Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 8 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 2)
- Language
- German
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ein ganze« »Commavdo" zur Berfüguug gestellt, da» ihm gehorchen müsse, wie tan Pan selber, daß er da» Recht Hobe, zu slrasen und zu lohnen und dadurch eben alle Bauer» wie mit einer eisernen Faust umklammert halte: »Anfänglich glaubten diese Ochsen, mir trotzen zu können. Wir wollen keinen jüdischen Verwalter! schriee» ste au» vollem Halse. Hört Ihr'» — sie wollen nicht! diese zweihöckerigen Kameelr! Aber al» der Jud rin, zwei, drei Mal mit ihnen aus PanS-Arr verfuhr, da wurden ste still, ruhig wie die Kätzchen. Jetzt bin ich nicht mehr Gerschko Schenker, sondern der „Pan-Verwolter", .Pan-Rendar" — jawohl! Und die Hände küssen sie mir und »u Füßen liegen sie mir. Wo» ich auch befehlen mag — e» wird im Nu vollbracht und Keiner wogt e» auch nur aufzumucksen. Wa» wÄ da« sagm! Selbst der Pope rieht vor mir di« Mütze und bleibt bei mir an der Thüre stehen — so Hab ich mich zu stellen gewußt!" »Herr Wiith" bemerkte Rahel schüchtern. „Ich an Eurer Stelle würde fürchten mit dem Feuer zu spiele«, denn kein Lag ist dem anderen gleich ... »Hahaha! Ihr denkt nur so, «eil ihr ein furchtsame« alte» Weib seid; auch meine dumme Alte hat mir schon solche Liedchen vorgesungen: »Hüte dich, Gerschko! Sie werden iui« noch einmal umbringen!" O, eher werde ich sie um-' bringen!" Die Frau de» Rothen, die edenfall» am Tische saß, stusz'e laut auf, wagte aber nicht eine Silbe zu entgegnen. Sie sah so niedergebeugt au« . . . In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend konnte Zodek kein Auge schließen; ein unbezähmbarer Rachedurst marterte ihn und er sann über Pläne nach, wie seinem Feinde einen tödlichen Schlag deizubringen. Gegen Morgen war sein Plan gereist und er begann sogleich mit Efrr zu arbeite». Er begab sich ins Dorf, machte mit den angeseheneren Leibeigenen Bekanntschaft. Der gcizige Zodek wurde sogar im höchsten Grad« splendid: wohin er kam ließ er für srin Geld Schnop» holen und bewirtheie Jeden, der ihm in den Lchrrf kam. Und der angeblich »reiche Kaufherr" gefiel den naiven Bauern ungemein, denn durch seinen langjährigen Verkehr mit den Bauern deren Charakter und schwache Seiten kennend, gelang es ihm, in da« Vertrauen der Muschiki sich «inznschleichen, ihnen eine geheuchelte Theilnahme zu bekun. den, um durch diese Tbeilriahme ihre Wunden nur noch mchr anfzureißm. Aber Zodek beobachtete auch noch eine andere Taktik. Indem er mst den Bauern ob ihre« bejamaurn«werthen Loose« seufzte, drückte er über ihre Lage sein Erstaunen au«: —In Polen lebten die Bauern jetzt ein weit freiere-, augenehmere« Leben gegen stühere Zeiten; ihre Abgaben seien um mehr al« um die Hälfte reducstt; die Pan« seien eben gescheiter geworden; sie hätten eingesrhen, daß die Beraubung der Bauern einer Selbstderaubung gleiche, da ja Alle« wa« der Bauer besitze, Eigenchum de« Pan sei. — »Ich erinnere mich sogar." fuhr Zodek in seinem geheuchelten Elfer fort, — „daß ein vornehmer Pan.... ich glaube, e» war Pan Polockt .... im Reichstage laut ausgerufen: Wir ziehen unsern Bauern da« Fell ab — ist da« vernünftig? Welcher Wirth wird seinen lebenden Schafen da« Fell abziehen? Die Schaf« sterben dann aus und der Besitzer hat den Schaden. Ist e» nicht besser, wenn man sie fett und -ahreich werden läßt und sie nur allmählig schert, damit den Armen nicht kalt sei. damit sie nicht verhungern?" S o hat Pan Potocki gesprochen und die übrigen Pan» stimmten ihm iu. Unb fest der Zeit sind unsere Pan« gescheidter, ist den Bauer» leichter geworden — hu wie leicht!" »Ach, warum ist unser Pan nicht auch so?" frug einer dir Zuhörer. La» da, Paul Lr sitz: in fremden Ländern und hat keine Ahnung von tan, wa» der