Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 12-13 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
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letz'eren nforbmt schon »ehr Gewaudthest. find aber fast zu lästerlich. als das es uns l^cht «erd« könnt,, sie an» zuführ«. So Hab« wir Carrikatur« d»s SSn Gebete», in welchen wir d« Wein loten, indem wir ganz augnaessen, oder d«voch ungeziemend sp-.echen: p« iSSn »Lobet den Wein!' (Vom Sonnenaufgang bi» »um Soamuiedergang soll unser Mund ihn lob«.) Ebenso ist da« N2V3-Gebet in eine anakreontisch« Ode umaewandelt. in welcher kaum ein Wort verändert ist. Mit 12V (Dein Name, welcher geprie» sen wert»« soll,) wnch natürlich auf d« Traubeosaft ange« spielt. Di« niwlv oder Boßgebete «üss« ebmfall« dazu beigetrag«, d« Schatz der Belüft aunasmilt'l zu bereiche«. ,Unb der Becher zog an seinem Angesichte vorbei' ist di« ziemlich unverschämte Parodie eines woblbekannten Schluß« versr«. welch« so häufig beim Kottesdimst der Boßtaoe und de« Bersönung» feste« gesprochen wird. Für C71N1B sN*7! (.Man öfinne die heilige Lide') sagt der Parodist, pnrt cm» (»Man öff-e die S'hle'.) Die ärgste von all« ist j»d«soll« die Purimt'oveftie de« ST '3* UTK au« dm Scherod«dl!ede«. Es sei d'shalb nur eine Z-ile angeführt: JT! TW, ST '3* Tl*. Mehr ge»echtf>rtigt und weit unterhaltender sind die Parodim auf die talmudische L hrweise; die Carrikaturm sind zwar abgeschmackt g«ua, fie mach« ober Spaß weil sie zum Lach« anregen. Rur diejenigen, welch« einige Lenntnlß von dem Debattmstyl beim Talmudstudium Hab«, werden den Werth dieser Parodim zu schätzen wissen. Da» qeg« sprechen felgende Stell«, in welch« die Peßackhagadah varodttt wird schon für sich selbst: »Wer diese 3 Dinge am Pnrim nicht gelhon hat, hat nicht seine Pflicht erfüllt' — und diese» sind fie: »®ff«, Trink« und Tanzen.' »Jeder, der durstig ist komme zu trink n!' »Wodurch unterscheidet sich dieser Tag von oll« ander« Tagen?' »Au andern Tag« darf man trink«, a« diesem Tuge muß man trink«.' »Der welcher am ästest« und am best« trinst, ist l»beu«wTth' »Einst geschah r«. daß Rabbi Altbier, Rabbi Weinfaß und Rabbi Schlucker (mir könn« für di« Gmou'gkeit der Rum« nicht einsteh«, da wir oll« Eitate au« dem Gedächtniß niederschreib«, aber die -gewählt« Titel sind d«« der Pa-odist« ähnlich) am Purim dm ganz« Tag und di« ganze Nacht aß« und tranken, bi« sie alle so berauscht war«, daß sie mit dem Becher in der Land unter d« Tisch fiel«. De« Morg«« fand« ihre Schüler sie, wie Euer sich über dm Ander« wälue und sprach«: .Unsere Lebrer. die Zeit zum Frühstück nabt heran!' In der Paßach-Hagodoh wird von dem S2"l (Bvsewicht) gesagt: »Wenn er dort (in Egypt«) gew»l«n roäre. er wäre nicht erlöst Word«.' In dm 2T3V T? wird von ihm gesagt: »Wenn er dort gewes« wäre, wäre er gehängt ward«.' Und so folgt die P rrodie dem T«xte geile auf Zeile, ist durch W'tzfunk« und passmd« Burletk« brlmchtmd, z. L. Rabbi Faß sagte: »Schon 70 Jahre habe ich mich am Purim lustig gemocht, aber ich war nie in der Lage, bew-isen zu känn«. daß da« Schmaus« 3 Tage uud 3 Nächte da«« «nüffe, bi« Bar Altwein leh-t«. e« steh»geschrieben: »Von dem Lummer zur Zftende und von der Trauer zum Festtag«' (Esther 9 22), da nun der Lummer und da« Fast« 3 Tage dauert«, so muß auch die Lust und da« Vergnüg« 3 Tage dauern.' Rabbi Wasserkrug sagte: Siebe» Tuge, d«n die Trauer (um ein« Tot«) dauert ebmfall« 7 Tage. Der Weise srgt nicht« londe« ißt und tiok, bis MV2 (der Erlöser) kommt. —Da« Lederritual schließt 71*37! iW? CrrrrO (Nächste« Jahr hoff» wir in Jerusalem zu sein); dir Parodie schließ unter sehr geringer Amdervnq de» Dxte« «st dem ergötzlichen Wunsche: C^D23 N*37I 7M!