Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 14 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 2)
- Language
- German
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Lorke» umwallte Stir» drückend, zag er ste inniger a» sich und ließ sich mit ihr auf einer Naseubank nieder. „Meine arme Leah', seufzte Lortuue, au Al«iu» Seite weitergeheud, „wstd Dein Glück auch i« Zusammenleben mit diesem kalte«, egoistisch« Mensche« befandet sei»?* .Weu» Glück «ud Nstchthu» identisch stud, so «utwvrtr ich: ja!" mtgcguste Alwin, „doch ich fürchte, Leah isi eine zu tief iuuerlich« Natur, um durch äußere« Glanz die innere Leere au-gleicheu zu können I" „Und doch wollen Sie bei dieser Ihrer Ansicht da« Paar vereinige»,* fragte Eortune, ihre große», blauen Augen zu Alwin aufschlagend. .Da« ist meine Pflicht al« Geistlicher*, erwiderte Alwin, Lortnoe'« Blick ausangend, al« ob er die Gouueu, di« au» diesen Augensterne» strahlte», tief in sein Herz einfangeu wollte. „O, daß doch Pflicht und Ueberzeugung oft so weit getrennt find!* sagte Lorinne schwermothSvcll. „Eine solche Aeußerung au« Ihrem Muude überrascht mich,* erwiederte der junge Prediger nachdenkeod. — Eorinue errii' -ete tief und wandte sich ab. um «ine Blume zu pflücken. „Meine Pflicht, meinte ich", begann sie halb verlegen, „führt mich nun bald wieder zurück «ach Metz zu meiaer armen Tante die ja durch ihr Sörperleide« auf meiue Pflege angewiesen ist. meine Uederzeung sagt mir, »aß ich hier'- ihre Berairrung stieg «st jedem Augenblicke und färbte dst sonst bleiche» Saugen purpurroth, „daß ich hier der guten Lrah eine recht nothwmdig« Gesellschaft wäre." „Nur drrarmen Leah?* fragte Alwin, durch Eorinuen«Erröthen um eine Ueberzeugung reicher, dst ihm de« HimmeltPsorte» zu öffnen schien. Muthiger werdend, ergriff er ihre Hand: „Lorinne, Sie hoben in meinem Innern geleseu. Sie kennen, wenngleich ich t* Ihnen auch nicht zu gestehen wagst, dst Serstnkümpfe, dst mich gefoltert, die mir heute oe» Himmel rriusten Glück« und margea. wenn ich an «in« Täuschuuq dachte, entsetzliche Quastn zeigte». Lorinne. eiuzig geliebte« Mädchen, Du meine« Herzen« lange grttäumte«, «blich gefundene« Ideal, verlaß mich nicht ohne dst Gewißheit, daß Du zu mst zurückkehrst, daß ich zu Dst zurückkehr«, Dich einst dst Meine nenn»« darf*. Gr war vor ihr nstdergefunkeu. sie wehrst nicht, al« er sie mit sein« Arm« umfing; »st vor sich selbst erröthend, bedeckst sie ihr Gesicht mit beiden Händen. „Mein Geliebter*, hauchst sie leise, chren Lopf an seine Schulter neigmd, „welche Seligkeit erschließest Du »sti* Da plötzlich hürstn sie da« Nahm von Schritt«. „Der Onkel*, flüsterst Lorinne, doch schon stand er vor chu«. „Ich meine, Lorinne,* begann er in streng verweis«, dem Ton«, »daß die Promenaden in rauher Abmdlust Deiner Gesundheit nicht zuträglich sind, geh' auf Dein Zimmer! Sie, Herr Prediger, wächst ich um ctttc Unterredung bitten*; schon war er mit Alwin einige Schritt« voraugeeil», al» Lorinne noch immer wst betäubt au derselbm Gstlle staub, au der sie noch vor einig« L stunden vor lauter Seligkeit hätte einstak« mög«. „Ihre Unterredung, mst» Herr, mit meiaer Stichst habe ich mir a»gehött; ich brauch« Ihn« nicht zu sag«, daß ich von eine« Maua« in Ihrer Stellung mehr Würde »ad Lharakstr erwartet hätte. Meine Stichst ist seit zwei Moaast» hstr; Sst Hab« Ihr« Einfluß «ufgebot», ihr Herz za ge» wiun«, obgleich Sir wiff«, daß bei der verschieden« s^m. l» wst religiösen Stellung an ein« Bereinigung nicht zu denke» nicht. — Lorinne ist nach dem Will» chrr« verstor. da« Basti« ia »«glichst steirstigtös« Grundsätzen erzog«, sie ist ferner, wenug stich sie nicht» davon weiß, feit zwei Jahr« sturm reich« Londoner Baagustr Mt. vloomsteld versprach«, der «in