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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 11 (1888) · p. Seite 43

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
11 (1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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o •in dritf«* Äm hilnfim (htw Hntf iwjöiiWifif Dorf«* liegt «in ärmlich« Häasiten, »elchrs, aus'Leh« gebant «d mil Rohr gedickr, das Obdach des Hauftrers Abraham bildet, der, die HLvde tief t» seine Hosentosch-m versenkt, i« uocüdieitt» Z-mMer ansrmd »ichergehr. Sein Weib, Miriam, fitzt am schmiüen. »fetrige« Fevsteichen, den Kopf gesenkt izn» die Hände gefaltet, «nährend ein« Thräne leise über di« einst' »olle, rund» und blüh«ade Wange rollt, auf u»«lcher de» Kvmmer nun schon allzu lesbare Züge htngezetchne« hat. »Wie soll man t« nicht an Alle» verzweifln/ so nnterbncht -endlich Ikaliui das dumpf« Schweigen, welches inder Stube herrschte, »wie soll man. da nicht wankend «erde» rm Glaube«, «er» man so vom Glück verlassen ist! D»-dab' ich mich seit Blochen grptagt und bemüht, um ein 4>ao» Gulden zu verdienen, damit wir di« Mazze» in» Haus schaffen können. »nd nicht« will gelinge«; anstatt zu g-winneo, habe ich immer noch verlare«. die Stube ist leer grrvorden,. denn e«n Stiick noch dem andern ist hinüberge« »ändert zu« reichen.Bauer, nur um da« nackte Leben zu tag»; und un» ist da» Peßachfest schon vor der Thürel Stenn »er liebe Go« wtl. daß ich f,»«m sei« soll, warum gtebt er wir nicht di« IMttrl dazu?* «Ua» es borgt uns auch leider Niemand/ seufzte Mi« ria» auf. j .^Borgen? Wer b»gt dem Armen? De» Reiche», der'«,picht braucht, borg« Jedermann; kurz, «nir bleibt fehlt und»« Zuflucht, al» unser großer Schöpfer im Himmel I Ja, der reiche Erzvater Abraham, der hat tövnen mit Gott selbst retkn und ihm seine Läge vorstellen, aber ich — ich «in nur der arme Drrsjud« Abraham, und der ist gar Adel d'ra»/ »Run/ mein« Miriam, ,wo man nicht reden kann, kan» man doch schreiben: . D« bist ja ei» Schnftgelehrter. schreib'« uns««« liebe» iSater im Himmel, wie Dir'« um'« Herz ist/ ^komischer Gedaufe/ erwidert« Abraham, .und wen» ich »uu schon geschrieben habe, anf »elch« Post soll ich denn den Brief «gen, daß er da hinauf gelang» kann?" »Gott hat de« Elias im frnrrgm Wagen gen Himmel -fahre» lasse», und so kann auch der Bi«f auf eine wunder» .d«e Weise dahin gelang--». Sch eib', Abraham, ich bitte Dich, schreib'. Es sagt mir etwas ia «eine« Herzen, Aast. Hu das/letzt« Mu«>.-versncheu muht. Ist der Brief «rst ferttg, dann legst Da ihn auf tie Spitz« des ste>nrn Berge», vor dem Vorst btaufeen, da« ist cm» recht auffallend« Stelle, ha kann, er am .d-itz« von-oben gesehen werden." B« diesen Worte« eilte Mirnnn geschäftig, um di« Linier flasch« vom Ofen herab zu hole» und die Feder zu» recht zu legen. Eia leere» Blatt Papier, da» einem alten Buche beigebnndeu war, »ervollständigne endlich da« Schreib» material. Halb lächelnd und dann doch wieder ernst gestimmt schrieb Abraham sei» Anliegen nieder. Er-«zählt» dann,' i»ie er «inst Iichir« Tage gekannt habe, allein stets, bereu, de» Uederflaß mit seine» ärmrrea Brüder» zu theilen, war ihm aus der früheren guten Zett für dre jetzigen Hungeijahrr nicht« übrig gebtieben.- Damal« hatte « von der Herrschrfr Felder gesiaHrt. du ihm m Folge sorgsamer Behaniiluug reichlich Nahrung brach««,, allem der Stuhlrichter Beta tm Nachdarvorfe mlethete ihm sie Felder aus. Seit jeaer Zeit hat» er sich auf den Haustr» hanml gelegr, ab« da« Unglück verfolge ,yn u i der Dalle« habe sich emgrlagert m fein Haus «ad fast Alle» vergehn bis auf die nackimi Wäudr, a««geno,niaen euren Strohs ^stel, «tu Suohbett und eiuer alt« Tisch, zusammeageaomwen nicht zwei. Golden wenh. »Run, schrieb Abraham am Schloss« seines Briefe», ist bas Peßachsttt v«r der Thüre, die «azzes fall ich eflea oder rch begche