^7 ^Nächste« Jahr hoff« wir doppelt so v et trink» zu könn«) Dese Prob« dürsten schon g«üg«. E« gichr jedoch außer diesen Parodien a»k da« Sederrituas, bekannt unter tm Namen am» 7*30 TIS (Ritual für die Saofuacht), auch Ruchahmnngm zur Mischnah, dgrgestrllt a'« 71222 '% OTB- »Am Avmd de« 14. Rffan müffm wir alle« Ge» 4 säuerte au» unser» Wibnunq« forträumm', so lrutet ’j der Eingang zur CTO» 71320- »Am Abmd de« 14. «dar r müffm wir alle« Wasser au« uuse« Häuse« »egräum«', . ist die Umschreibung de« Parodisten. ,E» ist eine große j Sünde, am Purim Wafler zu trinken. W:nn e« regnet, sa bedeutet diese« ein Unglück für d'e Wsi und 8 che trifft dm unalückltchen J*rael«soda. welcher d'e Läden zu schließ« j unterlüßt, welche bestimmt sind, die unw'llkammm« Schauer; ab'.uhalten. Eia wohlbekannte« Purimlied schließt 1*? *TI3N , *TB-l *272 ins mn2*? d. h.: .»einem ist e« erlaubt am Purim Wrsier zu trirkn', und unser Rci« ist rb« so paffend al« originell. Wir könn« nicht umhin, au« der komisch« Milchnab »Trokiat Purim' noch eine andere Parodie zu einer Stelle de« bereis ob« parodirte» Sederrstugl« »nzuführ«. Sie bezieht sich auf eine witz'ge Stelle au« dm Proverbi« 2B3 nsS P 131*7> 13V 13N »Sieb stark,« »rtränksj dem. der dem Tode nah« ist.' Da« Wort "Ql*') kann aber auch übersetzt werd« »dem Verlierer'. Manche Rabdin« saß« beim Weine unv unterhielt« sich mtt Würfelspiel währmd der ganz« Nicht, bi« ihre Schüler kam« uud sogt«: »Ehrwürdige Lehrer, die Z4t ist da, daß Ihr Eure Purimpflickiteu erfüll« und da« vo'geschriebeae Quantum Wein trinken müßt.' Einer von der Gesellschaft »ah« nicht Theü, well der Geldverlust. dm er bei,» Spie!« erlitt«, ihn niedergeschlaa« gemacht batte. Einei: seiner Freunde bemerkte ihm. daß. wmn er am Purim G'ld verlöre, er noch tiefer in da« Gla« gucken würde, wril ja ausdrücklich geschrieben steht: »Gieb starke« Gckränk dem. welcher ver» lorea hat.' Eh« wir schließ«, müffm wir noch folgmde« bemerk«: Au« deu hier angeführten Stell«, sowie au« ander« ähulich«, welche wir aber auslaff n müffm, kiinute nun gefolgert »erden, daß die Juden zur Uamäßigkeit geneigt uud ihr« Rabbiner Bonvivant« und luftige Zechbrüder wärm. Diese Schlußfolgerung wäre ober »icht nur falsch, soideru auch lächerlich. E« würde deu vorgesührim karrikatur« die eigentliche Pointe fehl«, wenn fie nicht durch Mäuuer. a »elche sich sonst durch Mäßigkeit auszeichn«. dargestellt ' würden. Trunkenbolde bedürf« keiner außerg »ähnlich« veranlaffung. sich zu berau'chm und di« Purimlttteratur überhaupt macht sich mehr über unangemessen« Enchaltsamkeit lustig, al« über eine gewiffe Selbstbeftiedigung bet Gelegmheit außergewöhnlicher Bedürfniffe. Um die Wahrheit dieser Behauptung zu beweis«, bedarf e« dr rchau« nicht der Anfühmng zahlreicher Argummte und Thatsacheu. Diese find allzusehr bekanat. al« daß e« nöthiq wie«, fie hier zum tausendst« Male zu wiederhol«. Die Rabbiner lehrt« sowohl durch ihre Vorschriften al« durch persänliches Beispiel nicht völlige Entsagung, sonde« M1 ß i g k e t t uud Enthaltsamkeit in ihrer wahren Bedeatnng. Die Verfasser dieser Parodim war« nicht uothwmdia Spötter. Einige von ihn« war« gekehrt, mehrere aber war« witzig uud di« meisten sogar höchst ehrwürdig. Sie war« zu sehr beliebt, al« daß man durch Beweggründe» welche nur in einem kalten und «tferut« Resprktgefühl wurzeln, ihn« ihre Späße hätte widerraten könn«. Wir könn« tiefe tm Ganze» genommen, zwar «icht rechtfertige», d«n alle Faschiugsfreöden führe» »ehr «der wmiger zu »»«schweifungrn Die jüdische» Laruevirlsfreud« war« aber wenigsten« harmlos und wir glaub» nicht, daß dt« Parimparodim je der Achtung vor b« Rnbbtn« auch nur bei eine» einzeln« Individuum Abbruch geihan hadeu Noch wmiger aber Hab« sie je einen au Mäßigkeit gewöhnt« Maun, wenn er ausnahmsweise ein Gla« «ehr trank, al« ihm dienlich war, zum Säufer gemäht. — — Di« jügste Kr. der »Iw. Ehrou.' biieqt eia Schrridm au die Rrdaction, welche« hier sei»«» taten ffaut« Inhalte«