Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 8 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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i>»H fnrchsa» vo» Natur, könne er mit den »ichtsuutzigm Lauer» nicht fertig werden. Und solche Leute, wie Jankel, seien dort nicht zu haben — kurz, ti sei ein wahre- Malheur. .Nehmt mich anl Glaubt'«, Ihr «erdet mit mir zufrieden sein". .Hm . . . darüber dachte ich soeben auch schon «ach. Und einem solchen Menschen, wie Du. würde ich schon ein Fünftel von den Steuern geben und dann ..!" .Ru, abgemacht! Wie?" „Sieh mol, Jankrl — abgemacht ist schnell, allein es ist doch nicht recht, seinem Bruder einen brauchbaren Menschen! zu entziehen. Und Dein Herr ist ja ein Jude." i .Was ist der für ein Jude? Ein Halsabschneider ist! er! '» ist eine wahre Sünde, ihn einen Juden zu nennen". .Auch scheint dabei eine gewisse Vorsicht geboten..." .Wafür vorficht?" .Nun, Du scheinst Deine Sache zu verstehen. Wenn Du aber prahlst? Die Zunge hat keine Knochen... Nimmt mau Dich nun und e« stellt sich heran-, daß Du nicht bist, wie Du sein sollst... Wer garantirt mir dafür, daß Du nicht auch so ein Mann bist, wie meine übrigen Diener daheim?" .Wann gedenkt Ihr weiter zu fahren?" .Morgen mit Tagesanbruch". .Wollt Ihr mich bei der .Arbeit" sehen?" — ,Nu?" .Bleibt zwei, drei Stunden länger hier. Morgen ist Sonntag, der Baucrii-Gchabbe«. und auch Wochenmarkt. Die Bauern werden in die Kirche wollen ... Da sollt Ihr sehen, was ich für Einer bin". .Da« ist ein vernünftiger Gedanke. Ich bleibe unbe-! dingt. Ich will sehen und dabei vielleicht selbst Manches > lernen. Wollm also abwatten". .€), Ihr sollt sehen, was Jankel für ein Kerl ist". (Fortsetzung folgt.) Zwei Briefe Berthold Auerbachs a« Wilhelm W-lfsohn. IL Der kühle Mai läßt mich gut wandern und so kam ich gestern, da es schon Nacht war. von einem weiten Gange, wobei ich auch in Prossen einsproch, heim, wo ich schon von Ferne durch die offene Balconthör meine Frau Tänze spielen und die Kinder tanzen bürte. Ich fand ihren Brief lieber Wilhelm — welch' ein Gegensatz! Man hat schon genug zu machen und zu arbeiten, da« bischen Seelenkraft in sich selbst zu erhalten und für das Dasein der Nächsten zu sorgen und nun diese« entsetzliche Gertfienwerden in« Weile. Bodenlose. Man hat schon schwer genug zu tragen an den allgemeinen menschlichen Schicksalen und nun noch die sprciell jüdischen dazu! Ich sah gestern einen Raden, der in der Luft einen Siaar verfolgte, ich weiß nicht woher sie kamen und was sie miteinander harten, der Etaar rettete sich durch eine geschickte Wendung. Wo ist außer der ausgehungerten Spinne ein Thier, da» ein anderrs seiner eignen Art und Gattung verfolgt, ja au» dem Reste treiben will? Ich weiß nicht, ob schon je der Vorzug oder die Untwscheidung des Menschen von den Thiereu darin bezeichnet wurde, daß der Mensch alle sinnreichen Mittel hat und übt, seine eigenen Mitgeschvpf« zu verfolgen. Ich glaube der Unterschiedist bewährter und allgemeiner, als die »«rühmte.Licbe". Ich kann nicht mehr schreiben, mir zittert da» Herz im Leibe und draußen steht die Natur in Blüthe. Al» ich gestern meine Kinder tanzen sah und sie nach der Lesung Ihres Briefes aufhvrea hieß und denken mußte: solch« Kinder küanen auch so verfolgt werden — da« sind Gistschnstte in die Seele, für me es keinen Balsam giebt. Uad doch müsse» wtr wieder vertrauen, wieder glaube« der Güte, der Vernunft, müssen» wenn wir leben und nicht wahnsinnig werden wollen. Ich will Ihne« schnell nur noch sagen: Geben Sie stch ««gen des Tumult» in Odessa nicht allzu finstcreu Gedanken hin. Ich sage das und r«iß doch, daß ich selbw