Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 17 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/6492351-8722844-5956510--0853-5372875- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
|n |(tn|oltn| i Kckhlnir fit Mt isnelilW Jrailit. ILdifche« Heran-gegeben ton Dr. 9t lUliaut in fftagbttacg. Inhalt Der Sie» »er Rellgien. KatxZt Mn Jda vorbei. (Fortsetz m>») — «tn» Uphtb»»-,>PI»uterei. — »Ilerlet für dm Familimltfch: Henry «mene über ich Inden. Russisch» Sekten. — Klein» jüdisch« Lha:,ct«r»üäe: Der durchaesnllm« «hnfan. Line seetiu« Such«. — «Lhfil-tzkittabev' und RSTbsei-Asmiyen. — «ufrnf prr «rrichmn« einer rüdlschm r,ubpr«»en.«nstnlt.- autctnttrr «druck m diese« Statte ist nnlrrsngr) Der Sieg der Neltgio«. Novelle von Jda Berber. 'Fortsetzuria.) V. Dumpf mid schwer raffelte« am folgend« Tage die Ge- .schütze; die FestuuzBchore öffnete« sich» »och ehe da« erste Alühroth de« Gaum de« Horizonte« geküßt hatte. Kolon» «ca ««schirre» »«wärt«, todesmnthig dem Feind entgegen; merkte er ihre Lnnühernng nicht, oder «ollte er fie weit alldem Bereiche der Stadt wiffeo, ehe er e« zum Gefecht kam» »en liest. Lont« scharfe« Fernrohr sah nur dort unten eine dienkle Maffe, in der sich nicht« bewegte. Konnte man fie »telletcht im Schlafe überrumpeln? Da halt! Da krachte die erste Salve! Lebe» drang in die »och eben ruhige Mannschaft, Allarmblas« drüben. Anrückeu der feindliche» Reiterei, Kananenschküllde, die au« ihrem schwarzen Rachen uuheilschwere Ladung spiee». Alle« war da« Werk eine« Augenblicke«. Taktmißig »ückten fie vor, die «utherfüllten Gestalten, stolz und fiege«bew»ßt; der Pulverdampf schwärzte ihr Ge» - ficht, der kanuoueudonner betäubte ihr Ohr. mancher Kamerad war schon gefalle», die Reih« hielt« fest wie ein Mann zusammen. Jetzt halt« die Franzos« auf einem Hügel Post» gesastt; wie wilde Katzen, erklettert« ihn die Preußen, mehrfach zurückgeworf«, gelang es ihren erneuten muth- »oll« Angriff« endlich, die Höhe zu erklimme«. Die schwere» Geschütze wnrd«. Hinaufgefahr«, und aa» von d« Franzos« nicht schon geflohen war, wurde jetzt von den eisern« Schlünd« ntedememäht. Die Thore von Metz öffnet« sich einem klein« Häuflein schw.r verwundete^, de« l'tzt« Hebe riest dir noch heut früh so stolz« Fr»nz»s«schoar. Unter d« rausend«, die auf dem Wahlplatz zurück» geblieb« waren, befand sich auch Loni« Simon. Line Kugel hatte ihm d« Kopf gestreut. er war bewußtlo« vom Pferde gesunken. Wie lange er so geleg«, »nßte er selbst nicht, ol» ihn der Ruf: „Xtote, her zu meinem Vetter Loni«''. erweckte. Die »ng« matt öffnend, sah er, emsig «m sich bemüht, ein« vollbäitlgen, jaug-n Man», deff« Kleider in ihm euw» Feldarzt. ei kenn« liest. .Last mich erst den Oberst auf d« wag« brüten, Davi»-, erschall eine zweite Stimme. .David, Alwin?" stöhnte der verwundete. »Gütiger Gott, seid Ihr e«, «eine Freunde?" ries er sich «ft Mühe ms dem blutgetränkt« Felde erhebend. Doch sogleich sank er wieder ohnmächtig zurück. David nnteynchte die Wunde, er knöpfte d« Rock «f, da fi l Alwin, »er ihm behilflich mar, ein Brief in d« Schoß. Schon »ollte er ihn wieder in die Brnfttasche schiebe», »l« sei« Ang« «ms die Aufschrift siele». »Himmel