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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 12-13 (1888) · p. Seite 47

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
12-13 (1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 47 (sequence 3)
Language
German
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eVnfflDl in twxtflrtrmft U4erfrfcmg »ine Stell» finden «vg». Dafielbe lauter .Ich dab« mit großem Interesse in der Nr. »om 21. Februar de» Aitkel über „Puri»p,rodien' gckesm. E« dürfte nun Ihre Leser die «ictheilua, gewiß intenssiren, daß in »iueni haudschriitlichen Ritual der Gemeinde Avignon, welche* ich besitze, sich ein BTO über da* Lob d-* Seine* best-,bei, w.-lchn unmittelbar nach dem «»rlesen der .Magillah" rec tirt wurde. Er beginnt unge. führ wie folgt: »•««», Id» «die» Herr«», triakct Sei» «?t*i«lt »ird dann Eaer fei«! ftiMt Alle* bN der Herr „«mach»; Doch belogt Opfer. »>e e* Psllch-, vergebt de» «ein vor >11«« nicht! IS kouvte bi* heute nicht erfahre», ob «in ähnliche« ,<gtM fick in irgend einen andern Rituale brsiadet. 29. Frbrunr 1888. Ergebenst S." Zn dieser Nötig schreibt der Verfasser de« vorstehenden -Artikels im Je». Thron, vom 16 März: .Die Notiz de« Herrn S.. bezüglich de« Avignon- -Ritual« ist äußerst interessaut. Obschon ich da» angeführte -Lied selbst noch nirgend« gefunden habe, so ist e« doch unbestritten. daß in verschiedenen Liturgien Lieder, durch welche mau am Purim die Andächtigen zur Freude ermunterte, nicht« Ungewöhnliche« »,ren. Go hat eia Pint (Rom. Venedig. Bologna) fol,en»e Strophe, welche unmittelbar nach Vorlesung de« Boche« Esther recitirt wurde: sv« ~nh Ta rr® d'dji dttsö jan -an fps-» uv -s2N2 na joto *70» D'O'D? nnw ~p In dem spanischen Ritual, welche« »och heute in Bevis Marl« im Gebrauch ist. findet sich in der Liturgie de« Sabbath vor Purim folgende Zeile de« Jchudah Ha'evi: NNVV2 0'HVN Dl 712V1 INlv V'V V?3K Nach de« römischen Ritual hat «an der Borschrift -7211N2V io de» Synagogen sogar thatsächlichen Ausdruck gegeben. E« war nämich augeordnet, daß die Andächtigen irdene« Geschirr zerbrachen, mit den Füßen stampften uud durch Händeklatschen ihrer Freute »»«druck gaben. <ti» ArühliugSblatt. - <R»ch»r»« inlnf<|t.) In meinem Gebetbuch« liegt ein dürre«, welkt« Blättchen, so alt uud vergilbt, dc>ß nur-noch dessen Fäserchm es erkennen lassen, daß e« einst zum Pflanzenreiche gehörte. Diese« dürre, weste Blättchen war einmal ein duftige«, farbenprächtige« Feldblümchen. Eia schöne« Stückchen Zeit liegt dazwischen, so weit uud -so lang, daß mir die Augen trüb und feucht werden, wenn ich d'ranf zurückblick« . . . An die zweiuuddirißig Jahr« find dirau. Ich war damal« so «io steiuer, vierjähriger Wildfaug. der auf seinen stinken Betuchen im Zimmer fich hrrumtummelte. Da« Zimmer war ja auch tiie einzige Welt, die ich kannte; denn ei war damal« Winter und da« Mutterköhnleiu maßte di« ganze Zeit wie ein Vogel im stäfig bleiben. Wenn ich «ich sattsam im Zimmer hei umgekugelt hatte, abwechselnd mir mit Lärme« und Weiaeu die geir kürzte» stellte ich mich zum Fenster hin, und gaffte die Frost blumen an, di« über und über die Fenster bedeckten. Nicht gering war mein Staunen, .al« ich sah,, daß diese Blumen sich in einzige Tropfen löste«, men« ich meinen Mund au sie drückte — uud wie sie «ine* über da« ander« die Scheid« herunterkollerten diese blinkenden Wassertröpfcheuk Aber da war auch auf einmal ei« Stückcheu Scheib« frei uud durchsichtig gewardcm, durch welche* ich mir -di« Welt draußen ein Bische» besehen kouvte. Si he, da .»ar Alle* weiß, die Erde mit einer blanken Sikberdecke überzogen, uud drin stinnuert'* uud glitzert'* wie Millioue» Sternchen. Aach die. Bäume «areu weiß, stechend weiß, mtr der Himmel w« grau und.häßlich, al* wäre