in «einer Glanbea eine Todsünde; da meutte Ale srnmaw Miriam^^h joüw-V», tteber Ba« imHiumel^ schmäle», -daß D» mir beistehst in nwinem innige« WuUschst,. Dst ich Vtenen. Du hast Manna gefend -t be« hungrig« Boist in der. Wüste, und selbst Wachteln de» Lüsterne«, fp wirst Du auch »fe Mazzes schicke» dem Gläubigen. Amen I*' Miriam, wel-he dem Schreibend»« übe» die Schaltern geblttfl Prtt«. bat, noch ia eine« Postskript«« ikre allerhefsle' Ebrfircht zu verm-lden; sodann wurde der Brief gefastet; mit der Adresse noch vorgeschriebener Form m chaloäischer Sprache versch» rnd tief in Gedanken trug Abraham foforr das Schreiben nach dem Berg», um ja feine Zeit zu Mt«' säumin, den» nach zwei Tage» war »Pehach üoer die ganze Welt." An eiuer recht auffallenden Stelle, wo weder Lao»' noch Busch stand, ward das Schreiben, die Adrrsfe nach oben, hiuzelegt. Ein leiser Diad erhob sich und wirbelte das zw-' saMmkUgtballte Fairen kraut umher; al» Abraham nach einem' kurze«- Gebet« dea Rückweg suchte. „Run wird der Wind den Brief wohl von der gute» Stell«, die >ch ausgesucht habe» hernaterwehe»; auch daver» folgt mich da» U'glück/ brummt, Abraham. »Da« Sprich« wott hat doch Recht, wer einmal geboren ist zu eine» Spenzer, der erwirbt nie einen Frack/ — Drr frische Frühlings«ind. der stch erhob, wetzte wirk«' lich das Sehreibra, dessen Flug »«der durch Baum noch/ durch Strauch auffsthrtren wurde, auf die Fahrstraßherab, wk.che in gerurger -tntferunng vorüberführte, und dvct wurl»« der Bries durch das zu« Stratzendau aufgeschichtete Stein« geröllefestgehalte« uud zu« Stillstand gebracht Da er sich durch fehl« wenr lZarbe scharf vom dunklm Thomvege al» grenzt«, so muhte er schon von weitem de« Stuhttichdr' Beta inffallm, der, vom Rachardorst kommend, »ach Thrsiopel hiuemfohr. .Ein Brief, den wohl Jemand verloren hat, dachte der' Stuhlrichter, di« SRoffe anhaltend, vielleicht kann man ihn . an seine Adresse «elangeu taffen". Alleitt der Finder überzeugte stch bald, daß dies nicht ‘ so leicht sei, denn was aus dem Briefe geschrieb:n stand, wrr -ait «haldäischen Lettern hingezeichaet. Beta beschloß daherdas Schreib«» «itz«nehme,r und i» Theresiopel-zuu»/ Vorstand« der dortigen israetitschen Gemeinde za dringen, der w-chl hierüber de» besten Auffchluß geben könnte. I» der Wohning des Vorstehers wurde gescheuert uud grwafthen und mit scheelen Angm betrachtete die Hausfrau ,d«a lmmanierltchen Grldpreffer", der sich nicht einmal vor der Thür« dt» Füße abgeftreift hatte, ehe er in die frisch gewaschene Peßachstnbe trat. (Ma brachte Schreiben und Anliegen vor, alleia brr . Borstel^r hatte tanm einen Blick auf die Adreffe geworfen, als er lächelnd sagte: .Lieber Herr, wir wollen uns Beide ’ den Botenlohn noa, lange nicht eiakasfiren, der Brief gehört an dea lieben Gott, allein »a er uns iu dir Hände fiel, sa . ist die« vielleicht ein höherer Fingerzeig, baßj wir ihn lest» sollen und darum öffne ich ihn/ Die einfachen Sone, mit denen Abraham dem Himmel sein Leid Nagte, d-:r Umftauv, daß er keineswegs zürnend über Mn Störer fei-rer friedlichen Existenz, den reichen Stahlrichter Bel«, spraäi, sondern vielmehr sei« Unglück legend einer feldstbegaugeaea Sünde zuschrted; das Gottvertraar«», das in Miriams Seele ruhte, hatte eine tiefe Wirkung «ns da» sonst nicht leicht erregbare Herz des Stuhlrichter» geübte er streifte stch mit tot» Hermei seines Rockes Über dt« Auge» und wollt« stch selbst glauben machen, dir« sei der scharf« Wuw, der draußen gewcht habe. .'Ras meim Ihr woh', Isaak/ sagte der Stichlnchter »ach einer Pause, . »ollen wir für den lieben G»tt antworten, und da Ihr Euer» Gatt beffer kennt, wie ich. s» sagt mir, wie wohl die Aatw» t lairte« würde?" .Wean Sie, lieber Herr, schreibe» wollen, möchte ich dt« Erwtderuag weht varsagen/ Beta schrieb und Isaak MftffU;

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