de« ihrig« gleiche« Bermög« auszuwstseu^at* — „Genug, Herr Simou,* anstr brach Alw». ^edm vorwurl ertrage ich^ «er nicht dm, daß ich in «orinue je dst rstch« Erbin erblickt habe; für «ich war sie stst« da« be» wunderuBwürdigste Wes«, st» Mädchen vor so vollendet harmonischer Entwickelung de« Geisst« und H-rz««. daß ich sie auch i» Bststlgewande zu» Sst« mstw« Leben« ge» macht hätte. Sa« ihre religiöse Ueberzeugoag aub«langt, so vergesst» Sst nicht, Herr Simon, daß Lonnne, seitdem ihr Boeder Adolf den Entschluß gefaßt, zum Lhrisstnthu« überzuaehm, reife Einlehr bst sich gehaltm. um sich bst der lox« Religion-verfasiung. dst ihr durch ihre Erziehung ge» worden, nicht vstüstcht eine» gleichen F<« l« schuldig zu mach«, auch oho« «ich strmg religiös« Anschauung« zöge» wandt HList*. „Naht diese Befürchtung, nstn Ihr tönfluft, Herr Prediger*, unterbrach Simon, hat sie der Frömmelei «tgegm gesühst*. „Frömmst«!'' rief Alwin entrüstet. Stenn« Sst Frömmelst da« gläubige Anfschium zum Bater aller Wst«, da« Handeln nsein« Gesetz«, da« Streb« nach allem Wahr« und Edeluk* „Mich find« Sst heust nicht zu religiöse» Di«kusfioue» cufgstegt, «stn Herr; ich bitte Sie nur; bi« zu «'ioer Abreise, dst stn« Tag noch Leah'« Hochzeit stcttfindet. jrd» Verkehr mit Lostnne zu «stden; ich hoffe, Sst werdm al« Ebr««a«l haudelu.* Erhob«« Haupte« verließ Simou den Gart«, nicht ahnend, welch schwer« Schlag er zwei eben noch u» Gefühl de« höchst« Glücke« erblüht« Herz« bneistt. (F. Mei«e Srzählmrge«. von U. K—n f.) 1. Mau mutz sich z» helfe» wisse»! E« war stn Winter von al'rm Schrot und Sora, et» ähnlicher, wie ihn in seiner ganz« grausigen Härte dst Nordländer erst in diesem Jahre wieder kenueu lernt«. Berg und Thal, Flur uud Wal», Tstch, See und Strom hüllte sich iu stnr» «ueudlichcu, blendend weißen Mantel... — Schl Vogel singt, t* li egt Irin Schmetterling, Stur Krähen und Raben krächze» durch die Loli; Loch rostet Pflanz' und Thier auch ring» umher: « tau» der Ment» nickt ruh'«, der «ch üch »ummrlw — Draußm auf der Landstraße schsttt einsam st» Wandrer durch di« gewaltigen, gleich Srystall schtnuwwad« Schur«, mafl« dem Dorfe zu. Er bog uu» keuchend unter der Last sei«« »aarenpack«. tu d« nächst« isiaueruhof ein. E« war st» Sproß au« dem überallhia zerspreugt» voll« Ierast, der Dorfgänger vstlcheu Jakob — auch ein srted» samer Lulturverpflauzerl — da« kärglich« Brot im Schwstß« sstue« Angesicht« erwerbe»». Hier wallst er Siesta halte». Denn dst tu vollem Glanze strahlende Garne stau» hoch am Z«ich, «ud da machst sich dst ihm, »st gewöhnlich um dies« Stunde bst jedwede« Sterblichen auch «tue große Mag«, leere uuaugeuehm fühlbar. Wider Erwart« traf er de» Bauer, d« fre«udlichm uud immer kauflustig« Michel, gerade heute »icht an. »ad dt? al« Bäuert» hat« chnr HttMthu» ihre« Maune« «ustre« Händler dtoher »och kstue besondere Frstgebigkstt bewies». Mehl, Butter, Mn, obscho» ia Hölle »ad Fülle Vorhand«, gab sst rümmerinrhr schlankweg her. auf Umweg« «aßt« mau ihre Hand, und damit Speicher und Keller, zu erschließ« »ersteh«. Fistltrh hatte er t» dieser Wache aus seiner bereit« mehrtägig« Wande.-schaft ein«« weit« Snndenkrst« besucht u»d auch Heust, da der eisige Nordwid dst Smst «e>ft i« d» Häusern zurückhistt, schon Manch« Grosch» profitstt. Ader d» Berdstust wird st« rechter Haufirer uustrweg« nicht gern »»greif«, «ud der »nsrtg« hatte ja Weib und Lind zu Hau«. Was als», thuu? »st «stst warm«, wenn auch frugale Ikost bekomm» k Eigene« Kochgeschirr führst er, wst r« seinen ftreuggläubig« ver»s«g«»off» als »atur gemäß gilt, wohl stet« mit sich, allst» st» trockeuer Lopf verschaff» uoch sti« Mahlzeit. Doch «tu gewiegter Haadebkm»»» amf jede« Hiaderutß u» Ziest womöglich vorausgesrhe» hast» »>ch zu desstog». ,