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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 7 (1888) · p. Seite 27

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
7 (1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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CSor#t »ie ich. Glaubet Sie arfr. M* *•) dew erst» Augenblick o,Nili hier antzicktr» hat fich ttDii Schweres. Drückmbe« auf «et« Seele gelegt. Und »ar jedem Unglück fühle ich ft etwa» Aehnliches. Zu» erste« Mal« tu meinem Lebe» ' lobe ich — Gott verzeih' mir die Sünde! — «ich des ' Heilige» Sabbath» »tcht gefreut, sonder« immer «ach der Sonne gesehen, ob fie nicht bald ««tergeht und «ach de« Sternen, ob fie fich nicht bald am Himmel zeigen, «« von hier fliehen zu können.' »Das ist Alles lauter Dummheit, Einbildung. Hier kann «»s nichts pasfire», uud wenn ja, so wird es irgend «ine« Andern. . . »U« Himmelswillen,was wollt Ihr damit sage«? Ihr Ängstigt mich I* »Nichts wollte ich sagen. Ich sage, daß Ihr Euch «icht z» fürchten habt.' »Aber wann »erden wir endlich hier aufbrechen?' »Natürlich morgen — Sonntag!' — „Wenigstens frühzeitig?- »Wenn Alles fertig sein wird, werde ich'« Euch sage« -kommen. Vis dahin schlaft ruhig und denkt über Nichts .«ach. Es wird Euch nichts geschehen. Ich aber werde gehe», wach «einen Geschäfte« schaue«, hi hi hl!" »Was für Geschäfte könnt Ihr dam hier haben?' »Ausgezeichnete Geschäfte, henllch« Geschäft«, meine mit« Alte k Mtrgen werdet Ihr es erfahren nnd sagen: Zodek ist kein Narr, er versteht es, Rechnung zu halten, hihihii Und nun gute Nacht!' »Ihr solltet lieber ein wenig bei uns bleiben. Mir ist so schwer ums Herz.' »Nein — steht schon mit anderthalb Beinen in» Grab «ud gebadet sich wie «in junges Mädchen. Ich bin nicht gewöhnt alte» Weibern durch Poffenreißen di« Zeit zu vertreiben.' Zodek entfernte sich. »Großmütterchm, was ist a bösartig und unangenchm «asa Kutscha!" Zodek hörte es noch, drehte sich schnell am uud drohte dem Mädcheu mit da Faust. »Bas, ich ein Kutscha? i O Du Pfefferküchel, nichts« uutzige Ausreißain, edelherrliche» Toafect! Di« Ohren «che ich Dir abreißen I Bist gewöhnt, wie ein Kälbchen geleckt zu «aden. Ich bin keine solche Kuh. wie Dein dumm« Großvater! Ich wade Dich lecken, daß Du Dein L Lebelang oa mich denken wirst!' Uud krachend fiel die Thür in» Schloß. (Fortsetzung folgt.) Zwei Briefe Berthokst A«ert«ch» m «tlhelm W-lfsotz«. In den jüngsten August- und September-Heften da "deutsche» Monatsschrift »Nord uud Süd' vcröffmtltcht Raph. -Löwea feld eineAnzadl bis dahin noch ungchruckta Briefe tz, vathold Auerbachs au Wilhelm Wolfsohn, den getstrrichen -Borkämpfrr der Tmaucipation da Faden sowohl, wie da Leibeigenen in seinem russischen Batalaad. Beide Dicht«, während ihres gemeinsamen Aufenthalts in Dresden auf dcrscköm Straße wohnend, standen fast 2 Jahrzehnte in; innigen Beziehungen zu eioaada und ans jede« dick« Briefe ist leicht za ersehen, daß Auerbach den Gründer da »Russischen -Revue' uud Verfasser da Dramer> »Die Ostern acht" und »Nur «tue Seele' zu seinen allvatrautestm Freunden zählte. Dabei hat «an bei« Lese» derselbe» das Gefühl, daß sie echne den Gedaakka an eine einstige Drucklegung niedageschrieben wtrden. »Während die vrreffammlung an den Freund und Betta Dr. Jacob Auerbach in >)em Bestreben geschrieben -worden, eine Biographie zu ersetzen ober möglich zu machen' — bemerkt Löwenkrid in seinem Einleitungsworte — »sind die Briefe an Wolst'ohn von einer sitlchm Abflchtlichkeü vollckommeu frei; sie sind Erzeugnisse da Stunde und de« allckäglichen Bakehrs' .... Boa um sogrößerem Jarereff« dürfte den Lesern dieses Bl attes die wenigen da «itgrrheLm Briefs sein — es find deren nur zwei — die kür di, bewähne warme