I" ries er anfjauchzend, ,n Dr. Alwin, und c« ist Smrinm’« Hand!" Er küßte da« Papier, während ei« hetste Thräue über sei« Sange rieseüe. »Lh«rer, ei» zig und ewig geliebter Freund!" schrieb sie. O, e« war zu »tel de« Glücke«! Hundertmal hatte er d« Lad ges«^, der seinem »amenglos« Leide et» <k»de «ach« sollte, dieser et»ztge A»ge»bltck hatte all« wieder gnt gemacht. Er la« weiter und nachdem er geendigt, erhob er feierlich die Hände zu Gott: »Du hast »ich erhört, mein Vater, und mir ihr Herz erhellte», sei gelobt!" Wieder preßte er d« Brief an sei« Lipheu; doch selbst im höchsten Glücke sofort zu seiner Pflicht zurückkehrend, half er jetzt dem jung« Arzte d« Krank« auf eine Bahre leg« »ad trug in selbst nach dem eine halbe Stunde «tfernten Lazarethe. Unterweg« erwachte Loni«; die eine Hand auf die schmerzende Stelle legend, reichte er die andere Alwin, der, die Bahre »iedersetzeud, traulich einschlug. .Sie find Alwiti?" ftagte der Kranke matt; .knöpf« Sie mein« Rock auf. Sie find« — »Bei ihrer Untersuchung ist mir der Brief ilorinne'« bereit« in die Hände gefall«", unterbrach ihn Al-vi». .Welch glückliche Fügung de« Himmel«, daß gerade ich Ihn« z« Hilfe eil« mnße! Diese« für «ich so heilige Papier wäre sonst irg«d eiiem Fremden al« werthlose» Schreib« entfall«! Ja. e« wohnt ein Gott in der Höhe, der unsere Schritt- (enft!" rief er begeistert. .Jnnge^ Freu»»", sprach er dann zu Loni«, .wie soll ich Ihn« da»!«; wie kann ich Sie ret'en? Doch hoff« Sie, der Gott, der mein« wund« Herz« heute durch Sie Balsam nud Lrqoickimg »erd » ließ, wird auch ihr« Wauden Heilung send«". „Ich fürchte, iih leide schwer!" hauchte der junge Offizier. Daun, wie sich besinnend, ftagte er: »Jener junge Manu war mein Cousin David?" »Lr kehrt sogleich zu Ihn« zurück", bejahte Alwin; .einige Ampntatiouea find nöthig, die er selbst leiten will". Loni« hatte schon wieder unter schmerzhafte» Zuck« die Ang« geschloffen, Alwin erhob die Bahre mit sein« kräftige». Arm« «ad trug fie weiter zum Lazarethe. Lin Krauken» träger wollte fie ihm uaterweg« abnehw«, .laßt, -laßt, ich trage ihu selbstI" w.hrtr er ihm ab. Et» stummer, aber inniger Blick an« 8oui« matt« Aug« sagte chm Dank. Nach einer Stube kehrte Davch ermattet zurück. .Sa» schrecht Cortnne?" ftagte er, auf Alwin zugcheud; „doch nein!" unterbrach er sich, .führe mich zu Loni«!" .W«n »ur Me Kugel nicht da« SehK» verletzt hat, sagt« Alwin, „e« scheint eine Gehirnentzündung im Anzüge zu sein". Al« die jung« Leute, lange kra»k«säle durchwandern*», »blich « Loni« Bett steh« blieb«, lag dieser in heftige» Fieixrphantafl«, Davch unterzog sich selbst seiner Pflege «ft «ehr als brüderlickur Hingabe; obgleich er Loni« seit zehn Jalnen, da er chigemeinsame« Glternhan« verliest, nicht geseh«, lebt« kod) alle Träume seiner Kindheit bei« Anblick de« Jugendges-iel«, tu ihm wieder auf. Rur «nge« räumte er Alt» u de« Nacht« sein« Platz am Bette de» Krücken. Loui« sprach viel Strre« und UnznsammenhLag«- de«; er phantasierte von d-r krank« Mutter, die, wen» fie nicht Coriune'S Pflege bedürfe, zu chm kr mm« würde, ch» zu ttöft«, von de« hart« Vater, »ou Her« vloomfiech; ausall diesem, so!tnzusa«m«hä»gend e« auch war, ergänzte