Jud' von Verwalter hinter seinem Rücken «acht. Ja e« ist sogar möglich, daß der Pan tan Inden befohlen hat, un» nicht zu kränken und der Jud' ge« horcht nicht, den« er sagt sich: Gott ist hoch. tat Pa« ist weit," bemerke ein Anderer. .Hm . . ." begann Zodek nach Jesuiteuart. »Ihr seht, gute Leute, ich bin selbst Jude . . . aber ich Hab «ich mit solchen schmutzigen Sachen nie abgegeben. Gott! einen armen Lauern zu quälen und zu schinden! Ich bin Kaufmann ... Ja. wa« ich euch, gute Leute, doch gleich sagen wollte... Ach ja. weiß e« schon. Obwohl selbst Jude verabscheue und verfluche ich solche Menschenschinderri, wie euer rother Gerschko. Ich wundere mich sehr über eure» Herrn; bei uu» haben dir Pan« schon längst all« Juden au« den Arrenden gejagt . . ." »Wirklich?" »Bei Gott, fortgrjagt, alle Juden forlgejagt. Wenn «an - mit Licht sucht, kann man keinen jüdischen Rendar, keinen jüdischen Berw.ltrr finden." »Sind die Pan« auf diesen Gedanken gekommen? .Rein, nicht die Pan«." — »Wer denn?" — »Die Bauern." — Wie da«?" »Sie zettelten Meutereien an: Wir wollen keine Juden! Und die Pan« gehorchten und jagten die Jadrn fort." »Da« scheint mir nicht gurz richtig," bemerkte ein greiser Musch ck kopfschüttelnd. .Ich habe auch schon in Polen gelebt, und' da ist mir nicht erinnerlich, daß die Pan« den Bauern je gehorcht hätten.' ,E» ist wahr, anfäuglch wollten die Pr«« von Nichtwissen, ließen ein Darf Bauern nach dem antan durchpritschen, allein di« Bauern wurden nicht bester und begannen, mit den jüdischen Rrndarcn und Berw iltern selbst abzurechnen. Und wie haben sie abgerechnet! ei ei ei". — »Nun, wa» geschah?' »Die Pan» sahen ein, daß die Sache sehr ernst, alle Bauern konnten und wollten ste nicht erschlagen — und sie ergaben fich. Und seit der Zeit ..." » »Bursche, find wir etwa alt« Weiber?!" schrie ein halbbetrunkener junger Mensch, mit der Faust ruf de« Tisch schlagend. »Wir lasten un» von dem räudigen Gerschko Alle» gefallen und liegen ihm zu Füßen. Erdrosteln sollte man da« Judenpack und damit Basta I" »Und ich möchte nur seinen Diener Jante! ick die Finger bekommen. E« ist schon da« zweite Jahr, daß dieser Teufel»- soho mich nicht heirathen läßt. Und wa» Hab ich ihm schon für gute Worte gegeben, wa« ihm schon alle» geschenkt . . . Der Hundesohn vertröstet mich von einem Tage auf den anderen und es nimmt gar,kein Ende!" schrie »in auderer junger Mensch. In der Hütte entspann fich eine allgemeine laute Unterhaltung, Lärm und Geschrei, Schimpfworte und Drohungen wurden laut. Zodek verabschiedete fich. Er hatte ferne Arbeit vollbracht und ging dann in eine audrre Hütte, um auch dort mit seinen lügenhaften Erzählungen und seinem geheuchelten Mitgefühl die Bauern aufznftacheln Und auf diese Weise hat dieser Taugeuicht» während de» ganzen Sabbathtage» den Boden unter den Füßen seiue» Feinde» untergraben, ohne zu bedenken, daß, wenn sein Anschlag gelingt, auch er nicht verschont werden dürfte. Nach der Unterredung mit der armen Radel arn Sabbathabend, nahm er wiederum sein nicht-würdige» Werk auf — aber von einer anderen Sette. Er macht« sich mit tat Diener seine» Feinde», Jaokel — einem gemästeten, grobe« rwb frechen Geschöpfe — bekannt und unterhielt fich mtt ihm bei einer Flasche Meth di« spät in die Nacht. Er erkundigte fich angelegentlichst nach den Verhältnissen Jaoke>», bedauerte ihn, daß er sa schlecht bezahlt werde, und bedauerte sich, das, e« ihm nicht gelingen wollte, einen so zuverlässige« Mensche», wie Jaukel, zu finden. Er sei kein gewöhnlicher Fuhrmimn, wie mau etwa glaube« möge, sondern rette au» Bnale und Barmherzigkeit die Familie de» Rabbiners; er Hab« einmal so eia weiche» Herz und da» sei sein Uuestück. . . l«u» er sei ei» Rendar vieler Güter «ud habe Zehntausend«: von Bauer» unter fich, und well er so weich» »ud gutmüthiz,^ja sogar