber > Hern«. — Bo« «phikanmou, d« Hälft« der mittler,» Seder- »der ... Mizwa-Mazz», gleitet der Bttck leicht zur äußern Ans- H schmück«, der Seder-Schlüssel. Er fällt da unter anderem anch aaf-et» Et. Welch« Rolle fpfett hier das Ei? Sobolohan arooh (| 478, 4) belehrt uas. daß, neben de» Stückchen gebratenen Fletsche», owlches an das - Peßach^vpfer «ltuuer, soll, das Et. daües l« Erinuenmg au das Feft^Gbagigaj-Opser, das jeder lvahlsahrer i»! Tempel darznbringe» hatte. Warn» ein Eik Und bas Gl > Ms solches scheint hier eine ganz besondere Rull« z» spielen, - den» in Schlesien, Norddeatschlaud «*b Unzur» und, irre . ich nicht, anch in Polen, bilde» Eier das durch Me Sitte »«geschriebene Entree t» Menü der »Sebr'-Abend«. 'j

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