er viele, viele Lochen «ich! gevrafchen morde». Aber Lag auf Tag verstrich, und da geschah es an eine« jener Tag«, daß alle Frosttlnmen fich auf «iumal in lauter Wrffertropfen lösten; denn ^etzt drückte die liebe Sonne ihren Mund au da« Fenster. Die Welt lag au - einmal vor mir offen, ich konnte sie mir durch die ganz frei gewordene Fensterscheibe «ach Herzenslust aisehen. Was «ar sie aber schön, dce liebe WeltI Da plätschert'« überall munter dahin, hüpfende, tanzend« Bächlein. Und di« Erde — die war j, g,r nicht mehr mit jener Decke überzogen. Nur Isier und dort lag «och eia Stückchen Weiße*, aber auch diese* schmolz zusehends weg. Inzwischen «ahm Imme,' und immer dir Welt eine andere Gestalt an. Dort, wo früher das LSe ße lag. war'« aus einmal grün lustig grün, daß ich mich grr nicht satt daran sehen koani«. Die Bäume streckten ror fich ihre Zweige hin. und je ncehr da* geschah, um so grüner wurden sie, bi« sie über r nd über mit Blättern bedeckt waren — uud wie da« ransiht« und flüsterte! Aas de« Hellen, freundlichen Grün filterte e» jedesmal mit einer» lieblicheu Zwitschern empor — «in lustige» Vögelchen. Und wie es in die blaue Luft emporschwebte, höher und höher, bis in den Himmel hinein. Und der Himmel — wie sieht auch der wunderlich au«, so soirutg und blau and rein, daß ich wie durch mein Feustercheu bi* zu» liebeu Gott hinauf blicken konnte. Ja. sie hatte Recht, weine Gespielin, die kleine Mascha, die aesagt, daß der liebe Gott feinen Himmel schön säuberlich waschen ließ und au« ihm all« grauen Fleckchm herausgepatzt, und daß es tedhalb gestern den ganzm Tag ton oben hrruatertropfte. . . Um jene Zet erhielt ich auch mein erstes Sommer« montlircheu, Röschen «,d Höschen, und da «ar es gar possierlich anzusehen, wie der klein« vierjährige Dandy, da* Hütchen stutz-risch auf die Seite geschoben, mit beider Hl ade« in den Hosentaschen, im Zimmer auf und ab stolzirte . . . Da trat just damals der Vater aus mich zu urid fragte mich: „Sind liebe«, willst Du mit uns mitgehe»?" Sofo’-l floirn beide Hände an* den Hösentassjeu und klatschten lustig ineinander. »Ja. ja." jalitlte ich, zum Baker emporkletternd. „Ich geh«, ich gehe — und wohin gehen wir, lieb Boterleben?" „Zu unfern Lieben —• Zu unser» Siebe». — Was kümmert« es mich, »er diese Lieden sind? Ich »erde in die lieb« Sonre gehe», unter dem blaue», reiugewaschenen Himmel, wo »cr lieb« Gott wohnt, werde mir die Böglein mit den goldene» sslvg» lein ausehen die lästigen, grünen Bäume, di« schöne lachende Well, olles, alles, aas ich durch da* Fenster schon s» schön gefunden... Ich hüpfte, ich tonzte, ich »ar truuke» vor' Freude . . . Bon Bater and Mutter geführt, trat ich da« erste mal in die freie, offen:, grüue S it — Sa» war da» für ei« herrlicher Gang! Auf allem lag dir lieb«, goldene Sana«, ank txn saftigen Grüu. auf den blätterrttchen Blumen, ans Allem «a* lebt und schw-bt. Und al* wir gar nnter die Bäum« käme», da tbat e* mit uns die liebe Sonne, w-e ich mit Ixt kleinen Mulebu, sie scherzt« »nd spielte mit un* Ve stecken. Bold war sie nicht*» sehen, bald wieder schlüpfte sie von irgend w hervor nnd leqte sich in breiten Strahle» vor ms nieder, dann husch, wir sie verschwunden, b-vor wir m>* jedoch v rsaheu. brach sie schon wieder an* ihre» Bersiecke hervor u-d jetzt gar schüttete si - tausend flimmerude, tauzcude Steruchei ua« zu Füße» au», grüne., rotbe. blaue, goldene, immer wdk «nd «chr, daß r* garnicht ende» wollte ... Ich streckte beide Hände au* und sie waren voll mm ihnen; aber sassen kouvte ich sie dennoch nicht, den» al* ich die Hände z» Fäuste schloß, sühste ich sie «ieder leer. Ich wußte gar«isst, wir st« mir entschlüpfest konnten, jene schänen, bliakendeu Spiegelchm! ...

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