nicht ander» könnte, aber ich sage Jl»n n. wie mir: jede vrge Bergrämung und jede Verbitterung ist ein Rrub am Leben und mau bereut sie schwer, wenn man, wie so oft, unuö'hig sih ihnen hingiebt. Ihr Berthold Auerbach." Wenn schon die Galatzer Affarie, die doch nur von der unteren Schichte eine« »ncivilistrten Volke» ausgezangen und auch bald vergeffen war. unfern Dichter so tief ergriffen und erschüttert hat, w is muß er erst bei späteren nicht weniger gemeinen und pöbelhaften Ausbrüchen de« Antisemitismus im rieuen deutschen Reche, in der Metropole der Jatelligruz. empfunden und gelitten haben? I — Als er Anfangs des Jahre« 1860 seinem Ljolfssohn von den seltenen Ehrenbezeugungen und Auszeichnungen, deren er stch in den höheren und höchsten Berliner Kreisen zu erfreu n hitte, Mitthrilung machte, fügte er die Worte hinzu: .Meine Beziehungen zum P'inzregenten und zur Prinzessin machen hier großes Aussehen. Es soll noch nicht vorg-kommen sein, daß rin neuer Schriftsteller von bestimmtem politischen Ciaracter so in den Familienk-et« de« Hofes gezogen wurde und besonders die Juden fühlen sich ganz glücklich, daß mir diese Ehre wurl« und ich muß selber sagen, daß d es auch mir von besonderer Bedeutung ist." Ob er wohl damal» auch nur an die Möglichkeit einer solchen judenfeindlichen B w gung im letzten Viertel unsere» Jahrhundert« geglaubt hat? Schwerlich! Dr. E..in St. G. Klei«» jüdische Characterziige. Der außergewöhnliche Volkshumor unter den Juden des Osten», tnsouder« unter der jüdischen Bevölkerung Polens, die der lichioerbreitend: Hauch der nach und nach alle Erdgegenden sich erschließenden modemen Eivilijation weniger j berührt, harret noch einer eingehenden Würdigung. Da : würde manche Knallerbse voll blendenden Sprühfeuers, würdm zahllose Kuriosa zu Tage gefördert werden. Häufig bietet auch der abenttuerlich« Beruf polnisch-jüdischer sogen. »Maggidim", nicht weniger da« Am-fremden-Tijch-lebcn der .Jeschiba-Bachurim" seltine Schnurren (.Gleichwörtel") den Werth, der Bergeffenheit entriffen und weiteren Jateresseatenkreisen vorgeführt zu »erden. So möge folgendes Ortgiualstücklein hier Abdruck finden. — Kommt da so ein wandemder Moralprediger nach einem, fernab vom Weltverkehr, von Schienenweg und Heerstraße gelegenen Städtchen, besten Einwohner, großen Theiles rein-semitischen Ursprunges, bi» vor nicht viel mehr denn irincm Decennium ein idyllische« Stillleben bewahrten. Neulich erst hatte die Aera der Dampf» kraft und Elektrizität es vermocht, hier fremdgebltebene Kulturgm'iste hereinzutreiben oder eiuzuschwärzm, mit den unschuldig primitivsten den Anfang nehmend. 0 twmvor», o mores! Unser Maggir — unter dem Namen.Rcb Jainkcw Mediaegeier" soll er gegm 500 HI Ntr. Popularität erworben haben; seinen Geburtünamen hat die Zeitgeschichte auf ihren Tafeln nicht verewigt —, unser Maggid also, die neuen Zustände mit Schrecken «ahmehmend, besteigt am Sabdath nach Miucha die .Bühne" (eine Art Kanzel) in der Mitte des Gemeindehauses und spricht offen und rückhaltslos über verraeiatliche Berletzurgru der Sabbathfeier. Bon einem ins andere spinnmd, maä>: er zuletzt stch kein Gewistm, rin wenig auch — horribile diotu! — gegen die schönere Hälfte seiuer in Thränen ausgehenden, reueoollen Zuhörer uad — Zuschauer zu eifern. Der arme Manu hatte keine blaffe Ahnung vom guten Tou in alle» Lebenslagen. .Der Haushah» — eben hatte ein solcher seine untergebene Schaar auf dem .Schulhof" eine:, Augenblick verlaffen uad war gegen eines der Fenster geflattert, drum Red Jatnkew sein von Schweiß perleude«, gutmüthige» Gesicht zuweadete — .der HaaShahu hat einm so schöne« Kamm," hob er in Ekstase mit einem