Theilaahme »mseres Auerbach au de» Bohl uud Weh seiner Stammesnrd Glaubettsgenoffen eia ermntes Zengiriß ablegm und die wir daher als echt charactaistisch hia wiedazugebrn uns geirruagen fühlen; sie laut«: L Schaudau, 28. April kV. Frühling voll Bogckprsaag und Blüthenpracht und i« Herzen frischer Schaffmst rang trotz des elenden Eabinetskrieqe« ohne «igmtlich lebeadigc» Bolksinterefle und nun dies« mtsejllich« Metzelei in Ga! atz! —•) O. lieber Wilhelm, mir wollte da» Herz zergehen und ich knirschte in namenloser Wehmuth und in Ingrimm, da ich wieder erfahren mußte, u rs die Pfaffen aus da?3elt und dem Menschenleben machen. Ist nichtAlles schamlos dämonisches Gaukelspiel und dazoischin hinein blühen die Bäume und singen die Bögel und rauscht der Wald. Ich kam hia von ein« frischen Wanderung durch den Bagwald, die Brust voll Wonne, daß die Welt «och offen daliegt und es gilt zu Wicken und zu schaffen» nnd daß es mir gelungen, mein Hn »wesen in das freie Naturleben zu siedeln. Mein Straßburg-Plaa will sich d »bei fester gestalten und ich zwang mich dm lange liegm grlaffmm Aufsatz üb« Rietschei's Bücher zu berndrqm. Ich hörte ebm mit da Ausführung auf, daß Latha die Religion wieda in dm Km» des Individuums znrückgeführt, ich wollte ausmhm. da nahm ich die „Allgemeine Zeitung' zur Hand, die mir Brockhau» geschickt, ich sprang vor Entsetzen auf, ich las dm kannibalischen Mord in «Salatz. Also wieder und wird«! Wie in da^Hnnneoschlackst die Geister da Ermordeten immer wieda kämpfen. so ewig rmd im ner diese Lilgeuleich« von dem Ostablut. Wir gehm auf Mm Wegen und stehen am schreibpult« und sammeln uns in inaigstec Seele, um einen Keim der Baedlung, da Verschönerung in die Belt zu tragen und unversehens spritzt uns da» vlut nuferer Bcü»a in« Angesicht. Ich weiß mich vor Eatsetzm und Gram gar nicht zu fassen. Seit gesiaa nette ich umher und weiß gar nicht, was ich bin. wo und was ich soll. Hätte ich Sie nit hier! Aba was hilft da« mitenandrr Klagen! Die satten ästhetisch,« Spargeikopffrrffa haben Sie geschmäht, well Sie diesm ruchlssestm aller pfäffisch-tenflischm Wahnwitze ihnm vor di« Augen gerückt und ich wie früh« so jetzt noch mehr beklage nur, daß. Sie nicht einfach und allein dm Accent bieraus legten. Wir sind noch imma za mild und gutgläubig. Sorgen Sie nur jrzt, daß so rasch als möglich Jbr Drama") hinauskommt. Sie werden nun doch emrvorr«« dazu schreib« müffea in da beabsichttgtea oda iu «iaa anderen Form. Machen Sie nur eiam Entwurf dazu und bring« Sie mir ihn balr. Gehm Sie ab« ja recht scharf und uroawellt dann,. — Sagen Sie uns in zwei Wort«, wann Sie komum. O. die Kind«! die solches auch noch erfahren müssen. Mi: z<rwühlte «s das Haz. da mich mein Anglist vor Alle« fragt«, warum ich so traurig sei. Ich sagte ihm nichts. Solür ich de« Kinde die Seele mit Bitterkeit erfüllen? Ich glaubte, «t> würde mir leichter, wenn ich Ihn« *) Bei der dortige» griechischen Pöbel zur Qsterzett U Lern» gesetzt:» Judenverfolgung wurden nicht weniger al« 8 Inden getSdtet nnd 1.8 mehr oder weniger gefährlich verwundet. (tln«. d. ilini.) *•) Die Osternncht. D iese» Drama, welches di« schmShltste Blutbeschuldiguag blossteilt, «uche in Berlin am 20. April i862 zuerst ansgesührt. Auerbach berichul hierüber: Dir .Ofternacht' wurde gestern von einem «btzig gefüllten smns« «it gute» Beifall aasge«»»«rn, was von eine« hiesigen Publikum und nun gar von einem Sonntaaspnbsikiim ln eine« zweiten Theater sehe viel heißen will, den» eigentlich will das ganze von Btrch-Pseisrr nnd sallsch ausgrpävpelt« Pablllmn vom Schauspiel ickchts al» leicht orrdantttlie SeutinwntalitLt nnd rffektmacheret oder ans dw anderen Seit« Posse r,!t Politik gespickt.

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